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Biotechnologie in der Landwirtschaft

Der Bakterien-Freund

Bakterien. Das klingt nach Krankheit, Elend und Tod. Dabei stehen Bakterien für Gesundheit, Wachstum und Leben.

Das nachzuweisen ist das Lebensthema des Mikrobiologen Toni Gradl, der ganz nebenbei auch noch ein zukunftsträchtiges Bio-Tech-Unternehmen aufgebaut hat.



 14 Jahre. 14 Jahre lang hat er geforscht. Hypothesen aufgestellt. Versuche durchgeführt. Hypothesen verworfen. Neue aufgestellt. Getestet. Erneut verworfen. Nur um das Zusammenspiel von Mikro-Organismen zu begreifen. 14 Jahre lang.

Er hat es begriffen. Als einer der ersten Wissenschaftler weltweit, weil sich kein anderer so viel Zeit für die Grundlagenforschung nahm. Inzwischen kann er sogar Geld damit verdienen. Toni Gradl ist Geschäftsführer, in absehbarer Zeit wohl Entwicklungsvorstand seines Unternehmens Elorisan GmbH. Wer fragt, den klärt er auf: „Ein reiner Phantasiename.“ Elorisan, nicht Gradl. Letzteres ist der wirkliche Name eines angesehenen Mikrobiologen, der selbst wohl nie ahnte, dass er einmal Lösungen für die Umwelt- und Ernährungsprobleme der Welt bereithalten würde. Und dessen Forschung neuerdings sogar Linderung für Aids-Kranke verspricht.

Wie verdauen Bakterien richtig? Die Antwort kostete 14 Jahre.

Angefangen hatte es mit Abwasser. Das war nach Studium, Promotion und Forschungsaufenthalt am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München, wo Gradl nach einem Virus forschte, das Multiple Sklerose auslösen soll. Danach, 1976, begann er mit dem Aufbau eines Gewässergütelabors für das Wirtschaftsamt in Deggendorf. Die Aufgabenstellung: Wie lässt sich die biologische Reinigung von Abwasser verbessern? Die Antwort war vom Grundsatz her einfach: durch Biostimulation. Doch der Begriff steht für einen hochkomplexen Vorgang.

Im Abwasser, wie auch im Erdreich, tummeln sich etliche Mikroorganismen. Kleine Lebewesen, die in ihrem Zusammenspiel den biologischen Kreislauf am Leben halten. Man kann sich das wie an einem Fließband vorstellen, an dem das erste Bakterium das Schmutzmolekül zerlegt, damit das zweite Bakterium es weiterverarbeiten und an Nummer drei weitergeben kann. Am Ende ist das Wasser sauber. Zugegeben, eine stark vereinfachte Darstellung. Zwischen fünf und 20 Einzelorganismen wirken bei solch einem Vorgang mit. Damit der Prozess funktioniert, müssen alle Parameter stimmen – von der Außentemperatur bis hin zur jeweiligen Anzahl der Organismen.

Gradl wollte diesen Prozess optimieren, steuern, also musste er ihn verstehen. Das war die Herausforderung, für die er die Geduld aufbrachte, nicht aber das Wirtschaftsamt. Nach zwei Jahren verließ er die Verwaltung, arbeitete mit seinem Know-how als freiberuflicher Berater für Industrieabwässer, beteiligte sich zwischen 1983 und 1989 am Aufbau der italienischen Firma Enne-cierre. Wann immer es die Zeit erlaubte, forschte er und forschte. Seine Frau, Mikrobiologin, hatte Verständnis. Dann, 1991, gelang der Durchbruch. Da hatte Toni Gradl schon seit zwei Jahren sein eigenes kleines Unternehmen, die Elorisan GbR. Und nun ein fertiges Produkt.

Heute verkauft er Biostimulatoren für die Landwirtschaft. Das System ist wiederum ganz einfach. Pflanzen wachsen bei sparsamerem Düngereinsatz schneller und größer, Tiere werden bei gleicher Futtermenge schneller schlachtreif. Grundlage sind wieder Mikroorganismen. Sie leben untrennbar vereint mit den Pflanzenwurzeln im Erdreich, ernähren sich von deren Absonderungen und geben ihnen nach erfolgreicher Verdauung wiederum Nährstoffe. Ein Kreislauf. Geht es der Pflanze gut, feiern die Mikroben, fressen ordentlich, verdauen gut und geben ihre Ausscheidungsprodukte der Pflanze, die daraufhin noch besser gedeiht.

