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Wilkhahn

Fritz Hahne oder Der Chef als Betriebsarzt

Ein Unternehmer, der immer Skrupel hatte und zu viel Geld scheut: FRITZ HAHNE
Ein Betriebsrat, der mit seinem Chef befreundet ist: HORST KNIGGE
Ein Unternehmen, das von dieser Beziehung profitiert: WILKHAHN





• Hannover im Morgengrauen. Es ist Herbst geworden und kalt. Fritz Hahne joggt. Das tut er jeden Morgen, obgleich er schon 79 Jahre alt ist. Auf dem Rückweg zu seiner Wohnung Am Leinewehr wird er aufgehalten. Ein Mann, allem Anschein nach ein Russe, der sich auf eine Zeitungsannonce hin als Gärtner vorstellen möchte, fragt ihn nach dem Weg. Sie suchen gemeinsam und Hahne stellt sich mit dem Russen in die Schlange. Viele wollen den Job. Vorn sitzt ein Mann und listet die Bewerber auf. Hahnes Morgengruß erwidert er nicht. Als Hahne und sein Russe an der Reihe sind, erkennt der Listenschreiber, dass der drahtige alte Herr im Trainingsanzug wohl kaum um eine Stelle nachsucht. Er springt auf, stellt sich vor, gibt Hahne die Hand. Dem Russen nicht.

Fritz Hahne sprüht förmlich vor Empörung, wenn er diese Geschichte erzählt. Nichts auf der Welt ist ihm mehr zuwider als eine solche Ungleichbehandlung von Menschen – erst recht, wenn er selbst der Bevorzugte ist. Er findet es auch normal, in aller Herrgottsfrühe mit einem wildfremden Russen Schlange zu stehen. Und das Bemerkenswerte ist: Die Haltung wirkt nicht aufgesetzt. Man glaubt ihm.

Als Unternehmer, als erfolgreicher dazu, hat Hahne sich stets zu den Bevorzugten gezählt. Er hatte Skrupel, ein schlechtes Gewissen, eine große Scheu vor zu viel Geld. Und auf der anderen Seite den Enthusiasmus, die Leidenschaft für modernes Design, die Lust am Aufschwung, gewiss, auch das. Aus beiden Teilen hat er ein Unternehmen geschaffen, das nicht nur dem Unternehmensberater Rudolf Stücken als Unikat gilt.

Aus dem kleinen Stuhlbetrieb des Vaters in Bad Münder bei Hannover ist heute ein renommiertes mittelständisches Unternehmen geworden: der Büromöbelhersteller Wilkhahn. Und der hat sich nicht nur mit Design in Bauhaus-Tradition einen Namen gemacht, sondern auch mit seiner Unternehmensphilosophie: Die Mitarbeiter sollen am Erfolg ihrer Arbeit teilhaben, und zwar mit einem handfesten Anteil. Nicht nur mit Almosen, wie das Bürgertum sie gern vergab, um sich dann in der Dankbarkeit der Untergebenen zu sonnen.

So denkt Fritz Hahne. Das hat seine Unternehmensphilosophie geprägt – und vor allem sein Verhältnis zum Betriebsrat im eigenen Haus. Daraus ist ein Zusammenspiel von traditionellen Gegnern entstanden, das unter Arbeitgebern und Gewerkschaftern gleichermaßen Verwirrung stiftete. Wer steht bei Wilkhahn eigentlich auf welcher Seite und wo, bitte sehr, verläuft die Front?

Horst Knigge, 58, strahlt vor Vergnügen. Als Mitglied und später Vorsitzender des Betriebsrats war er jahrzehntelang der wichtigste Partner in diesem Verwirrspiel. Wenn er heute davon erzählt, dann klingt es, als wäre das Ganze ein Riesenspaß gewesen. Nebenbei hat Horst Knigge eine nicht gerade gewöhnliche Karriere gemacht: der Beiz-und Polier-Lehrling von einst, der nie ein anderes Unternehmen von innen gesehen hat, sitzt seit Februar vergangenen Jahres bei Wilkhahn in der Geschäftsführung. Schon als Betriebsrat, so sagt er heute, habe er sich eher als Co-Manager verstanden. Gewiss nicht als Gegner, denn dem hätte ohnehin das Gegenüber gefehlt. „Fritz Hahne hätte genauso gut Betriebsrat sein können.“

Fritz Hahne, der Zweifler, fand im unbeschwerten Horst Knigge sein Pendant.

