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Hochwasserschutz

Auf Sand gebaut

Der Sandsack hat gute Freunde. Gemeinsam machen sie dicht, auch wenn er das Wasser nicht immer halten kann. Es gibt Alternativen: gut, günstig, innovativ. Noch dümpeln sie in der Nische, aber steter Tropfen höhlt den Damm.





Er ist ein Hochstapler. Lässt sich loben als Held in der Hut, als Deich im Kleinformat und Garant des trockenen Fußes. Mit seinen 15 Kilo sitzt der Sandsack alles aus. Hamburg 62, Köln 95, Hohenwutzen 97. Dick liegt er da und trotzt dem Wasser, bewegt sich nicht vom Heck. Gerade das macht ihn so beliebt bei seinen Kumpels von Feuerwehr, THW, Armee und Beschaffungsämtern. Je plumper, desto besser. Generationen von Katastrophenverwaltem ordern stoisch Nachschub. Die Geschichte vom Sandsack und denen, die sich hinter ihm verschanzen, ist eine Romanze. Eine Hassliebe.

Man trägt wieder Sack: Traditionalisten bevorzugen die Jutetüte, weil die griffiger ist und sich besser in die Wand schmeißen lässt. Preisbewusste Modernisierer kaufen die milchfarbenen Pakete aus verwebten Polypropylenstreifen, weil die nicht so schnell verrotten. Am Sack an sich fuhrt aber für die meisten Hochwasserroutiniers kein Weg vorbei. Die Beutel lassen sich vorhalten, verfüllen, verrödeln, verbringen, verbauen, wegwerfen und neu beschaffen für die nächste Katastrophe – eine heile Welt, die in sich ruht. Dieses archaische System wäre am 22. Februar 1999 um ein Haar implodiert und schuld war Reinhard Vogt.

Was war geschehen? Vogt, lockiger Leiter der Kölner Hochwasserschutzzentrale, hatte ein Experiment gewagt. Er pfiff auf den Sandsack und setzte erstmals in Mitteleuropa auf die schwedische Innovation Aqua Barrier – einen bestechend simplen Hilfsdamm. Der besteht lediglich aus schräg gestellten, handelsüblichen Holzpaletten, klappbaren Stahlstützen und ein bisschen Plane. Ein Tiefschlag für Traditionalisten: Denn Vogt bewies, dass Hochwasserschutz auch ohne Sand, Säcke, Soldaten und Erbsensuppe zu erreichen ist. Wahrscheinlich sogar besser und billiger. Dennoch liegt er, wo er immer lag, der alte Sack, und trotzt der modernen Konkurrenz. Doch der Reihe nach.

Von der Funktionsweise der Aqua Barrier hatte sich Vogt schon im Sommer 1997 überzeugen können. Damals hatte eine selbstbewusste Rodenkirchener Bürgerinitiative, die nasse Füße ab 7,90 Meter Kölner Pegel nicht als gottgegeben hinnehmen wollte, „ein kleines Happening“ veranstaltet, wie der Initiator Gerhard Müller sagt. In Eigenregie hatten die chronisch Überfluteten mit Hilfe der schwedischen Neuheit auf den Rheinwiesen ein künstliches Becken aufgebaut und dieses mit Rheinwasser vollgepumpt. Ergebnis: alles dicht. Ein Wink mit dem Zaunpfahl an die Herren vom Amt.

Wer sich im Ernstfall auf die Bundeswehr verlässt, ist verlassen. Denn die kommt erst, wenn die Katastrophe schon da ist. Für Köln zum Beispiel verzeichnet die Truppe erst beim Pegelstand von zehn Metern eine „friedensmäßige Gefahrenlage“ und rückt an mit Schippen und Soldaten. Dann schwappt der Rhein in der Altstadt aber schon an der Oberkante der Schutzmauer. Das Auenviertel ist bis dahin längst abgesoffen.

Das Schöne am Hochwasser: Man kann auf den Haushaltsplan pfeifen.

