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Der Club der Engelinnen

Die Seraphim der Bibel sind der höchste Chor der Engel, die das Trishagion singen: ein Lied, mit dem Gott um Erbarmen ersucht wird. Im Forum Seraph Capital erbarmen sich weibliche Business Angels nun selbst. Und zwar derer, die auch in der Neuen Wirtschaft meistens zu den Bettlern gehören: der Frauen.




Janis Machala macht ihre Millionen zu Hause. Wer ihre Venture-Capital-Firma Paladin Partners besucht, läuft an der Küche vorbei ins Wohnzimmer. Zwei leicht muffelnde Schoßhunde wuseln um Janis, wenn sie Businesspläne liest, Bewertungen durchrechnet und Managementteams auf den Zahn fühlt. Vor der Terrasse erstreckt sich die Wasserlandschaft von Kirkland, einer Millionärssiedlung - Verzeihung, Milliardärssiedlung - im Speckgürtel von Seattle.

Janis investiert nicht in irgendwelche Internet-Start-ups. Sie investiert am liebsten, wo Frauen am Drücker sind, als Gründerinnen und als Managerinnen. Das liegt vielleicht daran, dass sie mit Bill nicht klarkam. In der Chefetage von Microsoft war sie nur ein Dreivierteljahr, dann wurde ihr die Schlacht der Superegos zu aufreibend. Janis nahm ihre Software- und Marketingerfahrung samt Aktienpaketen aus 20 Jahren und machte ihre Villa mit Seeblick zum Haus der offenen Tür für angehende Unternehmerinnen und Unternehmer. "Es ist unglaublich schwer für Frauen, Kapital aufzutreiben und sich als Investorinnen an Deals zu beteiligen. Die meisten Risikokapitalgeber sind Männer und sie investieren am liebsten in Leute und Ideen, die ihnen vertraut sind", sagt die 43-Jährige und wirft einen abgekauten, gut eingesabberten Tennisball quer durchs Wohnzimmer. "Das hat weniger mit offener Diskriminierung zu tun als mit Bequemlichkeit." Dem Club der Jungs wollen Machala und ihre weiblichen Business Angels Beine machen. Seraph Capital nennen die liquiden Ladies von Seattle ihren Investorenclub, der Frauen mit dem nötigen Bankkonto Investorenspürsinn und Gründergeist zugleich vermitteln will. Gut 100 Frauen mit mindestens einer Million Dollar Nettovermögen pro Kopf haben sich der Initiative schon angeschlossen und ein Dutzend neuer Firmen aus der Taufe gehoben.

Die Engelinnen sind keine Biester, sie wollen nur die gleichen Chancen.

Machala ist die Maschine, die sich durch die 20 bis 30 Businesspläne frisst, die jeden Monat bei Seraph eingehen. Seraphs Schwungrad und Missionarin ist die Anwältin Susan Preston. "Bei meiner Arbeit für junge Firmen und Venture Capitalists hatte ich es immer nur mit Mannern zu tun. Ich sitze in vier Aufsichtsräten und bin in allen die einzige Frau. Dabei gibt es hier in der Stadt jede Menge Frauen, die genauso smart und vermögend sind. Aber sie bekommen die neuen Deals nie zu Gesicht", erzählt Preston mit dem atemlosen Tempo eines Menschen, der 24 Stunden am Tag Multi-Tasking betreibt.

Während sie beim Lunch ohne Unterbrechung über ihre Entwicklungshilfe redet, verschwindet der Cesar Salad auf dem Teller vor ihr ebenso unmerklich, wie Kollegen aus der Kanzlei mit Hallos, einem strahlenden Lächeln und einer nonchalanten Geste vorbeigewinkt werden. Die Faust am Ohr mit abgespreiztem Daumen und kleinem Finger soll heißen: Ich bin busy, aber lass uns telefonieren! Dann zückt sie plötzlich eine Visitenkarte, frisch vom Drucker: "Mein neuer Job. Fange ich nächste Woche an." Preston hängt die Juristerei an den Nagel, um CEO bei einem Internet-Startup zu werden. Die Firma Reality Based Learning will interaktiven Online-Unterricht in Tausende von US-Schulen bringen. "Großartige Idee, großartiges Unternehmen, ich musste nur sechs Millionen Dollar auftreiben, damit's weitergeht." Susan Preston ist immer busy. Angefangen hat es im Winter 1998, als sie ihre Idee für einen Club der Engelinnen mit ein paar guten Bekannten und Freundinnen diskutierte: Bankerinnen, Managerinnen, andere Anwälte. "Als wir uns das erste Mal trafen, stand ich auf und sagte: Das ist mein Traum. Ich liebe Männer, ich habe sogar einen zu Hause, aber bestimmte Dinge müssen sich ändern. Die Zeit ist reif!" Der Gründungsausschuss war sich rasch einig. Die versammelten Frauen hatten genügend Reputation und Liquidität im Rücken, um sich die Unterstützung namhafter Firmen als Sponsoren zu sichern, darunter Price Waterhouse Coopers und die Silicon Valley Bank. Die Engel der ersten Stunde gingen ihre Adresskartei durch und fingen an, fürs erste Treffen zu werben.