Die zwei hatten ihre eigenen Regeln. Ja hieß ja und nein hieß nein. Wenn einer ausscheren und eine gegensätzliche Position einnehmen wollte, dann hat er den anderen vorher informiert, unter vier Augen bei Zuckerkuchen, bei einer Brotzeit und einer guten Flasche Wein. So sind sie zu ungewöhnlichen Lösungen gekommen, in guten wie in schlechten Zeiten, und im Grundsatz waren sie sich einig. Denn schließlich ist Fritz Hahne für Horst Knigge so etwas wie ein geistiger Vater.

Angefangen hat das so: „Als 15-jähriger Lehrling“, sagt Hahne heute, „hat der Knigge mir Spaß gemacht, der war so frisch-fromm-fröhlich-frei.“ Hahne, damals Mitte 30, war, was er immer gewesen ist: ein Suchender, ein Getriebener, ein Zweifler. Er führte als einer der Ersten eine betriebliche Altersversorgung ein und freute sich über jedes neue Auto, das auf dem Hof stand. Ein Zeichen, dass es den Mitarbeitern gut ging. Und doch fragte er sich oft, ob er der Aufgabe wirklich gewachsen war.

Horst Knigge war von Anfang an das Gegenteil: kräftig, selbstsicher, unbeschwert. Er hatte den Krieg nicht bewusst erlebt und die Gefangenschaft, die Hahne so grundlegend geprägt hat: Dort hatte der Unternehmer erlebt, wie es ist, zu den Underdogs zu gehören. Das hat er nicht vergessen und daraus ist sein Mitempfinden gewachsen, seine Sensibilität, die oft auch eine Last gewesen sein muss.

Die Gewinnbeteiligung brachte Knigge erst mal aus der Fassung. Was will der?

Ständig wollte Fritz Hahne an seinen Mitarbeitern irgendetwas wieder gutmachen. Als wäre seine unternehmerische Existenz als solche schon verwerflich. Er wollte zumindest fair sein, ihre Sorgen ernst nehmen und sich in jeder Hinsicht um „Wahrhaftigkeit“ bemühen, ein Wort, das er oft gebraucht. Er wollte sie fördern, so gut er konnte, und damals schon mag er gespürt haben, dass er in Horst Knigge den richtigen Gesprächspartner gefunden hatte. Zum einen, weil er ein aufgeweckter Junge war, der es durchaus verstand, auf sich aufmerksam zu machen. Zum zweiten aber, weil umgekehrt die bloße Existenz von Horst Knigge Fritz Hahnes Gewissen entlastet hat.

Da war einer, der von unten kam, ohne im Selbstverständnis je ein Underdog zu sein, der nach vorn sah und einen positiven Schwung mitbrachte. Später, als sie gewissermaßen Partner wurden und die Probleme beim Wein besprachen – was sie im übrigen bis heute tun –, war es wohl nicht zuletzt Knigges fröhliches Gemüt, das dem gelegentlich zur Schwermut neigenden Hahne das Leben leichter machte.

Für Dritte blieb das Treiben bei Wilkhahn ein so undurchsichtiges Spiel. Ein Unternehmer, der nach dem Godesberger Programm in die SPD eintrat, der Ende der sechziger Jahre und ausgerechnet vor dem konservativen Lions Club öffentlich bekannte: „Ich bin überzeugt, dass eine Form des Sozialismus zeitgerecht ist.“ Der sich in bester Bauhaustradition der „Moral der Dinge“ verpflichtet fühlte, der auf die Langlebigkeit der Produkte setzte und nicht auf den schnellen Gewinn. Der frühzeitig den ökologischen Anspruch ernst nahm – was Wilkhahn in der Folge 1996 den Deutschen Umweltpreis einbrachte. Der sich in Bad Münder nicht mit schlichten Fabrikationshallen begnügte, sondern vom Bauhausschüler Herbert Hirche ein Verwaltungsgebäude errichten ließ, von Frei Otto zeltähnliche Pavillons für die Fertigung, später ein Holzlager von Georg Leowald und eine ökologisch optimierte Produktionshalle von Thomas Herzog. Der sich lieber mit Designern unterhielt als mit vermeintlich gleichgesinnten Unternehmern, der frühzeitig die Professoren der Ulmer Hochschule für Gestaltung ins Haus holte und später zahlreiche Design-Preise erntete. Vor allem aber einer, der seinen Mitarbeitern Rechte einräumte, die die Gewerkschaft blass werden ließen und den Betriebsrat zunächst einmal in Staunen versetzten.

