Partner von
Partner von

Titanische Aufgaben

Martin Stuchtey, 32, Berater bei der Unternehmensberatung McKinsey, über die Kunst, Regionen wie Unternehmen zu managen.




brand eins: Herr Stuchtey, Sie haben sich in letzter Zeit viel mit regionalen Wachstumsprogrammen befasst. Seit wann ist das ein Feld für eine Unternehmensberatung? Ist das nicht eine Aufgabe für die Politik?

Stuchtey: Beim Thema regionales Wachstum wurde bislang anders gedacht als in Unternehmen. Regionalentwicklung war immer eine ziemlich frustrierende und wenig aussichtsreiche Sache. Das ändert sich nun.

brand eins: Warum?

Stuchtey: Die Landkarte verändert sich. So wie sich in den vergangenen Jahren in der Industrie die Werterelationen massiv verschoben haben, so gibt es auch Verlierer und Gewinner im regionalen Wettbewerb. Die Schnellen werden belohnt.

brand eins: Was hat die Regionalförderung früher falsch gemacht?

Stuchtey: In der Vergangenheit wurden in diesem Bereich wenig Erfolge erzielt. Das hatte mit dem Denkschema zu tun. Es ging bei der Regionalförderung vor allem darum, die Ressourcen gleichmäßig zu verteilen und so das ökonomische Gefälle auszugleichen. Auch bei Regionen kann man - genauso wie bei Unternehmen - Wettbewerbsvorteile erkennen, optimieren und ausbauen. Es darf nicht wie bisher darum gehen, Schwächen zu kompensieren, sondern es muss darum gehen, Stärken zu stärken. Es gilt zu schauen, wo kompetitive Vorteile vorhanden sind. Es geht dem Land am besten, das die meisten international wettbewerbsfähigen Kompetenzregionen hat.

brand eins: Und wie sollen die geschaffen werden?

Stuchtey: Zuerst sieht man sich an, welche Industrie schon in der Region angesiedelt ist. Sie stellt quasi die ökonomische Basis einer Region dar. Wenn Sie etwa eine hohe Konzentration an Software- oder Elektronikfirmen haben oder an Finanzdienstleistern, dann ist das die ökonomische Basis, das ist das, was diese Region besser kann als andere.

brand eins: Nun geht es aber auch um Regionen, die strukturschwach sind, weil ihre Industrien und die Politik den Anschluss verpasst haben.

Stuchtey: Darum muss man auch die Kontextfaktoren untersuchen. Auch die können einen Wettbewerbsvorteil begründen. Wir wissen, dass es im Wesentlichen drei Kontextfaktoren sind, die eine Region voranbringen. Erstens: das Humankapital. Wenn Sie etwa in Flandern Ihren Standort haben, haben Sie besonders viele mehrsprachige Menschen, das ist etwas, was Sie weltweit abhebt. Wenn Sie in Heidelberg sind, haben Sie wahrscheinlich mehr hoch qualifizierte Biotechniker als anderswo.

Der zweite wichtige Faktor ist das, was wir Idea-Pipeline nennen. Es gibt Regionen mit höherem Ideenpotenzial. Das hat mit den Wissensmultiplikatoren zu tun, die sich im Umfeld befinden, also etwa staatliche Forschungseinrichtungen, aber auch die Forschungs- und Entwicklungsabteilungen der ansässigen Unternehmen. Jena ist ein gutes Beispiel für eine Region, die dies für ihr Wachstum nutzt.

Das nächste Faktor ist Kapital. Kapital ist zwar außerordentlich mobil, aber je stärker man in eine Phase von starken technologischen Veränderungen kommt, desto größer ist natürlich die Unsicherheit und das Risiko für Investoren, und desto industrie-und auch regionentypischer muss auch das Kapital sein. Unabhängig davon, ob es um Venture Capital (VC) oder Gelder von Business Angels geht.

Es gibt verblüffende Studien, die zeigen, dass VC-Geber oder Business Angels in engen Radien operieren. Business Angels haben demnach einen Radius von unter 50 Kilometern, VC-Geber von 50 bis zu 100 Kilometern. Das kann man auch im Silicon Valley sehen: Die Unternehmen dort werden von ortsansässigen Risikokapitalgebern betreut. Die Unternehmen in München werden von Münchner Venture Capitalisten betreut. Insofern ist Kapital auch ein Standortfaktor.

brand eins: Mich wundert, dass Sie die viel beschworenen Netzwerke nicht auf Ihrer Liste haben.

