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Der Pott köchelt

Neue Zeiten. Neue Macher. Wirtschaft und Politik steuern um. Wie sehr und wohin, damit beschäftigt sich brand eins in einer losen Reihe über den Standort Deutschlands. Erster Teil: das Ruhrgebiet, mit 5,4 Millionen Einwohnern auf 4500 Quadratkilometern größer und dichtester Ballungsraum Europas.




Von Rotterdam bis Wladiwostok gibt es drei Ampeln, die sind in Dortmund, und vor einer stehen wir: Bundesstraße l, mitten in Dortmund, Europas Mitte, Ruhrgebiet, Ostrand. "Das Ding kommt auch weg", sagt Klaus Günzel, winkt einen grauen Betonklotz am Fahrbahnrand beiseite, lugt durch die Windschutzscheibe seines 7er BMW, Kopf nach vom, Lippen schmal, die Augen zum Horizont, lächelt besonnen und gibt Gas. In Dortmund ist schönes Wetter. Die Sonne scheint, die Zukunft blüht, doch das beste Wetter, das macht Klaus Günzel selbst.

"Das alte, faltige Gesicht des Ruhrgebiets glättet sich. Wo früher Fördertürme standen, werden in Zukunft glatte Glasfassaden der Bürotürme von morgen stehen", zitiert der Geschäftsführer der Industrie- und Handelkammmer zu Dortmund sich selbst aus seinen Schriften. "Bauen Sie keine Gebäude, bauen Sie Hochhäuser!", sagt er allen. Beim Ekkehard Schulz von Thyssen-Krupp war er, einfach so, aber der hat ja jetzt ganz andere Sorgen. Bilfinger und Berger bauen, Materna Information and Communications baut gleich drei Türme. Deren Chef und Gründer, Winfried Materna, ist Präsident der Dortmunder IHK. Ein Software-Mann als Aushängeschild für Dortmund? Wir staunen. Günzel grinst.

Aufbruchstimmung im Ruhrgebiet, und Dortmund läuft vom weg. Ganz vorn, wo einen die Leute für bekloppt erklären, da ist Klaus Günzel. Vor 16 Jahren hat er ein Technologiezentrum aufgebaut, als die Industrie hier noch aus Kohle, Stahl und Bier bestand. "Wir standen auf drei Beinen, heute sind wir ein Tausendfüßler", sagt Günzel und biegt in seinen Technologiepark ein, eine Lego-Stadt aus rotbraunen Quadern, dazwischen moderne Bürobauten, keines höher als drei Stockwerke.

Der Teetrinker, 65, schlank, schlau, hat was von einem Fuchs, wenn er redet, aber er kommt auch ein bisschen doof daher mit seiner Euphorie. Ein wenig englisch, ein wenig exzentrisch. Das weiß er und macht trotzdem weiter. Wieso sollte er sich auch schämen? Er grinst, verkauft sich selbst und seine Stadt. Er parkt den Wagen auf dem Hof der Steag Microparts.

Steag steht eigentlich für Steinkohle-Energie-AG und gehört zur RAG, die jeder im Revier noch " Ruhrkohle" nennt. Wir gehen hinein, unangekündigt, ein Überfall, bekommen aber dennoch eine schnelle Führung. Der Leiter der Fertigung zeigt uns die Clean Rooms; eher Clean Factories, industrielle Fertigungsstraßen für Asthmazerstäuber mit feinstauflösenden Mikrodüsen, die ohne Treibgas auskommen. Eine andere Entwicklung zieht Herr Nöker aus der Tasche, ein scheckkartengroßes "Laboratory On A Chip", eine von Mikrokanälen durchfurchte " Reaktionsplattform". Ein Tropfen Blut reicht aus, und das Minilabor spuckt Ergebnisse für die verschiedensten gängigen Tests aus, live und vor Ort. Marktreife in fünf bis sechs Jahren. Das wäre im Jahr 2006.

2006 ist im Ruhrgebiet die magische Zahl. 2006 kommt die Fußballweltmeisterschaft nach Deutschland, das heißt: auch hier her. Aber die Hotels sind mies, die Städte hässlich, das Nachtleben kleinkariert. Spätestens ab 2006 muss der deutsche Bergbau mit nur noch 5,5 Milliarden Mark Subventionen auskommen, der Umbau abgeschlossen, die Kohleförderung aufs Nötigste reduziert sein. Und ab 2006 ist das Ruhrgebiet nicht mehr "Ziel 2 Region" für die Fördermittel aus der Europäischen Union. Dann hängt das Ruhrgebiet nicht mehr am Tropf.

Strukturwandel Das allgegenwärtige Wort. Sie sagen es mal brav wie "gelber Müllsack.", mal klingt es wie "Warner Brothers Movie World Bottrop", mal gespenstisch wie "Phantomschmerz".