Auch hier gab es wieder eine klare Aufgabenstellung: Wie lässt sich dieser Prozess optimieren? Auch hier die einfache Antwort: durch Biostimulation. Und auch hier wieder das Problem: die Grundlagenforschung. 14 Jahre eben.

Mit den Erkenntnissen der zurückliegenden Jahre fand Gradl die Lösung. Die sieht heute aus wie gemeiner Hausstaub, ist aber weit mehr. Dieses Pulver – sogenannte Membran-Effektoren – wird in Wasser gelöst, das Getreide darin gebadet. Wird es mit diesem Biomantel nun in die Erde gesetzt, siedeln sich die ersten Mikroorganismen sofort an. Ein Vorgang, der normalerweise erst nach dem Keimen einsetzt. Durch das frühe Entstehen der Kulturen wird das Wachstum der Pflanze von Beginn an gefördert. Eine schnellere und stärkere Entwicklung ist die Folge.

Damit nicht genug. Durch Aufsprühen desselben Biostimulators bauen Pflanzen einen mechanischen und chemischen Schutz gegen Pilze, Schädlinge oder Bakterien auf. Nach vier bis acht Tagen ist das geschafft und ganz nebenbei entwickelt das behandelte Grünzeug auch noch mehr Chlorophyll, was wiederum zu einer verstärkten Photosynthese führt und damit das Wachstum begünstigt.

Ähnlich sieht es bei der Mast von Schweinen und Rindern aus. In deren Pansen beziehungsweise Darm arbeiten Mikroorganismen an der Verdauung der Nahrung, indem sie das Futter aufschließen, die Nährstoffe freisetzen, damit die Restprodukte den Körper wieder verlassen können. Mit Hilfe der Elorisan-Membran-Effektoren kann auch dieser Prozess verbessert werden. Das Futter wird besser verwertet, besser verdaut und das hat drei Vorteile: Bei gleicher Ernährung bekommt das Tier mehr Nährstoffe und wächst auf gesunde Weise schneller; es verdaut „sauberer“ und das, Vorteil Nummer drei, stärkt das Immunsystem.

Die Mikroorganismen binden nämlich die Zellgifte Ammoniak und Schwefelwasserstoff – also die Substanzen, die den üblen Geruch im Stall verantworten. Das Klima wird nasenfreundlicher und damit auch gesünder für die Tiere. Denn Ammoniak in der Luft nagt gewaltig am Immunsystem. Zugleich enthält der Elorisan-Wirkstoff Substanzen, die den Zellstoffwechsel und somit die Einsatzbereitschaft des Immunsystems verstärken.

Gradl denkt da durchaus ganzheitlich, betrachtet sich als Weltbürger, dem am Wohl der Erde liegt. Er rechnet vor, dass seine Forschung auch die Atmosphäre entlasten kann. Die Landwirtschaft zählt schließlich zu den größten Emittenten von Methan, jenem Gas, das die sensible Erdhülle weitaus stärker angreift als Kohlendioxid. Mit seinen Wirkstoffen könnten die gesamten Methanemissionen um bis zu 28 Prozent gesenkt werden. Und das alles ganz ohne synthetische Chemie und Nebenwirkungen. Die Substanzen dafür werden im Wesentlichen aus Pflanzen wie Bauerntabak, Tee, Schwarzwurz, Seetang oder Rhabarber gewonnen.

Wie hat er das nur durchgehalten? „Sturheit“, sagt Gradl.

Elorisan-Forschungen lösen eine Menge Probleme. Effektiverer Futtereinsatz spart Geld, schneller schlachtreife Tiere bringen welches. Gesund und schnell wachsendes Getreide mehrt den Profit und weil weniger Dünger nötig ist, werden gleich noch Boden und Grundwasser entlastet. Warum ist da vorher niemand drauf gekommen?

Na ja, drauf gekommen sind wahrscheinlich mehr Menschen. Nur gemacht hat es keiner. Es kann ja nicht jeder 14 Jahre lang im Labor sitzen und immer nur forschen – das Ziel im Auge und doch so weit entfernt von ihm. „Sturheit“, beantwortet Anton Gradl die Frage, wie er das 14 Jahre lang ausgehalten hat. Sturheit. Die sei ihm angeboren. Schließlich ist er Niederbayer, seine Mutter auch, woraus wohl folgt, dass diese Charaktereigenschaft in Blut und Muttermilch steckten.