Müller erinnert sich an die Verwunderung der Verwaltungsprofis ob der Wirksamkeit des Systems. „Trotzdem überwog Skepsis, da die Bewährung in einem richtigen Hochwasser noch fehlte“, sagt er. „In einer Verwaltung gibt es oft Vorbehalte einfach aus dem Bauch heraus“, formuliert Hochwasserprofi Vogt mit Blick auf Kollegen, die vielleicht nicht wie er mit einem Tretroller durchs Rathaus flitzen. Genau genommen ist er der Einzige, der mit einem Tretroller durchs Rathaus flitzt und ganzjährig eine grüne Gummiwathose über dem Stuhl hängen hat. Auf seinem Schreibtisch steht zum Besucher gewandt sein Motto: „Offenheit schafft Vertrauen“. Wenn jemand dem Sandsack Angst machen kann, dann einer wie Vogt, dem es im übrigen nicht unangenehm ist, dass sie ihn hier den Hochwasserpapst nennen.

Meinungsmacher Vogt fand die Neuheit aus Schweden gut. Für den Kauf musste er aber auf den Rhein warten. Schließlich sei das einzig Erfreuliche am Hochwasser, dass man dann auf jeden Haushaltsplan pfeifen könne. „Geld spielt in dem Moment keine Rolle“, sagt der Mann, dessen Adrenalinspiegel mit dem Rheinpegel über ein System kommunizierender Röhren verbunden zu sein scheint. So auch am 21. Februar, als der Rhein mit einer Geschwindigkeit von 21 Zentimetern pro Stunde anschwoll. Vogt wusste: „Mit Sandsäcken ist dem so fix nicht mehr beizukommen.“ Nach einer schlaflosen Nacht ging er extra früh ins Büro, rief den Oberstadtdirektor an, erläuterte ihm, dass Rodenkirchen gegen 20 Uhr geflutet sein würde – und bekam das erhoffte grüne Licht, um hau ruck für 100.000 Mark 500 Meter Aqua Barrier zu kaufen.

Was folgte, bezeichnete die Bürgerinitiative als „das Wunder von Rodenkirchen“. Straßen und Keller des Auenviertels blieben trocken, 2.700 leidgeprüfte Bürger holten den Sekt aus dem Kühlschrank. Auch der Erfinder Sten Kullberg war aus Linköping angereist, um zu sehen, wie sein Produkt im ersehnten Ernstfall dem Druck standhielt. Alles lief nach Plan: In nur drei Stunden wurden die Teile vom Deutschland-Importeur angekarrt und in weiteren fünf Stunden von 18 ungelernten THW-Helfern und Feuerwehrleuten problemlos aufgestellt. Mit einem Wort: sensationell.

Zum Vergleich: Hätte man die 500 Meter mit einem Sandsackwall schützen wollen, wären diese 18 Männer theoretisch vier Tage und vier Nächte pausenlos damit beschäftigt gewesen, 70.000 Sandsäcke mit über 1.000 Tonnen Sand zu füllen und zu stapeln – und der Transport des Sandes aus umliegenden Kiesgruben ist nicht einmal eingerechnet. Mit einem Wort: hoffnungslos.

Mit unverbautem Blick müsste einleuchten, dass der wieder verwendbare, leicht zu lagernde und wartungsfreie Behelfsdamm auch unter Kostenaspekten als Sieger hervorgeht. Zwar hat die Stadt dafür einmalig 100.000 Mark ausgeben müssen, 30.000 Mark mehr, als die Sandsäcke mit Füllung gekostet hätten. Vergessen werden im Katastrophenschutz aber regelmäßig die Kosten für den Arbeitseinsatz beim Auf- und Abbau, die Verpflegung und Unterbringung der Helfer und die Entsorgung des Sandes. Vollends irrational wird die Rechnung, wenn der ganze schöne Sandsackwall wieder mal nicht rechtzeitig fertig geworden ist – wie im November 1998, als man in Köln noch auf Experimente verzichtete und und innerhalb weniger glucksender und sprudelnder Minuten drei Millionen Mark Schaden entstanden.

Was machen Sandsäcke nach dem Einsatz? Sie vergammeln.

Gegen den simplen Sandsack sprechen auch praktische Gründe: Feuchte Säcke, vor allem die aus Jute, verfaulen in wenigen Tagen, wenn sie nicht sorgfältig getrocknet werden. Doch dafür fehlt die Lagerkapazität – und die Lust. „Sobald das Wasser wieder sinkt, sind alle müde und niemand kann die Dinger mehr sehen“, erzählt der Leiter einer Berufsfeuerwehr. Erfahrungsgemäß werden sie dann einfach in die Ecke geschmissen, bis sie alle Sondermüll sind, auch die trockenen.“ Faktisch ist der Sandsack also ein Einwegprodukt.

