Lutz Weiler im Interview

Ein Interview mit Lutz Weiler, der früher als Bereichsleiter Corporace Finance einer Großbank die Börsengänge mittelständischer Unternehmen leitete. Seit 1999 arbeitet Weiler als Vorstand einer IPO-Beratung in Frankfurt.


Welche Namen fallen am häufigsten, wenn junge Unternehmer ihre Wunschkandidaten für den Aufsichtsrat nennen?

Henning Kagermann von SAP. Kim Schindelhauer von Aixtron.

Das klingt aber ziemlich ambitioniert.

Der Grundgedanke ist ja nicht verkehrt: sich Leute in den Aufsichtsrat zu holen, die unternehmerische Erfahrung und einen guten Namen mitbringen. Aber natürlich raten wir Start-ups, auf dem Teppich zu bleiben. Je kleiner und unbekannter das Unternehmen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit von Absagen. Deshalb bringt es wenig, sich auf bestimmte Personen zu versteifen. Ich rate den jungen Unternehmern, eine Liste mit sechs bis acht geeigneten Kandidaten anzulegen. Und dann muss man eben sehen, wen man bekommt.

Wer kommt in Frage?

Kandidaten, die nicht nur als Flaggschiff nach außen fungieren, sondern auch als wirklicher Ratgeber nach innen. Das kann ein Universitätsprofessor sein, der für eine Fachrichtung steht, in der das Start-up tätig ist. Oder ein Patentanwalt. Oder ein gestandener Unternehmer, möglichst mit Branchenerfahrung. Konkret lässt sich das nur im Einzelfall sagen. Wichtig ist auch, dass die Aufsichtsräte genügend Know-how und Standfestigkeit mitbringen, um dem Vorstand Paroli zu bieten. Der besteht ja vielfach aus 20- bis 30-Jährigen, die ungestüm nach vom drängen und deutlich Bedarf an Sparrings-Partnern haben.

Wie kommt man an die Wunschkandidaten ran?

Am besten ist es natürlich, wenn ein persönlicher Draht besteht – meinetwegen auch um fünf Ecken. Die jungen Leute sind manchmal selbst erstaunt, wohin sie die eigenen Kontakte führen, wenn sie ein bisschen nachdenken. Wenn das partout nicht klappt: telefonieren, schreiben, treffen. In der Regel entscheidet sich schon beim ersten Treffen, ob der Kandidat anbeißt. Wichtig dabei ist, dass der Kandidat ein Gespür dafür kriegt, wo das Unternehmen hin will. Auch das Menschliche muss stimmen. Wenn ich jemanden auf Anhieb nicht mag, hat er in meinem Aufsichtsrat nichts zu suchen, egal, wie toll sein Name klingt.

Man kann sich den Stress natürlich sparen und den Aufsichtsrat mit guten Freunden besetzen.

Das taugt höchstens als Übergangslösung. Längerfristig tun sich Existenzgründer keinen Gefallen, wenn sie mit Leuten zusammenarbeiten, die ihre Entscheidungen nur abnicken. So was hat außerdem keine besonders gute Außenwirkung. Kapitalgeber sehen sich inzwischen sehr genau an, wer im Aufsichtsrat sitzt.

Aufsichtsräte als Gütesiegel?

Und ob! Der Jungunternehmer hat damit schon bewiesen, dass er die richtigen Leute für sich begeistern kann. Außerdem wissen die Kapitalgeber ja auch, dass es dem Unternehmen nützt, wenn es in ein funktionierendes Netzwerk eingebunden ist. Und bewerten es entsprechend positiv, wenn die Aufsichtsräte gute Kontakte mitbringen.

Was treibt hoch bezahlte und chronisch gestresste Manager dazu, sich auch noch ein Aufsichtsratsmandat ans Bein zu hängen?

Ein bisschen die Ehre. In einen Aufsichtsrat gebeten zu werden ist ja eine Bestätigung der eigenen Kompetenz. Und wenn die richtigen Leute fragen – kluge Köpfe mit einer spannenden Idee –, kann es schon Spaß machen, den Mentor zu spielen und Erfahrungen weiterzugeben. Wenn dann noch die Branche stimmt, ergeben sich durch die Mitarbeit im Aufsichtsrat oft auch geschäftliche Vorteile – neue Kontakte, interessante Informationen.

In wie vielen Aufsichtsräten sitzen Sie?

In keinem! Ich werde zwar oft gefragt, lehne aber grundsätzlich ab. Ich bin Dienstleister. Das verträgt sich schlecht mit der Rolle eines Aufsichtsrates.