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Brainpool

Wenn Ikea Fernsehen machen würde

Fernsehenmachen ist … keine Kunst, sagt die Firma Brainpool.
Fernsehenmachen ist … ein Geschäft.

Wenn das einmal alle begriffen haben, wird das Programm auch wieder besser. Wie bitte?





„Ideenschmiede“. Ein schönes Wort. Die Journalisten schreiben das gern über die Firma Brainpool. Die Leute von Brainpool freuen sich, wenn die Journalisten es über sie schreiben. Es klingt positiv, fast wie eine Übersetzung des Firmennamens, und es steckt ein altes Wort darin, das die neue Wirtschaft anschaulich macht. Es weckt Bilder von jungen Männern, die in einer Fabrik im Schweiße ihres Angesichts daran arbeiten, Gedanken zu produzieren, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat, in großer Stückzahl, um den unstillbaren Bedarf an Ideen decken zu helfen.

Da ist ein Problem. Das Wort stimmt, das Bild nicht. Brainpool lebt nicht davon, Ideen zu schmieden, sondern davon, etwas aus Ideen zu schmieden. Der Ideenvorrat ist begrenzt. Eine Handvoll liegt als Muster im Lager, und, sicher, gelegentlich kommt auch eine neue hinzu. Die Arbeiter aber sitzen an langen Fließbändern. Die Witz-Ideen fahren an ihnen vorbei und ihre Aufgabe ist es, den Bausatz jedes Mal ein wenig anders zusammenzusetzen. In einer anderen Reihenfolge. Oder anders lackiert. Die alten Teile kombiniert mit einem neuen Element. Und je mehr verschiedene Versionen sie aus einer einzigen Idee machen, desto erfolgreicher ist Brainpool.

Brainpool ist eine Kölner Firma, die vor fünf Jahren mit der Produktion der „RTL Nachtshow“ mit Thomas Koschwitz begonnen hat, im letzten Jahr den Super-Flop „Ulla Kock am Brink Show“ verantwortete und heute einer der führenden Produzenten von TV-Comedy in Deutschland ist. „TV total“ mit Stefan Raab, „Die Wochenshow“ und „Voll witzig“ mit Ingolf Lück werden von Brainpool produziert. Das ist noch nicht besonders bemerkenswert.

Bemerkenswert ist, dass Brainpool nach einem Weg gesucht hat, viel mehr Geld zu verdienen, und einen anderen gefunden hat als etwa der Sender RTL 2, der seine Gewinne maximiert, indem er seine Ansprüche minimiert. Brainpool hat ein paar Spielregeln in der Branche geändert, gemerkt, dass es sich manchmal lohnt, auf das schnelle Geld zu verzichten, wenn man das große Geld machen will, und entdeckt, dass Kommerzialität und Qualität sich gelegentlich nicht ausschließen, sondern bedingen können.

Schön, wenn die Muse vorbeikommt – auf sie warten kann man nicht.

Und doch: Bei Brainpool wird Fernseh-Comedy industriell gefertigt. Das heißt: Ressourcen nutzen. Wenn man sechs Studenten täglich in zwei Schichten in einen kleinen Raum steckt, um das Fernsehprogramm nach Witztauglichem zu sichten, sollte man die Ergebnisse für mehr als eine Show nutzen. Wenn man weiß, wie man aus einem Schnipsel mit neuem Text Lacher in der „Wochenshow“ produziert, kann man das gleiche Prinzip auch bei „Voll witzig“ verwenden. Und die größte Ressource Personal: Wer ein Talent wie Anke Engelke unter Vertrag hat, wäre blöd, sie nur für eine Serie einzusetzen. Also: „Danke, Anke“ – die Weihnachtsshow. Und ab Januar: „Anke – die Comedyserie“.

Line-Extensions! Aus der „Wochenshow“-Figur Brisko Schneider entsteht eine eigene Reihe „Briskos Jahrhundertshow“. Neue Vertriebswege! „Die Wochenshow“ gibt es auf Video (40.000mal verkauft), als Buch (20.000mal), auf CD (120.000mal), als Tournee (30.000 Zuschauer), im Internet (über eine Million Page-Impressions).

