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Große Stars! Hohe Spannung! Echtes Geld!

Deutsche Filmfonds finanzieren Blockbuster in Hollywood. Wie das geht, und wem das was bringt.




Kevin Costner und Oliver Stone in Mecklenburg-Vorpommern: Was sich liest wie ein müder Aprilscherz, wird im Frühjahr 2001 wahr. Dann will der "JFK" -Regisseur Szenen seiner Ärzte-ohne-Grenze-Romanze " Beyond Borders" im deutschen Osten drehen, der Tschetschenien darstellen soll. Der Grund ist kein Solidaritätszuschlag Hollywoods an den Markt, den es vor gut zehn Jahren dazugewonnen hat, sondern der einzige, der zählt im globalisierten Medienbusiness: Geld. Deutsche Investoren haben 1999 mehr als 2,3 Milliarden Mark in Medienfonds eingezahlt. Bis zu fünf Milliarden könnten es dieses Jahr werden, sagen Optimisten, mindestens drei, glauben realistische Experten.

Was weder deutschen Medienmogulen noch -konzernen gelang, die Filmfonds schaffen es ohne viel Lärm: Sie holen die großen Filme ins Land. Jean-Jacques Annauds Stalingrad-Drama "Enemy at the Gates" zum Beispiel, mit einem Budget von 180 Millionen Mark der bislang teuerste Film Europas, wurde zu 90 Prozent in Deutschland gedreht. In Brandenburg entsteht die Science-Fiction-Serie "Lexx - The Dark Zone", die deutsche Fernsehsternchen wie Xenia Seeberg international berühmt machen soll. In Berlin drehte US-Regisseur Alan Rudolph "Investigating Sex" mit Nick Nolte und Til Schweiger. Die Liste wächst und wächst: der Teenie-Horrorfilm "The Calling", Bruce Beresfords Verfilmung des Lebens der Alma Mahler und das Remake "So weit die Füße tragen".

Die deutsche Filmszene freut sich drüber: Studios wie Potsdam-Babelsberg oder Köln-Ossendorf, aber auch international konkurrenzfähige Postproduktionshäuser wie Das Werk AG brauchen Aufträge, um ihre mit Börsengeld oder Subventionen aufgebauten Kapazitäten auslasten zu können.

Und so wird nun doch noch zu einer Strukturfördermaßnahme, was mit einem Gerichtsurteil 1970 eher aus Versehen in Gang gesetzt wurde: Damals entschied der Bundesfinanzhof in einem Grundsatzurteil, das der damals beinahe bankrotte Berliner Produzent Artur Brauner verlangt hatte, dass Filme als immaterielles Wirtschaftsgut im Jahr ihrer Produktion vollständig abgeschrieben werden können, rein rechnerisch also ein Totalverlust sind. Findige Abschreiber entdeckten Tricks, ihren Kunden über Kredite Verlustzuweisungen von bis zu 40 Prozent zu verscharfen. Folglich gab es in den siebziger Jahren oft Dreharbeiten, die mehr oder minder absichtlich nie zu Ende gebracht wurden. Manche Filme fanden nie eine Leinwand (ein heimlicher Klassiker: Billy Wilders "Fedora" mit Marthe Keller und Hildegard Knef), manche leider doch (unübertroffener Tierpunkt: "Der Geheimnisträger" nach Konsalik, in dem Willy Millowitsch als Buchhalter eine geheime Formel auf seinem Hintern trägt).

Schon damals akzeptierten amerikanische Kreative gern deutsches Geld. So entstand die "Unheimliche Begegnung der dritten Art" für die Cinerenta Philipp Kreuzers - ein Name, der auch heute noch im Geschäft ist. Ende der Siebziger unterbanden neue Gesetze Abschreibungen von mehr als 100 Prozent. Doch Mitte der Neunziger entdeckten Finanzdienstleister, dass die Filmbranche inzwischen eine echter Wachstumsmarkt geworden ist: dank Kinoboom, Video- und DVD-Auswertung und der horrenden Preise, die gerade deutsche Sender für Pay-TV und Free-TV-Rechte zahlen, sowie dank Merchandising und Internet-Fantasien. So kamen Filmfonds wieder in Mode, wobei die Steuern am liebsten zugunsten von sicheren Hollywood-Flits gespart werden. Das erregte den Argwohn deutscher Finanzbehörden.

