Qiagen N.V.

Sechs Aufsichtsräte


Das Thema Aufsichtsrat ist beim Neuen-Markt-Schwergewicht Qiagen hochaktuell, denn bei der Biotech-Firma sind gleich zwei Mandante vakant.

Ein Venture-Capitalist-Vertreter hat sich aus dem Gremium zurückgezogen, ein weiteres Aufsichtsratsmitglied schied aus Altersgründen aus.

Auf der Hauptversammlung im Juni wollen die Vorstände Metin Colpan und Peer Schatz neue Kandidaten präsentieren. Die spannende Frage ist, ob sie das scharfen. „Die Suche ist unheimlich schwierig. Wir haben sehr hohe Erwartungen“, gibt Schatz zu.

Zurzeit besteht der Aufsichtsrat aus dem Vorsitzenden Professor Detlev Riesner, Leiter des Instituts für Physikalische Biologie an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf, Erik Hornnaess, einem ehemaligen Manager aus der Diagnostikindustrie und heutigem Consultant, Jochen Walter, Geschäftsführer einer Venture-Capital-Gesellschaft, sowie Franz Wirtz, dem ehemaligen Geschäftsführer des mittelständischen Pharma-Unternehmens Grünenthal GmbH.

Als Verstärkung wünschen sich Colpan und Schatz, wie sie sagen, „Männer mit hoher Aggressivität, mit dem Spirit von Entrepreneuren“. Das Problem: „Es gibt ganz wenige wachstumserfahrene Industriemanager, die sich mit unserer Branche auskennen.“ Qiagen ist Weltmarktführer bei der Trennung und Reinigung von Nukleinsäuren, ein rapide wachsender Markt. Umsatzsteigerungen zwischen 30 und 50 Prozent sind bei der 1000-Mann-Firma seit Jahren eine normale Größenordnung. Der Schwerpunkt des Geschäfts verlagert sich immer mehr in die USA, weshalb die neuen Aufsichtsratsmitglieder möglichst auch internationale Erfahrung mitbringen sollen.

So dynamisch sich Colpan und Schatz die Kontrolleure im Hinblick auf Strategie und Wachstum wünschen, so zurückhaltend sollen sie in Hinblick auf das Tagesgeschäft sein. „Respektvolle Distanz“ sollte das Verhältnis zwischen Vorstand und Aufsichtsrat prägen, findet Schatz. Selbst aktives Networking geht ihm schon zu weit: „Ich würde einen Aufsichtsrat nie bitten, einen Kontakt für mich herzustellen. Ein guter Vorstand kann jede Adresse selbst angehen.“ Diese Prinzipien hält Schatz auch bei seiner eigenen Aufsichtsratsfunktion ein. Längst ist der Qiagen-CFO bei Start-ups ein gefragter Aufbauhelfer. „Ich bekomme in der Tat sehr viele Anfragen“, sagt Schatz, „gehe aber bei der Auswahl äußerst selektiv vor.“ In Deutschland hat es bisher nur die Evotec Bio-Systems AG geschafft, ihn in den Aufsichtsrat zu holen. „Die wissenschaftliche und strategische Kompetenz des Unternehmens hat mich einfach fasziniert“, erzählt Schatz. „Außerdem wollte ich lernen, eine andere Rolle einzunehmen: die des distanzierten Kritikers. Im eigenen Unternehmen gelingt einem das ja nicht.“__//

Literatur:
Dietrich Hoffmann: Der Aufsichtsrat-Einleitfaden für Aufsichtsräte; C.H. Beck, München 1999; 348 Seiten; 68
Mark
Günter Ogger: Macher im Machtrausch; Droemer, München 1999; 352 Seiten; 39,90 Mark