Im Mai 1999 erschienen von 300 eingeladenen Frauen 115 zur offiziellen Geburt von Seraph Capital. "Es war überwältigend", sagt Preston. "Man konnte plötzlich sehen, wie viele Frauen auf mehreren Millionen sitzen, aber nicht die leiseste Ahnung haben, wie sie sie anlegen sollen. Das ist weniger eine Frage, ob Männergruppen uns bisher absichtlich ausgeschlossen haben, sondern eher, dass sie nie die Anstrengung unternahmen, uns zu integrieren. Es ist alles eine Frage des schnellen Zugangs zu Informationen. Im Web-Zeitalter zählt das mehr denn je." An Investoren ist in den USA kein Mangel - nur sind die meisten Männer.

Seraph versucht die Balance auf mehreren Wegen herzustellen. Auf den monatlichen Treffen finden Fortbildungsseminare mit dem Titel "Collective Wisdom" statt, in denen Profis wie Preston und Machala zeigen, wie man einen Businessplan auseinander nimmt und analysiert, wie man ein Team abklopft. Danach können zwei bis drei Gründerinnen oder Gründer, die Machala ausgesiebt hat, ihre Ideen präsentieren. Bisher haben sich zwei Dutzend Unternehmer bei Seraph vorgestellt, gut die Hälfte hat Startkapital bekommen.

An Business-Angel-Investoren herrscht in den USA beileibe kein Mangel. Mehrere zehntausend wohlhabende Einzelpersonen steckten 1998 zwischen 20 und 30 Milliarden Dollar in rund 30000 Unternehmen, hat das Center for Venture Research an der Universität New Hampshire ausgerechnet. Die größte Gruppe sind jene mittelbetuchten Investoren, die sich eine Präsentation anhören und danach einen Scheck über 25000 bis 100000 Dollar ausstellen. Dank des anhaltenden Aktien-Booms und des Gründerfiebers im Silicon Valley haben sich Privatanlegern ungeahnte Möglichkeiten eröffnet. Viele Risikokapitalgeber interessieren sich für Projekte unter einem zweistelligen Millionenbetrag überhaupt nicht mehr; die kleineren Fische überlassen sie den Angels. Eine Investition von einer halben Million von einem Privatmann oder einer Privatfrau ist Alltag geworden.

Die Geografie spielt Seraph ebenfalls in die Hände. Auch wenn die Welt wie gebannt nach Kalifornien aufs Silicon Valley starrt - im Schatten von Bill Gates hat sich neuer Hightech-Reichtum rund um Seattle entwickelt. Allein Microsoft hat im Landkreis King County rund 1200 seiner 35 000 Mitarbeiter mit Aktienoptionen zu Millionären gemacht. Die aus Microsofts Dunstkreis hervorgegangenen Unternehmen wie Vulcan Ventures von Microsoft-Mitbegründer Paul Allen und Nachgeborene wie Infospace, RealNetworks und Go2Net sind bereits selbst börsennotiert und setzen den Zyklus des hungrigen Geldes fort. Die Milliarden aus der neuen Wirtschaft vereinen sich mit altem Vermögen aus den traditionellen Industriezweigen des pazifischen Nordwestens: der Holzindustrie, dem Handel mit Kanada und Asien, dem Transportwesen, Boeings Flugzeugbau. Außerdem besitzt der Nordwesten nicht die eingefahrenen Erwartungen des Ingenieurkosmos vom Silicon Valley, sagt Leslie Smith von der örtlichen Filiale der Silicon Valley Bank: "Es ist liberaler hier oben." Susan Prestons Kanzlei steht an der Schnittstelle von altem und neuem Geld, das sich vermehren will, solange die Wirtschaft brodelt. Carillon Point ist die Adresse, an der nicht nur Janis Machala residiert, sondern auch der Mobilfunk-Mogul Craig McCaw und Gates Anlageberater Mike Larsen sowie fünf Venture-Capital-Firmen, drei prominente Kanzleien aus dem Silicon Valley und die örtliche Filiale der Silicon Valley Bank. Dezente Flachbauten kauern sich ans Ufer des Puget Sound, auf dem teure Jachten dümpeln.

