e-Rate AG

Drei Aufsichtsräte


Wenn man jung und unerfahren ist und nichts hat außer einer guten Idee, dann braucht man jemanden mit Kontakten. So viel war den Brüdern Andreas und Felix Geyr und ihren Freunden Thomas Schulte und Andreas Frank klar, als sie im vergangenen Sommer beschlossen, e-Rate zu gründen – ein Unternehmen, das via Internet Kredite zur Baufinanzierung vermitteln soll. Das Profil des gesuchten Aufbauhelfers war schnell erstellt: jemand aus der Bankenszene, erfahren, möglichst Vorstandsebene, möglichst mit Doktor-Titel. Aber wie den Wunschkandidaten finden? „Man kann ja schlecht ein Inserat schalten“, sagt Andreas Geyr.

Die vier setzten auf Mundpropaganda, fragten im Familien- und Bekanntenkreis rum – und hatten Glück: Sie fanden Alfred Schmeding, 59 Jahre, mit dem gewünschten Doktor-Titel, mit drei Jahrzehnten Erfahrung bei der Deutschen Bank und der Frankfurter Sparkasse, zuletzt auf der Vorstandsebene, heute selbstständiger Consultant.

Einmal für die Idee erwärmt, zeigte Schmeding erfreuliche Initiative. Er wusste, wer in der Bankenhierarchie die jeweils geeigneten Ansprechpartner waren, und ließ schon mal alte Kontakte spielen, um den Youngsters Präsentationstermine auf Vorstandsebene zu verschaffen. Als Aufsichtsratsvorsitzender von e-Rate hilft der ehemalige Banker auch bei der Akquisition von Kapital. Einer wie Terry Fitzgerald etwa. Managing Director von Goldman Sachs in New York, hätte ohne den erfahrenen Schmeding keinen Pfennig in das Start-up gesteckt, davon sind die vier Freunde überzeugt.

Die anderen beiden Plätze im Aufsichtsrat besetzen derzeit Vater Geyr, von Haus aus Wirtschaftsjurist, und Geyrs langjähriger Geschäftsfreund Heinz Heimbach, Ex-Vorstand der Concordia-Versicherungsgruppe. Sie steuern eine Menge Sachverstand und praktische Hilfe bei -von der Prüfung von Verträgen bis zum Hinweis, den Markennamen europaweit schützen zu lassen.

Natürlich hätten Vater Geyr und Heimbach den Existenzgründern auch ohne Aufsichtsratsmandate zur Seite gestanden. Die vier entschieden sich aber bewusst dafür, neben Schmeding vertraute Gesichter in das Gremium zu berufen. „Wir brauchen Leute, die Geduld und Verständnis mitbringen und nicht die Augen verdrehen, wenn wir dumme Fragen stellen“, sagt Andreas Geyr. Wohl deshalb ist den vieren etwas beklommen zumute, wenn sie daran denken, dass bald ein Venture Capitalist Geyr-Senior ersetzen wird. „Wir würden die Konstellation lieber so behalten, wie sie ist“, gibt Andreas Geyr zu. „Aber wir verstehen natürlich, dass die Kapitalgeber kontrollieren wollen, was mit ihrem Geld passiert.“