Strukturwandel heißt das, und vom Bergmann bis zum Kiosk-Besitzer, vom Biochemiker bis zur Putzhilfe kennen alle das Wort. Es steht täglich mehrmals in der " WAZ", die Zeitung des Ruhrgebiets, auf Plakatwänden, es plärrt aus dem Radio. Es erklärt, macht Mut, und es macht traurig. Die SPD ist kommunal entmachtet, Andi Möller spielt auf Schalke, und wo sie Kohle förderten, läuft heute Kleinkunst und Theater. War es das?

Nein. Denn die Zahlen stimmen nicht, noch lange nicht. Wenn jetzt nicht langsam etwas passiert, dann wird nichts aus 2006, Unterdurchschnittliche Selbstständigenquoten, Arbeitlosigkeitsraten, die zusammen mit Sozialhilfe und zweitem Arbeitsmarkt (Beschäftigungsprogramme, Umschulungsmaßnahmen) bis zu 30 Prozent Unterstütztenquote ausmachen. Kommunen wie Duisburg, Essen oder Oberhausen, die sich jahrlich je um mehr als 200 Millionen Mark neu verschulden. Rückläufige Gewerbesteuern in der Zentralregion, während es am Mittelrhein brummt.

Das Ruhrgebiet ist ein unfertiges Puzzle. Drei Regierungspräsidenten und zwei Landschaftsverbände verwalten es, "und nähme man eine Karte zur Hand, könnte man daraus lesen: Für jede dieser Behörden ist ihr Fetzen Revier randständig. Und: Sie alle halten misstrauisch Sicherheitsabstand von 30 bis 80 Kilometern vom Ballungskern", schreibt der "WAZ" -Autor Hubert Wolf über die Fernsteuerung der Region. Die Städte am Rand bröckeln ab; distanzieren sich von der Mitte. Dortmund ist plötzlich das Herz Westfalens. Recklinghausen liegt im Münsterland und Duisburg m nördlichen Rheinland. Zurück bleibt nur, was tiefe Wurzeln hat: alte Menschen, alte Industrie, alte Ideen, alte SPD.

Dortmund liegt auch am Rand. Wir sitzen im Büro des Oberbürgermeisters Gerhard Langemeyer. Ruhig, besonnen, verhalten sympathisch, lieb. Pastorentyp. Tatsächlich hat er Archäologie und Philosophie studiert. Mitte des Jahres hat Langenwyer etwas zur Chefsache erklärt: das Dortmund Project. Hört sich modern an? Ist es auch.

Attraktionen Langenwyer hat schon den Star-Architekten Mario Botta wich Dortmund geholt. Der baute eine Stadtbücherei, deren einziger Makel der Bahnhof gegenüber ist.

Bis zum Jahr 2010 soll Dortmund zur führenden Region für eCommerce werden und 70000 neue Arbeitsplätze schaffen. 130 Millionen Mark schießt allein die Stadt m die "Public Private Partnership". Die Zeiten der Gießkanne seien vorbei, "investieren statt subventionieren", erklärt Langemeyer und zählt die Elemente des neuen Dortmunds herunter, langsam und genüsslich, wie die Karten beim Skat, wenn jemand weiß, dass er gewinnen wird. eCommerce, Mikrosystemtechnik und Logistik, für diese Wachstumsbranchen entsteht ein Ring aus attraktiven Standorten rund um die Dortmunder City. Im PLanungsstab sitzen Unternehmensberater von McKinsey, Thyssen-Krupp-Vorstände und bis zu Ernst Schwanhold, dem Wirtschaftsminister Nordrhein-Westfalens, alles, was Rang und Namen hat. Das Dortmund Project ist die größte Koalition, die das "Herz Westfalens" seit Jahrzehnten erlebt hat. Im Stadtrat gab es eine Gegenstimme, "von einem Alt -Linken".

Jetzt kommen die Attraktionen, denn "wir haben ja keinen Kölner Dom, keinen Rhein und keine Alpen". Doch irgendetwas muss sie locken, die Träger des neuen Rohstoffes Wissen. Die Innenstadt bekommt eine Philharmonie, die Kampstraße wird mit Installationen und Lichtquadern wieder Flaniermeile, und über dem Dortmunder Bahnhof landet ein UFO, sagt Langemeyer und holt eine Zeichnung; Eine stählerne Linse" 240 Meter im Durchmesser, schwebt über dem Strang der Gleise, Licht flutet aus Löchern in Dach und Ritzen in den Nachthimmel über Dortmund. Sehr futuristisch, aber ist das Dortmund?

