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Größen-Ordnung

Nicht die Großen werden die Kleinen schlagen, sondern die Schnellen die Langsamen. Kennen Sie? Glauben Sie auch? Vorsicht.




Wie die meisten scheinbar plausiblen Management-Regeln ist auch diese nur zur Hälfte wahr - eine Erfahrung, die die neue Wirtschaft gerade macht. Schnell und wendig haben sich die Gründer auf neue Geschäfte wie Internet und Biotechnologie gestürzt. Nun müssen sie erleben, wie sich neben, vor und über ihnen Mitspieler aurbauen, die zwar langsamer sind, aber eben doch auch eindrucksvoll groß.

Das Repertoire der möglichen Reaktionen ist kaum kleiner. Man kann sich verbünden -wie die Internet-Firma MyToys, an der sich Otto-Versand und EM-TV beteiligt haben (S. 108). Man kann sich vernetzen - wie zehn Kleinunternehmen aus dem Medienbereich, die das Netzwerk Klondyke Crossmedia gründeten (S. 106). Oder man kann versuchen, wie der Online-Broker Consors, der sich im Markt, den er geschaffen hat, plötzlich von den Branchen-Giganten umzingelt sieht, sich zu wehren (S. 22).

Die gute Nachricht: Groß ist nicht grundsätzlich besser. Und manchmal merken das die Großen selbst. AT&T ist so ein Beispiel (S. 82). Wenn man dem Vorstandschef Joachim Milberg glaubt, könnte BMW eins werden: Seit sich die Münchner Autobauer von ihrem Expansionstraum Rover getrennt haben, weist die Bilanz wieder blitzsaubere Zahlen aus. Und Milberg hat gute Argumente, warum auch eine kleinere BMW groß sein kann (S. 90).

Die richtige Größe hängt von vielem ab. Von der Branche, der Management-Leistung, betriebswirtschaftlichen Kennziffern, den Menschen. Und von der Größe der Aufgabe - da ist das, was sich das Global Business Network vorgenommen hat, nur schwer zu toppen: Eine bessere Zukunft für die ganze Welt wollen die rund 70 Experten, deren Hauptquartier in einer kalifornischen Mähdrescher-Fabrik zu finden ist. Was nach Größenwahn klingt, ist in Wahrheit ein Projekt, das alle Größen-Dimensionen über den Haufen wirft: GBN-Chef Peter Schwartz und sein Team haben es geschafft, die Weltelite der großen und innovativen Unternehmen auf ihre Seite zu bringen - mit einer vergleichsweise winzigen Organisation.

Wer Großes will, muss eben nicht immer nach Größe streben.

PS: Apropos: "The editors of brand eins have proved that the business magazine ... can in fact be an award-winning, groundbreaking volume which is a point of reference for art directors around the world." So begründet Tyler Brute, Chefredakteur von " Wallpaper", die Aufnahme von brand eins in die Conran Foundation Collection 2000, die vom 13. Oktober bis zum 19. November 2000 im Londoner Design Museum gezeigt wird. Das Design-Zentrum Nordrhein-Westfalen hat dem Magazin "hohe Designqualität" bescheinigt. Und bei den Lead Awards in Hamburg wurden zwar in den Kategorien "Titel" und "Lead-Magazine" keine Awards vergeben - doch bei den Titeln teilt sich brandeins den zweiten Platz mit "Geo". Bei den Lead-Magazinen erscheint brandeins, gerade ein Jahr auf dem Markt, auf einer Shortlist in einer Reihe mit " Geo", "Süddeutsches Magazin", " Jetzt" und "Spiegel". Ein guter Anfang.

Gabriele Fischer
Chefredakteurin