Auch ein Industriebetrieb freut sich, wenn die Muse zum Küssen vorbeikommt. Zeit, auf sie zu warten, hat er nicht. Jede Woche kommt eine „Wochenshow“. Jede „Wochenshow“ hat die „Frage der Woche“. Jeden Donnerstag setzen sich fünf Autoren in einen Raum, um witzige Antworten dafür auszudenken. Anderthalb Stunden später haben sie etwa 130 gesammelt. Daraus suchen sich Producer und Moderator zehn heraus. Bei den anderen Rubriken funktioniert das ähnlich. „Nach außen sieht es aus wie ein Beamtenjob. Viele Abläufe sind immer gleich“, sagt Ralf Günther, 37, einer der drei Gründer von Brainpool und Producer der „Wochenshow“. „Wir lassen große Freiräume, damit Kreativität entstehen kann. Aber sie muss nicht entstehen, damit am Ende eine Sendung herauskommt.“

Brainpool-Sendungen könnten bei Ikea verkauft werden: produziert für die Masse, aber mit so viel Gespür, dass sie nicht wie Schrott wirken. Wie Ikea-Kunden haben Brainpool-Zuschauer bestimmte Erwartungen an die Produkte – und wollen gleichzeitig immer wieder überrascht werden. Sie stellen Ansprüche; nicht die höchsten, aber Ansprüche: Designerstücke erwarten sie nicht, aber Ausschuss darf's auch nicht sein. Wer Humor gut industriell produziert, verhindert Ausreißer in beide Richtungen. Bei Brainpool arbeiten nette junge Leute. Man kümmert sich um den Nachwuchs: Zusammen mit der Adolf Grimme Akademie wurde in diesem Frühjahr die Gag Academy ins Leben gerufen, auf der zweimal im Jahr 15 Nachwuchsautoren geschult werden, aus einem zeitlosen Diebes-Witz eine aktuelle Polen-Pointe zu machen und aus einem zeitlosen Blondinen-Witz eine aktuelle Verona-Pointe. Alles Handwerk. Die Investition hat sich für Brainpool gelohnt: Vier waren schon ein Vierteljahr nach dem Kurs als Gag-Schreiber fest angestellt.

Jörg Grabosch, der Boss – ein Produzent ohne Punkt und Komma.

Die Werkstätten der Ideenschmiede sind typische Produktionshallen, in denen Kreativität am Fließband entsteht: Büros halt. Standard-Weiß. Standard-Stühle. Meist unter Chaos versinkende Standard-Schreibtische. Zahllose Zeitungsausschnitte und Sprüche pflastern die Wände und jede Tür. Was wichtiger oder witziger ist, hängt an Pinnwänden. Gelegentlich Müllberge in den Gängen. Überall Kisten, um alte Druckpatronen zu sammeln oder weil eine Abteilung mal wieder umgezogen ist. Wer seid ihr? Redaktion „Briskos Jahrhundertshow“! War hier nicht vorher die Buchhaltung? Keine Ahnung ...

Der Laden expandiert. Martin Keß, einer der Gründer, muss feststellen, dass er nicht mehr alle Leute kennt und es bei 200 Mitarbeitern keinen Sinn macht, es zu versuchen. Das Capitol in Köln hat sechs Stockwerke. Es ist ein ehemaliges Kino, umgebaut für die „Harald Schmidt Show“, die Brainpool damals produzierte. Damals saß die Redaktion auf einer Etage. Heute hat sich Brainpool auf fünf ausgebreitet. Zwischen Studio unten und Redaktion oben überlebte nur noch ein Billard-Salon im zweiten Stock. Der ist auch bald dran, sagen die Mitarbeiter. Aber lasst die Spieltische drin!

Alles wirkt so fröhlich belebt und wenig repräsentabel wie ein unaufgeräumtes Kinderzimmer. Nur der sechste Stock ist anders: die Vorstandsetage. Sie hat weitläufige, offene Räume und ein echtes Panorama mit Dom. Hier oben sitzt Jörg Grabosch, hier passt er hin. Seine beiden Kollegen arbeiten zwischen dem Fußvolk.

Grabosch kommt schon äußerlich aus einer anderen Welt. Im Anzug. Mit Krawatte. Mit einer strengen Fünfziger-Jahre-Brille, die vermutlich modern ist, bei ihm aber den falschen Eindruck weckt, er sei älter als seine Kompagnons. Mit schütterem Haar, hoher Stirn und dickem Bauch wirkt er wie ein feister Geschäftsmann aus dem Bilderbuch. Erst wenn er spricht, bricht das Klischee: Breiter Ruhrgebietsdialekt, kein Punkt und Komma, das Wort „ficken“ geht ihm leicht über die Lippen.