Langemeyer greift wieder zur Karte und zeigt hellgelbe Rächen, .mitten in der Stadt. Industriegelände, zwei, drei Planquadrate groß, riesige Areale; alles alte Hoesch-, dann Krupp-Hoesch-, jetzt Thyssen-Krupp-Gebiete. "und hier, das fluten wir mit Wasser. Da kommt ein See hin. Mit Yachthafen, einem Wohngebiet und allen), was dazugehört", er umkreist ein Gebiet von der Größe der Hamburger Binnenalster, blickt auf. Das war sein As. Das Kreuz As. Erst das Ufo, dann ein Badesee mitten in der Stadt. "Das ist der Hammer!", sagte die Verwaltung des betroffenen Stadtteils Horde, sagten die Medien, sagen die Dortmunder und freuen sich auf morgen. Dortmund baut nicht um, Dortmund baut auf. Ausgerechnet dieser visionäre Weitwurf fußt auf staatlicher Intervention. 1997 misslingt der Versuch einer feindlichen Übernahme von der Düsseldorfer Thyssen AG durch Krupp-Hoesch. Wolfgang Clement, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, führt die Friedensverhandlungen, aus denen eine Hochzeit wird. Die Bedingungen vom Land: keine betriebsbedingten Kündigungen bis 2001, Aufrechterhaltung der Ausbildungskapazität. Der neue Doppelkonzern baut die Roheisenproduktion in Dortmund ab, die alten Thyssen-Standorte in Duisburg sind günstiger. Das heißt, er muss für jeden verlorenen Arbeitsplatz einen neuen schaffen, unterm Strich 1900, egal, ob als Neuansiedlung oder als Umschichtung der Konzernaktivitäten. Thyssen-Krupp wird zum Makler der eigenen Industriebrachen. Und irgendwann, unfreiwillig, zum Ideenmakler der Region. Im Herbst letzten Jahres vergibt man einen Studienauftrag an McKinsey. Das Ergebnis: das Dortmund Project. "Kein altruistischer Beitrag zum Standort Deutschland", wie ein Thyssen-Krupp-Manager knirschte, sondern das erste Abtragen einer Bringschuld.

Mini-Dramen Jede Antwort auf jede noch so kleine Frage wird zur Geschichte. Großartige Gesten im Kleinen, das macht den Witz ans. Aber sich im Großen groß aufführen, das mögen sie hier nicht.

Freitagnachmittag, die Sonne scheint. Wir fahren die A 40 entlang, Richtung Westen. Im Autoradio gibt der WDR die Sonderfrequenz durch, auf der die Staumeldungen laufen. Die Straße ist alt, der Asphalt geflickt, zerkrempelte Schallschutzwände, ausgeblichene Autobahnschilder. Früher war das ein alter Handelsweg, der " Hellweg", der noch heute das reiche vom armen Ruhrgebiet trennt. Bochum, Essen, Dortmund - alle südlich des Hellwegs, und alle bekamen sie Universitäten, als das Ende der Sechziger endlich beschlossen wurde, dort sitzen die Zentralen der großen Unternehmen. Seen, Villen und Sauerland im Süden. Herne, Gelsenkirchen, Bottrop, Dinslaken: die Namen der ausgezehrten Problemkinder im Norden. Logistikzentren auf ehemaligen Werksflächen, millionenschwere Förderprojekte in quicklebendigen Slums, ein paar alte Zechen, die auf tausend Meter Tiefe an dünnen Flözen herumkratzen, und Bergarbeitersiedlungen, die ins flache, sture Münsterland auslaufen.

Wir sind unterwegs nach Gelsenkirchen. "Stadt der tausend Feuer" hieß es früher. Heute: "Stadt der tausend Sonnen", einer der wichtigsten Standorte für Solarenergie in Europa. Letztes Jahr knallten die Sektkorken, als Shell dort Europas größte Solarzellenfabrik eröffnete. Als Schalke 1997 den UEFA-Cup holte, sangen sie im Stadion nicht " Schaaaalke". Sie sangen "Ruhrpott"! Rund 281000 Einwohner, höchste Arbeitslosenquote der Region.

Eine Weile später, wir sind am Kreuz Castrop-Rauxel Ost auf den Emscherschnellweg abgebogen, die A 42, fahren wir durch Herne, dichtest besiedelte Stadt, zwischen Wanne-Eickel und Castrop-Rauxel. Rechts der Schornstein der Steag. Das Ding war früher eine Dreckschleuder. Die Modernisierung Mitte der Achtziger brachte Filteranlagen und den höchsten Schornstein Europas, das erhöhte den Fallout-Radius. Und der Strukturwandel? Eine Fabrik in Dortmund, die Mikrodüsen für Asthmageräte produziert, für die Staublungen der ehemaligen Arbeiter.

Wir wollen zum größten Steuerzahler der Stadt, dem FC Schalke 04. Wir brauchen eine Karte der Region, fahren zu einer Tankstelle. Der Tankwart, Schnauzbart, roter Pulli, gemütliche wache Augen: ,Ja. Da haben wir welche von der Firma Falk und welche vom ADAC", sagt er genüsslich. Preisvergleich, wir nehmen einen. "Ist ja egal" , sagt er, "Herrn Eichel freut's." "Der ist ja sowieso ein glücklicher Mann jetzt", sage ich. Er: "Ja, so schnell kann's gehen." Ich: " Und Bonbons hätt' auch noch gerne." "Da muss ich Sie in unsere Bonbonabteilung verweisen", sagt er, zeigt mit dem Kopf auf die Süßigkeiten, direkt links neben mir und verzieht bis auf die Augen keine Miene.

