Das erste Mal

... einen Termin verschwitzt

Mancher Termin ist so wichtig, dass man ihn verdrängt. Dann kommt der Schock, das Adrenalin jagt durch Gehirn – wie bei Christoph Post, Gesellschafter der Film- und TV Produktions GmbH Me, Myself and Eye (MME).




#___Es war im Juli 1992, total heiß, noch am Abend. Jörg Hoppe, heute auch Gesellschafter von MME, Helge Sasse, mittlerweile ein bekannter Musikanwalt, Michael Oplesch, der Ex-MTV-Chef, und ich waren Mitglieder einer Initiatoren-GmbH, die einen deutschen Musiksender entwickeln wollte. Es hatte eine Menge Gespräche mit internationalen Investoren gegeben, und es gab einen Termin, zu dem wir ein Programmschema mitbringen sollten. Und diesen Termin hatten wir total verschwitzt.

Ich weiß auch nicht, warum wir das vergessen konnten. Vielleicht, weil wir schon damals immer so viel gearbeitet haben. Bei uns war immer Chaos, wir haben ständig fünf Sachen gleichzeitig gemacht, weil wir Angst hatten, wenn wir ein bisschen weniger arbeiten, hätten wir nächste Woche nichts mehr im Kühlschrank. Wir sind ja so kleinbürgerlich erzogen.

Zum Glück ist uns der Termin am Abend vorher wieder eingefallen. Also haben wir uns um elf, halb zwölf um einen Computer herumgesetzt, den Pizza-Service angerufen und uns bis morgens um fünf das Programm von Viva aus den Fingern gesogen – auf Englisch, es war ja eine internationale Präsentation. Und dann hatte Jörg die Idee mit dem Namen. „Der deutsche Musikkanal” oder „German Music Channel” hätte nicht so geklungen, als wolle man darin viele Millionen investieren. Plötzlich meinte Jörg: „Lass uns das Ding ,Viva' nennen.” Wir haben alle gekotzt: »Viva« war unheimlich schlecht belegt. Eine gerade eingestellte Fernsehsendung bei RTL hieß Viva, die von Gruner + Jahr eingestellte Frauenzeitschrift auch. Das war voll der Loser-Projektname.

Aber Jörg meinte: „Viva ist doch erst mal nur der Projektname. Der wird später sowieso geändert, wenn es was wird.„ Viva steht für Videoverwertungsanstalt. So richtig deutsch. Und dann ist der Name geblieben. So gesehen war das am Ende gut mit dem verschwitzten Termin: Wir sind rechtzeitig angekommen, hatten alles dabei und haben sogar noch brilliert. Und vieles von dem, was nachts entstanden ist, haben wir hinterher auch umgesetzt.__//