ARBEIT FÜR ALLE

In der frisch gegründeten Jobs-Deutschland AG rackern die Mitarbeiter freiwillig für einen Hungerlohn. Dafür dürfen sie sich frühzeitig mit günstigen Aktien ihrer Firma entdecken. Geht der geplante Börsengang gut, sind bald alle reich. Wenn nicht, dann war alles Illusion.




#__Freitag, 8.30 Uhr, Zeit für das "Company Meeting". Noch lehnt der Vorstand lässig an dem Tisch, den er im Anschluss an die Konferenz mit einem spontanen Sprung überqueren wird. Jeder soll spüren: Die Jobs Deutschland AG will Erfolg. Sofort. Und was man will, so das Credo der Chefs, das kriegt man auch.

Wüsste man es nicht besser, könnte man denken, hier würde eine launige Erstsemester-Party vorbereitet. " Habt ihr die Nutella-Gläser dabei?", fragt Michael Silberberger in die Runde. ,Ja, Obst auch", meldet jemand. "Wir haben Feuerzeuge", lässt das Marketing wissen. "Weiß mit Aufdruck, 5000 Stück." Der morgige Ausflug zum Jürgen-Höller-Motivationstag in Dortmund, so viel steht fest, wird mal wieder ein toller Erfolg.

Helmut verliest die Datenbank-Statistik. "Wir hatten also in allen Stellenmärkten vergangenen Monat eine Steigerung von gut 50 Prozent", resümiert Vorstand Silberberger, und die 16 Frühaufsteher Hopfen begeistert auf die zerkratzten Konferenztische, die der Vorstand neulich für fünf Mark das Stück von der Post abgestaubt hat. "Ja, das ist wirklich der Wahnsinn", kommentiert Silberberger die Zugriffszahlen und legt nach: "CSC Ploenzke will demnächst mit dem gesamten Vorstand zu uns kommen. Die schauen sich hier um, damit die Berater die Aufbruchstimmung auch ein bisschen weitertragen können." Glaube kann Berge versetzen. Sie glauben an den Börsenerfolg.

Und noch mehr gute Nachrichten: "Unser granatengutes Powerlogo ist da." Der Chef lässt den Entwurf des Aktionärslogos kreisen: ein Bulle, ein zackiger Graph nach oben und "Ich kündige". Das gefällt. "Ach ja, noch was Soziales. Die Pizzeria von unten gibt zwei Mark Nachlass auf alle Speisen." Den Rabatt hat er gestern ausgehandelt. Jobs-Deutschland macht Spaß. Und Hunger.

Zum Mitschreiben: In der Unkraut-Steppe eines Mainzer Gewerbegebietes entsteht seit einem Jahr ein Unternehmen, das die befreundeten Entrepreneure Michael Silberberger, 27, und Peter Baumann, 28, zum "am schnellsten wachsenden Unternehmen des neuen Jahrtausends" machen wollen. So viel zur "Vision". Wem das dann doch zu visionär klingt, dem zeigt Michael Silberberger gern die Eisenstange, die er kraft seines Willens auf dem " Jürgen-Höller-Power-Management-Seminar" mit dem Kehlkopf verbogen hat, also "da wo es am meisten wehtut".

Glaube kann Berge versetzen, finden die beiden Gründer. Mit ihrem Eifer und Verkaufstalent haben sie auch ihre rund 50 Mitarbeiter von der "gigantischen Zukunft" des Unterfangens Internet-Jobbörse überzeugt. So sehr überzeugt, dass die sich monatlich mit einem Taschengeld von 500 bis maximal 1800 Mark begnügen und sich den Rest, der zu einem ordentlichen Gehalt fehlt, über vergünstigte Aktien der eigenen Firma auszahlen lassen. Dem zugrunde liegt der unerschütterliche Glaube an einen nachhaltigen und vor allem schnellen Börsenerfolg. Möglichst noch in diesem Jahr, "maximal zweieinhalb Jahre nach der Gründung", will Silberberger an die Börse gehen.

Kann das Modell Jobs-Deutschland funktionieren? Das Produkt ist nichts Besonderes. Jobbörsen gibt es mittlerweile rund 350 im deutschsprachigen Internet. Selbst das Arbeitsamt war schneller im Netz als die beiden Gründer aus Rheinland-Pfalz. Besonders ist allerdings, wie es das Duo versteht, ihren Mitarbeitern, Helfern, Aufsichtsräten, Beratern und sich selbst täglich die fixe Unternehmens-Idee aufs Neue zu verkaufen.

