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Twosuns

Mäuse und Menschen

Die Berliner Multimedia-Macher von Twosuns ersetzen Kabel, Maus und Monitor durch Software, die im ganzen Raum wirkt.
Die Geschichte einer bewegenden Idee, die das Zeug zum Weltruhm hat.





Eine Maus kennt wohl jeder. Doch kann auch jeder eine Maus sein? Andreas Bohn und Detlef Günther, Gründer und Geschäftsführer der Berliner Twosuns Media Development GmbH, beantworten die Frage mit einem klaren Ja.

Um die Sache noch etwas zu verkomplizieren: Die Rede ist nicht von putzigen kleinen Nagern. Maus, das steht hier für die elektronischen Zeige- und Steuergeräte, die es heute an jedem PC gibt. Mit einer Maus kann man Programme öffnen, Computer dirigieren. Jetzt noch mal die Frage und die Antwort: Kann der Mensch eine Maus sein? – Ja.

Twosuns hat ein System entwickelt, bei dem ein in einem Raum befindlicher Mensch gleichsam zum Steuersystem für Computer und alle möglichen elektronischen Geräte wird.

Das Twosuns-Prinzip funktioniert so ähnlich wie CAVE – ein System, das dank 3D-Brille und Datenhandschuh programmierte Welten vorgaukeln kann – nur eben ohne diese hinderlichen Utensilien und allein durch menschliche Bewegung. Zwei Schritte vor, stehen bleiben, ein Blick nach rechts – immer „reagiert“ der in virtuelle Zonen unterteilte Raum; wenn es sein muss, selbst auf minimalste Regungen des Menschen. Ebenso wie der Computer auf die Maus. Das „Cartasia 3D Motion Tracking System“ registriert das Benutzerverhalten über einen Infrarotsender, analysiert es, ruft vom Server die mit der Software „enclued“ programmierten Daten ab – und spielt sie zu, in den Raum.

Immer noch schwer vorzustellen? Ein Beispiel: Ein Museumsbesucher geht in einer Ausstellung über Ägypten auf die nächstliegende Vitrine zu und betritt dabei die unsichtbare Sensorzone zum Thema „Gottesabbildungen“. Ein erläuternder Text erfüllt den Raum, er hört zu, wendet sich nach rechts: orientalische Musik ertönt. Er bewegt sich weiter auf die Vitrine zu und beugt sich über eine kleine Statuette. Diese wird angeleuchtet, eine kurze Beschreibung ertönt. Er nähert sich dem Relief an der Wand, bleibt davor stehen und löst dadurch eine Videoprojektion „Leben mit den Göttern“ aus, die Simulation einer Prozession vor den Pyramiden; es duftet nach Weihrauch. Das Thema fesselt den Besucher: Er verweilt länger – das 3D-System Cartasia erkennt dies. Interessiert! Also folgt eine tiefer gehende Menüauswahl zum Thema „Götter“, von Opferritualen der Inkas bis zur Bierbrauerkunst oberbayerischer Klosterbrüder. Unser Besucher kehrt wieder zur Statuette zurück. Da er schon mal dort war, wird anstelle der vorherigen Beschreibung nun eine fiktive Geräuschkulisse aus dem alten Ägypten eingespielt. Schöne neue Multimediawelt – komplex, verknüpft, sinnlich erlebbar und für den Benutzer vor allen Dingen unglaublich einfach zu bedienen: Du bist die Maus. Technik und ihre Handhabung spielt keine Rolle mehr.

Sieben Jahre nach der Firmengründung können die Twosuns-Macher heute mit ihren Systemen enclued und Cartasia alle verfügbaren Medien vernetzen. Die Folge ist Interaktivität auf höchstem Niveau, für die ein 15-köpfiges Team aus Entwicklern Autoren und Technikern sorgt. Intuitive Systeme sind in der Computerwelt von heute rar – und höchst begehrt. Je sinnlicher, je menschenfreundlicher ein Computer ist, desto mehr Benutzer wollen an ihm arbeiten.

Ein Künstler und ein Kaufmann – die Zutaten einer genialen Idee.

Das System ersannen Andreas Bohn und Detlef Günther, weil ihnen die bisherige Multimediarealität zu eindimensional, zu nüchtern und ineffizient war. Sich selbst wollen sie einen lukrativen Claim in der vernetzten Welt des 21. Jahrhunderts abstecken. Und ihre hehre Vision verfolgen: Technik soll sich menschlichem Verhalten anpassen.

Andreas Bohn und Detlef Günther kennen sich seit 1992. Damals beschäftigte sich Günther, der quirlige Berliner Künstler, mit seinem Projekt „Gelb 92“. Ein ganzes Jahr lang stellte er gelbe Objekte in gegensätzliche Umgebungen: die Parkbank in eine Galerie, seine Gemälde auf eine Straßenkreuzung. Und alles nur, weil es ihm stank, dass Marlboro in massiven Werbekampagnen die Farbe Rot „regelrecht besetzte“. Nebenbei beobachtete er die Reaktion der Besucher und Passanten auf die scheinbar deplatzierten Objekte – der Beginn seiner immer intensiveren Auseinandersetzung mit dem Wie und Was der menschlichen Wahrnehmung.

It's not a window, it's a gate – neue Pforten der Wahrnehmung.

Zu der Zeit war Andreas Bohn noch in einer ganz anderen Welt. Der EDV-Experte aus Ratingen arbeitete als gelernter Bürokaufmann bei einer Betriebsberatungs-Gesellschaft. Schließlich gründete er seine eigene Firma im gleichen Metier. Parallel aber vertiefte er sich mehr und mehr in die digitale Datenwelt und trieb seine eigenen Gedankenspiele darüber, wie man elegantere Wege durch die Datenflut finden könnte.