Das war 1971. Fritz Hahne wurde, wie so oft, vom schlechten Gewissen geplagt und beschloss, von Stund an die Mitarbeiter am Gewinn zu beteiligen. Er bastelte ein Modell und legte es dem Betriebsrat vor. „Wir haben das gar nicht geglaubt, was der da machen will", erzählt Horst Knigge, damals noch nicht Vorsitzender, sondern schlichtes Betriebsratsmitglied, „wir haben das erst gar nicht so richtig kapiert.“ Sie holten einen Gewerkschaftsfunktionär ins Haus, um sich beraten zu lassen. Der kratzte sich am Kopf und murmelte schließlich ein wenig gekränkt: „Das könnt ihr ruhig unterschreiben.“ Wer lässt sich schon gern von links überholen, wenn Sinn und Zweck des Daseins ist, den Gegner rechts zu bekämpfen?

Seither stehen den Wilkhahnmitarbeitern 50 Prozent des Gewinns nach Steuern zu. Der wird in Firmenanteile umgewandelt, die Dividende wird ausgeschüttet und mittlerweile hält die Belegschaft als stiller Gesellschafter knapp 30 Prozent des Firmenkapitals. „Damals“, erinnert sich Knigge, „habe ich endgültig begriffen, dass Fritz Hahne anders ist als andere Unternehmer.“ Vielleicht war das der Anfang ihrer Freundschaft. Die allerdings schon wenig später, im Januar 1974, auf eine harte Probe gestellt wurde.

Fritz Hahne war auf der Möbelmesse in Köln, als ihn der alarmierende Anruf erreichte: Wilkhahn sollte bestreikt werden. Einen einzigen Tag nur, aber immerhin. Die Gewerkschaft hatte einen Punktstreik beschlossen und unter anderen ausgerechnet Wilkhahn ausgesucht. Der gesamte Betriebsrat hatte zugestimmt und Hahne fühlte sich verraten. Warum gerade er? Der nie der Gegner hatte sein wollen. Der Klassenfeind gar. Und hatte er nicht alles getan, um das zu beweisen? Nun wurde er plötzlich mit Gewalt in die verhasste Gegenposition gezwungen und sah sich konfrontiert mit einem Spiegelbild, in dem er nichts von seiner tiefsten Überzeugung erkannte.

Dieser Streik kränkt ihn bis heute. Obgleich er im Gespräch der Erste ist, der ihn mit rationalen Argumenten zu erklären sucht, während Knigge schweigt. Was wäre dem Betriebsrat denn anderes übrig geblieben? Die Gewerkschaft habe eine Probe aufs Exempel gewollt. Schließlich hatten die Wilkhahnbetriebsräte bei den Versammlungen stets eine Sonderrolle eingenommen. Ein wenig von oben herab. Bei ihnen gehörte ja längst zum Alltag, was die Kollegen aus anderen Betrieben als Forderungen formulierten. Jetzt sollten sie unter Beweis stellen, wie es um ihre gewerkschaftliche Solidarität bestellt war. Und hatte er nicht selbst darauf gedrängt, dass seine Mitarbeiter sich organisierten? Wenn ihr nicht in die Gewerkschaft eintretet, so etwa hat er irgendwann gesagt, treten wir aus dem Arbeitgeberverband aus.

Als Wilkhahn bestreikt wurde, feixten die anderen Unternehmer: Das hat er davon.

Und dennoch. Hinzu kam die Häme der anderen Unternehmer, all jener, die den „roten Fritz“ seit jeher unter Beschuss genommen und seine fortschrittlichen Betriebsvereinbarungen als gefährlichen Präzedenzfall gesehen hatten. Das hatte er nun davon, dass er den Leuten unbedingt etwas von seinem Gewinn abgeben musste. So dankten sie es ihm eben.

Dass der Streik im Haus ohne Folgen, dass die Vertrauensbasis bestehen blieb, ist vor allem Hahnes Verdienst. Die Beziehung zum Betriebsrat vergleicht er mit einem geschliffenen Glas. „Wenn da einmal ein Riss drin ist, dann kriegen Sie das nie wieder hin.“ Er wollte den Riss nicht. Um keinen Preis. Er hätte ihn selbst nicht ertragen.

