Nemetschek AG

Sechs Aufsichtsräte


Von den sechs Aufsichtsratsmitgliedern tragen drei den Namen Nemetschek: die Ehefrau des Vorstandsvorsitzenden, Ingrid Nemetschek, und die Söhne Ralf und Alexander. Was auf den ersten Blick nach Familienklüngel aussieht, erweist sich bei näherem Hinsehen nicht zuletzt als ungewöhnliche, aber clevere Lösung zur Unternehmenssicherung.

Der Gründer und Vorstandsvorsitzende, Professor Georg Nemetschek, ist 66 Jahre alt und möchte erreichen, dass die Söhne – der eine Physiker, der andere Soziologe – das Unternehmen eines Tages übernehmen. Ralf und Alexander Nemetschek halten gut 25 Prozent an der Nemetschek AG (insgesamt hält die Familie rund 70 Prozent am Aktienkapital). Durch ihre Jobs im Aufsichtsrat beschäftigen sich die Söhne nicht nur mit der Strategie, sondern vor allem auch mit der Philosophie des Unternehmens. „Wenn sie nur Shareholder wären, bestünde die Gefahr, dass sie die Firma als reine Kapitalanlage betrachten“, sagt Professor Nemetschek. Eine Vorstellung, die ihm Unbehagen bereitet.

Er hängt an seinem Unternehmen, das er 1963 als Ingenieurbüro gründete. Inzwischen ist daraus ein IT-Konzern mit über 1000 Mitarbeitern geworden, der seit 1999 am Neuen Markt notiert ist.

Ehefrau Ingrid hat die Entwicklung aktiv begleitet. In ihr hat Nemetschek auch fachlich eine versierte Sparrings-Partnerin: Vor dem Börsengang leitete die heutige Aufsichtsrätin 18 Jahre lang die Nemetschek Programmsystem GmbH – heute Teil des Konzerns. „Wir sind sehr unterschiedlich in der Art, Geschäfte zu führen“, sagt Nemetschek und erzählt, dass unter den Mitarbeitern das Gerücht grassiere, dass der Alte unerträglich dynamisch wäre, wenn er nicht hin und wieder von seiner Frau gebremst würde.

Und die drei familienfremden Aufsichtsratsmitglieder? Vorsitzender ist der Wirtschaftsprüfer Jürgen Peters aus dem Münchner Büro Peters, Schönberger &c Partner, Stellvertreter Kurt Dobitsch, studierter Ingenieur und früher unter anderem Geschäftsführer von Compaq Deutschland. Nemetschek schätzt ihre rechtliche und strategische Kompetenz. „Alle Akquisitionen habe ich bis ins Detail mit Peters und Dobitsch diskutiert.“ Zum Aufsichtsrat gehört auch Professor Clemens Jochum, der bei der Deutschen Bank einer derjenigen ist, der den expandierenden Bereich Internet verantwortet. „Der versteht etwas von der Technologie und ist ein hervorragender Diskussionspartner“, sagt Nemetschek. Und nicht nur das: Über ihn hat die Firma auch noch einer guten Draht zur Finanzwelt.