Stuchtey: Als Region können Sie Ihre Wettbewerbsvorteile durch formelle und informelle Verbindungen zwischen den Unternehmen und Institutionen absichern. Wenn Sie ein gut funktionierendes Netzwerk haben, wie zum Beispiel in Oberitalien, wo Sie eine uralte Tradition der Kooperation haben, oder eine unverdrahtete eCommerce-Szene wie in Berlin, haben Sie etwas, was Ihnen niemand wegnehmen kann.

brand eins: Kann man so ein Modell überall aufbauen?

Stuchtey: Ganz sicher nicht. Sie müssen in der Lage sein, einen bestehenden Wettbewerbsvorteil zu nutzen.

brand eins: Ist das nicht eine Frage der intensiven Suche?

Stuchtey: Man kann nicht alles überall aufbauen, es braucht eine solide Grundlage, entweder bei der ökonomischen Basis oder den Ideen. Aber man kann sie aufbauen an Orten, an denen man es im Augenblick nicht erwarten würde. Vielerorts werden etwa bestehende Unternehmen, insbesondere Großunternehmen nicht als ökonomische Basis betrachtet, sondern eher als etwas, was einer Regionalentwicklung im Wege steht, etwas wie Schwarze Löcher. Das liegt an einem überkommenden Paradigma.

Das alte Paradigma ist das introvertierte Unternehmen, das versucht, möglichst viel im eigenen Haus zu machen, sich gegen die Außenwelt abzugrenzen und sein lokales Einkaufsmonopol zu nutzen. Das neue Paradigma ist das Netzwerk-Unternehmen, es ist extrovertiert und hat vielfältige Verbindungen zur Außenwelt. Über Kooperationen, Langzeit-Lieferverträge, Joint Ventures oder einfach nur über informelle Austauschbeziehungen, indem man halt abends ein Bier zusammen trinkt.

brand eins: Demnach haben noch nicht genügend Unternehmen begriffen, dass ein Paradigmenwechsel ansteht?

Stuchtey: Aber sie sind dabei. Volkswagen hat begriffen, dass die Wagenburg in Wolfsburg nicht mehr funktioniert, genauso wie Aventis Pharma in Frankfurt. Sie haben begriffen, dass sie Teil einer Community sein müssen, sie können ihre Kernkompetenzen nur ausdehnen, indem sie das machen, was sie am besten können, und dabei auf die Ressourcen anderer Unternehmen im gleichen Cluster zurückgreifen.

brand eins: Wenn die Unternehmen also verstehen, dass sie sich öffnen müssen, dann können sie demnach Nährboden sein für die Regionalentwicklung ?

Stuchtey: Stark zugespitzt ja. In Wolfsburg ist das heute so. Der Rollenwechsel begann 1997. Damals wurden wir gefragt, wie man die Arbeitslosigkeit halbieren kann. Wolfsburg ist so etwas wie der Säuretest der Regionalentwicklung. Dort herrscht eine wohl einmalige Monostruktur. Alles ist auf Volkswagen ausgerichtet - das hat die Preise verdorben, die haben alles an Ingenieuren aufgesaugt und auch alles an unternehmerischer Energie. Sie merken aber auch: So geht es nicht weiter. Sie müssen mit jungen, intelligenten Unternehmen in Verbindung stehen, müssen Teile ihrer Wertschöpfung nach außen verlegen, müssen Top-Leute anlocken, die andere Alternativen an attraktiven Standorten haben.

brand eins: Und klappt das?

Stuchtey: Ja. Mittlerweile haben wir dort über 15 kleine Unternehmen und zwölf Lieferanten angesiedelt. Es sind 2400 Arbeitsplätze geschaffen worden. In fünf Jahren sollen es 10000 sein. Die Arbeitslosigkeit hat sich fast halbiert. Das Projekt Volkswagen war maßgeblich daran beteiligt.

