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Bezahlen im Web

Alle wollen Inhalte aus dem Netz, aber niemand will dafür bezahlen. Was geschehen muss, damit sich das ändert. Kurzinterview mit Stefan Franke von der Kommunikationsagentur SFK, Hamburg.




brand eins: Herr Franke, stellen wir uns mal vor, das Internet wäre ein Supermarkt. Man geht mit seinem Einkaufskorb durch und kommt an die Kasse. Was sagt der typische Internet-Benutzer dann?

Stephan Franke: Bezahlt wird nicht. Weil er das nicht gelernt hat. Von Anfang an sind im Internet die meisten Inhalte kostenfrei. Nur deswegen ist das Web so populär geworden. Wenn man von ganz wenigen Produkten absieht, für die der Kunde etwas bezahlt, so wie in der wirklichen Welt, und natürlich von gut gepflegten Fachinformationen, etwa für Mediziner und Juristen, ist niemand bereit, etwas für Content auf den Tisch zu legen.

Kein gutes Zeichen für die Wissensgesellschaft. Es heißt doch: "Content is king". Ein König, der keinen Pfennig wert ist?

Das Problem liegt darin, dass viele Internetnutzer nicht wissen, ob ihnen für ihr Geld auch tatsächlich ein entsprechender Gegenwert geliefert wird.

Wer ist an diesem eigenartigen Verhalten schuld - die Anbieter, die Technik, der Kunde?

Wir alle. Wenn ich irgendwo eine Frage habe, gehe ich erst mal auf die Gratisangebote oder in eine Newsgroup, und erst wenn das nichts bringt, fordere ich professionelle Hilfe an.

Es geht doch oft nur um winzige Beträge, ein paar Pfennige für Content, der interessiert. Ein Artikel beispielsweise oder eine Adresse. Da ist es oft einfach zu teuer, diese Leistungen einzeln abzurechnen. Wird das Prinzip "Verschenken ist billiger" so bleiben?

Micropayment, also das Bezahlen mit geringen Beiträgen für Informationsdienstleistungen im Netz, ist schon auch ein technisches Problem. Die bisherigen Versuche, die es seit Anfang des Webs gibt, hatten keinen Erfolg. Egal, ob die Deutsche Bank oder große Softwareunternehmen wie Adobe Systems dahinter standen. Aber Technik allein kann das Problem nicht lösen.

Warum nicht?

Der Punkt ist: Um Content internetgerecht zu bezahlen, also hier und da immer ein paar Pfennige für gerade benötigte Information auszugeben, braucht man mehr Vertrauen beim Kunden. Alle Micropayment-Systeme und Cyber-Geld sind kompliziert und für den Konsumenten nicht durchschaubar, und das ist so, weil es sehr aufwendige Verschlüsselungssysteme gibt, die auch bei kleinsten Beträgen eingesetzt werden.

Dann wäre die einzige Alternative, dass der Netzkunde den Anbietern bei der Abrechnung blind vertraut.

Das ist natürlich schwierig. Otto Normalsurfer wird kein Vertrauen in die Sicherheit im Netz entwickeln, solange alles so kompliziert ist. Und wichtiger: Der Nutzer muss das Gefühl haben, dass das Internet sicher ist, deshalb müssen schnell einfach zu bedienende Systeme her, die sicher und klar sind. Und das Allerwichtigste: Der Inhalt im Internet muss so gut sein, dass die Kunden wissen, wofür sie ihr Geld ausgeben. Spätestens jetzt müssen diese Dinge angepackt werden. UMTS und damit der Mobile Commerce, bei dem es ständig Micropayments geben wird, kann nur so funktionieren.