Da war es wieder, dieses Mini-Drama. Jedes Mal, wenn wir nach dem Weg fragen, einkaufen, Fragen stellen, wird die Antwort zur Geschichte, lustvoll ausgebreitet. Erst ein Scherz über die da oben, dann eine kleine Hochstapelei. Großartige Gesten im Kleinen, genau das macht den Witz aus, gepaart mit einem Stück Beklopptheit, die sich nicht schämt, denke ich, als wir unter einem Glasdach in Form eines Fußballs sitzen und auf Peter Peters warten, den Geschäftsführer des FC Schalke 04.

Aber im Großen, da halten sie den Ball lieber flach, das ist ehrlicher. Das ist der Kern des Problems von Schwalbenkönig Andi Möller, der ausgerechnet beim ehrlichsten Verein der Bundesliga angeheuert hat. Sich im Großen noch groß aufführen, diese Herumkasperei, das mögen sie hier nicht. Da kommt er um die Ecke, Peter Peters. Der berühmte Sportmanager Rudi Assauer kümmert sich um die Spieler, sein Geschäftsführer Peters ums Geld. Der Diplom-Kaufmann sieht ein wenig aus wie ein Bürschchen, aber er redet wie einer auf Schalke. Haut bei jedem dritten Satz auf den Tisch, denn Peters ist genervt, vor allem über Gelsenkirchen.

1993 stand der Verein kurz vor der Pleite. Die legendären Jahreshauptversammlungen waren Mischungen aus Saufgelage, Vereinssitzung und Boxbude. Assauer und Peters sanierten die Satzung, das Team und legten 1998 den Grundstein für die Arena auf Schalke: 358 Millionen Mark Baukosten, Europas modernstes Fußballstadion, " Deutschlands Prunkstück der WM-Bewerbung". Als sie das Projekt bei der Stadt vorstellten, kamen kleinkarierte Bemerkungen: "Lass die Spinner losfahren, die holen sich eine blaue Nase." 70 Prozent des Geldes für den Stadionbau kommen aus Norddeutschland, keine Unterstützung von alten Ruhrgebiets-Unternehmen wie RWE oder Veba, die ihre Marke Otelo lieber auf Trikots in Bremen oder Berlin nähen, statt lokal Flagge zu zeigen. Unterstützung aus Gelsenkirchen? Nichts!

Heute macht Schalke bis zu 100 Millionen Umsatz im Jahr, ist der größte Steuerzahler Gelsenkirchens, Aushängeschild der Stadt. Und die hält die Hand auf wie ein Sozialhilfeempfänger. Der Bahnhof? Eine Katastrophe. FIFA-Funktionäre müssen sie mit dem Hubschrauber einfliegen, damit die nichts mitbekommen. Das Bein stampft auf den Boden. Auswärtige Mannschaften übernachten in Essen oder Düsseldorf, nach dem Spiel kann man nicht einmal ein Bierchen trinken gehen.

Gelsenkirchen ist Schalke. Die Kinder auf den Straßen, Autos, Kneipen, alle tragen Blau-weiß. Aber Schalke ist nicht mehr Gelsenkirchen. Die Stadt steckt in der Kreisklasse fest. Der Fußballverein FC Schalke 04 ist eines der wenigen Unternehmen, die den Strukturwandel gesund vollzogen haben. Er spielt in Europa, aber seine Wurzeln hat er nicht verloren: die Menschen.

