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Energie

Viele Wege führen nach Strom

Was passiert, wenn man uns etwas verkaufen will, was wir schon lange haben?





•  Früher kam er noch aus der Steckdose. Er war einfach da, wenn man das Zimmer betrat. Und wenn man genau hinhörte, konnte man ihn leise summen hören. Er war edel, hilfreich und gut. Wir mochten ihn und er mochte uns: eine große Liebe. Und das Gefühl war schön, denn es gab nur ihn – unseren Strom.

Und bevor wir wirklich wussten, dass es noch viel mehr Stroms als unseren gab, war da im letzten Jahr dieser Spot von Preussen Elektra: Ein alter Mann läuft durch ein leeres Fußballstadion. Ein so richtig leeres, also fast schon bedrohlich. Wahrscheinlich ist er der ehemalige Star der Mannschaft oder sogar der jetzige Präsident. Irgendwann macht er das Licht aus. Also doch nur der Platzwart. Das Gefühl: Der Letzte macht das Licht aus. Oder: Dass es ohne Strom schnell mal dunkel wird. Oder so ähnlich. Das ist dann eine Imagekampagne. Und weil das größte Problem der Energieversorger ist, dass keiner weiß, dass es sie überhaupt gibt, sagt die Kampagne uns: Vorsicht, mein Lieber, ohne Strom geht hier erst mal gar nichts.

RWE präsentiert uns lieber seine Töchter, die sehr gut aussehen. Wer kann da schon nein sagen? Emotional binden wollten sie uns, denn sie wussten schon, was uns bevorstand. Schützen wollten sie uns – und so den Brautstrauß einsacken, bevor wir merkten, dass es eine Menge gibt, in die wir ihn werfen könnten.

Denn plötzlich stehen sie vor der Tür all die Stroms verschiedenster Herkunft. Sie buhlen um uns, wackeln mit ihren Hintern und klimpern mit den Wimpern. Verlässlicher Atomstrom, eleganter Edelstrom, billiger Importstrom und zärtlicher Ökostrom.

Wer sich unterscheidet, wird gesehen: Strom wird zur Marke.

Aber genau wie Mehl, Salz oder Zucker eben Mehl, Salz oder Zucker sind, wollen wir nicht so recht verstehen, was den anderen Strom denn machen soll als unseren Strom. Wie kann man etwas verkaufen, das man nicht sehen uns sich in nichts von den Nebenbuhlern unterscheidet? Man erfindet Unterschiede. Gerade der Energiekonzern, dessen Imagekampagne mit einem unscharfen Mann in Blau mehr verunsichert als bestärkt hatte (EnBW), beginnt nun, seinen Strom gegen die anderen abzugrenzen. Ihn unverwechselbar zu machen. Und schafft so die erste wirkliehe Strommarke: Yello Strom.

Nun wollen aber auch die anderen Stroms ein Gesicht bekommen, weil es sich so besser um uns werben lässt. Und wir dann wissen, was aus der Steckdose kommt. Also eben Blau, weil das auch eine schöne Farbe ist. Blau ist ehrlich und bei schönem Wetter ist auch der Himmel blau. Welche Farbe könnte besser zu Strom passen? Grün, weil umweltfreundlich? Oder Silber, weil aus Wasserkraft gewonnen? Oder Gold? Oder eben einfach bunt. Bunt, weil der Bund der Energieverbraucher e. V. ihn aus kemkraftfreien Quellen bezieht. Bunt, weil es irgendwie sympathisch klingt, so nach Regenbogen, „kunterbunt“ und eben alternativ, also okay für alle, die eigentlich ein Stück weit dagegen sind. Die ersten Stroms hatten ein Gesicht bekommen und konnten sich so endlich gegen alle die behaupten, die da noch so in unsere Steckdose wollten. Wir wollen doch wissen, wie unser Strom heißt.

Ein frischer Werbewind weht endlich wieder durch die Agenturen der Republik. Namen müssen her, die Lust auf Neues machen. Privatstrom (RWE) klingt da schon ganz gut. Mein Strom eben, nur für mich, mit dem ich mich mal gemütlich zurückziehen kann. Nur wir zwei, Strandspaziergang und so. Oder für »Fit for Fun«-Leser: Powerprivate (Bayernwerk) mit dem gewissen gern: Europower Energy. Aber auch der Akademiker will versorgt sein. Für ihn gibt es Avanza, den feinen Markenstrom aus gutem Hause. Das klingt ungleich edler und suggeriert: Da läuft die Anlage von Bang & Olufsen noch viel besser. Wir können froh sein, dass es noch keinen Millenniumstrom gibt. Bis jetzt.

Weil alle Stroms so gleich sind, werden sie für uns unterscheidbar gemacht. Und weil es manchen egal ist, wie ihr Strom aussieht, wo er herkommt und wie er heißt, gibt es noch den wahrscheinlich einfachsten Weg in unser Herz: über unseren Geldbeutel. Und plötzlich sind alle fröhlich dabei, uns günstigen Strom anzubieten, „Strom 20 Prozent billiger“ oder gar „das Recht auf den „günstigsten Strom“ zu propagieren. Vor der Tür gibt es einen „Ich mach's dir billig“-Strom-Straßenstrich. Zu Hause wartet der bewährte Partner. Doch Gucken kostet ja nichts, denken wir, aber denkste: Die jungen Strich-Strömchen fordern die sofortige Trennung, bevor sie überhaupt irgendetwas bei uns zum Erglühen Bringen.

Lampen sollen in Mundart leuchten – „Herumstromern bringt nichts“.

Wir schauen zurück zu unserem alten Strom – wirkte er nicht doch etwas verbraucht in letzter Zeit? Doch sieh an, mit roten Lippen und grünem Dirndl drückt er sich an uns heran: „Kurze Wege garantieren Frische“, flüstert er. Am besten noch aus regenerativen Energiequellen, denn nur so wird Strom zum „glücklichen Strom“. Und wenn der Strom strahlt, freut sich der Mensch. Robuste, ehrliche und saubere Landstroms sind gefragt, damit die Lampen noch in Mundart leuchten können. Wer weiß, was der Strom aus der Ferne für Macken hat: „Herumstromern bringt nichts“, mahnen die Stadtwerke Schwerin zu Recht.

Strom können wir jetzt im Supermarkt kaufen, im Internet oder übers Telefon. Er hat jetzt verdammt viele Namen, strahlt in allen möglichen Farben, kommt von nah oder fern und ist billig oder billiger. Aber er kommt doch immer noch aus der Steckdose. Und wenn wir ganz leise sind, können wir ihn dort vor Freude summen hören.
Ihn – unseren geliebten Strom.  ---

Kontakt:

www.preussenelektra.de
www.rwe.de
www.yellostrom.de
www.naturenergie.de
www.bunter-strom.de
www.europower-energy.de
www.avanzastrom.de
www.swu.de
www.stadtwerke-schwerin.de
www.strom.de
www.strom-magazin.de
www.stromtarife.de