Es klappt also an Orten, an denen bereits Unternehmen sind. Erfolgreich wird es, wenn man es schafft, eine Art von strategischer Interessenskonvergenz zwischen den Regionalentwicklern, also den Gebietskörperschaften und den Unternehmen herzustellen. Diese müssen begreifen, dass man in der Wüste kein erfolgreiches Geschäft betreiben kann.

brand eins: Das heißt, es gibt auch Hoffnung für Regionen wie das Ruhrgebiet?

Stuchtey: Ja. Allerdings ist das eine titanische Aufgabe. Wir haben eine umfangreiche Studie für Dortmund gemacht. Die Presse hat am Ende geschrieben: Die Stadt soll in zehn Jahren zum Top-Standort werden. Jetzt überschlagen sich die Erfolgsnachrichten: Die "FAZ" nennt die Dortmunder Region das neue deutsche Silicon Valley.

Wenn es so kommen soll, muss man alle wichtigen Stakeholder im Boot haben. In Dortmund ist das der Rat der Stadt, die Landesregierung und Thyssen-Krupp. Alle sind extrem engagiert.

brand eins: Heißt das, auf andere Regionen übertragen, man braucht ein hochrangiges Team, ein anspruchsvolles Ziel und den Willen, Probleme lösen zu wollen?

Stuchtey: Genau. Das ist die Grundausstattung. Und damit werden es die komplexesten Projekte, die man machen kann. Was die Anzahl der Menschen und Stakeholder angeht, was die Datenlage angeht und die Schubkraft, die man da braucht.

Gleichzeitig sind es aber auch bei uns im Haus die Projekte, die mit den glänzendsten Augen gemacht werden.

brand eins: Gibt es Anhaltspunkte dafür, was eine Region erfolgreich macht?

Stuchtey: Ja. Beispielsweise, was die Aussichten anbelangt, gute Leute anzusiedeln. Aus den USA wissen wir, dass die Zahl, die am besten Technologie-Performance einer amerikanischen Stadt beschreibt, die Anzahl der männlichen Schwulen ist.

brand eins: Wie?

Stuchtey: Die Zahl der männlichen Schwulen sagt etwas darüber aus, wie erfolgreich Städte oder Regionen es schaffen, jeder Gemeinschaft ein Zuhause zu geben. Seien es Vietnamesen, Inder, Katholiken oder Muslime. Schaffen sie es, jeder Gruppe ihre Restaurants, ihren Lifestyle zu ermöglichen? Kopfarbeiter sind ein wählerisches Volk.

brand eins: Wie ist das in Deutschland?

Stuchtey: Jedenfalls ist das keine Frage der Greencards. Es ist vielmehr die Frage, ob sich jemand zu Hause fühlt. Da glauben wir übrigens, dass es das Ruhrgebiet immer wieder besonders gut geschafft hat, Menschen zu integrieren. Da hat es ja gleich zweimal geklappt: einmal mit den osteuropäischen und dann auch mit den türkischen Gastarbeitern. Das ist ein echter Wettbewerbsvorteil, den man auch einem Programmierer aus Kasachstan vermitteln kann.

brand eins: Und wie vermittelt man Venture Capitalisten dorthin?

Stuchtey: So, wie wir es in München, Köln, Nürnberg oder Wolfsburg gemacht haben: zum Beispiel Businessplan-Wettbewerbe. Wenn sie gut gemacht sind, sind das die Futterplätze für Venture Capitalisten. Zudem gibt es in einer solchen Region auch noch jede Menge Business-Angels-Kapital, das erschlossen werden kann. Und man kann öffentliche Gelder intelligent oder unintelligent vergeben. Unintelligent vergeben hieße, dass eine staatliche Stelle bestimmt, wer was kriegt oder nicht. Besser ist, man hängt die Förderung an Eigenkapitalfinanzierungen und vertraut auf die Weisheit der Investoren.

brand eins: Wie stellt man aber sicher, dass sich Regionen im internationalen Wettbewerb behaupten können?

Stuchtey: Ein Cluster kann nur erfolgreich sein, wenn er gleichzeitig Teil eines internationalen Netzwerks ist. Das kann man gezielt erreichen, indem man Brückenköpfe in anderen Technologiezentren aufbaut, wie Bayern dies im Silicon Valley getan hat und dadurch Verbindungen schafft. Über verschiedene Cluster hinweg. Eine Region braucht Botschafter, und zwar da, wo etwas für ihre Technologien Interessantes passiert.

