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Gestatten, Robb. Rob Robb.

Rob Robb, 44, Psychologe, Visionär und Management Consultant in San Francisco, Kalifornien, ist eine Figur zwischen Berater und Guru. Er arbeitet für Top-Manager und Hollywoodstars, aber auch für Politiker wie Ronald Reagan zu dessen Regierungszeit. Durch intuitive Analysen und brutale Ehrlichkeit versucht er, seine Klienten aus ihrer "Denk-Komfortzone" herauszuholen. Deutschen Managern hat er seine Methoden noch nicht näher gebracht: Er hält sie für zu engstirnig.




brand eins: Man behauptet, Sie seien ein Visionär.

Rob Robb: (lacht) Darüber habe ich wirklich nie nachgedacht.

brand eins: Warum glauben die Leute, dass Sie einer sind?

Rob Robb: Mein ganzes Leben konnte ich Trends ein paar Jahre voraussehen. Wenn ich z. B. gesellschaftliche Veränderungen kommen sehe und das offen ausspreche, ziehen Leute ihre Augenbrauen hoch und lächeln ungläubig. Zwei Jahre später spricht jeder darüber.

brand eins: Ihr ganzes Leben - das meinen Sie nicht ernst.

Rob Robb: Ich war fünf Jahre alt, als ich auf einer Art Party zwei Männer bei einer Auseinandersetzung beobachtete. Ich ging hin und erzählte ihnen, wie sie ihre Schwierigkeiten lösen könnten und was der eigentliche Ursprung ihres Streits war. Von da an kamen immer häufiger Erwachsene und stellten Fragen aus den verschiedensten Bereichen. Für mich war das ganz normales Kindergerede, ich fand nichts Besonderes dabei. Mit zwölf Jahren gab ich meine ersten Seminare und wurde dafür sehr gut bezahlt.

brand eins: Und was bieten Sie heute den Unternehmen?

Rob Robb: Wenn ich mit einer Firma zusammenarbeite, schaue ich zuerst: Was ist die eigentliche Motivation des Unternehmens? Haben die Mitarbeiter des Teams und das Management die Möglichkeit, ihr Potenzial auszuschöpfen? Wie viel Angst steckt hinter ihren Entscheidungen und Aktionen?

brand eins: Was verstehen Sie unter "eigentlicher Motivation"?

Rob Robb: Wenn eine Firma vorgibt, visionäre Mitarbeiter einzukaufen, um mit einer idealistischen Vision eine Veränderung im Markt zu bewirken, dann fühle ich dem Management auf den Zahn. Es geht mir nicht darum zu verurteilen: Ich will nur checken, ob der Manager wirklich dahinter steht, ob er oder sie ehrlich ist oder ob es hier eigentlich nur um Geld und nicht um die Leute im Team, um Kreativität oder Innovation und Inspiration geht - also um jene Qualitäten, mit denen die Firma im Wettbewerb auf sich aufmerksam machen möchte. Oft stellt sich heraus, dass der Hintergrund der Vision einer Firma weniger idealistisch, sondern rein finanziell ist. Das ist okay, solange es offen ausgesprochen wird.

brand eins: Und das Management lässt sich so bloßstellen?

Rob Robb: Die Firmen, die mich anheuern, kennen mich oder haben zumindest von mir gehört und wissen, worauf sie sich einlassen.

brand eins: Ein Visionär bringt also Prozesse in Gang und fördert Veränderungen?

Rob Robb: Ja! Visionär kann man auf allen möglichen Gebieten sein. Auf die Wirtschaft bezogen, bringt der Visionär eine andere Perspektive in das Geschehen einer Firma. Er eröffnet den Mitarbeitern die Möglichkeit, Schwierigkeiten aus einem anderen Blickwinkel zu sehen. Ein Visionär sieht meistens das größere Bild eines Problems, wittert, wenn sich Krisen innerhalb oder außerhalb der Firma abzeichnen, und bietet durch sein Denken alternative Lösungsansätze. Er inspiriert durch seine Art und Weise, Dinge zu sehen. Nicht mal so sehr durch sein Tun.

brand eins: Können Sie uns bekannte Visionäre als Beispiel nennen?

Rob Robb: Gandhi inspirierte durch sein Schweigen, er sprach weder viel, noch hat er wirklich viel getan. Martin Luther King erzählte der Welt: "I have a dream!" Zu seiner Zeit war das visionär und mutig, heute würde doch jeder sagen: "Na und, Martin? Wir auch!" Nelson Mandela hatte den Mut, laut auszusprechen, woran er glaubte -mit dem Ergebnis, dass er viele Jahre im Gefängnis saß. Nach seiner Freilassung war er kein gebrochener Mann, sondern machte weiter. Genau diese Tatsache inspirierte und ermutigte die Welt.

brand eins: Charisma, Inspiration, Voraussicht, Passion, Mut und Ehrlichkeit sind also die Qualitäten, die einen Visionär ausmachen?