Die Frauen haben für ihr Geld hart gearbeitet - und wollen es gut anlegen.

"Jeder hat die Finger in irgendeinem Business drin, nur wir Frauen waren bisher fast unsichtbar", sagt Marylin Holt, eine resolute 49-jährige Investmentberaterin, die alles andere als unsichtbar ist. Ihr Haar zu einem Knoten hochgesteckt, doziert sie mit der Miene einer ungeduldigen Internatsleiterin über die Grundregeln des Angel-Investing. Seit 20 Jahren leitet sie ihr eigenes Unternehmen Holt & Co., der Vorschlag für Seraph wurde von ihr begeistert aufgenommen. " Das passierte einfach so", ruft sie aus und klatscht in die Hände. "Wir reden hier von unserem hart verdienten Geld, nicht vom Vermögen unserer Männer oder von irgendwelchen Erbschaften. Die meisten von uns gehören zur obersten Einkommensschicht der USA. Wir müssen diese Macht auch nutzen!" Informationen über das Einmaleins des Startkapitals zu vermitteln und neue Firmenideen präsentiert zu bekommen sind nur ein Teil von Seraphs Anziehungskraft, schiebt Holt nach. Frauen investieren anders als Männer. "Wir sind nicht nur auf Hightech aus. Ich habe genug Businesspläne gesehen, um sofort die Lücken zu finden. Ebenso wichtig ist, dass das Gefühl stimmt. Es können ganz gewöhnliche Produkte sein, solange wir uns mit ihnen identifizieren können." Die Mädels sind genauso smart wie die Jungs - aber sie wollen mehr wissen.

Marylin Holt hakt eine Liste von Neugründungen außerhalb des reinen Web-Wahns ab, in die Seraph-Mitglieder investierten: eine Handtaschen-Fabrikantin, Firmen im Bildungsbereich, Online-Dienstleistungen für Kinder-Ferienlager und eine Schokoladenmarke. "Deborah präsentierte uns ihre Idee für Moonstruck Chocolates im Januar. Könnte genauso revolutionär abheben wie Star-bucks Coffee. Mein Mann hätte damit wahrscheinlich nichts anfangen können." Holt hingegen prüft gerade, ob sie ihr Geld in Schokolade stecken will. Die Kontaktaufnahme geht meist schnell. Wer genügend Interesse erregt, fischt im Anschluss an die Vorstellung die Visitenkarten seiner potenziellen Investorinnen aus einer Schüssel und kann individuelle Gespräche vereinbaren.

Colleen Stone hingegen kam erst gar nicht dazu, ihre Kartenausbeute einzusammeln. Sie wurde sofort nach der Präsentation umringt und mit Schecks bombardiert. " Vielleicht deshalb, weil's die Premiere war", wundert sich die Geschäftsfrau, die fünfeinhalb Jahre an der Wall Street und anschließend für eine Kosmetikmarke in Los Angeles arbeitete, bevor sie sich zur Selbstständigkeit entschloss. Susan Preston hatte sie als Paradebeispiel zum Gründungstreffen eingeladen, um ihren unbeleckten Mitgliedern zu zeigen, wie ein solides Geschäftsmodell und eine gute Präsentation aussehen. Damals hatte Stone gerade die erste Filiale ihres Spas für die Mittelschicht in Planung.

