Partner von
Partner von

Die Botschafter des Lichts

Das globale Netzwerk kommuniziert blitzschnell - über Glasfaser. Lokal war das bisher unrentabel. Deshalb sind Kurzstreckennetze so langsam. Claus Georg Müller und seine Firma ADVA wollen das ändern. "Ich habe von Anfang an an das Glasfaserkabel geglaubt." Aus dem Mund Müllers klingt der Satz wie ein religiöses Bekenntnis. Er sagt ihm wie ein Missionar, der sich von einer großen Idee leiten lässt. Müller ist Mitbegründer der ADVA Optical Networking, die sich die Eigenschaften des Lichts zunutze macht, um Daten mit mehr als 100 Gigabyte pro Sekunde durch lokale Glasfasernetzwerke zu jagen.




Der Gedanke war ganz simpel. Die Firma wertet Glasfaserkabel auf, "Value Added", wie es in den USA heißt. Also hat einer der Gründer, der Diplomingenieur Claus Georg Müller, 37, die Wörter einfach abgekürzt und umgedreht - ADVA. "So stehen wir weiter oben im Alphabet." Die Aufwertung ist ganz einfach: Früher wurden Daten ausschließlich mit Hilfe von elektronischen Signalen (Elektronen) durch Kupferkabel übertragen. Seit einigen Jahren hat sich eine neue Technologie etabliert, bei der Daten mit Hilfe von optischen Signalen (Photonen) durch Lichtwellenleiter (Glasfaserkabel) übertragen werden.

Das geht mehr als tausendmal schneller, ist weniger störanfällig und ermöglicht eine ausgezeichnete Datensicherheit. Die optische Datenübertragung macht sich die Eigenschaften des Lichts zunutze, das aus einem Fächer verschiedener Wellenlängen besteht. Über die verschiedenen Wellenlängen kann man Informationen parallel übertragen, und zwar so, dass sie sich nicht gegenseitig beeinflussen. Jede Wellenlänge funktioniert auf einer mikroskopisch dünnen Glasfaser als unabhängiger Datenkanal. Diese Technologie hat den komplizierten Namen "Wavelength Division Multiplexing", kurz WDM. Ein umständlicher Name für einen ganz offensichtlichen Nutzen.

Die Kommunikation über Lichtwellenleiter ist von Wissenschaftlern über 20 Jahre hinweg in vielen Ländern gleichzeitig entwickelt worden. Aber erst vor einigen Jahren wurde die optische Datenübertragung praktisch umgesetzt, und zwar in Langstreckennetzen (Long Haul Networks) aus Glasfaserkabeln. Claus Georg Müller hatte die Idee, die Technologie auch in Kurzstreckennetzen einzusetzen. Das Problem dabei bestand darin, die WDM-Technologie für den Kurzstreckenbereich so zu adaptieren, dass sie in lokalen Netzen kostengünstig eingesetzt werden konnte.

Dieses Problem ging Müller nicht mehr aus dem Kopf, seitdem er einem jungen, blitzgescheiten Amerikaner begegnete, der gerade an der Elite-Universität Stanford im kalifornischen Silicon Valley seinen Bachelor of Science in Elektronik und Informatik gemacht hatte - Brian Protiva.

Nach seinem Studium war Protiva, 35, nach München umgezogen, um sich in der kleinen Firma AMS Electronic GmbH an der Spitze einer vierköpfigen Belegschaft die ersten Managersporen zu verdienen. An der Firma war sein Daddy beteiligt, ein Mann, der im Silicon Valley als Unternehmer und Venture Capitalist ganz oben mitspielt. Protiva und Müller entdeckten schnell, dass sie auf der gleichen Wellenlänge liegen.

Protiva, very sophisticated und weltgewandt, verfügt über erstklassige Beziehungen zum Silicon Valley und über eine besondere Begabung für Strategie, Organisation und Marketing. Müller ist zuständig für Forschung, Entwicklung und Produktmanagement. Gemeinsam gründeten sie einen AMS-Ableger - die AMS Opto Tech Vertriebs GmbH und steigerten den Umsatz innerhalb von knapp drei Jahren von vier Millionen auf 40 Millionen Mark. Und dann, 1994, gründeten die beiden ihre ADVA.