Rob Robb: Eigenschaften, die meistens angeboren sind. Auf jeden Fall gehören sie zu Menschen, die einen Veränderungsprozess auslösen - und das muss nicht immer ein guter sein. Nehmen wir Hitler, Napoleon oder Alexander den Großen. Visionäre? Ja, sie haben sich für das eingesetzt, an das sie glaubten, und dadurch das Geschehen geprägt.

brand eins: Was ist mit Bill Gates?

Rob Robb: Nein, Bill Gates hat Visionäre eingestellt. Er hätte das Talent, visionär zu sein, wenn er nicht so beschäftigt wäre mit Macht und Geld. Genauso wie Steve Jobs von Apple Computers: Er verstrickte sich in den Konkurrenzkampf mit Gates und verlor.

brand eins: Wen haben Sie kürzlich erfolgreich visionär beraten?

Rob Robb: Robert Dieleman von Jake's International, einem der weltweit größten Kranhersteller. Sein Team ist täglich mit gefährlicher, körperlicher Arbeit konfrontiert, während er als President täglich meditiert. Alle Mitarbeiter lachen darüber, besonders über die Sprüche, die auf ihren Kränen geschrieben sind: "Think Peace" oder "Think Love". Als ich zu ihm kam, bat ich ihn, mir die Fotos aller Mitarbeiter seines Teams zu zeigen. Mit 300 Fotos kam er zurück. Anhand der Bilder kann ich erkennen, ob die Mitarbeiter ihrem Potenzial entsprechend arbeiten und wer nicht in die Firma passt. Robert war mutig genug, mir zu vertrauen. Wir positionierten Leute im Team um, entließen einige Mitarbeiter und stellten neue ein. Auch ein wichtiger Mann im Top-Management wurde entlassen. Nach außen gab es für diesen Vorschlag keinen Anlass. Der Mann war charmant und gut, aber wenig unterstützend für das, was Robert mit seiner Firma wollte. Da er ihm eine hohe Ablöse zahlen musste, schluckte Robert erst schwer. Langfristig hat es sich gelohnt und der Firma viel Schaden erspart. Und Dieleman muss nicht mehr ständig gegen Widerstände anarbeiten und hat wieder mehr Zeit für seine Familie und sich selbst.

brand eins: Eine Form der Beratung, mit der es viele deutsche Manager nicht leicht hätten...

Rob Robb: Die Deutschen haben Schwierigkeiten Risiken einzugehen. Nicht, dass die Amerikaner alles gut machen. Im Gegenteil: Vieles geht in die Hose. Aber Deutsche wollen erst einmal alles perfekt abrunden, analysieren und sichergehen, dass das neue Projekt von allen Seiten abgesichert ist. Den Amerikanern ist das nicht so wichtig, die geben ihre Ideen und Projekte auch halbfertig auf den Markt. Da ist dann Spielraum für visionäres Denken gegeben - der Maßstab für Perfektion und Sicherheit ist in den USA viel niedriger angesetzt.

brand eins: Und was heißt das genau für den visionären Mitarbeiter?

Rob Robb: Sagen wir es so: Setzt das Management eines deutschen Unternehmens eine Anzeige auf, mit der es nach visionären Mitarbeitern sucht, muss es sich vorher bewusst sein, welches Ei es sich ins Nest legt. Es muss den Mut haben, ehrlich zu sein. Die Formulierung könnte also etwa so lauten: "Wir suchen einen Visionär, der mutig genug ist, mit unseren Widerständen und unserer Engstirnigkeit umzugehen. Wir suchen einen, der sich weder durch Regeln noch durch ein enges Korsett bürokratischer und administrativer Aufgaben abschrecken lässt und sich offen unserer Kritik oder Skepsis stellen und sich belächeln lassen kann. Hat er bis dahin ausgehalten, werden wir seine Ideen akribisch prüfen, und sollten sie dabei durchfallen, machen wir ihm das Leben zur Hölle. Sollten sie nicht durchfallen, werden wir erst noch einmal abwarten und sie dann stillschweigend einführen." brand eins: Einladend.

Rob Robb: Und wissen Sie was? Widerstände sind nichts anderes als Energie! Als Visionär wäre es doch langweilig, wenn alles glatt läuft.

brand eins: Erste Widerstände sind provoziert -wann kommen Sie also nach Deutschland?

Rob Robb: Darüber habe ich auch noch nie nachgedacht.

Kontakt: Rob Robb Management Consultant 313 Eureka Street San Francisco CA 94114, USA Telefon: 001/415/8877622