All das ficht einen Mann wie Friedhelm Schlösser nicht an: „Das Idealste ist im Endeffekt immer noch der Sandsack.“ Schlösser ist für das Kölner Amt für Brücken- und Stadtbahnbau zuständig für „den direkten Einsatz vor Ort“, Bau und Rückbau von Sandsackwällen. „Klar ist das Knochenarbeit, 'ne ganz konservative Methode.“ Schlösser kennt sich aus in Praxis und Theorie. Er hat eine Liste mit allen wissenswerten Sackschutz-Richtwerten. „Füllen ohne Rodeln je Gruppe von Hand mit Trichter“ zum Beispiel: 50 Einsatzkräfte schaffen 3.000 Säcke je Stunde. „Wie die das überhaupt aushalten wollen, ist auch noch 'ne Frage“ gibt Schlösser stutzend zu bedenken. Er weiß ja, wie das ist, draußen bei Regen und eisigem Wind. „Wenn Sie das in Kette verlegen, dann wissen Sie, was Sie getan haben.“ Er steht zum Jutesack, Ehrensache. Der Sack gehört zur Katastrophe wie der rustikale Abend zur Hochwasser-Messe. Mit ihm unterzugehen ist keine Schande. Man hat ja alles probiert.

Dabei gibt es intelligente Alternativen: 
_gelgefüllte Säcke, die normalerweise flunderflach sind und sich erst beim Kontakt mit Wasser vollsaugen. Kritiker sagen, das Trocknen dauere zu lange und stinke.

_dicke luftgefüllte Kunststoffwürste, bei denen allein das Gewicht des anstehenden Wassers ein Verrutschen verhindert und für Dichtigkeit sorgt. Kritiker sagen, pfiffig, aber zu gefährlich. Ein Messerstich eines sensationsgeilen Hochwassergaffers genügt für den Big Bang.

_Big Packs, tonnenschwere Sandwürfel, die einen ganzen Kubikmeter Dämm-Material fassen. Die Niederländer schwören drauf. Kritiker sagen, zu klobig. Aber Vogt und der städtische Arbeitskreis Sandsack wollen sich das in den Niederlanden demnächst mal näher ansehen.

Seitdem sich die so genannten Jahrhunderthochwasser häufen, basteln immer mehr Erfinder an Schutzvorrichtungen. Aus 37 Vorschlägen konnte die Jury der „Hochwassernotgemeinschaft Rhein e.V.“ wählen, als es den diesjährigen Innovationspreis zu vergeben gab. Der Sieger, Quick-Damm, bestach durch die Idee, die hohle Sperre mit jenem Material zu füllen, das ohnehin im Überfluss da ist: Wasser. Erfinder Reinhard Schneider hat das Oder-Hochwasser im Fernsehen verfolgt. „Noch unter diesem Eindruck“ hat der 63-jährige Schneider, Kiesgrubenbetreiber aus dem Hessischen, seine Idee zunächst mit Pappe und Strohhalmen gebastelt, dann mit Stahlrohren und wasserdichtem Geotextil nachgebaut und sofort patentieren lassen: „Das Ei des Kolumbus!“

Schneider, versierter Innovator, gibt sich aber keinen Illusionen hin. Schließlich habe er schon den Transportbeton „mit eingeführt“ und den Betonpflasterstein „nach Nordamerika gebracht“ und weiß insofern: „In der schwierigen Phase des Markteintritts muss man zäh sein.“ Mittlerweile habe Quick-Damm immerhin über 30 Kunden. Mit einem Meterpreis von 500 Mark bewegt sich der orangefarbene Plastedamm im Mittelfeld der mobilen Systeme.

„Alles gute Ideen, will ich ja nicht madig machen“, räumt Sandsackexperte Schlösser aus Köln ein. Aber die neuen Systeme seien eben „noch nie bei einem richtigen Einsatz erprobt worden“, Der Sandsack dagegen habe sich bewährt und sei „'ne Technik, mal ehrlich, da kann ich jeden Doof dranstellen.“ Einmal verbaut, nie vergessen. „Ich behaupte: Die alten Römer haben den Sandsack erfunden, das waren schlaue Leute.“ Deshalb ordert die Römerstadt Köln wie gehabt Sandsackhüllen in rauen Mengen. Zuletzt 250.000 Stück, ganz offiziell über den Vergabeausschuss des Stadtrates für 62.550 Mark.

