Primacom AG, Mainz

Neun Aufsichtsräte


Natürlich waren der prominente Name und das fachliche Know-how Gründe dafür, dass der Kabelnetzbetreiber Primacom den früheren Postminister Christian Schwarz-Schilling an die Spitze ihres Aufsichtsrates berief. Mindestens ebenso viel aber zählte für die Anteilseigner, mit Schwarz-Schilling einen Mann zu gewinnen, der im Zweifelsfall zwischen unterschiedlichen Gruppen vermitteln kann, ohne dabei zerrieben zu werden.

Weshalb das so wichtig war? Weil die Primacom aus dem Zusammenschluss mehrerer Unternehmen entstanden ist. Sie besteht aus den bereits zuvor verbundenen deutschen Firmen Süweda und AGFB-Gruppe sowie der Kabelmedia Holding, deren Wurzeln in den USA liegen. Fast alle Aufsichtsratsmitglieder lassen sich der einen oder anderen Seite zurechnen – eine sensible Konstellation, in der es leicht zu Reibereien kommt. Umso wichtiger, dass der Vorsitzende neutral ist und genügend Autorität und diplomatisches Geschick besitzt, um aufkommende Konflikte zu entschärfen. Schwarz-Schilling war sich der heiklen Mission wohl bewusst. „Nach unserer Anfrage bat er um einige Bedenkzeit“, erinnert sich der Vorstandsvorsitzende Jacques Hackenberg. „Er wollte sich über die Strömungen in der Gesellschafterstruktur informieren und ausloten, ob er zum Erfolg des Unternehmens beitragen kann.“ Aber auch bei einigen Altgesellschaftern galt es Bedenken auszuräumen. Jede der beiden Parteien bildete eine Delegation und schickte sie zum abendlichen Gespräch mit dem Politiker. Das gegenseitige Beschnuppern lief gut, Schwarz-Schilling nahm das Mandat an. Seine Feuerprobe bestand Schwarz-Schilling bei der ersten Hauptversammlung der Primacom AG im August 1999, die er „absolut souverän führte“, wie Hackenberg anerkennend feststellt.

Der Vorstandsvorsitzende hat in dem Aufsichtsratsvorsitzenden auch in anderer Hinsicht einen kompetenten Partner: Als „aktiver Türöffner“    (Hackenberg) trägt Schwarz-Schilling zu mancher Geschäftsanbahnung bei. Immerhin sitzt der Sinologe nach wie vor für die CDU/CSU-Fraktion im Bundestag und repräsentiert die Deutsche Gesellschaft für Asienkunde. Und auch zur Welt der Banken und Großunternehmen pflegt Schwarz-Schilling Kontakte, die für ein Unternehmen von unschätzbarem Wert sein können. Schließlich sind Firmen wie Veba und Bosch auch im Kabelmarkt tätig.