IBM gegen ADVA - der Riese gab auf Mit Erfolg ist es dem Unternehmen gelungen, für den Datentransfer über kurze Strecken die Zahl der zur Datenübertragung genutzten Lichtwellenlängen erheblich zu erhöhen. "Ein Durchbruch", sagt Müller. Dadurch wurde es möglich, die Kosten im Kurzstreckenbereich attraktiv zu gestalten. Und das zum richtigen Zeitpunkt. Das Internet boomt, die Welt beginnt sich noch schneller zu vernetzen.

Im Januar 1999 wurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und stieg sofort zu den zehn besten Börsenperformern des Jahres in Deutschland auf. Die Wachstumsrate liegt bei 150 Prozent. In Europa ist ADVA Marktführer, schon 50 Prozent ihres Umsatzes macht die Gesellschaft in Amerika und ist damit auch in der Neuen Welt ganz vom. In diesem Jahr beginnt die Offensive in Asien.

Anfangs saß ADVA ein mächtiger Konkurrent im Nacken: Auch IBM hatte den Markt für die WDM-Technologie in lokalen Netzen entdeckt. Die Marktforschungsfirma Pioneer Consulting schätzt, dass sich die Investitionen für optische Vernetzungen, die 1998 zwei Milliarden Dollar betrugen, bis zum Jahr 2007 auf neun Milliarden Dollar erhöhen werden. Doch IBM versuchte es mit einem eigenen Standard, der sich nicht durchsetzte. Müller erklärt den Erfolg so: "Während des kalifornischen Goldrauschs gab es nur wenige Digger, die genug Nuggets fanden, um reich zu werden. Reich wurden vor allem diejenigen, die den Goldgräbern die Spaten verkauft haben und alles, was sie so zum Leben brauchten. ADVA liefert die Spaten für das Informationszeitalter." ADVA, so könnte man auch sagen, gibt dem Rausch die Infrastruktur.

Alle Rechner der Welt - ein Superhirn Firmen wie ADVA sind robust, sie werden von einem fast religiösen Optimismus beflügelt, und sie funktionieren wie ein Perpetuum mobile: Ihr Output fließt sofort als Antriebsenergie zurück. Claus Georg Müller sagt: " Wir wachsen nicht auf Kosten anderer - wir wachsen mit dem Markt." Je schneller der Datentransport, desto mehr Informationen werden bewegt, desto mehr Netzkapazität wird gebraucht, desto mehr ADVA-Produkte müssen produziert werden.

Die ADVA Optical Networking AG in München-Martinsried spielt ganz vom mit bei einem Prozess, an dessen Ende alle Rechner der Welt vernetzt sein werden.

Eines nicht so fernen Tages werden die Rechner in ihrer Gesamtheit wie ein gigantisches Superhirn funktionieren. Vielleicht wird dieser Organismus aus Milliarden Computer-Neuronen nicht nur eine eigene Intelligenz entwickeln, sondern auch globale Ideen, Einsichten und womöglich sogar Emotionen. Für Protiva ist es selbstverständlich, sein Unternehmen wie einen sympathischen Menschen zu beschreiben. "ADVA ist sprachbegabt und netzintelligent", sagt er zum Beispiel.

Natürlich hat ADVA, der Produzent von nüchternen Hightech-Produkten, für Brian Protiva auch eine Seele. Die "Seele der Firma" meint er, sei vor allem optimistisch. "Die meisten Menschen, mit denen ich umgehe, sind zukunftsorientiert und optimistisch".

Gelassenheit durch Vorsprung Die Gehirne der ADVA-Mitarbeiter sind das eigentliche Firmenkapital, und so versteht es sich von selbst, dass diese Leute bei Laune gehalten werden - mit einem anständigen Beteiligungsprogramm beispielsweise, aber auch mit einer "Firmenkultur", die Brian Protiva mit den Stichworten beschreibt: "Ein kultiviertes Ambiente, gutes Essen in schönen Restaurants, attraktive Sportmöglichkeiten in einer schönen Umgebung, intellektuelle Herausforderungen im Austausch mit kreativen Menschen, Kunst, Theater, Ausstellungen, kulturelle Happenings auf hohem Niveau." München eben, die Fun-City im weißblauen Land der Berge und Seen. Protiva ist verliebt in München. Und auch am Standort Deutschland hat er nichts auszusetzen.