"Ich ging da aus Neugier hin. Redete 20 Minuten und zeigte ein halbes Dutzend Grafiken. Die Frauen waren begeistert", sagt Stone an einem typisch verregneten Morgen in Seattle. Es ist kurz vor halb neun, gerade hat sie ihren Laden in einem Eulkaufszentrum aufgesperrt, geht die Terminliste mit ihren Angestellen durch. Stones Konzept traf den Nerv der Investorinnen: ein Schönheits-Studio, das schnellen, überschaubaren und transparent ausgepreisten Service in edler Ästhetik bietet. Wie bei McDonald's sind die verschiedenen Massagen und Facials über der Theke angeschrieben, inklusive Zeitaufwand. Weiße Optik und Blumen lassen den grauen Großparkplatz vor der Tür für 30 Minuten in Vergessenheit geraten.

Für ihr erstes Spa-Geschäft hatte Stone bereits auf eigene Faust 750000 Dollar zusammengetragen, als sie bei Seraph auftrat. Eine halbe Stunde später war ihr klar, dass sie knapp zwei Millionen einsammeln konnte, wenn sie nur ja sagte zu all den Offerten. "Ich fühlte mich sofort willkommen. Meine Zuhörerinnen stellten deutlich mehr Fragen, als es bei von Männern dominierten Präsentationen üblich ist. Und die Frauen verstanden mein Konzept auf Anhieb." Stone verhandelt gerade über die zweite Finanzierungsrunde, um zwischen zwei und zehn Millionen Dollar für eine Expansion aufzutreiben. Die 44-jährige Unternehmerin hat Filialen in Seattle und die Küste hinunter bis nach Los Angeles im Visier.

Wenn Frauen vor weiblichen Angels vortragen, heißt das nicht, dass sich alle vor lauter Emotionen in den Armen liegen. Janis Machala achtet bei allen Businessplänen, die sich auf ihrem Nachttisch stapeln, knallhart auf drei Punkte, die mit dem Geschlecht des Gründers nichts zu tun haben: "Passt das Team zusammen? Steckt neue Technologie drin? Ist der Markt groß genug?" Der Unterschied liegt im Umgang, sagt Machala. "Da erscheinen Frauen oft als zu bescheiden und unsicher, weil sie Fragen stellen. Viele verlangen nicht genug Geld in der ersten Runde." Bei Seraph ist eine der wichtigsten Einrichtungen die Roundtable-Diskussion nach einer Präsentation -gerade damit Fragen gestellt werden können.

Geldgeberinnen sind der eine Teil - Unternehmerinnen der andere.

Investorinnen zusammenzubringen und fortzubilden ist nur ein Schritt auf dem Weg zur VC-Gleichberechtigung. Zur gleichen Zeit müssen Unternehmerinnen ermutigt werden, den Sprung in die Start-up-Welt zu wagen. "Nur beide Teile zusammen legen das Fundament, um Frauen wirklich neue Wege in der Wirtschaft zu ebnen", sagt Debbie Bevier, CEO und Präsident der alteingesessenen Laird Norton Trust Company in Seattle und ein weiteres Gründungsmitglied von Seraph. Sie hat sich seit Mitte der siebziger Jahre durch Vorstandssitzungen gebissen, in denen sie die einzige Frau war.

"Ich schlug oft eine Schneise frei, auf der andere Frauen folgen konnten. Das ist nichts Politisches, sondern eine rein praktische, wirtschaftliche Angelegenheit", sagt Bevier mit der Bescheidenheit einer distinguierten Geschäftsfrau und verschränkt Porzellanfingerchen vor der hellrosa Bluse mit paspelierten Knöpfen. "Jetzt haben wir die Chance, etwas davon weiterzugeben." Statistisch gesehen, stehen Vereinigungen wie Seraph Capital erst am Anfang eines langen Weges. Obwohl Frauen rund ein Viertel aller neuen Informationstechnologie-Firmen gründen, bekommen sie nur einen Bruchteil des vorhandenen Risikokapitals und managen hinterher noch nicht einmal ihre eigenen Unternehmen. Von 1991 bis 1996 entfielen auf weibliche Unternehmerinnen in den USA gerade einmal 1,6 Prozent aller VC-Investitionen. Bis 1998 war diese Zahl immerhin schon auf vier Prozent geklettert, im vergangenen Jahr auf fünf Prozent, errechnete Marktforscher Venture One Capital in San Francisco.

Hohes Tempo bringt viel Erfahrung - und treibt die Gleichberechtigung voran.