Nach mehr als zweijährigen geheimen Beratungen in diversen Ministerien und unter Lobbyisten sollen jetzt neue Verfügungsanweisungen und ein " Medienerlass" des Bundesfinanzministeriums für eine klare Rechtslage sorgen. Das Ziel ist, einerseits den Markt für Filme als Verlustzuweisungsobjekte trockenzulegen, andererseits privates Risikokapital in die Filmbranche zu lenken. Klar ist, dass es " deutsche" Produktionen wie den Tom-Cruise-Film " Mission Impossible II", kurz "M:I II", bald nicht mehr geben wird. Ab 2001 haben jene Leasingfonds ausgespielt, bei denen Bankkunden wenig Risiko haben, eine sichere Rendite und die Hoffnung auf eine zusätzliche Gewinnausschüttung nach 16 Jahren. Es sei denn, die Amerikaner rechnen die Gewinne nicht trickreich her - in Hollywood liegt die Hölle zwischen brutto und netto, so sagt ein Bonmot.

Wenn Anleger in Filme investieren, siegt das Gute und die Liebe erblüht Als Steuersparmodelle sind Filmfonds passe. "Heute seien sie unternehmerische Beteiligung", sagt Michael Oehme, Unternehmensberater und einer derjenigen, die sich in der Filmfonds-Landschaft am besten auskennen. Denn der steuerliche Effekt lohnt sich in der Regel nur einmal im Leben: und zwar für die, die in diesem Jahr viel versteuern und wissen, dass sie bald in Rente gehen und einem niedrigeren Steuersatz unterliegen werden. Alle übrigen Interessenten sollten viel Geld haben, sich gut informieren und höchstens 20 Prozent in Medienfonds investieren.

Was Fondsgesellschaften nachweisen müssen, um auf der sicheren Seite zu sein, sind a) Verlustrisiko für alle Anleger im unternehmerischen Sinne und b) " Herstellereigenschaft" im urheberrechtlichen Sinne. Die Finanziers müssen von Deutschland aus künstlerische Kontrolle ausüben können. Wie beweist man das? Etwa durch Eingriffe ins Drehbuch. Volker Schauz, Geschäftsführer der Münchner Internationale Medien und Film GmbH (IMF), erzählt, wie sein Kreativstab beim Kinofilm "Clay Pigeons" die Schlussgebung beeinflusst hat: "Wir haben das Gute siegen lassen. Der charismatische Killer steigt in ein Auto, das dem zufällig anwesenden Sheriff gehört." Ob das dem Film gut getan hat, ist eine andere Frage, den Verkäufen wird es genützt haben. Im lukrativen Prime-Time-Segment der Fernsehmärkte haben anstößige Inhalte keine Chance - da hilft es, wenn das Gute siegt. Noch weiter ist Rudolf G. Wiesmeier vom Fonds Hollywood Partners gegangen. Er hat den australischen Regisseur Bill Bennett bei seiner Produktion "In A Savage Land" überredet, dass sich die Liebenden am Ende doch noch kriegen. Sein Argument: "Man geht dann mit einem besseren Gefühl aus dem Kino." David Hasselhoff kommt nach Marktoberdorf, denn: "Verkaufen ist immer Emotion" Vor allem solche Zwischenfinanzierungsmodelle waren es, die deutschem Geld in Hollywood den Ruf des Stupid Money eingebracht hatten. Jahrelang schrieben US-Branchenblätter: "Sie haben es tonnenweise." Gemeint war: "Geld, das ohne Prüfung ausgegeben wird, damit irgendein Film gemacht wird, um vor Jahresende noch steuerliche Verluste geltend machen zu können". Das sagt Roland Pellegrino, der es vom Banklehrling bei Wüstenrot in Ludwigsburg zum Vorstand der Stuttgarter Fondsgesellschaft KC Medien gebracht hat. KC steht für Kapital-Consult, bei Anlegern auch durch den krisengeschüttelten " Dreiländerfonds" bekannt. Medard Fuchsgruber vom Bund der Kapitalanleger e. V. nennt ihn deshalb in Anlehnung an die vielen Mafiafilme Don Pellegrino. Heute ist der gebürtige Schwabe ein Kosmopolit, der bei deutsch-französischen Filmverhandlungen auf höchster politischer Ebene dabei war und Terry Gilliam zurück nach Europa bringt. Der Ex-"Monty Python"-Mann konnte sein Projekt "The Man who killed Don Quixote" in Hollywood jahrelang nicht realisieren. Nun tut er es in Spanien mit KC-Medien-Geld.