Früher gab es hier Zechen, Verbände, Taubenzüchter. Heute nur noch Schalke. Die Menschen schreiben Briefe, wenn die Frau weggelaufen ist, der Job verloren, wenn sie verzweifelt sind. Man hängt nicht einfach am Verein, es gibt da "eine Liebe, die geht vom Vater zum Sohn und kommt vom Opa". Es ist im Ruhrgebiet nicht unüblich, Neugeborene so schnell wie möglich als Mitglied anzumelden. Neben Bayern München besitzt Schalke die größte Streuweite an Fans, quer durch die ganze Republik. Peters: "Das Image ist volksnah und fein. Nicht edel, aber wertvoll." In der Kneipe "Auf Schalke". Decke und Wände des großen Saals sind mit den blauen T-Shirts aller Fanclubs aus ganz Deutschland ausgeschlagen. Vorn sitzt der neue Spieler, Jörg Böhme, rechts daneben jemand vom Fanclub-Verband, links Gerd Voss, Pressesprecher von Schalke, davor Fans. Einer erzählt etwas "vom Spiel gegen Lüdenscheid". Mit "Lüdenscheid" meint man hier Borussia Dortmund. Der Name ist tabu auf Schalke. Manche sagen auch "die verbotene Stadt". Und immer wieder dieselben Fragen. Die Frauen: wie es Böhme gefalle und ob er auch in Gelsenkirchen wohne und nicht außerhalb. Die Männer: was er denn vom Image halte. Jetzt wieder einer von hinten, vom Stehtisch aus, Zigarette, Pilsglas vor sich, schraubt Sätze hoch. " Identifikation", "Tradition", " Schalke", die anderen grinsen schon, doch lauem auf die Antwort. Und dann Luft holen und Satz raus: " Bist du Schalker?" Will sagen: "Liebst du uns?" Böhme, typisch Fußballer, athletische Zurückhaltung, mit dem Kopf nicht auf den Mund gefallen, druckst herum. Er sei ja schon herumgekommen, doch so auf Tuchfühlung mit den Fans war er noch nie. 7000 Fans kamen zum ersten Saisontraining, und der Verein zieht nicht mal einen Zaun, weil ihm Ehrlichkeit und Nähe wichtiger sind als alles andere, peitscht seine Millionäre nach jedem Spiel durch die Menge. Hier ist schon was im Umlauf, "eine Kraft, die einen Spieler pusht", sagt der Neue. Das hat er so noch nicht erlebt, diese Kraft, die Helden macht.

Eine Woche später sind wir wieder in Gelsenkirchen und suchen das Rathaus. Die Gelsenkirchener Innenstadt ist ein Verbrechen. Es sieht aus, als hätte sich hier noch nie jemand Gedanken über Schönheit gemacht. Hier regiert Deutschlands jüngster Oberbürgermeister. Er heißt Oliver Wittke, ist 34 Jahre alt und Mitglied der CDU. Gerade sucht er den Weg zum Dach, dort wollen wir ihn fotografieren. Wir hasten hinterher, kleiner Mann, große Schritte, wir reden im Gehen. Wie er Wahlkampf machte, letztes Jahr im Spätsommer, das war schon lustig. Diese Treppe vielleicht hoch? Schauen wir mal. Er fuhr einen gelben New Beetle, die Konkurrenz von der SPD einen alten, natürlich roten Renault. Die SPD, seit 53 Jahren an der Macht, versprach mit einem neuen Kandidaten und einer Senkung der Arbeitlosenquote " Kontinuität". Eine krasse, aber symptomatische Fehleinschätzung der Lage. Wittke warb für " Erneuerung" und gewann.

Über Tage Eine Woche waren wir unterwegs, bei Vorständen, Unternehmensgründern, unter Tage. Und alle führten uns nach oben, auf Fernsehtürme, Kohlehalden, ans Fenster ihres Vorstandszimmers.

Die Gänge sind frisch gestrichen, weiß, das war Wittkes erste Amtshandlung. Als die Maler fertig waren, war der Gang zu seinem Büro noch immer grau. Ein kleines proletarisches Einstiegsgeschenk für die schwarze Socke? "Keine Ahnung, die hatten Anweisung, die Gänge zu streichen, in denen Publikumsverkehr ist. Meiner gehörte für die wohl nicht dazu." Aber das juckt ihn nicht. Oliver Wittke kommt so jung rüber, wie er ist, unbedarft, aufrichtig. Sein blaues Hemd sitzt tadellos, sein Jackett ist einen Tick schlabbrig an den Schultern. Wittke ist so ein Typ, bei dem alle Klamotten so aussehen: eine Nummer zu groß. Und der mit Freuden seine Mitmenschen vom Gegenteil überzeugt.

Die Führung der Gelsenkirchener SPD ist gelähmt. Seine Politik macht Wittke mit allen, die mitspielen wollen. Die erste Dezernentin, die er berufen hat, war parteilos. Mittlerweile besteht sein Team aus drei SPD-Leuten, einem aus der CDU und einem Grünen. Was ein schwaches Gelsenkirchen brauche, sei doch vor allem Einheit. Jetzt sind wir richtig. Es riecht nach alten Akten, Schimmel und Tauben. Wir gehen eine schmalen, steilen Stieg hoch, auf einem Fensterbrett steht ein alter, staubiger Schalke-Plastikbecher. Doch Gelsenkirchen ist nicht Dortmund. Die Stadt ist bis zur Unbeweglichkeit verschuldet, Wittke ist zu einer Reform der kleinen Schritte verdammt. Also besseres Marketing für die Technologiezentren, Dezentralisierung der Verwaltung, Solarindustrie fördern. Und die Bürger müssen wieder mitmachen, lernen "dass auch sie etwas bewegen können", sagt Oliver Wittke und stößt die Tür zum Dach auf.