Größere Fortschritte gibt es in der Management-Struktur. Die Zahl aller mit Risikokapital gegründeten Firmen, deren Führungsebene Frauen angehören, wird von 21 Prozent in 1998 auf rund 50 Prozent in diesem Jahr steigen. Die Ernennung von Carly Fiorina zum CEO von Hewlett-Packard und die Schlagzeilen um eBay-Chefin Meg Whitman tragen die Botschaft unters Volk.

Unter dem Spitznamen "Babes in Boyland" hat sich im Silicon Valley ein Netzwerk von weiblichen VCs gebildet, die anfangs nur aus Trotz Golfen lernten, um ihren männlichen Kollegen eine Nase zu drehen. Inzwischen treffen sich die Mitglieder des "New Girls Network" bei Partys und tauschen die neuesten Deals aus. Eher ernst geht GraceNet das Thema an. In den letzten beiden Jahren ist in San Francisco Women's Technology Cluster - ein Inkubator für Frauen - entstanden. VC-Firmen wie Viridian Capital haben sich auf weibliche Unternehmer spezialisiert.

Janis Machala hat neben Seraph Capital auch die Start-up-Seite in Angriff genommen und nach einem Vorbild in San Francisco einen Ortsverband des Forum for Women Entrepreneurs gegründet. Ende Januar lud der Verband erstmals zu einem Präsentationskongress mit dem Titel "Sprungbrett 2000" nach Kalifornien ein. Mehr als 350 Gründerinnen bewarben sich um 20 Minuten auf der Bühne, aber nur 26 schafften es in die Endauswahl. Sie wurden von Fachleuten der Silicon Valley Bank gratis auf ihren Auftritt vorbereitet. Unter den Zuhörern waren reichlich männliche Risikokapitalgeber, die sich die Pitches anhörten und Visitenkarten ausgaben. "Das ist kein Frauenverein", erklärt Barbara Kamm vom Sponsor Silicon Valley Bank die Philosophie. "Das waren 20-jährige Frauen und graumelierte Herren bunt gemischt. Im Internet-Tempo können sich Frauen in ein paar Jahren Referenzen erwerben, für die die Generation vor ihnen 20 Jahre brauchte. Das macht den Weg frei für Gleichberechtigung." Susan Preston hat große und ungeduldige Pläne für ihren Club der Engelinnen. Bald soll es Seraph landesweit geben. "Wir wollen unseren eigenen Venture-Fonds einrichten und Start-ups als Berater zur Verfügung stehen. Auch einen Inkubator kann ich mir vorstellen." Seit dem ersten Treffen wird Preston mit Anrufen und E-Mails aus ganz Amerika und Europa eingedeckt. Unternehmer wollen ihre Ideen präsentieren, Frauen sich der lukrativen Bewegung anschließen. Preston hat fürs Erste dafür gesorgt, dass Seraph auf seiner Web-Seite Businesspläne aus aller Welt akzeptiert. Die Web-Architektur stammt von NVest.com, einem Start-up aus Seattle, das selbstverständlich von zwei Frauen gegründet wurde.

Samantha Wilkinson und Lori King stellen Seraph die Infrastruktur kostenlos zur Verfügung. "Ich wäre froh, wir hätten so was gehabt, als wir für unsere Idee Geld suchten", sagt Wilkinson, eine 35-jährige ehemalige Microsoft-Ingenieurin. Seit sie ihre weltweite Informationsbörse im Web für Investoren und Gründer 1995 aus der Taufe hob, hat Wilkinson ihre E-Mail-Adresse geschlechtsneutral, ohne Vornamen, belassen. " Solange du programmierst, ist dein Geschlecht egal. Aber wenn es um Kapital geht, passiert es, dass man Leuten von seiner Idee erzählt und sie sagen: Klasse, und wer wird die Firma leiten?", berichtet die blonde Technologin, die bei Microsoft den Spitznamen "Dr. Net" hatte.

Susan Preston, nun am Ende ihres Vertrags, atmet durch, schüttelt das schulterlange Haar und sagt: "Ich will nicht nur Geld an meinen Investitionen verdienen, sondern für Frauen in der Wirtschaft etwas verändern." Kurz vor der Gründungssitzung von Seraph giftete ein etablierter VC sie an: "Wenn ihr keine Männer reinlasst, dann habt ihr keine Chance und werdet scheitern!", erinnert sich Preston. "Das war für mich das beste Kompliment." Kontakt: Seraph Capital Forum PMB 395, 227 Bellevue Way NE Bellevue WA 98004 USA www.seraph-capital.com