Ähnlich umtriebig ist Franz Landerer. Der waschechte Bayer holt schon mal David Hasselhoff zur Gesellschafterversammlung der Victory Medien nach Marktoberdorf (bei Kaufbeuren), um den Leuten Glamour sowie den Star ihrer Miniserie "Shaka Zulu" zu bieten. Dann streicht er Hasselhoff wieder aus der Besetzung von "Diamond Hunters", weil die Victory neuerdings mit teureren Fernsehfilmen auch auf den amerikanischen Prime-Time-Markt zielt - und für den haben Schauspieler, die nach Kaufbeuren kommen, nicht das richtige Format. So richtig visionär wird das bayerische Kraftpaket, wenn er von der Inszenierung der Werbeplakate auf der Programm-Messe im Palais de Festivals von Cannes erzählt: "Man muss die Leute einseifen, dass sie sich so wohl fühlen, dass sie gar nicht mehr zu Warner wollen. Verkaufen ist immer Emotion, und ich war immer einer der besten Verkäufer." Versicherungen hat er verkauft, bis ihm vor neun Jahren das vom Konkurs bedrohte Zeichentrickfonds-Projekt "Willy Wühlmaus" begegnete. Landerer nahm sich der pädagogisch wie steuerlich wertvollen Wühlmaus an und offerierte sie Thomas Haffa, der damals gerade ins Merchandisinggeschäft einstieg. Haffa zog schließlich den australischen Koalabären Blinky Bill vor - der Beginn der Erfolgsstory von EM-TV. Jetzt sind die beiden doch zusammen gekommen: Victory und EM-TV haben einen Deal über 100 Zeichentrickserien für 1,5 Milliarden Mark binnen fünf Jahren abgeschlossen. Enge Mitarbeiter warnten Landerer, dass er da "eine zu dicke Kröte geschluckt" habe. Wer soll so viele Filme zeichnen? "Wir werden in Europa die Talente abräumen und Leute aus USA holen", verspricht der Bayer, dem gemeinsam mit seinen Anlegern jetzt auch Blinky Bill gehört.

Neben den Marktschreiern sind auch stille Cineasten wie Wolfram Tichy aktiv, der Biografien über Charlie Chaplin und Buster Keaton geschrieben hat und Herausgeber von "Buchers Enzyklopädie des Films" ist. Früher hat er mit seiner TiMe-Medienvertriebs GmbH Kunstfilme ins Kino gebracht, viele aus Kanada. Als dann der Konkurrent Kinowelt mit Börsenmillionen die Verleihlandschaft umpflügte, begriff Tichy, dass es in unserer Mediengesellschaft "eine Unmenge freies Kapital gibt". Er war einer der ersten Praktiker, die eine eigene Fondsgesellschaft gründeten: ViF begann vergleichsweise klein, ist aber groß genug, um mehr Mittel und Kontrolle zu haben, als sich deutsche Filmproduzenten lange erhonten. Tichy lässt den Belmondo-Klassiker "Cartouche, der Bandit" als Zeichentrickserie verfilmen - natürlich auch, weil seit EM-TV und TV-Loonland jeder Kleinanleger weiß, wie sexy eine Anlage in Animation ist. Außerdem koproduziert er einen Spielfilm über Sergei Eisenstein, Science-Fiction für Teenager und Filme kanadischer Cineasten, die nirgendwo viel Geld einspielen, aber in den Arthouse-Nischen vieler Länder überleben. Bei ViF sind oft deutsche Regisseure wie Wolfgang Panzer und deutsche Schauspieler wie Heino Ferch dabei. Oft wird in Brandenburg gedreht, weshalb sich sogar die Investitions-Bank des Landes (ILB) "mit einem hohen einstelligen Millionenbetrag" an einem Fonds beteiligt hat.

Wer Böses über die Kollegen zu sagen hat, darf jetzt vortreten ... Nein, nicht alle auf einmal!