Schon ihr Extrem-Enthusiasmus, zunächst ohne Geld und ohne einen einzigen Computer die Gründung einer Internet-Firma zu betreiben - das ist für die beiden "der Knaller schlechthin". Sie ahnen: "Die Geschichte ist sexy für alle Redaktionen." Und prompt kommt die Bestätigung vom ZDF: "WiSo kommt!" Silberberger taumelt jubelnd durch den Konferenzraum, die ARD war gestern da. Baumann, der ruhigere der beiden, erzählt die kurze Firmengeschichte gern und mit wohligem Gründerstolz.

Mit einer Präsentation in der Industrie- und Handelskammer Wiesbaden fing alles an. Der Spruch " Create your Future" und eine Anfahrtsskizze zur Handelskammer - mehr stand nicht auf der Einladung, die die beiden im Januar 1999 an rund 70 Freunde und Bekannte verschickten. "Wir haben kein Geld, aber eine Geschäftsidee", eröffneten sie der versammelten Mannschaft. Wer helfen wollte, sollte anstelle eines Honorars ganz oder überwiegend mit Aktien bezahlt werden. Denn fest stand: Sie wollen zügig an die Börse. " Ihr seid Mitunternehmer und am Erfolg beteiligt, wenn wir es schaffen." Die Aufbruchstimmung verfing: Etliche IHK-Zuhörer kündigten feste Stellen und leben seitdem von dem Taschengeld, Erspartem und der Aussicht auf wertvolle Jobs-Deutschland-Aktien. "Ein größeres Kompliment kann ein Unternehmen von seinen Mitarbeitern nicht bekommen", schwärmt Silberberger über " dieses in Deutschland einzigartige Konzept" des Investivlohns. "Das rührt uns an und macht stolz." Vorerst gibt es nur ein Taschengeld. Der wahre Lohn steckt in Aktien.

Familiäre Hochstimmung kommt auch auf, wenn der Aufsichtsratsvorsitzende auf eine Banane vorbeischaut. Wolfgang Thomat, hauptberuflich Leiter der betriebswirtschaftlichen Beratungsabteilung in der Investitionsbank Hessen AG, bot dem Gründerteam spontan seine Hilfe an, als sie unlängst mit ihrem überarbeitungsbedürftigen Businessplan in der Tür standen. "Ich habe schon viele Existenzgründer getroffen, aber niemanden mit dem Anspruch, den Start gleich mit einem Börsengang zu verknüpfen." Inzwischen ist er mehrmals pro Woche im Unternehmen und hielt auch bei der Weihnachtsfeier im Schwarzwald feste mit. "Auf dem Kocher wurde Glühwein gekocht, und dann haben wir Hindenburgleuchten entzündet." Der 55-Jährige mit dem Bürstenhaarschnitt, inzwischen Duzfreund der beiden Chefs, lobt das Konzept, Löhne nicht über die Banken zu finanzieren. Auch nach dem Börsengang sollen die Gehälter erst schrittweise an das marktübliche Niveau angepasst werden. Die somit " sehr niedrig" gehaltenen Lohnkosten seien "einer der wichtigsten Bausteine in der Gründungsphase". Der größte Kostenfaktor sei derzeit die Werbung. " Ich kündige" hängt rot von Autobahnbrücken, ertönt im Radio und wird als Aktion im Frankfurter Waldstadion dem Schiedsrichter auf roten Karten entgegengestreckt.

Controller Jörg Weidanz hat gekündigt - einen sechsstellig dotierten Consultant-Job bei Aral. Und das, um nun "keinen Tag unter zwölf Stunden" im Start-up zu knüppeln. Mit 1800 Mark ist er der Spitzenverdiener der 50-köpfigen Mannschaft, lebt mit seiner Freundin in einer preiswerten Wohnung, aber Askese müsse er nicht üben. "Hier bin ich zwar pro forma nicht selbstständig, fühle mich aber so. Das war immer mein Traum." Dass man mit Internet-Aktien reich werden kann, steht für ihn außer Frage. Das blaue BMW-Cabrio vor der Tür habe er schließlich durch den Verkauf von Lycos-Aktien finanziert. Klar, mit den ganzen Jobs-Deutschland-Papieren sei schon ein "gewisses Übergewicht im Depot". Wie viele Aktien jeder Einzelne besitze? "Das ist kein Thema." Auch Fragen zum geplanten Aktienoptionsprogramm, das für alle Mitarbeiter aufgelegt werden soll, beantwortet das Unternehmen bis dato ausweichend. Der Emissionsberater arbeite derzeit ein steuergünstiges Modell aus, heißt es.

