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Das wäre mir nie passiert?

• Kennen Sie das? Sie hören oder lesen eine Geschichte und sagen sich: „Unvorstellbar! Hat der (oder die) denn nichts gemerkt?“ In solchen Fällen hilft ein wenig Innenschau. Ziehen Sie einfach mal bei wackligen Projekten zur Unzeit einen Strich – und stellen sich dann vor, was Freunde, Kollegen, Anwälte oder neutrale Dritte dazu sagen. Genau: „Unvorstellbar.“




Anstasios Hatzis, Gründer der Aeonic, hatte das Pech, dass der Hammer zur Unzeit fiel. Hätte er in letzter Sekunde noch einen Investor gefunden, dann hätte er irgendwann börsennotiert und millionnenschwer, von „kleinen Turbulenzen in der Anfangszeit“ erzählt. Stattdessen muss er nun seinem Insolvenzgutachter erklären, warum er, den Abgrund im Blick, nicht immer rational und nachvollziehbar gehandelt hat (Seite 120).

Natürlich ist so was nicht Schicksal. Natürlich hat einer Fehler gemacht, wenn er vor der Pleite steht. Nur: Fehler macht auch, wer am Ende gewinnt. Wie leicht wäre es beispielsweise gewesen, dem Lego-Management vor zwei Jahren minutiös nachzuweisen, dass es Entwicklungen verschlafen und zu lange auf den bunten Stein gesetzt hat (Seite 16)? Und auch dem Edel-Music-Gründer Michael Haentjes wäre, im Fall des Scheiterns, mühelos vorzuhalten gewesen, dass man sich halt mit einem Schlauchboot nicht in Haifischgewässer begibt (Seite 24).

Beide haben gewonnen. Hatzis hat verloren. Vorerst. ---

Gabriele Fischer
Chefredakteurin