Frische Luft. Endlich. Da stehen wir über der Stadt, schon wieder, über dem Revier, und endlich wieder über den Dingen. Denn von unten sieht man nichts. Zu viele Häuser, eng und fade aufgereiht: vier glatte Seiten, zwei schmal, eine lang. Oben ein Dach, das nicht über die Fassade hinausreicht. Die ist so glatt verputzt, kein Schwung, keine Verweise auf irgendeine Epoche, keine Kante, so dass jeder Gedanke, jede Idee an ihnen abrutscht. Und weil die Wiederaufbau-Bauten den Leuten selbst auf die Nerven gehen, bauen sie klobige Kulturklötze dazwischen. Das Ergebnis ist eine erstickende Mischung aus Traurigkeit und städtebaulichem Karneval. Doch von oben betrachtet, kehrt sich das Chaos um. Der Städteklumpen wird zum riesigen Geflecht, das ein wenig wie das kleine gallische Dorf aussieht: ein weites Meer aus Bäumepuscheln bis zum Horizont, dazwischen Häuser, Berge und Industriebauten. Schauen Sie, sagen immer alle, die uns über Tage bringen, die Unternehmer, Politiker, Menschen. Und zeigen, wo was ist. Hände in die Taschen, gucken, einatmen.

Da stehen sie dann eine Weile und denken: Das haben alles wir gemacht. Wir Menschen. Meistens der Großvater. Oft schon dessen Vater. Dann wird sie erhaben, diese Landschaft, wenn man über die Bäume blickt, vorbei an alten Schloten, an denen nachts rotes Feuer in den Himmel läuft, über die riesigen Werksgelände mit ihren grünen Halden, den Werksbahnwegen, die aussehen wie im Modellbau. Und sie werden stolz. Dem Stolz folgt manchmal Liebe. Wofür eigentlich? Die Größe? Die Geschichte? Dann Ruhe, Zartheit, und wenn sie noch eine Weile länger blicken, Schwermut. Dann spüren sie ihn vielleicht: den Schmerz.

Sie sehen die schwarzen Halden all der Wunden in der Erde, die noch heute in den Himmel ragen, wenn sie nach Oberhausen fahren. Sie sehen die Narben unter dem flaumigen Schorf der Bäume, riechen die Kloaken, die sich im Norden noch immer durch die Gegend schlängeln, sehen ihn fast, den schwarzen Himmel von damals. Sie sehen Ausbeutung, Raubbau, wundern sich, wie sie das nur ertragen hat, diese Landschaft, und möchten einfach nur, dass endlich alles wieder gut wird.

Wellenreiten Vier Wellen sind über die Region gegangen. Die erste Welk war ans Wasser und lief von Norden nach Süden aus, Tag für Tag, ans Ufer eines urzeitlichen Meeres.

Bäume fallen um, Schlick bedeckt sie, wieder Bäume, noch mehr Schlick. Dann lange nichts. Dinosaurier, Eiszeit, ein paar Germanen, Römer, Staufer, Bauern, Dörfer, viele Dörfer, ein paar Städte. Dann, so geht der Mythos, kommt ein Schäfer morgens an sein Lagerfeuer, und es glimmt noch: Kohle. Jahrhunderte später trifft die Dampfmaschine auf den Webstuhl.

Die zweite Welle war aus Gier. Die industrielle Revolution erfasst das Ruhrgebiet, wälzt die Erde um, gräbt sich durchs Land vom Süden aus, wo die Flöze fast vier Meter dick sind, färbt den Himmel schwarz, die Häuser grau. Sie kocht Stahl für die Moderne, für zwei Weltkriege, für den Wiederaufbau. Sie macht aus Industriefamilien Adelige und aus Arbeitern Helden. Vor den Kriegen kamen sie aus Polen, dann aus Italien, Griechenland, der Türkei. Alle wollen nur ein Weilchen Geld verdienen, dann wieder nach Hause. Die meisten bleiben. In den Sechzigern arbeiten 400000 Menschen im Bergbau. Tagsüber wie nachts befinden sich rund 80000 Menschen unter der Erde.

Die dritte Welle nimmt: Arbeit, Profit, Sinn. Ihre Ausläufer kräuseln jetzt noch den Norden. Willy Brandt visioniert "blauen Himmel über dem Revier", die SPD verspricht Umbau ohne Schmerz und gewinnt 1966 zum ersten Mal die Landtagswahlen in Nordrheinwestfalen. Tatsächlich folgt einer der größten sozialverträglichen Strukturwandel der Welt. Das Land pumpt Milliarden in die Region, die Konzerne bauen um. Vom schrumpfenden Markt gepeitscht, fassen die Stahl- und Energiekonzerne die Zechen zum Subventionsempfänger Ruhrkohle AG (später RAG) zusammen. Danach legen sie richtig los, jagen in einer Fusionskarawane kreuz und quer durchs Ruhrgebiet, von Essen (Krupp) nach Dortmund (Hoesch) und wieder zurück nach Duisburg (Thyssen). Unterwegs hinterlassen sie leere Stahlhütten und gebrochene Herzen.