Auf Einnahmen aus Optionsprogrammen ist nach geltendem Recht Einkommenssteuer zu bezahlen. Würde man Aktien dagegen spottbillig als Privatinvestor kaufen können - mal abgesehen davon, dass man in der Firma auch arbeitet - wären die Kursgewinne nach Ablauf der einjährigen Spekulationsfrist steuerfrei. "Das Optionsprogramm liegt im Grobgerüst vor. Einzelheiten wollen wir aber noch nicht bekannt geben", meldet die PR-Agentin Ute Zimmermann, die sich ebenfalls ihre Dienste zu zwei Dritteln in Aktien honorieren lässt. Sie ist überzeugt: "Das Ding wird fliegen. Aber selbst wenn der Börsengang nicht grandios wird, verdiene ich an den Aktien sicher mehr als über normales Honorar. Ein bisschen Goldgräberstimmung ist dabei." Fest steht, dass derzeit rund 8,4 Prozent der rund 61000 Aktien an "Friends & Family" vergeben wurden, also Mitarbeiter und Helfer. Jeweils gut 35 Prozent halten die beiden Gründer, den Rest wenige wichtige Privat-Investoren, die bis auf Mentor Jürgen Höller und Motivationskollege Umberto Saxer ("Bei Anruf Erfolg") namentlich Aus dem " Unternehmensprofil" der Jobs-Deutschland AG über die Gründer: "Da sie wussten, dass sie in Kürze eine AG gründen wollten, boten sie die Bezahlung in Aktien an. Konnten sie den späteren monetären Gegenwert dieser Aktien garantieren? Nein. Konnten sie die Arbeitsleistungen derjenigen, die ihnen halfen und sie unterstützen, anderweitig honorieren? Nein. Alles, was sie hatten, war der Glaube an den Erfolg: Alles ist möglich." Was das Arbeitsrecht zum Jobs-Deutschland-Modell sagt: "Das deutsche Arbeitsrecht trifft in Paragraph 612 BGB eine Grundsatzentscheidung. Danach ist die in einem Arbeitsverhältnis erbrachte Arbeitsleistung grundsätzlich zu vergüten. In der Regel durch Geld, möglich ist aber auch eine Naturalvergütung. Bekannt sind auch Gewinnbeteiligungssysteme neben einer Grundvergütung, etwa Belegschaftsaktien oder Stock-Options. Eine ausschließliche Vergütung über eine Aktiengewährung oder die Gewährung von Aktienoptionen könnte jedoch nach Paragraph 138 BGB sittenwidrig und somit nichtig sein. Etwa dann, wenn der Arbeitnehmer mit dem Betriebs- und Wirtschaftsrisiko des Arbeitgebers belastet wird. So wird eine Abrede für sittenwidrig erachtet, durch die der Arbeitnehmer auf zukünftig fällig werdende Vergütungsbestandteile verzichtet, wenn dadurch das Geschäftsrisiko auf den Arbeitnehmer abgewälzt wird. Die Problematik besteht in jedem Fall darin, dass eine ungesicherte Aussicht an Stelle einer Arbeitsvergütung gesetzt würde. Auch an die arbeitsrechtlichen Schutzvorschriften ist zu denken: Lohnfortzahlung, Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall oder die zwingenden Regelungen des Urlaubsgesetzes, für die Betroffenen stellt sich die Trage, ob der erhebliche Vorleistungsaufwand ausreichend abgesichert ist. Eine derartige Gestaltung ist für unser deutsches Arbeitsvertragssystem sicher ungewohnt und mit vielen rechtlichen Problemen verbunden." (Claudia Kothe-Heggemann, Rechtsanwältin in der Kanzlei Ulrich Weber & Partner, Köln.) nicht genannt werden möchten. Mit jeder der bisher vier vorbörslichen Kapitalerhöhungen ist der Preis je Aktie kräftig angehoben worden. Über sechs Millionen Mark Investorengelder wurden nach Angaben des Controllers dadurch in die Kassen gespult. Erhielten die Gründer und Aktionäre der ersten Stunde einen Anteilsschein noch für einen Euro, legten ein knappes Jahr später Interessenten 396 Euro pro Aktie hin. Der vorbörsliche Unternehmenswert beträgt so inzwischen über 47 Millionen Mark.

"Die Nachfrage nach jungen Aktien übersteigt immer noch das Angebot", freut sich Papiermillionär Silberberger. "Die Banken gehen von einem Emissionskurs von mindestens 800 Euro aus." Das entspräche einem Unternehmenswert von knapp 100 Millionen Mark. Oder: einer Wertsteigerung um den Faktor 20, seitdem die Firma im Juni 1999 in eine AG umgewandelt und mit fünf Millionen Mark bewertet wurde - und all das mit roten Zahlen im operativen Geschäft.