"Für Unternehmen mit kleiner Belegschaft ein idealer Platz", schwärmt er in fast akzentfreiem Deutsch. "Die Mitarbeiter haben eine erstklassige Ausbildung, sie sind gebildet und hoch motiviert. Und es gibt eine erstklassige Infrastruktur." Für Firmen mit größerer Belegschaft, räumt Protiva ein, sei es wohl nicht so gut hier in Deutschland. Da kämen die Gewerkschaften, und die hätten nicht so viel Verständnis dafür, dass man in der Hightech-Industrie manchmal die Nacht durcharbeiten muss, wenn es wieder einmal gilt, Termine einzuhalten, und dass dabei natürlich auch das Wochenende nicht heilig sein kann.

Ideen halten sich nicht an feste Arbeitszeiten. Sie kommen, wann sie wollen, und sie wollen sofort umgesetzt werden. Protiva und Müller arbeiten und leben in einem Umfeld, in dem Kreativität wichtiger ist als alles andere. Protiva spricht von einer "wahnsinnigen Innovationswelle", und Müller sagt: "Wir erleben eine Revolution. Es gibt eine geradezu extreme Kreativität." Damit die opitmal ausgenutzt werden kann, steckt ADVA 40 Prozent ihres Gewinns in Forschung und Entwicklung.

Auf die Frage, ob ADVA keine Angst vor Industriespionage habe, antwortet Müller selbstbewusst: "Bei uns dauert die Entwicklung neuer Produkte nicht mehr als sechs Monate. Bis uns da einer ausgeforscht hat und nachmachen will, machen wir schon längst ganz andere Sachen. Es lohnt sich also für uns gar nicht, Energie in die Spionageabwehr zu stecken." Zur Kreativität kommen Wendigkeit, Schnelligkeit, Flexibilität und kurze Entscheidungswege - der Vorteil der Kleinen. Die 140 Mitarbeiter von ADVA stellen sich auf die speziellen Bedürfnisse jedes einzelnen Kunden ein und versuchen immer wieder mit neuen Lösungen vor allem die Kosten zu optimieren.

Die Kunden sind hauptsächlich die Betreiber von Local Area Networks, also Firmen, die innerhalb eines Gebäudes oder eines Unternehmensstandortes Daten transferieren. Ihre Zahl wächst ständig. Auch Netzwerke für den Datenaustausch zwischen Rechnern und Speichern sind wegen der ungeheueren Datenmassen, die hier bewegt werden, zunehmend auf optische Kommunikation angewiesen. ADVA ist technologischer Marktführer in dieser Disziplin.

Erfolg auf der Nebenstraße Schließlich gehören auch moderne Netzwerke für den Datenaustausch innerhalb einer Stadt oder einer Region (Metropolitan Area Networks MAN) zu den ADVA-Spezialitäten.

Mit neuen Technologien gewinnt ADVA unter führenden Banken, Automobilkonzernen und Telekommunikationsgesellschaften ständig neue Kunden. Aber auch für viele kleinere Firmen kann es sich lohnen, ihren Datentransfer um den Faktor 32 zu erhöhen. Dass ADVA die Netze ständig online überwacht und wartet, macht das Unternehmen zusätzlich attraktiv.

Während die Langstreckennetze sozusagen die Autobahnen im globalen Netz sind, ist ADVA zuständig für die Nebenstraßen. Claus Georg Müller drückt es so aus: "Wir sind nicht die Wirbelsäule, aber wir scharfen die feinen Verästelungen im globalen Superhirn." Kontakt: ADVA AG Optical Networking Fraunhoferstraße 11 82152 Martinsried Telefon: 089/89 577-577 Fax: 089/89 577-477 Info@advaoptical.de