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Risse & Co. GmbH, Prokoda AG, Plenum AG, Datadesign, Deutsche Lufthansa AG

Fünf Beteiligungsmodelle

Wer seine Mitarbeiter am Erfolg des Unternehmens beteiligen will, kann unter einer Vielzahl von Modellen wählen und sollte vor dem Einstieg auch den Ausstieg planen. Fünf Beispiele aus der Praxis.



Risse & Co. GmbH, Warstein 
Gründungsjahr: 1959 
Mitarbeiterbeteiligung: seit 1978 
Branche: Maschinenbau 
Mitarbeiter: 135
Umsatz 1998: rund 23 Millionen Mark 
Börsengang: nicht geplant

Firmengründer Egon Risse, ein weiterer Altgesellschafter und die RMG Risse-Mitarbeiter-Gesellschaft halten je ein Drittel des Stammkapitals. Wenn die Mitarbeiter zwei Jahre im Betrieb sind, dürfen sie Anteilsscheine an der RMG erwerben. Die Obergrenze liegt bei fünf Prozent des Gesellschaftskapitals pro Person. Die Ausgabe neuer Anteile erfolgt durch Kapitalerhöhungen, wobei der Preis der Anteile höher liegt als ihr Nennwert. Es gibt Anteilsscheine, die an einer internen Börse gehandelt werden. Ihr Nennwert beträgt zwischen 500 und 100 Mark („großer Schein und kleiner Schein“). Dort liegt der Kurs des „großen Scheins“ gegenwärtig bei rund 3.000 Mark. Die Gewinnausschüttung liegt seit der Einführung des Beteiligungsmodells zwischen 15 und 30 Prozent. Rund 90 Prozent der Mitarbeiter halten Anteilsscheine.

Wer aus der Firma ausscheidet, muss die Anteilsscheine zurückgeben. Die Geschäftsführer sind verpflichtet, die Anteile im Zeitraum eines Jahres meistbietend anzubieten. Wenn sie keiner haben will, gibt's den Nennwert zurück. In der Praxis platzieren ausscheidende Mitarbeiter die Scheine aber schon vorher an der internen Börse.

Prokoda AG, Köln 
Gründungsjahr: 1987 
Mitarbeiterbeteiligung: seit 1989 
Branche: Informationstechnologie (IT) 
Mitarbeiter: 175
Umsatz 1998: rund 28,6 Millionen Mark 
Börsengang: geplant für das Jahr 2000 (Neuer Markt)

Sämtliche Aktien befinden sich in Mitarbeiterhand. Die einstigen Gründer – eine Gruppe von Studenten – halten keine signifikant höheren Anteile als andere langjährige Mitarbeiter. Grund: Schon kurz nach Unternehmensgründung konnten neue Mitarbeiter laufend Anteile an der Firma erwerben. Einmal im Jahr werden, nach Zustimmung der Aktionärsversammlung, neue Mitarbeiter im Rahmen einer Kapitalerhöhung am Unternehmen beteiligt. Auch Altgesellschafter können dann ihre Anteile aufstocken. Die jährliche Gewinnausschüttung lag bisher bei rund 20 Prozent. Die Aktien können untereinander nicht gehandelt werden. Wer Geld braucht, muss sie dem Unternehmen zum Rückkauf anbieten. Der Wert der Anteile wird dann auf Grund aktueller Bilanzdaten errechnet. Rund 90 Prozent der Mitarbeiter sind am Unternehmen beteiligt.

Bei Ausscheiden aus dem Unternehmen dürfen Mitarbeiter die Aktien auf Wunsch behalten. Oder sie bieten sie zum Rückkauf an.

Plenum AG, Wiesbaden 
Gründungsjahr: 1986 
Mitarbeiterbeteiligung: seit 1992 
Branche: Informationstechnologie (IT) 
Mitarbeiter: 150
Umsatz 1998: 39,6 Millionen Mark 
Börsengang: 1998 (Neuer Markt)

