Peer Blumenschein im Interview

Wer an die Börse geht, muss viele Fragen beantworten, Geschichten erzählen und dabei locker bleiben und kraftvoll rüberkommen – sogar vor laufender Kamera. Peer Blumenschein, Vorstand der Softline AG erzählt von seinem Lampenfieber.




#__ Aufregend war's. Ich war ja schon mal als kleiner Junge im Fernsehen, doch daran kann ich mich kaum noch erinnern. Schließlich ist es ein Unterschied, ob man über sein Hobby redet oder über sein eigenes Unternehmen, das an die Börse geht. Ich machte mir jedenfalls einige Sorgen, denn ein solcher TV-Auftritt ist im Grunde Werbefernsehen in Form eines Interviews. Also habe ich mich mit einem Kommunikationstrainer auf alle möglichen Fragen vorbereitet.

Bei den Antworten kommt es einerseits darauf an, ein positives Bild für mögliche Investoren abzugeben, andererseits die Informationen in „Hausfrauendeutsch“ rüberzubringen, wie unser Kommunikationstrainer immer so schön sagte. Das Training lief am ersten Tag so schlecht, dass wir gleich noch einen zweiten drangehängt haben.

Irgendwann kam der große Tag, ein paar Tage vor unserem Börsengang. Ich wurde in dieses „kleine Studio“    gebeten. Das ist ein Raum, den kann man sich gar nicht vorstellen, so klein ist der. Da gab es wirklich nur eine Kamera und einen Monitor. Und mich. Ich habe dort gesessen und wirklich an nichts anderes gedacht, als möglichst gut rüberzukommen. Mir war so schwummrig. Ich dachte, das hier ist nichts für mich, das schmeiße ich lieber hin, dafür bin ich nicht geboren.

Dann stellte der Moderator seine Fragen. Das Problem war, dass die per Telefonleitung zeitversetzt bei mir ankamen. Ich hörte die Worte erst, als seine Lippen aufgehört hatten, sich zu bewegen. Trotzdem wurde ich innerlich völlig ruhig. Erst am Schluss merkte ich, wie nass geschwitzt ich war. Und das lag sicher nicht an den Scheinwerfern. Hinterher lobte mich der Moderator und meinte, dass das eine tolle Story sei. Fehlte nur noch, dass er gesagt hätte: „Die Aktie kaufe ich.“ Im Nachhinein betrachtet, fand ich das Ganze recht witzig. Es ist schließlich mal etwas anderes als die sonstige Arbeit eines Vorstands. Ich würd's sogar wieder machen.__//