Die Gründer können verkaufen. Das macht den Investoren Mut.

Solche Perspektiven haben nicht nur Mitarbeiter gelockt. Auch Anwälte, Berater, Programmierer, Werber, Grafiker und die Investor-Relations-Agentur haben sich auf Investiv-Honorare eingelassen. Insgesamt rund 20 Unternehmen oder Personen, die den Börsengang aktiv unterstützen, lassen sich nach Unternehmensangaben in Anteilsscheinen auszahlen. Vorstand Silberberger: " Mindestens 100 Personen sind Aktien versprochen worden. Aber wir haben keine Verträge, nicht mal mit den Mitarbeitern. Das geht alles per Handschlag." Natürlich, betont er, seien alle Beschäftigten kranken- und sozialversichert - notfalls auch mal als eingeschriebener Student. Auf die Idee, wegen des nominellen Minimalverdienstes Sozialleistungen zu beziehen, sei immerhin noch niemand gekommen.

Ob der Börsenpoker um Gehälter und Honorare aufgeht? Die Frage ist angebracht. "Wenn die im Frühjahr anstehenden Börseneinführungen anderer Jobbörsen schlecht laufen, wird das auch Einfluss haben auf die Börsenfähigkeit von Jobs-Deutschland", räumt Emissionsberater Frank Motte ein. Gerade zum Thema Jobbörsen sei der Venture-Capital-Markt zuletzt schwierig gewesen. "Ich glaube Emissionskurse immer erst, wenn eine Bank das Unternehmen zu dem Preis an die Börse gebracht hat", sagt Motte. Da er sich nebenbei auch als Business Angel an anderen Wachstumsfirmen beteiligt, sieht er das Mainzer Projekt mit kritischer Distanz. "Wenn drei Start-ups gut laufen und sieben stürzen ab, habe ich immer noch eine super Rendite. Die Jobs-Deutschland-Mitarbeiter haben aber nur ein Investment. Die wollen natürlich den IPO möglichst schnell sehen." Seine Aufgabe sei, eher auf die Bremse zu drücken, bis das Unternehmen wirklich Börsenreife habe.

Nach Mottes konservativen Schätzungen könnte ein Beschäftigter, der auf 100 000 Mark Brutto-Verdienst verzichtet, durchaus auf ein Aktienpaket hoffen, das bei Emission 300000 Mark wert sei. "Das entspricht 600 000 Mark brutto, dafür kann man doch mal ein paar Tage arbeiten." Voraussetzung: dass die Spekulationsblase nicht platzt. "Der Boom bei den Internet-Aktien kann schon morgen vorbei sein", warnt Motte. Er habe sich trotzdem auf den Auftrag eingelassen, weil die Gründer "keine Software-Tüftler" seien, sondern in erster Linie gute Vertriebs-Praktiker.

Nach Karriereschritten wie "dreimal Verkäufer des Monats bei Möbel Unger" und "Sieger im 100-Prozent-Club" brachte es Michael Silberberger schließlich zum regionalen Vertriebsleiter bei Xerox. Peter Baumann, der aus demselben Dorf stammt wie sein Snowboard-Kumpel Silberberger, erziehe Umsatzrekorde im Außendienst bei einer Spezialfirma für Glasfiber-Kunststoffe.

Dem Analysten Robert Suckel, Geschäftsführer von SES Research in Hamburg, reicht das offenkundige Verkaufstalent nicht aus. Denn der lukrative Markt der Jobbörsen, der nach einer Studie von Forrester Research weltweit um jährlich 300 Prozent wächst, ist auch hierzulande schon mit starken Spielern besetzt. Hinter den Marktführern und Börsenaspiranten Stepstone mit rund 15 000 Angeboten und Jobs & Adverts mit rund 36500 Offenen nimmt sich Jobs-Deutschland mit 1300 offenen Stellen eher bescheiden aus. Ein weiterer Konkurrent, die DV-Job AG, ist bereits börsennotiert - und hat bittere Erfahrungen machen müssen: Der Kurs hat sich seit der Erstnotiz zwischenzeitlich halbiert, das Ausgabeniveau wurde seither noch nicht wieder erreicht.

Optimismus ist Firmenkultur. Und ein Motivationstrainer Aktionär.

