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Das erste Mal: … jemanden feuern

Es tut weh. Und wird elend lange hinausgezögert. Aber wenn Mitarbeiter die Entwicklung behindern, ist die Trennung oft die einzige Lösung. Eine Erfahrung, die auch Thomas Koch einen Monat vor dem zehnjährigen Firmenjubiläum machte.





• Ich war 19, als ich die erste Ausgabe vom »Groove Magazin« machte. Mit viel Herzblut und Idealismus ist das Heft Stück für Stück gewachsen. Aus einem regionalen Dance-Magazin wurde ein bundesweites Magazin für elektronische Musik und Clubkultur. Alles baute auf Kontakten auf. Es gab keine Hierarchie und ich habe mich auch nie wirklich als Chef gefühlt. Zehn Jahre habe ich meine ganze Motivation daraus bezogen, dass wir als Nischenformat authentisch und glaubwürdig waren. Aber wir haben versäumt, die Sache auch rentabel zu machen. Ich hantiere inzwischen mit riesigen Summen – ein wahnsinniges Risiko als GbR.

Hinzu kam: Die Redaktion schaffte es so gut wie nie, unsere Erscheinungstermine einzuhalten. Bis zum Schluss mussten Druckmaschinen stillstehen und Ausfälle von sieben- bis achttausend Mark bezahlt werden. Irgendwann fuhr ich nach Hamburg, um Verlagsspezialisten über die Struktur schauen zu lassen. In der Redaktion entstand Panik darüber, dass ich mich mit einem Majorpartner einlassen könnte. Ich bekam einen Brief. Sie drohten, die Arbeit niederzulegen. Redaktionelle, finanzielle und personelle Entscheidungen sollten auf das Kollektiv umverteilt werden. Zehn Leute hatten unterschrieben. Fast die komplette Mannschaft.

Das zog mir völlig den Boden unter den Füßen weg. Über einen Zeitraum von drei, vier Wochen konnte ich kaum schlafen, manchmal nur mit Schlaftabletten. Nach einem missglückten Einigungsversuch habe ich mich dazu durchgerungen, den Rädelsführern die Kündigung auf den Tisch zu legen, obwohl ich wusste, dass sich ein Großteil der Mitarbeiter solidarisch erklären würde. Und dann war es wie eine Befreiung: Ich konnte plötzlich wieder die Dinge aus der Distanz betrachten. Mir wurde klar, dass ich es oft versäumt hatte, meine Chefrolle an den entscheidenden Punkten einzusetzen. Viele Dinge hatte ich irgendwann nicht mehr offen ausgesprochen. Mir hat diese Kündigung die Möglichkeit gegeben, noch einmal bei null anzufangen. Fehler, die ich mir den alten Leuten gemacht habe, kann ich bei den neuen vermeiden. Mit denen habe ich nun schon ein Heft gemacht. Wir haben es auf Anhieb geschafft, das Niveau mindestens zu halten. Und was fast noch wichtiger ist: Das war die erste pünktliche Produktion seit mehr als anderthalb Jahren.  ---