Die Mitarbeiterbeteiligung umfasst zwei Komponenten: die Ausgabe von Belegschaftsaktien und das Angebot einer Partnerschaft. Den Mitarbeitern wurde im Zuge des Börsengangs eine bevorrechtigte Zeichnung von Aktien zum Ausgabekurs angeboten. Ein Jahr später konnten sie im Rahmen einer Kapitalerhöhung weitere Aktien zu einem um 40 Prozent ermäßigten Kurs erwerben. Fast alle Mitarbeiter nahmen diese Möglichkeit wahr. Seit 1992 besteht bereits das Partnerschaftsmodell: Langjährige und besonders verdiente Mitarbeiter können nach einer einjährigen „Kandidatur“ zu Partnern berufen werden. Als solche treten sie in die „Plenum Partner Beteiligungs GbR“ ein, die zur Zeit 13,2 Prozent des Kapitals der Plenum AG hält, und sind verpflichtet, ein Mindestdepot zu halten. Über dessen Höhe schweigt sich das Unternehmen aus. Gegenwärtig gibt es 15 Partner. Für sie existiert außerdem ein Stock-Option-Plan, der gerade neu konzipiert wird.

Ausscheidende Partner sind verpflichtet, ihr Depot der „Plenum Partner Beteiligungs GbR“ zum Rückkauf anzubieten. Sie verlieren außerdem den Anspruch auf Optionsausübung.

Datadesign AG, München 
Gründungsjahr: 1992 
Mitarbeiterbeteiligung: seit 1998 
Branche: Informationstechnologie (IT) 
Mitarbeiter: 140
Umsatz 1998: 12,3 Millionen Mark 
Börsengang: 1998 (Neuer Markt)

Datadesign setzt ausschließlich auf Stock Options. Die ersten Optionsrechte wurden noch vor dem Börsengang ausgegeben und steuerlich als „verkehrsfähiges Wirtschaftsgut“ eingestuft. Durch diese Konstruktion war eine Versteuerung als geldwerter Vorteil bereits bei Options-Ausgabe möglich („Münchener Modell“). Alle Mitarbeiter erhielten Optionen; die Anzahl richtete sich nach Dauer der Unternehmenszugehörigkeit, Qualifikation und Leistung. Die Optionen berechtigen zum Bezug von Aktien zum Stückpreis von 18,86 Mark (zum Vergleich: Der Emissionspreis betrug 62 Mark). Frühestens nach zwei Jahren können die Mitarbeiter zwei Drittel der Optionen ausüben, nach drei Jahren das restliche Drittel. Die maximale Laufzeit beträgt zehn Jahre. Nach Übernahme der Software4You GmBH im Januar dieses Jahres wurde ein weiteres Optionsprogramm für die hinzugekommenen Mitarbeiter aufgelegt.

Bei Ausscheiden aus der Firma vor der Sperrfrist verfallen die Optionen.

Deutsche Lufthansa AG, Köln
Gründungsjahr: 1953
Mitarbeiterbeteiligung: seit 1980
Branche: Luftfahrt
Mitarbeiter: 55.000
Umsatz 1998: 22,7 Milliarden Mark
Börsengang: 1966 (DAX-Wert)

Schon seit den achtziger Jahren räumt die Lufthansa ihren Beschäftigten die Möglichkeit ein, Belegschaftsaktien zu erwerben. Mitte der neunziger Jahre erweiterte der Konzern die Palette: Als Erfolgsbeteiligung können die Mitarbeiter jetzt zwischen einer Barprämie, einem kleinen Aktienpaket und dem Programm „LH-Chance“ wählen. Bei „LH-Chance“ wird jedem Mitarbeiter eine Anzahl Aktien geschenkt, die er mit einem zinsfreien Darlehen bis zu 2.500 Mark aufstockt. Für die Dauer von zwei Jahren garantiert das Unternehmen bei den kreditfinanzierten Aktien einen Mindestkurs, so dass das Engagement für den Mitarbeiter risikolos ist. Nach Ablauf der zwei Jahre kann der Mitarbeiter sämtliche Aktien verkaufen, und zwar so viele, wie er zur Tilgung des Darlehens benötigt, oder er behält alle Aktien und zahlt den Kredit aus Eigenmitteln zurück. Für „LH-Chance“ entscheiden sich zwischen 25 und 39 Prozent der Mitarbeiter. Rund fünf Prozent der Lufthansa-Aktien liegen in Mitarbeiterhand.

Wer während der Laufzeit von „LH-Chance“ aus dem Unternehmen ausscheidet, muss zum Quartalsende aus dem Programm aussteigen und hat dann die gleichen Optionen wie bei regulärem Programmende.