Für Rainer Stephanek, der die Aqua Barrier in Deutschland zu vermarkten versucht, ist das frustrierend, aber noch kein Grund zur Resignation. „Die Zeit spielt für uns“, macht er sich Mut. „Der Sandsack ist ein Relikt aus der Vergangenheit.“ Zwar sei er zur Sicherung von aufgeweichten Deichen wie im Oderbruch in der Tat „nicht wegzudenken“, so Stephanek. Und auch im Schutz von Einzelobjekten, zum Dichten von Gullis und Türschwellen habe der Sandsack seine Berechtigung. „Aber im Streckenverbau, meine Güte, da sollte man mal die Augen aufmachen und nach rechts und links schauen“, moniert der 49-Jährige.

Warum werden keine gefüllten Säcke auf Vorrat gelagert? Weil das zu teuer ist. Aus Haltbarkeitsgründen lassen sich nämlich nur rund 50 Säcke pro Quadratmeter stapeln. Selbst bei einer Lager-Monatsmiete von nur fünf Mark pro Quadratmeter ist es billiger, die Säcke bei Bedarf frisch zu füllen, als sie gefüllt ein Jahr zu lagern.

Wenn der Pegel klettert, steigt bei Rainer Stephanek der Umsatz.

Immerhin: Sein Triumpf aus dem Auenviertel sprach sich herum. Als sich in Konstanz kurz nach Pfingsten der Bodensee um zweieinhalb Meter anhob, bestand die schnell aus Köln ausgeliehene Aqua Barrier zum zweiten Mal den Eignungstest. Konstanz kaufte 400 Meter, eine Brauerei in Donaueschingen leistete sich 20 Meter und auch Köln überlegt, ob man nicht vielleicht ein bisschen Barriere nachkaufen sollte. Vor allem aber denkt man in der Domstadt aktuell an die Anschaffung von Sandsackfüllmaschinen, „um wenigstens die Kraftarbeit zu reduzieren“, so Vogt. Ein echter Durchbruch sieht wohl anders aus. Stephanek, der für einen sechsstelligen Betrag Barriere auf Lager hat, hofft nun auf neue Katastrophen. Denn nur mit dem Wasser kommen Aufträge.

Hochwasserhändler Stephanek ist nicht zu beneiden. Er sitzt auf einem marktreifen Produkt für einen verrammelten und verstopften Markt. Was kann er tun? Auf den alljährlichen Hochwassermessen herumstehen? „Das bringt es nicht, diese Trockenübungen vor den immer gleichen Experten, die separat sowieso nichts entscheiden dürfen.“ Daher hat er sich den Weg nach Lahnstein bei Koblenz zur diesjährigen Veranstaltung – Motto: „Mit dem Hochwasser leben“ – einfach geschenkt. „Habe Besseres zu tun.“

Nicht so Josef König aus Abtsdorf bei Saaldorf-Surheim, „der König von Bayern, haha“. Der 39-Jährige hat sich mit einem Feuerwehrkameraden auf den weiten Weg nach Lahnstein gemacht. „Sind gar nicht ins Bett gegangen, direkt nach dem Kirchweihfest ins Auto und los.“ Morgens angekommen, begann der Hauptfeuerwehrmann, Landwirt und Innovationstechniker König, seine „Tandem-Katastrophenschutz-Sandsäcke“ zu verlegen. „Was einer sich mal ausgedacht, wird jahrelang erst ausgelacht. Kapiert man den Sinn dann endlich, dann ist es selbstverständlich“, rezitiert er sein Lieblingsgedicht, das – soviel er weiß – vom Erfinder des Lachsacks stammt.

Die königliche Idee ist einfach, muss nur erst einer darauf kommen: Man verbinde zwei Sandsäcke durch einen Stoffsteg miteinander. Fertig. Stapelt man die Doppelsäcke versetzt ineinander, können sie nicht so leicht verrutschen wie normale Plastiksäcke. Den Einwand mancher Messebesucher, ein Doppelsack mit 20 Kilo sei unhandlich und zu schwer, kontert König mit dem Hinweis, „auch eine Maß Bier ist schwer, wenn ich sie nicht richtig hernehme“.