Und hatte er nicht stets nach selbstbewussten Gewerkschaftern gerufen? Es hat ihn zornig gemacht, dass die Gewerkschaftsfunktionäre mit den Jahren immer angepasster wurden, in der Sprache, in der Kleidung, im Habitus, angepasst an die falschen und manchmal spießbürgerlichen Vorbilder, an jene nämlich, die am Verhandlungstisch auf der Gegenseite saßen. Ganz anders als ihre Vorfahren in den zwanziger Jahren, die stolz ihr proletarisches Bewusstsein zur Schau trugen.

Horst Knigge dagegen hat, selbstbewusst, seine Rolle gefunden. Jede Gelegenheit nahm er wahr, sich in zahllosen Schulungen und Seminaren weiterzubilden, und sagt heute: „Ich glaube, ich habe mehr gelernt, als manch einer, der studiert hat.“ Bei Wilkhahn standen ihm alle Türen offen. Als Betriebsratsvorsitzender konnte er unangemeldet in jeder Besprechung auftauchen und auch draußen hat er sich einen Namen gemacht, unter anderem als SPD-Stadtrat in Bad Münder und als Mitglied der Großen Tarifkommission der Gewerkschaft Holz und Kunststoff.

Als Wilkhahn Mitte der neunziger Jahre in einer für die Branche ohnehin schwierigen Zeit beträchtliche Verluste macht, vor allem mit einer Tochtergesellschaft in Amerika, bewährt sich aufs Neue das jahrzehntelange Zusammenspiel. 50 Entlassungen stehen zur Debatte. Doch dann finden Hahne und sein Betriebsrat eine Lösung, die ohne die Solidarität der Mitarbeiter nicht möglich gewesen wäre. Für die gesamte Belegschaft gilt: ein Jahr Kurzarbeit ohne Lohnausgleich und im darauf folgenden Jahr ein Einkommensverzicht von sechs Prozent. Diesmal spendet auch die Gewerkschaft Beifall und zieht mit dem Beispiel Wilkhahn durchs Land. Es muss nicht immer zu Entlassungen kommen.

Aus unternehmerischer Sicht bleibt die Vorbildfunktion von Wilkhahn fragwürdig. „Fritz Hahne ist ein Unikat“, sagt der Hamburger Unternehmensberater Rudolf Stücken, den mit Hahne eine langjährige Freundschaft verbindet. „Er nimmt im Hinblick auf Wachstum und Profit Grenzen in Kauf, weil ihm die soziale Verfassung des Unternehmens sowie Design und Ökologie wichtiger sind.“ Eine Haltung, die fast anachronistisch wirke angesichts der Begeisterung für den „modischen Shareholder Value“. Und weiter: „Nur bei ähnlichen personalen Konstellationen könnte Wilkhahn eine Vorbildfunktion haben.“ Doch Hahnes Erbe, seine menschliche Unternehmensphilosophie, bringt noch andere Probleme mit sich. Nicht umsonst sitzen heute gewissermaßen zwei Söhne in der Geschäftsführung, der leibliche Jochen – der auch ein geistiger ist, wie Hahne sogleich betont – und eben Horst Knigge. Dritte taten sich bei Wilkhahn schwer.

An Erfahrungen mangelt es Fritz Hahne nicht. Schon mit 62 hat er sich aus der Geschäftsführung zurückgezogen, wurde zunächst Vorsitzender des Verwaltungsrats und ist heute dessen Ehrenvorsitzender – und im übrigen noch immer die „übergraue Eminenz“, wie Knigge es formuliert. Er wollte klug sein, die Nachfolge beizeiten regeln, nicht unsinnig lange am Stuhl festhalten. Und die Topmanager, die er ins Haus holte, waren alle zunächst einmal von seiner Philosophie begeistert. Wer wäre nicht gern ein guter Mensch und nicht bloß Kapitalist?

Doch in der Praxis sah es meistens anders aus. Der starke Betriebsrat war so unbequem wie die strengen Grundsätze, etwa: „Keine Anweisung ohne Begründung.“ Und ständig funkte dieser Knigge dazwischen, saß zeitweilig als Arbeitnehmervertreter im Verwaltungsrat, und wenn die Geschäftsführer ihre Berichte zu schönen suchten, wusste er immer, was wirklich im Betrieb los war.

Wie fremd sich einer fühlen kann, der nicht bei Wilkhahn groß geworden ist, hat Manfred Schmitz schmerzhaft zu spüren bekommen. Zur Zeit ist er Vorsitzender der dreiköpfigen Geschäftsführung, doch sein Mandat, wie er betont, war von vornherein begrenzt und läuft Ende nächsten Jahres aus. „Ich kam mir vor wie ein Implantat“, sagt Schmitz. Der Unternehmenskörper habe heftige Abstoßreaktionen gezeigt.