Einzig die RAG genießt noch Ansehen. Nach außen ist sie trotz Zechenschließungen und sinkender Fördermengen bis tief in die Achtziger die Big Mama der Industrie: Einmal unter ihren Rock gekrochen bedeutet lebenslängliche Versorgung. Entlassungen werden vorwiegend über satte Vorruhestandsregelungen abgewickelt. Noch heute reden Bergleute von "dort draußen" und "freiem Markt", wenn sie Nicht-Bergbau meinen. Intern baut sich die RAG zu einem hochmodernen Energieunternehmen um. Energiegewinnung und -Umwandlung, sprich Grubentechnik und Kraftwerke für den Export. Und Mikrotechnik. Die alte Verpflichtung, keine betriebsbedingten Kündigungen auszustellen, fördert eine weitere Kompetenz: sozialverträglichen Stellenabbau. Im ganzen Revier sind Arbeitsagenten unterwegs, die Jobs für die Bergleute der DSK akquirieren, "Deutsche Steinkohle", so heißt mittlerweile der Schrumpfbereich der RAG. Mittlerweile ist es ernst, das Durchschnittsalter in der DSK liegt bei 38 Jahren. Noch immer müssen pro Jahr 11000 Stellen abgebaut werden, gleichzeitig werden Zechen zusammengelegt. Seit dem "Kohlekompromiss" von 1997 (s. Randspalte Seite 112) hängen in den verbleibenden Betrieben Angebote für Schnupperkurse (sechs Monate woanders arbeiten, gleiches Gehalt, der Gastbetrieb zahlt nur 600 Mark, den Rest zahlt die DSK), Fördermaßnahmen und aktuelle Stellenausschreibungen. Seit die Kumpels Fragebögen ausgefüllt haben, zu Bildungsstand, ihren Vorlieben und ihrer persönlichen Lebensplanung, werden sie regelmäßig von betriebseigenen Arbeitsvermittlern angesprochen, die die Daten aus dem "Job-Explorer" mit dem aktuellen Stellenmarkt abgleichen. Dieses Modell der internen Stellenmärkte wird gerade PR-trächtig von Volkswagen kopiert.

Doch so kreativ der 40-jährige Druck, der auf der alten Industrie lastet, die DSK auch gemacht hat: Es gibt zu wenig Jobs und zu viel Arbeit. Das Ganze ist ein rein geografisches Problem. Die Betriebsfläche einer Zeche ist um ein hundertfaches größer als ihr Werksgelände an der Oberfläche, vergleichbar mit einem Baumstamm und seinem Wurzelsystem. Wollte man die über 20 000 Beschäftigten, die der Bergbau auch in den nächsten zwei Jahren wieder umsiedeln muss, in Bürogebäuden unterbringen, brauchte man dafür zehn neue Büroturmpaare von der Dimension der 155 Meter und 36 Stockwerke hohen "Soll und Haben"-Türme der Deutschen Bank in Frankfurt.

Die vierte Welle Die Internationale Bauausstellung, kurz IBA, schleuste innerhalb von zehn Jahren, von 1989 bis 1999, fünf Milliarden Mark in die Region. Aus Ideen für den Wandel wurde eine Verwandlung.

Bottrop wollte einen Aussichtsturm für seine alte Kohlehalde und bekam eine Pyramide aus Stahl. Oberhausen wollte etwas mit seinem Gasometer anstellen, einem 117,5 Meter hohen tonnenförmigen Gaslager. Ein Planetarium? Bungee-Jumping? Daneben ein 350 Hektar großes Trauma, das ehemalige Thyssen-Werksgelände, auch leer. Es bekam einen der aufregendsten Ausstellungsräume Europas im Gasometer sowie mit dem CentrO die "Neue Mitte Oberhausen": eine spiralförmige Anlage aus Technologiepark, modernem Wohnungsbau und revierbekanntem Einkaufszentrum. Herne brauchte eine Bebauung für das ehemalige Zechengelände Mont Cenis, das Land Nordrhein-Westfalen eine neue Fortbildungsstätte für seine Beamte. Beide bekamen die " Fortbildungsakademie Mont Cenis", einen Tempel. Innen Marokko, außen Silicon Valley, obendrauf das größte Solardach Europas.

Und so weiter. Der Landschaftspark Duisburg-Nord, der Wissenschaftspark in Gelsenkirchen, Lichtspektakel in den Industriebauten, Kunstwerke auf den Halden. Die Frührentner setzen sich am Wochenende auf ihre Fahrräder und fahren durch den Emscher Park, Dose Bier in der Lenkertasche, Radio an, Päuschen am Kiosk, besteigen die alten Halden, blicken über die Region, ihre Städte, ihre Werke und sind nicht erschüttert, sondern stolz. Das Ruhrgebiet, erst "Ein starkes Stück Deutschland", traut sich wieder was, auf Plakaten steht: "Der Pott kocht".