Grabosch ist als Mensch umstritten, als Produzent nicht. Das ist nicht unbedingt ein Widerspruch. „Er wirft die Brains anderer in seinen Pool und schwimmt darauf“, sagt einer, der früher mit ihm zusammengearbeitet hat. Dass der gelernte Journalist Grabosch die Kreativität anderen überlässt, sei weise. Dass er sich manchmal mit ihr schmückt, unangenehm. Dass er weiß, wie man mit ihr Geld macht, eines der Erfolgsgeheimnisse von Brainpool.

Grabosch ist in der Unternehmensführung fürs Geschäft zuständig, Günther für die Kontakte zu den Comedians, Keß umsorgt die Autoren. Damit hat sich fünf Jahre, 200 Mitarbeiter und einen Börsengang später nicht viel geändert gegenüber der Gründung von Brainpool. Damals suchte Grabosch als Produzent für RTL einen Moderator für eine Late-Night-Show. Er fragte den Comedian Ralf Günther. Der brachte einen Autoren mit – Martin Keß.

Fernsehen ist Gebrauchsgut, Kommerz, Unterhaltung, alles – aber nicht Kunst.

Wenn Brainpool seine Geschichte verfilmen würde, entstünde ein Melodram in grobem Schwarzweiß, in dem eine kleine Produktionsfirma dagegen kämpft, von privaten Fernsehsendern schlecht behandelt zu werden. Es geht nicht um Kunst gegen Kommerz. „Fernsehen ist nicht Kunst, sondern ein Gebrauchsgut“, sagt Stefan Raab. „SAT.l macht mit einer Ausstrahlung der Wochenshow 1,5 Millionen Mark Umsatz“, sagt Grabosch. „Was ist das, wenn nicht Kommerz?“

Doch verdient hätten daran in der Vergangenheit vor allem die Sender. Das Maß war voll, als ein Programmchef im Streit gesagt haben soll: „Ihr seid doch nur unsere verlängerte Werkbank.“ Die Wut habe ihn danach mindestens so sehr angetrieben wie alle ökonomischen Überlegungen, sagt Grabosch heute: „Dafür bin ich schließlich nicht Unternehmer geworden!“ In Zukunft wollte er selbst Besitzer seiner Produkte bleiben, daran verdienen – und auch das Risiko tragen.

Das geht so: Brainpool verkauft seit diesem Jahr nur noch Lizenzen für seine Shows. Die Sender bekommen das Recht, eine Sendung ein-, zweimal auszustrahlen. Mehr nicht. Das ist bei Filmen üblich, aber bei deutschen Serien und Shows unerhört. Sonst läuft das Geschäft hier anders: Der Produzent produziert, der Sender bekommt alle Rechte. „Total Buyout“ nennt sich das. Dafür zahlt der Sender auch mehr und trägt in aller Regel vollständig die Kosten für die Entwicklung von Pilotsendungen.

Wenn Brainpool nur die Lizenz für eine Ausstrahlung verkauft, bekommt das Unternehmen dafür 25 Prozent weniger Honorar vom Sender. Das deckt meist nicht mal die Kosten. Ist die Sendung aber erfolgreich, wird der Gewinn von Brainpool um so größer. Er wächst mit jeder weiteren Auswertung der Rechte: bei der Wiederholung, beim Merchandising, beim Verkauf ans Pay-TV, bei der Vermarktung im Internet.

Quotenkönige

„Gute Zeiten, Schlechte Zeiten“ ist einsame Spitze bei den meistgesehenen Sendungen: Im Oktober 1999 sahen 27,4 Prozent aller 14- bis 49-jährigen fernsehfähigen Bundesbürger den RTL-Haus-Soap.

Brainpools Quotenkönig Stefan Raab erreicht mit „TV total“ in der besonders begehrten Zielgruppe der 14- bis 29-jährigen Marktanteile von durchschnittlich 46,5 Prozent.

Brainpools Börsengang

Mitte November stand für Brainpool der gang an den Neuen Markt an. Aktuelle Informationen: www.neuer-markt.de

Comedy-Boom

Spaßfabriken wie Brainpool lieferten 1998 273 Sendestunden an die fünf größten deutschen TV-Sender. Zur Zeit gibt es 30 verschiedene Comedy-Sendungen im deutschen Fernsehen. Anteilsmäßig am komischsten ist RTL. Der Kölner Privatsender weist 15 Prozent seiner Sendungen als „Comedy“ aus, SAT.l neun Prozent, Pro Sieben etwas über sieben Prozent.

Brainpools Philosophie: Der Künstler ist Unternehmer, nicht Arbeitnehmer.

