EPM Media AG

Drei Aufsichtsräte


Wer in der Entertainment-Branche erfolgreich sein will, muss vor allem über eins verfügen: exzellente Beziehungen. Die demonstriert das Unternehmen EPM, das Konzerte veranstaltet und Tickets vermarktet, auch mit seinem Aufsichtsrat.

So entwickelt sich das Gespräch mit dem Vorstandsvorsitzenden Hans Peter Riegel zu einem etwas komplizierten, aber höchst interessanten Streifzug durch die neue deutsche Medienwelt. Wir beginnen beim Aufsichtsratsvorsitzenden Balthasar Schramm. Der ist Anwalt und Partner der Hamburger Kanzlei Lichte, Schramm & Scheuermann. Wie hat Riegel ihn gewonnen? Was für eine Frage. „Wir sind befreundet“, sagt Riegel, „Paulus Neef hat uns bekannt gemacht.“ Neef ist Vorstandsvorsitzender von Pixelpark, einem der Shooting-Stars am Neuen Markt. Was hat Neef mit Schramm zu tun? Nun, Schramms Kanzlei hat den Börsengang von Pixelpark begleitet. Übrigens auch den von Edel Music und Brainpool. Was dazu führte, dass die Partner von Schramm – Andreas Scheuermann und Walter Lichte – heute Aufsichtsratsvorsitzende bei Brainpool und Edel sind. Der Finanzvorstand von Edel wiederum, Jörn Meyer, fungiert bei Riegels EPM als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender. Dritter im EPM-Aufsichtsrat ist Frank Bettzüge, Marketing-Spezialist und langjähriger Weggefährte von Riegel. „Es geht eben familiär bei uns zu“, sagt Riegel – die Szene bleibt unter sich.

Wo das Netzwerk so wichtig ist, hat der Aufsichtsrat, neben allen anderen Aufgaben, die Funktion eines Erkennungszeichens: Er signalisiert denen, die sich auskennen, wie stark das Unternehmen in der Szene verankert ist. „Natürlich, das ist ganz wichtig für die Glaubwürdigkeit“, bestätigt Riegel. „Wir zeigen, dass wir die besten Leute kriegen und in der Ersten Liga spielen.“ Das Insidertum hat den weiteren Vorteil, dass der Aufsichtsrat den Markt mindestens ebenso gut kennt wie der Vorstand.

Riegel telefoniert fast täglich mit Schramm, bespricht mit ihm Zukäufe, Markteinschätzungen, finanzielle Transaktionen. Besonders froh ist Riegel jetzt, im Vorfeld des geplanten IPO, über die Expertise seiner Aufsichtsräte in punkto Börsengang. Die Gespräche mit den Banken hätte er sonst nicht so gut bewältigt, sagt Riegel. Schramm und Meyer halfen ihm, die eigenen Ansprüche zu definieren und realistische Ziele zu setzen.

Freilich, die Zugehörigkeit zur gleichen Szene birgt auch Konfliktpotenzial. Im bunten Entertainment-Bereich kann es leicht passieren, dass sich expansive Firmen ins Gehege kommen. So entwickelte EPM zwischenzeitlich Pläne, Tonträger zu produzieren und ein eigenes Label aufzubauen. Hätte Riegel die Pläne nicht wieder verworfen, hätte die EPM ein nicht zu unterschätzendes Problem gehabt – denn dann hätte mit Jörn Meyer von Edel ein potenzieller Konkurrent im Aufsichtsrat gesessen.