Eine homogene Szene bilden Filmfonds-Manager nicht, und allzu kollegial geht's nicht zu. Zeichentrick als Massenware erscheint Realfilm-Produzenten dubios. Dass sich reine TV-Produktionen rechnen, bezweifeln Kinomacher. Dass Filme, die im Kino floppen, im TV-Geschäft wenig wert seien, sagen Fernsehproduzenten. Die einen betonen ihre Sicherheiten; andere nennen so genannte Short-Fall-Versicherungen teuren Nepp. Das böse Wort Strukturvertrieb nimmt vor allem in den Mund, wer von der Konkurrenz redet. Und darüber, ob sich eine Fondsgesellschaft von einem Vertrieb getrennt hat oder der Vertrieb deren Fonds nicht mehr vertreiben wollte, gibt es immer zwei Meinungen. Wer länger zuhört, erfährt auch noch, welche Vertreter anderer Fonds im Gefängnis gesessen, gegeneinander prozessiert oder ihren Doktor gekauft haben sollen.

Der unübersichtliche Frontenverlauf ist kein Wunder. Selten prallen so viele unterschiedliche Welten aufeinander. Da sind Steuerspar-Profis, die von Immobilien über Windkraft schon immer alles verkauften, was sich gerade abschreiben ließ, mit ihren Vertriebsmitarbeitern (unter der Hand " Vertriebssauen" geheißen); die Banken, deren Angestellte gedrillt sind, "Risiko" nur im selben Atemzug mit "Chance" auszusprechen und die ihren Kunden früher auch gern zu Konten in Liechtenstein rieten; die Kreativen, die einst von staatlichen Filmförderungen abhängig waren und auf einmal auch von Fonds und AGs Geld kriegen, sofern sie bloß "Weltmarktpotenzial" glaubhaft machen. Und der Gesetzgeber, der auch die kompliziertesten Regelungen nie aufhebt, sondern allenfalls durch neue Regelungen ergänzend interpretiert.

Skandale gibt es in der Filmfonds-Szene selten. Manche Filme floppen, aber das kommt vor.

Unabhängige Instanzen gibt es in der Medienfonds-Szene eigentlich nicht, weder Analysten, noch Journalisten. Viele "Anlegerschützer", die nach bestem Wissen und Gewissen Anleger schützen wollen und für zahlende Interessenten Fondsangebote analysieren, sind untereinander heillos zerstritten. Von Fondsseite werden sie gern als "selbst ernannt" tituliert. Sie müssten eigentlich verlässliche Renditeprognosen fordern, doch die sind für Wohnungs- und Flugzeugmieten möglich, aber nicht für Filme. "Gute Analysen erkauft man sich durch große Anzeigen", sagt Franz Landerer. Er kennt Beispiele, in denen Angebote von Anzeigenkunden noch "gutgeschrieben" wurden, als die Kunden bereits vorm Konkurs standen.

"Das stimmt einerseits", antwortet Michael Oehme, "andererseits ist an den Analysen immer etwas Wahres dran. Man weiß nur nie, wer von wem bezahlt wird." Oehme schreibt für Anlegerdienste, macht Pressearbeit für Fonds und ist ehrenamtlicher Sprecher der Medienfonds-Anbieter im "Europaverband der Selbstständigen". Mit vier Mitgliedern nicht wirklich groß, ist er aber zurzeit die einzige übergreifende Interessenvertretung der Medienfonds. Wenn Angebote auftauchen, die für 13 rund 26-minütige Zeichentrickfolgen aus Tschechien absurd hohe 15 Millionen Mark kalkulieren, verhindert Michael Oehme das schon mal im Vorfeld.

Derzeit sind aber ohnehin selten Medienfonds gemeint, wenn von schwarzen Schafen im grauen Markt die Rede ist. Medard Fuchsgruber, der sich als Verbraucherschützer sieht, kennt zwar Vertriebe, die Kunden noch immer den Kauf von Fondsanteilen über angeblich günstige Bankkredite anbieten - obwohl jeder Experte weiß, dass derlei Fremdfinanzierung für Anleger zum fatalen Zuschussgeschäft werden kann. Echte Medienfonds-Skandale jedoch liegen fast zehn Jahre zurück. Aktuell lassen sich nur gefloppte Filme nennen - und so etwas passiert im Filmgeschäft schon mal.