Die scheinbaren Gegensätze Bohn und Günther begegneten sich und erkannten Gemeinsames: die Abneigung gegen die begrenzte Gestaltungskraft bisheriger Computertechnik und ihre Leidenschaft für Kultur und Visionen. Ab Ende 1994 bündelten sie ihr Faible in gemeinsamen Agenturarbeiten via digitaler Bildbearbeitung, CD-ROM-Programmierung, 3D-Animation und Multimediatechnologie.

Das waren die Brotjobs. Besonders sauer stießen ihnen die Grenzen der Technik bei einem eigenen kulturgeschichtlichen CD-ROM-Projekt auf. Zu linear und nüchtern-technisch, zu wenig sinnlich und intuitiv erfahrbar schienen ihnen die bis dahin verfügbaren technischen Lösungen. „Der Übergang zu dem, was wir jetzt machen, war eine geplante CD-ROM über die Geschichte der Bewusstseinsentwicklung beim Menschen, vom Beginn des mechanischen Zeitalters bei den Zisterziensern im elften Jahrhundert bis in die digitalisierte Neuzeit. So kamen wir auf unsere Software.“ Nach ihrer Vorstellung sollte Wahrnehmung nicht so limitiert sein wie etwa der eng begrenzte Ausblick vom Fenster in den Hinterhof, sondern grenzenlos, wie der Blick aus einem weit geöffneten Tor in eine unendliche offene Landschaft. Seither ist „It's not a window, it's a gate“ ihr Wählspruch, ganz nebenbei auch eine kleine Stichelei gegen Bill Gates und sein Microsoft-Windows-Reich, das fieberhaft nach neuen Steuertechniken für Elektronisches sucht. Der PC ist dabei nur ein Detail in einem Puzzle von Hunderten Systemen, die in den Wohnhäusern und Büros von heute und morgen auf einfache, benutzerorientierte Steuerung warten. Die kleine Berliner Multimediafirma hat bereits, wonach die IT-Konzerne noch suchen, eine ideale Mensch-Maschine-Schnittstelle, bestehend aus Menschen und natürlichen Räumen.

„Wir leben in einer Netzkultur, die jetzt noch über Monitore und Kabel funktioniert, bald aber abgelöst wird von den realen Räumen“, sagt Günther. Anders gesagt: Twosuns hat das richtige Produkt zur richtigen Zeit.

So sind namhafte Unternehmen auf Twosuns aufmerksam geworden, zum Beispiel Sony, Steilmann, JVC, VW, DaimlerChrysler, Agenturen wie Pixelpark, Metadesign, Artemedia oder das internationale Finanzkonsortium 21 Investimenti, bei dem unter anderen Benetton mitmischt.

Es sind Unternehmen und Konzerne, die wissen, dass künftig Produkte, egal, ob Auto, Computer, Fernseher oder Webseite, vor allem wegen ihrer Menschenfreundlichkeit, ihrer intuitiven Bedienbarkeit gekauft werden.

Twosuns Raum-Software könnte die Medienwelt verändern.

Die Scouts der Weltunternehmen, immer auf der Suche nach Technologien von morgen, geben sich im 650-Quadratmeter-Loft des Unternehmens in Berlin-Friedrichshain neugierig die Klinke in die Hand. Was ihnen dort präsentiert wird, ist nach fast drei Jahren intensiver Forschung und Entwicklung immer noch Prototyp, doch in Sichtweite der Marktreife. Vieles spricht dafür, dass die Twosuns-Gründer bald die Früchte jahrelanger Plackerei ernten werden. Um sicherzugehen, dass der Erfolg auch ihrer ist, haben die Twosuns-Macher mehr als 200.000 Mark in Patente gesteckt, Geld, das sie sich in der Gründerphase wortwörtlich vom Mund abgespart haben.

Interessierten potenziellen Partnern wird einiges geboten: Lichtkegel zeichnen Muster auf den Boden des tennisplatzgroßen Showrooms. Sie erinnern an den Transporter-Beam-Raum des Raumschiffs Enterprise. Videoprojektionsbilder huschen über die Wände, Stimmen und Sounds fliegen durch den Raum, doch das gibt kein Chaos: Unterschiedliche Informationsebenen verbinden sich zu einem verständlichen Ganzen, machen Sinn. Zwei Entwickler turnen querbeet durch die Gegend, in der Hand ein Technoteil, nur wenig größer als die sprichwörtliche Streichholzschachtel: der Infrarotsender, der die Ortung jedes Besuchers ermöglicht und überdies Cartasia dabei hilft, dessen Vorlieben zu „erkennen“.

Twosuns' Vorteil: Fortschritte sind greifbar. „Wir können sagen: ,Nehmen Sie mal den Infrarotsender und bewegen Sie sich damit im Raum!' Mit Venture Capital geht es nun auf den Weltmarkt. Jetzt geht es für Twosuns darum, sich am Markt zu etablieren. Etwa in den USA, wo ein Office und ein Showroom entstehen sollen, um am wichtigsten IT-Markt der Welt mit dabei zu sein. Mit einem Giganten des Geschäfts, Sony, sind die Berliner im Gespräch, die Technologie in den Kinosaal im Sony-Center am Potsdamer Platz zu bringen.

Sieht also alles danach aus, dass das Twosuns-Motto bald wahr wird: „Multimedia for today, one media for tomorrow“.  ---


Where is the knowledge we have lost in information?
Thomas Stearns Eliot

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