Aber trotz Sturheit gab es, natürlich, Durststrecken. Immer dann, wenn er glaubte, kurz vor dem Durchbruch zu sein. „Man darf dann nie vergessen, sich selbst in Frage zu stellen, die eigenen Hypothesen auf ihre Schwächen zu überprüfen.“ Er hat es getan und etliche Male Lust gehabt, „alles hinzuschmeißen“. Aber damit wären dann auch all die anderen Jahre verloren gewesen.

Der Erfolg ist da – und was nun? Gradl will endlich wieder forschen.

Nun also hat er ein gesundes Unternehmen, beschäftigt 15 Mitarbeiter und wohl bald doppelt so viele, das Venture Capital fließt, der Gang an die Börse ist lediglich eine Frage der Zeit. Und trotzdem ist Toni Gradl nicht nur glücklich mit der Situation. Er möchte wieder forschen, will neue Freiräume, um wieder Codes der Biologie zu knacken. Nachdem heute bereits HIV-Patienten aus Gradls Forschung Hoffnung schöpfen, weil daraus resultierende Medikationen das Immunsystem zumindest für eine Weile stärken, hat er sich auch bereits ein neues Gebiet gesucht.

So startet zum 1. Januar die Tomorrow's News GmbH, die sich zunächst der Vermarktung des Aids-Medikamentes widmen und ein Anti-Migräne-Produkt vertreiben wird. Alles wieder auf rein pflanzlicher Basis, mit dem Ziel, die eigenen Körperkräfte durch verbesserte Verdauung oder die stärkere Zufuhr von Sauerstoff zu mobilisieren. Phasen-Transfer-Katalyse ist das Fachwort dafür. Der Wirkstoff dockt dabei an der Zellenoberfläche an und verbessert die Sauerstoffversorgung. Dieser Prozess soll dann so gesteuert werden, dass dieser Effekt nur an bestimmten Geweben stattfindet.

Das nächste Ziel: typspezifische Nahrungsstoffe. Sie kombinieren verschiedene Vitamine und Wirkstoffe so, dass bestimmten Krankheiten durch Einwirkung auf hormonelle Prozesse der Boden entzogen wird, Allergien zum Beispiel. Dabei werden die Mittel direkt auf die Erfordernisse verschiedener Patiententypen abgestimmt.

Inzwischen gibt es auch die ersten Spin-Offs in Gradls Firma. Ehemalige Mitarbeiter stellen auf Grundlage der Membran-Effektoren-Forschung eine übelriechende dicke braune Flüssigkeit her, basierend auf Braun-Algen-Extrakten. Ein Produkt heißt OxyBrain und steigert die Sauerstoffzufuhr zum Gehirn. Das maximiert dessen Leistung und hält wach. Ein anderes Fläschchen enthält Tropfen namens OxyLove. Gleiches System, andere Körperregion als Adressat. Einzunehmen ist es 30 bis 60 Minuten vor dem Akt. Und es wird einem nicht mal blau vor Augen.

Allein dafür haben sich 14 Jahre gelohnt.  ---

Die Elorisan GmbH wurde 1991 gegründet und ist beute ein international tätiges Biotechnologie-Unternehmen. Der Vertrieb der Produkte Eloplant (für Pflanzen) und Ergosan (für Tiere) erfolgt über die Elorisan Vertriebs GmbH, die vom Betriebswirt und Agraringenieur Wolfgang Neidner geleitet wird. Im nächsten Jahr sollen beide GmbHs verschmolzen, die Geschäftsführung zwischen Gradl und Neidner geteilt werden. Der Firmensitz Deggendorf soll dann zum Forschungs- und Entwicklungsstandort ausgebaut werden.

Die Elorisan GmbH pflegt zahlreiche internationale Partnerschaften, unter anderem mit dem Internationalen Institut für Reisforschung in Manila, dem renommiertesten Institut seiner Art in Südostasien. In einer zweiten Stufe sollen nacheinander Europa, Nordamerika, Mittel- and Südamerika, der Mittlere Osten und Afrika bedient werden.

Kontakt:

ELORISAN GmbH
Dr. Anton Gradl
Nörerstraße 5
94469 Deggendorf
Telefon: 0991/3 7105-0
Fax: 0991/3 7105-25
www.elorisan.com