Doch leider kocht er nicht, der Pott, er köchelt höchstens. Die Kohle hat die Landschaft geformt: Halden, Mulden, Industrie. Die Arbeit formte die Menschen und die SPD. Unter Tage war die Einheit aus Wort und Tat überlebenswichtig. Dort muss man -nicht den Namen der Frau des Kumpels wissen, man muss ihm nur sein Leben anvertrauen. Unter Tage herrscht noch heute disziplinierte Anarchie. Aber wer zu große Faxen macht, der fährt erst gar nicht ein, der ist zu gefährlich. Der bleibt oben. Und oben ist scheiße. Unten ist gut. Die Welt der SPD. Es begann als Solidarität mit denen da unten, sinnvoll für die Verhandlung mit Industriebaronen und Konzernen. Kommunal aber war es pure Entmündigung. Ein Yachthafen in Herne für den Rhein-Herne-Kanal? Ein Golfplatz in Gelsenkirchen? Bourgeoiser Luxus. Eine Woche fuhren wir durch die Region, suchten neue Ideen, sprachen mit dem Mittelstand und fanden Mittelmaß. Wir trafen den Bergmann, der nach seinem DSK-Kurs ein Internetcafe eröffnet, Sozialwissenschaftler, die eCommerce-Netze für Krankenhäuser und Gesundheitsmessen planen, Wasserradbauer, Biobäcker. Das Ruhrgebiet steckt voller Ideen. Natürlich! Aber direkt daneben steht immer jemand auf der Bremse. Die lockert sich, ja, aber sehr langsam. Sie haben die IBA gehasst in den Komunen, jetzt wollen sie es alle gewesen sein. Die Mitte ist voller Angst und Misstrauen. Angst vor Extrovertiertheit. Angst vor der großen Geste auf der großen Bühne.

Die kommunale Lähmung sichert die Macht in Düsseldorf, doch es muss sich etwas ändern, und zwar schnell. Nach der IBA gibt es einen Folgeplan: Die Agentur Ruhr soll die Ergebnisse dauerhaft sichern. Im kreativen Umgang mit den chaotischen Systemen der Region soll aus der Verwandlung ein Strukturwandel werden. Das Prinzip wie bei der IBA: kleiner Eigenetat, Kanalisierung von EU- und Fördergeldern. Im September 1999 beschließt das Landeskabinett die Gründung. Gut gemeint, aber etwas übereilt. Das Ministerium übersieht einen Verfahrensfehler.

Die Agentur Ruhr hätte die Auflösung des KVR bedeutet, des Kommunalverbandes Ruhr. 350 Angestellte produzieren dort Marketing, laue Verkehrskonzepte, Müllsysteme, Dokumentation über das Ruhrgebiet und ihre eigene Tätigkeit. Diesen Kommunalverband können nur die Kommunen selbst auflösen, doch nach den Kommunalwahlen spielt die CDU nicht mit, und die SPD-Leute misstrauen dem Zentralismus aus Düsseldorf. Das Projekt wird gekippt. Doch Wolfgang Clement, schnell und gar nicht dumm, hat kurz zuvor die Projekt Ruhr GmbH gegründet. Er stellt sie im Januar der Öffentlichkeit vor, erklärt sie zur Chefsache und lädt alle ein, ihre Projekte einzureichen. Die Einladung ist eine Anweisung, auch für den KVR. Anträge nimmt nur noch die Project Ruhr GmbH entgegen. Das ist Politik.

Jetzt Strukturwandel ohne Strukturen zu wandeln. Die jungen Männer und Frauen der Projekt Ruhr GmbH gieren nach "Veränderung.

"Der KVR bedarf sicherlich einer neuen Struktur. Doch es ist nicht unsere Aufgabe, die Kommunen zu verändern. Die müssen sich selbst ausrichten", sagt Axel Weber von der Projekt Ruhr GmbH. Das Geld liegt jetzt in Essen, wer etwas will kommt schon. Sie kommen tatsächlich, mit guten Ideen. Es wird neue Bahnhöfe geben - als ersten den in Gelsenkirchen -, ein Netzwerk digitaler Rathäuser und einen Masterplan für den öffentlichen Verkehr. Wichtigstes Ziel ist die nachhaltige Veränderung des Images der Region. Arbeitsplätze schaffen. Wachstumsmärkte anziehen.

Die Projekt Ruhr GmbH sitzt im 11. Stock. Richtung Süden das neue Gesicht des Ruhrgebiets: die Glastürme der RAG, das "intelligente Hochhaus" der RWE, Thyssen Industries, das Stammhaus Karstadts, die WestLB und das Essener Rathaus. Im Norden die alten Spuren: Häuser, Berge, Fördertürme. Von hier oben, mitten in Essen, voller Bahngleise, Kräne, Autos und Menschen, sieht das Ruhrgebiet aus wie eine große Baustelle mit Zukunft. Wenn man erst mal hinuntersteigt, verliert man schnell den Überblick.