Beenz.com

#__Die New Yorker Firma Beenz.com hat eine Internetwährung entwickelt, mit der bezahlt wird, was eigentlich nichts kostet. Was das soll? Marketing-Chef Nicolas De Santis über seine Pläne.




brandeins: Gibt es nicht schon genügend Währungen? Wieso nun auch noch Beenz?

De Santis: Wir sind auf die Idee mit Beenz gekommen, weil es kein eigenes Währungssystem im Web gibt. Für uns ist das Internet ein neues Land mit einer eigenen Bevölkerung. Beenz soll ein globales Währungssymbol werden, das in Tokio genauso gilt wie in Berlin oder London.

Und woher kommen die Beenz?

Sie erhalten Beenz für die E-Work, die Sie im Internet erledigen. Für uns ist Surfen und Herumstöbern im Internet Arbeit. Und genau wie für unseren normalen Job, für den wir in Mark oder Dollar bezahlt werden, werden wir für E-Work in Beenz bezahlt. Wenn Sie also beispielsweise auf die Webseite einer Zeitschrift gehen und sich als Nutzer registrieren lassen und damit Informationen über sich preisgeben, erhalten Sie dafür Beenz. Beenz sind für Konsumenten kostenlos. Bezahlen müssen die Betreiber der Seiten. Sie kaufen das Recht, Beenz zu verteilen, und die Währung von uns.

Und warum soll ich persönliche Informationen für ein paar lumpige Beenz hergeben?

Ganz einfach - Sie werden für etwas bezahlt, was Sie nichts kostet: sich registrieren lassen, Informationen preisgeben, Webseiten besuchen. Wenn Sie genug Beenz zusammenhaben, dann können Sie die bei den Beenz-Partnern gegen Waren Ihrer Wahl einlösen. Das Tolle ist: Beide Seiten haben etwas von den Beenz. Sie als Surfer, der etwa Beenz für seine Treue bekommt, und ich als Betreiber, weil Sie meine Seite öfter besuchen, um mehr Beenz zu sammeln. Und wenn Sie etwa auf der Webseite Ihrer Lieblingszeitschrift 50 Beenz verdient haben, könnte der Verlag sagen: „Wenn du mir die 50 Beenz zurückgibst, erhältst du ein kostenloses Abo!“ Mit solchen Konzepten arbeiten Airlines schon seit Jahren.

Sie können die Beenz im Unterschied zu anderen Systemen wirklich einsetzen wie Geld. Denn Sie können die Beenz auf der einen Webseite verdienen und auf einer anderen wieder ausgeben. Das hat noch einen Vorteil: Viele Menschen fürchten sich davor, ihre Kreditkartennummer im Internet anzugeben. Mit Beenz können sie ohne ihre Kreditkarte einkaufen.

Und wovon leben Sie? Beenz?

Unsere Kunden erwerben ein Beenz von Beenz.com für einen Cent. Dies ist sozusagen die Lizenzgebühr. Wenn unsere Partner ein Beenz von einem Konsumenten annehmen, bekommen sie einen halben Cent zurück. Die andere Hälfte ist für uns. Davon zahlen wir das Marketing, den Support usw.

Und an den Daten verdienen Sie etwa nicht?

Natürlich. Wir verwalten die Informationen darüber, wer wo wie viele Beenz erwirbt und ausgibt. Jedes Beenz hat eine Seriennummer. Wir wissen also, wo das Beenz erworben und ausgegeben wurde. Diese Daten gehören uns. Wir sammeln aber keine persönlichen Daten und geben sie auch nicht weiter. Eine unserer Einnahmequellen wird jedoch auch der Verkauf von Sammeldaten sein. Wir könnten also zu einem Kunden, einem Autohersteller etwa, gehen und sagen: „Von den 50.000 Menschen, die Beenz auf Ihrer Seite gesammelt haben, sind 10.000 zur Webseite des Uhrenherstellers X gegangen und haben die Beenz dort ausgegeben.“ Vielleicht wäre es eine gute Idee, dort zu werben.

Was unterscheidet Beenz von echtem Geld?

Beenz können nicht übertragen oder verschenkt werden. Wenn sie ausgegeben sind, sterben sie.

Wird es Beenz irgendwann auch im wirklichen Leben geben?

Sie können mit Beenz so viel phantasieren, wie Sie möchten. Heute ist es unser Ziel, uns im Internet zu etablieren. Sobald wir eine bestimmte Menge von Konsumenten online gewonnen haben, können wir darüber nachdenken, offline zu gehen. Unsere Vision ist, dass Sie irgendwann mit Ihrer Beenz- . Kundenkarte aus Deutschland an jeder Tankstelle der Welt Benzin kaufen können.__//

Das Unternehmen:
Beenz.com. wurde im Dezember 1998 gegründet. Seit März 1999 ist die Firma online. Neben dem Gründer Charles Cohen und einigen seiner Freunde sind unter anderem der Venture Capitalist Apax und Larry Ellison, CEO von Oracle, an Beenz.com beteiligt. Zurzeit sind rund eine Million Beenz-Sammler registriert. Gut 250 Web-Seiten, darunter MP3, Excite und Honda, akzeptieren die Beenz-Währung.