Dafür trägt der Produzent auch das Risiko und das kann hoch sein. Deshalb war Brainpool froh, dass die „Ulla Kock am Brink Show“, die im vergangenen Jahr gnadenlos gefloppt ist, eine Auftragsproduktion von Pro Sieben war. Von den Verlusten einer solchen täglichen Show hätte sich die Firma vermutlich bis heute nicht erholt – so trug Pro Sieben einen großen Teil. Andererseits ist Brainpool froh, dass der Riesenerfolg „TV total“ eine Lizenzproduktion ist. Jedes Mal, wenn Stefan Raab wieder eines seiner Themen musikalisch verwursten will, steht ein Label auf Abruf bereit und Brainpool verdient an den Lizenzen.

Das ist nur billig, meint Grabosch. Immerhin sei Brainpool in Vorleistung gegangen, habe, um die Show für Stefan Raab zu entwickeln, 500.000 Mark ausgegeben, einen Piloten gedreht und sei monatelang damit tingeln gegangen, ohne dass ein Sender zugegriffen hätte. Als Harald Schmidt in seiner Show vor Jahren seine Rinderwahnsinn-Schleife trug, versprach er allen, die ihm schrieben, ein Exemplar zu schicken. Tausende schrieben, Brainpool zahlte. Dann produzierte SAT.l die Schleifen selbst, brachte sie an die Tankstellen, verkaufte Hunderttausende und verdiente.

Damit eine Firma eine Chance bekommt, ihre Geschäftsmodelle durchzusetzen, muss sie ein Produkt mitbringen, das einzigartig ist. Einzigartig? Das sind TV-Formate in den seltensten Fällen, Abkupfern gehört zum Geschäft. Einzigartig werden Brainpool-Produkte durch Stefan Raab, Anke Engelke, Bastian Pastewka.

Viele sind durch Brainpool zu Stars geworden. Das würde sie nicht unbedingt davon abhalten, von der Fahne zu gehen, wenn das lukrativ erscheint. Das Beispiel Harald Schmidt schmerzt immer noch: Als der vor zwei Jahren sagte, dass er nicht weiter mit Brainpool zusammenarbeiten wollte, war der Gewinner vorher klar. Schmidt ist die Show. Will er sich selbstständig machen, um mehr zu verdienen oder weil er sich bei der Produktionsfirma nicht mehr gut aufgehoben fühlt, kann er das tun.

Heute gründet Brainpool mit jedem seiner Stars, der eine eigene Show bekommt, eine Firma. 50 Prozent für Brainpool, 50 Prozent für den Künstler. „Metzgerei Raab“ für Stefan Raab, „Ladykracher“ für Anke Engelke, auch mit Pastewka und Ingo Appelt („Thin Ice TV“) gibt es eigene Tochterfirmen. Der Künstler ist nicht Arbeitnehmer, sondern Unternehmer. Er verdient an den Gewinnen und ist Co-Eigentümer der Rechte, bindet sich exklusiv und langfristig an Brainpool.

Dass Brainpool an die Börse geht, scheint ein Widerspruch zu sein für ein Unternehmen, das so viel Wert auf seine Selbstständigkeit legt: plötzlich gibt es einen Aufsichtsrat, der Rechenschaft verlangt! Grabosch widerspricht: Mit den Bankern musste er vorher auch reden, etwa wenn er vier Millionen Mark brauchte, um Anke Engelkes Serie vorzufinanzieren. Dass durch den Börsengang Geld in die Kasse komme, mache die Sache einfacher. Letztlich soll so die eigene Unabhängigkeit gesichert werden: „Wer in dieser Branche nicht eine bestimmte Größe erreicht, wird von Endemol, Springer oder Bauer gekauft.“ Das wollte er nicht. „Wenn ich nur Geld machen wollte, hätte ich die Firma für mehrere Hundert Millionen Mark verkaufen können“, sagt Grabosch. „Aber das ist unser Laden. Das macht einfach Spaß.“

Obwohl es die strikte Ausrichtung auf Kommerz ist, die Brainpool ausmacht – es ist nicht der einzige Anspruch. „Wir sind die Manufaktur unter den TV-Produktionen“, sagt Grabosch, was eher einen Satz hochglänzender PR darstellt als eine Tatsache. Aber Qualität ist ein Wert. „Ich will unsere Sendungen ohne schlechtes Gewissen sehen können.“

„Anke – die Comedyserie“ hat Brainpool auf 16mm-Film gedreht, weil es hochwertiger aussieht – obwohl SAT.l nur für die billigere elektronische Produktion zahlt. Der Bühnenbildner hat seinen Etat gewaltig überzogen. Er hat Grabosch gesagt: Jetzt sieht die Sache wenigstens so gut aus, dass es für drei Staffeln reicht! Und obwohl Grabosch im konkreten Fall nicht ganz glücklich aussieht – im Grunde gibt er ihm Recht: „Je mehr ich in meine eigenen Werte investiere, desto mehr profitiere ich davon.“ Sonst tickt die Branche oft umgekehrt: Der Profit soll größer werden, je weniger man investiert. Das ist so, als ob die kürzesten Witze die komischsten wären. Das ist nur ganz selten so. Praktisch nie.

