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Multiple Orgasmen dank multipler Rache

Nachgefragt: Wie Rache am Rechner funktioniert: Dexter Santucci ist die personifizierte Rache an den Ausgeburten wirrer Computeringenieure. Der 23-jährige Italiener zeigt in seiner Web-Galerie, auf wie vielfältige Weise man Computerbauteile zerstören kann.




Warum lieben wir die Rache? Die Ursachenforschung führt zu nicht gehaltenen Versprechen. Zum Gefühl, betrogen worden zu sein. Um Geld, Zeit, Nerven und Lebensfreude.

Die Computerindustrie verspricht uns totalen Spaß, Effizienz und Produktivität. Da wird laut Microsoft "das Arbeiten am Computer zum Vergnügen", wenn man erst einmal die Millennium-Edition von Windows einsetze. Apple verspricht, seine iMac-Kunden "in weniger als zehn Minuten ins Internet" zu bringen. Alles mit null Problemo, versteht sich.

In der Realität aber sind nur stillgelegte Computer gute Computer. Defekte Sektoren auf Festplatten versenken Doktorarbeiten. CD-Brenner verdampfen Schlüsselromane und zertrümmern Lebensträume. Jeden kann es treffen. Die Folge: schierer Hass, Lust auf Vergeltung. Töten, töten, töten.

Natürlich kennt Dexter Santucci das, aber er zerbricht nicht daran. Im Gegenteil. Er macht kaputt, was ihn kaputtmacht. Dexter zertrümmert CD-Brenner, flambiert Netzwerkkarten und knallt Rechnerplatinen ab. Und weil Dexter dabei nicht nur jede Menge Genugtuung empfindet, sondern auch einen Internet-Zugang hat, stellt er auf seiner Website die schönsten Bilder im Hardware and Software Destruction Heaven (www.shybe.com) aus. Es ist eine Website der Gerechtigkeit.

Dexters Lieblinge sind vom Computer zerstörte CD-Rohlinge, denen er den Rest gibt. Dexter zerkratzt sie, verbiegt sie bis zum Auseinanderbrechen, zermalmt sie unter dem Autoreifen, kocht sie in der Mikrowelle, erschießt sie oder verbrennt sie einfach. Immer mit dabei: seine Digitalkamera für gestochen scharfe Bilder der Rache.

Wie kommt ein gesunder Mensch auf eine solche Idee? " Es war vor fünf Jahren. Eine Festplatte machte Ärger, und ich beschloss, sie zu öffnen, während sie am Netz hing und lief. Dann nahm ich einen Schraubenzieher, kratzte über die Oberfläche und fand Gefallen daran. Seitdem macht es mir einen Riesenspaß, mich an widerspenstiger Hardware zu rächen." Dexter glaubt, dass er mit diesem Wunsch nicht allein steht: "Jeder hat den Wunsch nach Rache an seinem Computer wenigstens einmal im Leben gespürt. Der einzige Unterschied zwischen normalen Menschen und mir ist, dass ich meine perversen Ideen in die Tat umsetze", so der Rächer der Entnervten. "Eine Rechnerplatine zu zerschneiden und die Prozessoren einzeln in die Luft zu jagen, verschafft mir multiple Orgasmen." Mit seinem Internet-Projekt hat Dexter Santucci voll ins Schwarze getroffen. Seit Eröffnung vor wenigen Monaten haben über 18 000 Besucher einen Rundgang durch den Zerstörungspark gemacht. Viele davon sehen im Hardware and Software Destruction Heaven eine Plattform, ihrem eigenen Arger Luft zu verschaffen: "Opfer aus der ganzen Welt schicken mir Bilder ihrer Computerabstürze und Fehlermeldungen." Und weiter: "Ich habe über tausend eMails bekommen, in denen mir die Leute schrieben, wie sie selbst ihre Hardware gequält haben. Eine Beschwerde war nie dabei. Wahrscheinlich verstehen sie meinen Humor. Oder ich habe einfach Glück gehabt." Würde Dexter auch Bill Gates persönlich an die Gurgel springen? Im Gegenteil: Dexter bewundert den Erfolg von Bill Gates. "Computer und Internet wären ohne ihn nicht das, was sie heute sind. Wenn ich Gates persönlich treffen könnte, würde ich ihm zu seinen außergewöhnlichen Leistungen gratulieren und ihn fragen, was er in der nächsten Zeit noch so alles plant." Wie immer die Antwort lauten wird, die Botschaft ist für Dexter klar: Nachschub. Der Stoff wird ihm kaum ausgehen. Sein jüngster Coup: Bildschirmfotos der ersten vier Systemabstürze mit der brandneuen Millennium-Edition von Windows, laut Microsoft "the most trouble-free operating system".