Die Macher von Jobs-Deutschland schreckt das nicht. Denn sie wollen genau dorthin, wo Suckel noch die einzige Chance für junge Unternehmen sieht. Nicht den bundesweit flexiblen IT-Fachmann wollen sie ansprechen, sondern den Durchschnittsjobber, dem noch wichtig ist, in welchem Stadtteil der Arbeitsplatz liegt. "Wir wollen uns erst in wenigen regionalen Ballungszentren einen Namen machen", sagt Silberberger. "Im Rhein-Main-Gebiet sind wir schon die Bekanntesten und haben mehr Offerten als die "Frankfurter Rundschau"." Und weil sie in die breite Masse wollen, können auch Leute, die gar keinen Internet-Anschluss haben, per Anruf die Angebote mit der Post zugeschickt bekommen. Deshalb die ganzseitigen Anzeigen in den "Kino News" von McDonald's. Deshalb das provokante "Ich kündige". Der typische Jobs-Deutschland-Kunde isst einen Hamburger, zückt spontan sein Handy und sucht seinen neuen Arbeitsplatz, bald auch per WAP-Protokoll. Vorstand Baumann: "Alle, die im Job etwas ankotzt, denken an uns." Beide Gründer sehen sich als Vorreiter der "neuen Unternehmenskultur in Deutschland". Sie schimpfen auf Banken, beteuern die unternehmerische Verantwortung für die Mitarbeiter: "Wir möchten nicht auf eure Kosten, sondern mit euch gemeinsam etwas erreichen." Und sie lobpreisen den Motivations-Guru, Feuerläufer und Mitaktionär Jürgen Höller, ohne den es laut Silberberger die Firma nicht geben würde. Nicht ohne die Eisenstange, ohne den Gang über die " pervers heißen" glühenden Kohlen.

Systemadministrator Andreas Merkt hat den Feuerteppich noch vor sich. Erst einmal hat der 24-Jährige im Alleingang die komplette Telefonanlage inklusive Callcenter-lnstallation eingerichtet. "Das hat uns 60000 Mark gespart", lobt der Chef begeistert. " Ich habe hier in den letzten drei Monaten mehr gelernt als in meinem restlichen Leben", sagt Merkt. Über Scherben ist er bereits gelaufen, "ein geiles Gefühl", und auf Gehalt für seine "rund 100 Wochenstunden" verzichtet er komplett. Der groß gewachsene Studienabbrecher setzt alles auf Aktien. Auf die Frage, was seine Freunde davon hielten, antwortet er: "Die Firma ist mein Freund." Ähnlich äußert sich der freiberufliche Grafik-Designer Thomas Scharhag, genannt "Sharky", der kürzlich seine Büroräume in die Firma verlegt hat: "Wir sind alle Partner", sagt der Mann mit den roten gegelten Haaren. "Arbeiten bis Mitternacht, das fällt einem gar nicht auf. Man ist so drin im Fieber." Ein Leben voll Cola, Haribo, günstiger Pizza und viel Hoffnung.

Jobs-Deutschland, eine Firma stürmt. Erst ins Netz und dann an die Börse. Missglückt der IPO, ist Jobs-Deutschland hinfällig. Gelingt er, dann haben Silberberger und Baumann bewiesen: Ein paar Ideen, ein paar Gleichgesinnte und unbändiger Wille reichen aus, um Internet-Millionär zu werden. "Wir arbeiten zwei bis drei Jahre sehr hart, um uns dann ein wenig zurückzulehnen", schwebt Silberberger vor. Samstags nur noch halbe Tage arbeiten, das meine er mit zurücklehnen, fügt er schmunzelnd an.

Das Online-Arbeitsamt als Money Making Machine? " Geld ist nicht die Motivation schlechthin für uns", sagt Silberberger. "Wir wollen einfach gemeinsam mit anderen etwas erreichen, Nutzen weitergeben." Eine Jobbörse habe nun mal "einen unglaublich hohen Nutzen für die Gesellschaft". Und Baumann betont: "Ein E-Commerce-Waffengeschäft hätten wir nicht gegründet. Wäre mental nicht in Frage gekommen." Michael Silberberger und Peter Baumann wollen nichts dem Zufall überlassen. Wer in welchem Büro sitzt, entschied eine Feng-Shui-Beraterin. Hängepflanzen und ein Wanderpokal beflügeln die Mitarbeiter im Callcenter. An eine Flasche Sekt hat jemand einen Zierbullen geknotet "als Zeichen des ewigen Optimismus". Wie, wenn nicht optimistisch gestimmt, wird man sonst schnellst wachsendes Unternehmen des Jahrtausends?__// Kontakt: Jobs-Deutschland AG Peter-Sander-Str. 15 55252 Mainz Telefon: 0180/300118 www.jobs-deutschland.de E-Mail: info@jobs-deutschland.de.