Dass normale Sandsäcke nur bedingt taugen, weiß König seit dem 1. August 1991. Gewitterregen hatten auf seinem Grundstück einen Hang ins Rutschen gebracht. „Bis zwei Uhr nachts habe ich Sandsäcke gefüllt wie ein Irrer.“ Vergebliche Stabilisierungsmüh: Der Hang landete acht Meter tiefer auf der Kreisstraße. Das tat weh. „Doch Not macht erfinderisch.“ Inzwischen habe er die Tandemsäcke schon „im sechsstelligen Bereich“ verkauft. Hauptabnehmer seien Privatleute, österreichische Kommunen und vor allem Feuerwehren. Deutsche Stadtverwaltungen seien eher zurückhaltend, fragten immer nach Referenzen.

Dabei hätte es in Köln 1996 beinahe im großen Stil geklappt. Eine Vereinigung von Altstadtgastronomen wollte ihren Schutz ab zehn Meter Pegel selbst in die Hand nehmen. Für 4,5 Kilometer Altstadt sollte mit König-Säcken eine „zweite Verteidigungslinie“ bis auf 10,60 Meter errichtet werden. Doch die geplante Tombola für die Mittelbeschaffung scheiterte an der fehlenden Lotteriegenehmigung, erinnert sich „Haxenhaus“-Wirt Wilhelm Wiehert. Für König ging so ein Zwei-Millionen-Auftrag baden, die Altstadtwirte hoffen jetzt auf die billigere Aqua Barrier – und darauf, dass der fast 500 Millionen Mark teure, fest installierte Hochwasserschutz der Stadt noch vor der nächsten Flut fertig wird.

Dass das Sackgeschäft eher schleppend verläuft, scheint Königs Messevergnügen keinen Abbruch zu tun. „Der den Mikrochip entwickelt hat“, tröstet sich König, „wusste in den ersten fünf Jahren auch nicht, wovon er leben sollte. Heute ist das die Sensation.“ Er ist sicher: „Es wird sich nicht das Billigste, sondern das Beste durchsetzen. Ich fürchte keine Konkurrenz.“

„Ich müsste einen Orden kriegen. Aber was krieg ich? Einen Arschtritt!“

Die Konkurrenz im Sandsackkosmos hat ähnliche Probleme: der Hamburger Helmut Merten etwa, der mit seinem „verkettenden Sandsack“ bereits auf der Genfer Erfindermesse 1998 eine Bronzemedaille gewonnen hat. Seine patentierten Säcke sind oben und unten mit Klettstreifen ausgestattet und bieten so einen 25fachen Widerstand gegen Wasserdruck. „Die sind blind legbar und halten, als wär's gemörtelt.“ Beim 46-jährigen Merten steckt ein „philosophisches Prinzip“ hinter der Sache: „Es ist ein Schutzsystem gegen die vier Elemente Wasser, Sturm, Erdbeben und Feuer.“ Dank des feuerfesten Kevlargewebes lasse sich mit seinen Säcken auch ein „Schutzwall gegen Feuersbrünste“ bauen, bei Erdbeben ließen sich sogar gefährdete Gebäude „stabil abstützen“.

Merten ist der Groll über Hersteller und Hochwasserschützer anzumerken. „Normalerweise müsste ich einen Orden kriegen. Aber was krieg ich? Einen Arschtritt.“ Obwohl mehrere Firmen seinem Sack ein „hohes kommerzielles Potenzial“ attestierten, wollte keine die Produktion aufnehmen. Vom deutschen Hochwasserschutz und seinen „bürokratischen Strukturen, die einen wegsieben und hängen lassen“, hat sich Merten verabschiedet. Nun hofft er auf den US-Markt, für den er sich die Schutzrechte gesichert hat. „Da haben sie einen Riesenbedarf und können auch damit leben, dass man Ideen hat.“

Informationen zur Aqua Barrier:

www.geodesign.se
E-Mail:
kullberg@geodesign.se

Alles rund ums Hochwasser:
www.pegel.de
Website der Hocbwassernotgemeinschaft Rhein e. V.