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Das erste Mal - ... pleite gehen

Das Schlimmste ist die Unsicherheit. Der Moment, in dem klar ist, dass der Karren nicht mehr aus dem Dreck kommt, ist fast eine Erlösung. Jäki Hildisch, 41, Gründer des Musik-Managements "Mutter ist die Beste", erzählt von der schwersten Zeit seines Lebens.




Zuerst war es nur so eine Ahnung. Da passt was nicht zusammen. Mitte der Achtziger bis Anfang 1990 hatte ich meine erste eigene Firma, eine Ein-Mann-Konzertagentur. Ich buchte Touren für Bands wie Einstürzende Neubauten, die Goldenen Zitronen, Abwärts, später auch HipHop. Angefangen hatte alles mit viel Idealismus und einer soliden Anti-BWL-Haltung, damals noch salopp Independent genannt. Ich wollte Konzerte machen, um dem Publikum wichtige Bands zu präsentieren, gelegentlich auch mit Einsatz meines eigenen Geldes. Aber dann kosteten zwei, drei Touren zu viel Geld, eine vorbereitete Tour wurde abgesagt, und ich hatte ein Problem.

Wie viel Schulden ich am Ende haben würde, lag über ein Jahr lang im Nebel. Mein ständiger Albtraum: Ich stehe auf einem Bahngleis, und ein Zug rast auf mich zu. Den Anlass aufzuhören, gab ein Anwalt, der für einen befreundeten Musiker die Gage eintrieb. Als ich nicht nur Geld, sondern auch Freunde verlor, wusste ich, dass es vorbei war. Der Schuldenberg war beim Wert eines Einfamilienhauses angekommen. Zu verkaufen hatte ich nicht viel. Meinen VW tauschte ich gegen ein Fahrrad. Die Plattensammlung habe ich allerdings behalten.

Ich arbeitete wie verrückt, nahm jede Tourbegleitung an. Das war ein komisches Gefühl: first-class-mäßig mit BAP oder der Kelly Family auf Tour - und zu Hause musste ich mit 500 Mark im Monat auskommen. Hart war, was im Kopf passierte: Wie schlimm ist mein persönliches Versagen? Bekomme ich das jemals wieder hin?

Die Leute aus der Branche reagierten völlig unterschiedlich: Manche, mit denen ich früher Geschäfte per Handschlag besiegelte, kannten mich nicht mehr. Andere boten Zahlungsaufschub oder Jobs an. Ende 1996 war das Schlimmste vorbei, die Schulden bezahlt. Ich hatte nicht Konkurs angemeldet, dafür aber 20 Kilo abgenommen. Ich bin im Musikgeschäft geblieben, heute betreue ich HipHop-Größen wie Fünf Sterne Deluxe und Ferris MC. Schön wachsam allerdings.