Multichanneling ist schwer – alles muss in jedem Medium komisch wirken.

SAT.l nudelt alte „Wochenshow“-Folgen, an denen Brainpool die Rechte noch komplett verkauft hat, ohne Ende ab: Sie kosten nichts mehr, bringen aber ordentlich Quote und Einnahmen. Grabosch dagegen muss daran denken, dass die Sendung nicht abgenudelt wird, damit sie auch in Jahren noch einer sehen will: im Internet zum Beispiel, produziert von der Tochter Entertainment Television oder im Pay-TV. Auf einem eigenen Comedy-Channel, Teil des Breitbandfernsehprojektes des Medienkonzerns Bertelsmann. All das muss gute Unterhaltung aushalten, ohne abgedroschen zu wirken. Recycling am laufenden Band, Multichanneling heißt das in der Fachsprache. Klingt logisch, ist aber schwierig. „Es ist eine Frage der Perspektive“, klagt Grabosch: „Der Sender muss einen guten Jahresabschluss hinkriegen. Wir sagen: Die machen unsere Marke kaputt.“

SAT.l-Unterhaltungschef Ulrich Brock sieht die Sache differenzierter. So schwarz und weiß wie Brainpool ist die Fernsehwelt nicht. Dass die „Wochenshow“ heute so erfolgreich ist, liege auch daran, dass der Sender Änderungen am ursprünglichen Konzept durchgesetzt hat. Fast alle erfolgreichen Formate würden gemeinsam entwickelt. „Es ist nicht so, dass der Produzent den Stein der Weisen mitbringt und wir ihm nur zeigen, wo er ihn ins Programm legen soll, und nach seiner Kontonummer fragen“, sagt Brock.

Grabosch expandiert. In ein paar Jahren, sagt er, werden alle wie Brainpool sein.

Die Brainpool-Leute wirken oft gekränkt und sind doch selbstbewusst bis zur Arroganz. Die sind überzeugt, einfach besser zu sein. Mutiger sowieso. Brainpool-Mitgesellschafter Martin Keß sagt, die Sender trauten sich nicht zu investieren. Bei der Internetseite der „Wochenshow“ etwa: SAT.l meinte, das Brainpool-Konzept sei zu teuer, um sich zu rechnen. Brainpool meinte, das SAT.l-Konzept sei zu billig, um sich zu rechnen. Die Sender müssten das ja auch nicht alles können, sagt Grabosch etwas hinterhältig: „Deren wesentliche Aufgabe ist das Senden, Distribuieren, Vermarkten. Nicht die Produktion.“ Wobei Brainpool sogar schon die Vermarktung, den Verkauf an Werbekunden teilweise selbst übernimmt.

Das alles führe zur Konzentration der Produktionsfirmen, warnt SAT.l-Chef Fred Kogel, kleinere könnten nicht mithalten. Wenn die Konzentration bei ihm anfängt, soll's Grabosch recht sein. Im vergangenen Jahr hat er die Firma Mea Culpa gekauft, die die Sex-Show „liebe sünde“ 
produziert. Die Expansion in die Bereiche Gesundheits-TV und Spielfilme ist geplant. In ein paar Jahren, wenn Brainpool nach eigenem Plan größter unabhängiger deutscher TV-Produzent ist, würden fast alle so produzieren wie er heute, meint Grabosch. Und sagt, ganz ernsthaft, dass das Programm dann besser sein werde.  ---

Witz-Recycling

Multichanneling ist die vielfache Verwertung eines Inhalts in möglichst vielen Medienformen. Die Inhalte erfolgreicher TV-Sendungen werden auf Internet, auf Video, in Büchern etc. angeboten. Brainpool gilt als besonders guter Content-Verwerter, vor allem auch im Internet, wo die wochenshow.de zu den begehrtesten deutschen Websites gehört.

Kontakt:

Brainpool TV AG 
Hohenzollernring 79-83 
50672 Köln 
Telefon: 0221/5722545
Fax: 0221/5722531 
www.brainpool.de