RTV Family Entertainment AG

Drei Aufsichtsräte


Als Unternehmens-Chef mit einem Aufsichtsrat klarzukommen, der zu zwei Dritteln aus Vorstandsmitgliedern des Mutterkonzerns besteht – das ist nicht jedermanns Sache. Doch Peter Hille, Vorstand der RTV Family Entertainment AG, hat damit kein Problem.

„Die Zusammensetzung bildet die Mehrheitsverhältnisse bei den Anteilseignern ab“, sagt er lapidar. 27 Prozent der Aktien des am Neuen Markt notierten Unternehmens sind in Streubesitz, den Rest hält die Ravensburger AG – ein Unternehmen, bei dem viele vor allem an Gesellschaftsspiele und Puzzle denken, das sich aber still und leise zum Medienkonzern gewandelt hat.

Peter Hille war daran maßgeblich beteiligt. Der 56-Jährige ist seit 1971 bei Ravensburger, seit 1980 baute er die Ravensburger Film + TV GmbH auf. Erst war sie ein Projekt, dann eine Abteilung, dann eine rechtlich selbstständige Tochter. Heute ist RTV noch etwas anderes: ein Börsenstar, von dem vielleicht nicht mal alle Aktionäre wissen, dass er eine Abspaltung des Traditionsunternehmens ist.

Über den Aufsichtsrat sorgt die Mutter schon dafür, dass die Verbindung intern nicht abreißt: Aufsichtsratsvorsitzender Detlev Lux ist Vorstand bei der Ravensburger AG, sein Stellvertreter im RTV-Aufsichtsrat ist Erhard Pohle, ebenfalls Vorstand bei der Mutter. Aufsichtsratsmitglied Nummer drei ist der Medienrechtler Professor Johannes Kreile, geschäftsführender Justitiar des Bundesverbandes Deutscher Fernsehproduzenten.

Zwischen dem RTV-Vorstand und seinem Aufsichtsrat sind die Wege kurz, bis auf Kreile sitzen alle unter einem Dach: „Ich brauche keine Minute, bis ich im Büro von Pohle oder Lux bin“, beschreibt Hille. „Wir treffen uns mittags in der Cafeteria und abends beim Bier“ – alle drei wohnen nämlich in der Kleinstadt Ravensburg.

Die Nähe erleichtert es, sich „zwischendurch mal schnell abzustimmen“, wie Hille es formuliert. Da unterrichtet der Aufsichtsratsvorsitzende den Vorstand schon mal in der Kantine über die guten Kontakte zwischen der Abteilung „Spiele“ von Ravensburger und Disneyland – Kontakte, von denen RTV doch sicher profitieren könne.

Hille schätzt diese unkomplizierte Form der Unterstützung, zumal sie von kompetenten Fachleuten kommt: Lux arbeitete früher bei Time Warner und Bertelsmann, Pohle ist ein ausgewiesener Finanzexperte. Überdies kennen sich die Männer nun schon seit so vielen Jahren, dass die Zusammenarbeit eingespielt ist.

Wird einem bei so viel Nähe zur Mutterfirma nicht manchmal ein bisschen eng? Hille vergleicht das Verhältnis mit einer Ehe: Jeder hätte manchmal gem etwas mehr Spielraum, jeder beziehe zuweilen Positionen, die dem anderen nicht gefielen. Und wie in einer guten Partnerschaft gibt es für diese Fälle auch bei RTV klare Spielregeln: „Wir tragen Konflikte aus. Aber die Diskussion bleibt sachlich, und keiner trägt persönliche Blessuren davon.“