Doch woran erkennt man die besten Angebote? Als Anleger bestimmt nicht an den aufwendig gestalteten Prospekten. Konkrete Projekte werden selten genannt, weil erst einmal Geld gesammelt werden soll und weil es im Filmgeschäft als unseriös gilt, Fakten herauszuposaunen, bevor die Finanzierung steht. Einige Orientierungspunkte gibt es: Beispielsweise kann die Biografie der Gesellschaft oder die ihrer Experten Aufschluss geben. Produzenten, die schon erfolgreich waren, so eine mögliche Leitlinie, werden sich nicht übers Ohr hauen lassen und auch morgen Erfolg haben.

So schnell wird man berühmt: Die Berater der Filmfonds sind irgendwie auch stolz Natürlich kann jeder Fonds Namen präsentieren: Die IMF ist mit Moritz Bormann verbunden, einem deutschen Filmproduzenten, der seit Jahrzehnten mit wechselndem Erfolg in Hollywood aktiv ist - und hat über die am Neuen Markt notierte Internationalmedia AG einen erfolgreichen Weltvertrieb. Ex-RTL-Boss Helmut Thoma berät nicht nur Wolfgang Clement, sondern auch den Fonds Cinerenta. Frank Hübner von Apollo Media war Geschäftsführer der Filmstiftung Nordrheinwestfalen, die als die größte Nummer unter den staatlichen deutschen Filmförderern seit 1992 Produzenten aus aller Welt anlockt.

Auf Männerfreundschaften setzt Victory-Boss Landerer, der mit Partnern wie Thomas Haffa,Jan Mojto von der Kirch-Gruppe und den Gebrüdern De Angelis gemeinsam schnelle Entscheidungen trifft: "Amerikaner, Italiener und wir verhandeln über die Drehbücher: 40, 50 Geschäftsleute, die einander gut verstehen." Kein Wunder, dass die "Selbstverwirklichung von Künstlern" ein rotes Tuch ist.

Was Fonds letztlich ertragreich macht, ist dasselbe, was Filme erfolgreich macht: Fondsanteile und fertige Filme müssen verkauft werden. Wenn millionenschwere Fonds termingerecht schließen müssen und noch nicht voll platziert sind, fliegt Franz Landerer durchs Land, motiviert seine Vertriebsleute und spricht auf Roadshows an neun Orten zu jeweils bis zu 2500 Leuten: "Das ist immer spannend." Ob Großinvestor oder Kleinstanleger mit zehn Euro: Sicher ist, dass nichts sicher ist Wenn Filme fertig sind und niemand sie sehen oder so viel dafür zahlen will, wie die Macher geplant haben, ist das schlecht für den Anleger. Da hilft ein Weltvertrieb, der sie gegen Minimalgarantien an Kinoverleiher verkauft. So lässt sich auch mit vermeintlichen Flopps gut leben. "Bei einigen Filmen ist abzusehen, dass die Garantiezahlungen höher sein werden als unsere Kosten. Deshalb nimmt man die als guter Geschäftsmann einfach mit", erzählt Pellegrino. "Music From Another Room" ("Liebe auf den ersten Schrei") mit dem heutigen Star Jude Law war so ein Beispiel. "Der musste in Deutschland gar nicht mehr ins Kino, der war schon vorher profitabel." So werden aus großen Filmfonds, die wie der Marktführer IMF, KC, Victory und Cinerenta ihre Gewinne reinvestieren, Medienkonzerne mit "Working Capital" von mehreren 100 Millionen Mark, die mit AGs kooperieren oder langfristig selbst an die Börse streben. Ob solche Unternehmen auf Dauer im globalen Filmgeschäft mithalten können, wird sich allerdings erst in den nächsten Jahren zeigen.

Sicher ist jedenfalls, dass den Anlegern, die mit einem Verlustrisiko von 25 bis 40 Prozent leben können, ein ganz neues Hobby ins Haus steht: Sie werden internationale Kinocharts lesen. Mit 50000 Mark kann jeder dabei sein, manchmal reichen auch 30 000 Mark. Wer weniger riskieren will, hat mit einem Minimaleinsatz von zehn Euro auf der Internet-Seite www.filmcasino.de eine Chance. Da kann, wer auf den Erfolg eines noch ungedrehten Werks namens "Zero Hour" setzt, im Falle weltweiter Einnahmen von 75 Millionen Dollar zwölf Prozent Gewinn machen. Bis dahin wird das Geld in die Gage eines Stars für den Film investiert.

Ob das hinhaut? Niemand kann das sagen. Filme sind kein Öl, ein wenig Kunst bleibt im Spiel. Was ja auch ganz beruhigend ist.