Oder ein anderes Beispiel: Lernout & Hauspie ist Technologieführer im Bereich der Sprach-Software. Ungeachtet der momentanen Probleme, haben die ein interessantes Konstrukt geschaffen. Die Firma hat 1985 in Ypres in Flandern angefangen, nicht gerade der klassische Software-Standort.

Also haben sie sich überlegt: Wir haben jetzt entweder die Möglichkeit, woanders hinzugehen oder hier einen Wachstumsstandort zu schaffen. Dann haben sie das Flanders Language Valley gegründet, mittlerweile sitzen da 20 Softwarefirmen, auch Intel. Vorher war es wirklich ein Acker. Das Language Valley hat seinen eigenen Inkubator, den so genannten S.AI.L-Trust (S.AI.L = Speech, Artificial Intelligence and Language) und einen Fonds. Sie decken mit ihrem System alles ab, was mit Sprach-Software und -Erkennung zusammenhängt.

Der Fonds und der S.AI.L-Trust, der eigentlich ein intelligenter Inkubator ist, haben überall Austauschprogramme organisiert, wo Sprach-Software gelehrt wird - auch mit anderen Unternehmen, die sich damit befassen. Zusätzlich haben sie es geschafft, ganz Ypres mit seinen 80000 Einwohnern zum Testfeld für ihre Sprachapplikationen zu machen.

Das System wird auf andere Standorte übertragen. Nach Argentinien, Ungarn, Australien, Japan, Israel und Norwegen etwa. [n diesen neuen zehn S.AI.L-Ports können die Schwerpunkte anders liegen. Aber egal wie, Lernout & Hauspie wird damit rund 1000 Unternehmen auf seinem Radarschirm haben. Damit sitzen sie wie eine Spinne in der Mitte eines internationalen Ideennetzwerks.

brand eins: Lemout & Hauspie, die heute mit Microsoft verbündet sind - das ist doch ein Glücksfall für die Region.

Stuchtey: In der Tat. In Ypres haben sie jetzt ein Knowledge-Cluster. Und siehe, auch die guten Leute kommen. Es wäre früher unmöglich gewesen, einen Top-Ingenieur nach Ypres zu kriegen. Aber nun weiß er, er kriegt in der gleichen Region wieder einen fob und kann also sein Häuschen bauen.

Durch die guten Start-up-Bedingungen haben Investoren einen guten Dealflow und eine hohe Rendite auf das investierte Kapital. Und die Region hat natürlich den Vorteil, dass sie solide Arbeitsplätze bekommen hat, mit allem, was daran hängt, etwa ein Steueraufkommen.

brand eins: Aber wie es scheint, ist die Initiative allein vom Unternehmen ausgegangen, und die Gebietskörperschaften haben sich herausgehalten?

Stuchtey: Dieses Modell ist ein firmengetriebenes Modell, das die Firma aus eigenem Interesse macht. Das könnte eine Verwaltung nicht. Man darf aber auch nicht vergessen, dass es sich hier um eine Wachstumstechnologie handelt. Wenn das nicht so gewesen wäre, dann hätte das Vorhaben eben ein bisschen öffentliches Geld gebraucht, aber weniger als für konventionelle Maßnahmen. Eine Win-Win-Situation für das Unternehmen und die Region.

brand eins: Das Geld in öffentlichen Kassen ist knapp ...

Stuchtey: Selbst wenn die öffentliche Hand 100 Prozent der Kosten für einen Arbeitsplatz getragen hätte, wäre das immer noch günstiger als das, was traditionell gemacht wird. Um die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen, haben Sie in Deutschland verschiedene Ansatzmöglichkeiten.

Da ist einmal die Möglichkeit der Ansiedlungshilfen, wie Dresden, Hambach oder North Tyneside es machen. Herr Biedenkopf holt den Chipkonzem AMD nach Dresden und zahlt pro Arbeitsplatz aufs Jahr gerechnet rund 90000 Euro. Um damit einen Job zu schaffen, dessen Bruttowertschöpfung kaum höher ist.