Manager, die aus dritten Unternehmen kommen, sind Menschen anderen Zuschnitts. Aber Inzucht ist kein Expansionskonzept.
Rudolf Stücken

Sohn Jochen hat den Vater kapiert – und kopiert ihn nicht.

Sie reden offen am Mittagstisch. Das sozialdemokratische Du gehört zu Wilkhahn, du Horst, du Manfred, du Fritz. Und noch ein Manfred, Hausmann mit Nachnamen, Knigges Nachfolger als Betriebsratsvorsitzender. Bemerkenswert, wie viele Hahne-Sätze fallen, obgleich er selbst kaum den Mund aufmacht. Nur Schmitz redet anders, wie ein richtiger Unternehmer eben. „Die Ideologie“, sagt er, „behindert die Entscheidungen, dem Betriebsrat fehlt es an Pragmatismus.“ Knigge widerspricht. Der neue Betriebsratsvorsitzende hält sich in dieser Runde zurück.

Ja, doch, sagt Manfred Hausmann später, er könne sich vorstellen, dass Jochen Hahne und er auch mal so ein Team werden wie Fritz Hahne und Horst Knigge. Weit mehr allerdings beschäftigen ihn zur Zeit die unzufriedenen Kollegen. Knigges Wechsel in die Geschäftsführung hat die Gemüter mächtig erregt. Erst hat er als Betriebsrat die Sparmaßnahmen durchgesetzt, die befristete Lohnkürzung und ein sogenanntes Restrukturierungsprogramm – beispielsweise eine beträchtliche Verkleinerung des eigenen Fuhrparks, der teurer war als fremde Spediteure – und kurz darauf ist er auf und davon. Ja, so sehen die Mitarbeiter das und in der ersten Betriebsversammlung haben sie sich Luft gemacht. „Das hat den Knigge hart getroffen“, sagt Hausmann, „das war zu sehen.“

Hausmann war übrigens nicht Knigges Kandidat. Er selbst hatte einen anderen zum Nachfolger aufgebaut, doch die Belegschaft stimmte für Hausmann. „Die wollten wieder einen richtigen Betriebsrat“, sagt Knigge. So einen wie Schmitz also, nur auf der anderen Seite. Was sein eigenes Ansehen im Betrieb angeht, gibt sich Knigge gelassen: „In zwei Jahren würden sie mich wieder wählen.“

Vorher gilt es, für Schmitz einen Nachfolger zu finden. Den dritten Mann in der Geschäftsführung. Jochen Hahne, der Anfang nächsten Jahres selbst den Vorsitz übernehmen wird, warnt vor dem, was er „Veränderungsblockade“ nennt. Und seinem Vater sagt er klipp und klar: „Du magst das nicht hören, aber wenn ich sterbe, werde ich vermutlich reicher sein als du.“

Es geht ihm gewiss nicht ums Geld. Er meint es wohl so: Wilkhahn allein wird den Lauf der Welt nicht verändern. Und weiter: „Man darf nicht immer nur sagen, die Neuen müssen reinpassen.“ Er selbst war Mitte 30, als er bei Wilkhahn anfing. Und er gibt zu: „Mit über 40 wäre es auch für mich schwer gewesen, hier reinzukommen.“ Und die übergraue Eminenz? Fritz Hahne summt die Melodie zum Film „Der Dritte Mann“. Mehr will er zum Thema Geschäftsführer fürs Erste nicht sagen. Und vor allem ist er froh, dass es mit Sohn Jochen so gut geklappt hat. „Der kapiert, was los ist, der kopiert mich nicht.“ – Pause. – „Da habe ich mehr Glück als Verstand gehabt.“

Denn selbstverständlich war es für Hahne keineswegs, den eigenen Sohn als Nachfolger zu sehen. Im Gegenteil, das Gerede vom Blut, das mehr sei als Buttermilch, widerspricht seiner Weltanschauung und das Wort Familienbetrieb hat er noch nie leiden können.

Was die nächste Zukunft anbelangt, ist Hahne jedenfalls optimistisch. Er sagt das so: „Ich bin wie Mao Tse-tung. Meine Existenz garantiert die Fortführung der Unternehmensphilosophie.“  ---

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Fritz Hahne
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