Sie können aber auch sagen. Sie möchten lieber Steinkohle fördern, wie es in bestimmten Regionen ja immer noch gemacht wird. Da haben Sie dann eine Bruttowertschöpfung von 22 000 Euro und geben dafür 48 000 jährlich aus.

Oder Sie haben die Möglichkeit, einen konventionellen Technologiepark zu gründen. Der erhöht aber die Gründungsrate nicht und sammelt im Prinzip nur die Trittbrettfahrer ein. Dann belaufen sich die Kosten für Sie auf 33 000 Euro pro Jahr.

Oder Sie sagen, der Arbeitslose soll gar nichts machen, sondern er soll brav zu Hause sitzen und Video gucken, dann kostet Sie das um die 23 000 Euro im Schnitt in Form von Arbeitslosengeld.

Oder eine Region entscheidet sich für eine Private-Public-Partnership, wo sich der Job für ungefähr 3000 Euro im Jahr schaffen lässt und am Ende ein vollständiger Hightech-Job hinten herauspurzelt. Bei der Autovision in Wolfsburg gehen wir davon aus, dass ein Job für 2000 bis 4000 Euro geschaffen werden kann und am Schluss eine überdurchschnittliche Bruttowertschöpfüng abwirft.

brand eins: Wenn eine Landesregierung oder der Bund eine Region fördert, wachsen dann nicht auch die Begehrlichkeiten andernorts?

Stuchtey: Auch auf Länderebene und nationaler Ebene sollte man Stärken stärken und Schwerpunkte setzen. Und wenn dann Ministerpräsidenten gegeneinander antreten, sage ich: fein. Und wenn Cluster gegeneinander antreten, finde ich das auch prima. Genauso, wie ich es gut finde, wenn Unternehmen gegeneinander antreten. Das ist genau das, was garantiert, dass Martinsried immer besser wird - weil die Frankfurter und die Heidelberger ihnen auf den Fersen sind. Oder die Jenaer.

Das soll so sein. So werden sie auch gezwungen, sich stärker zu differenzieren. Wenn Martinsried stärker wächst als Heidelberg, dann hat Heidelberg keine andere Chance, als zu sagen: "Okay, wir gehen stärker in Gewebeersatzstoffe oder in vorklinische und vorvorklinische Forschung." Andere werden sagen, wir gehen stärker in die Analytik.

brand eins: Konkurrenz also, wie zwischen den Unternehmen. Aber sind die öffentlichen Sparrings-Partner nicht viel zu langsam?

Stuchtey: Natürlich besteht die Gefahr, dass die Wettbewerbsanpassung zu langsam geschieht, wenn sie von zentralen Behörden gesteuert wird. Insofern ist das ganze Cluster-Ding etwas, was sehr gut auf der Ebene der Kommunen, aber maximal auf der Ebene der Länder klappen kann, weil man hier schneller ist und die Interessen und Kompetenzen zusammenpassen.

brand, eins: Das ist die lokale Antwort auf die Wachstumsfrage. Aber gibt es auch eine nationale?

Stuchtey: Die Rahmenbedingungen müssen natürlich auch stimmen. Aber weder die Region noch die Unternehmen haben Zeit zu warten, bis Berlin oder Brüssel die Weichen richtig stellen. Sie müssen vorher nach Lösungen suchen. Ypres hat das erkannt, Wolfsburg hat das erkannt, München hat es schon lange erkannt, Barcelona und Tel Aviv haben auch nicht gewartet.

Sie haben ihre Technologie, ihre Netzwerke und ihre Anziehungskraft auf die Wissensarbeiter gezielt in Wachstum umgemünzt. Die New Economy, mit ihren neuen Technologien, den wachstumsbegeisterten Investoren und den pragmatischen Politikansätzen haben das ihre dazu beigetragen.

Hinzu kommt Folgendes: Durchschnittszahlen sagen gar nichts darüber aus, wie sich alles entwickelt. Pirmasens etwa hat - über die vergangenen zehn Jahre gesehen -jedes Jahr rund zwei Prozent Beschäftigung verloren. Was nützt es Ihnen da, wenn anderswo mehr Arbeit geschaffen wurde?