Was will dieses neue Magazin?

Genau hinschauen

/ Es wird wohl wieder ein gutes Jahr für die Branche. Schon 2018 haben die Wirtschaftsprüfungsgesellschaften in Deutschland erheblich zugelegt, in 2019 wurde der Rekord des Vorjahres erneut gebrochen. Nach Berechnungen von Lünendonk erwirtschaftete die Branche einen Umsatz von 15,3 Milliarden Euro und blickt optimistisch in die Zukunft. Ein Erfolg, den sich zahlreiche Finanzexperten teilen.

Susanne Risch, Chefredakteurin


Hierzuande prüfen, beraten und testieren rund 14.700 Wirtschaftsprüfer und 85.500 Steuerberater das Geschäft ihrer Mandanten. Doch über sie und ihre Arbeit wissen wir wenig. Eigentlich merkwürdig, schließlich kommt kein Unternehmen an den Leistungen der Zunft vorbei. Ihre Begleitung bei Steuererklärungen und Bilanzen und ihr Testat, dass ein Jahres- oder Konzernabschluss korrekt ist und die Situation einer Firma zutreffend spiegelt, ist für deren Glaubwürdigkeit unerlässlich. Die Arbeit von Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern ist ein Gütesiegel für Banken, Gläubiger, Behörden und Investoren: Diesem Unternehmen können sie vertrauen.

Umso ärgerlicher, dass die Branchenvertreter selbst in den vergangenen Jahren immer wieder durch Skandale aufgefallen sind. Der Ruf nach staatlicher Regulierung und mehr Kontrolle der Kontrolleure ertönt regelmäßig – und die Liste der Vorwürfe ist lang: zu viel Macht, zu wenig Kompetenz; zu viel Vermischung von Prüfung und Beratung, zu viel Nähe und Gier, zu wenig Haftung und Moral. Um das Image der Branche ist es schon seit Jahren nicht mehr zum Besten bestellt.

Wobei der Begriff Branche in diesem Zusammenhang vielleicht irreführend ist, schließlich teilen die Big Four hierzulande nahezu 50 Prozent des Marktes unter sich auf. Weltweit kommen Deloitte, PwC, EY und KPMG auf rund 140 Milliarden Euro Umsatz, in Deutschland sind es 7,9 Milliarden Euro. Ihr Anteil an den Prüfungsmandaten kapitalmarktorientierter Unternehmen liegt bei 70 Prozent.

Grund genug, den Markt einmal in seiner gesamten Breite zu betrachten und die Scheinwerfer auf all jene zu richten, die abseits der Schlagzeilen sorgsam, kompetent und verlässlich ihrem Job nachgehen. Wer sind diese Zahlenmenschen, wo kommen sie her, und was treibt sie an? Warum entscheiden sich junge Leute für diesen Beruf – und wie lässt sich die Zahl der Absolventen erhöhen (Seite 30)? Hat die Steuererklärung im Internet eine Zukunft und die Spesen-Prüfung durch den Menschen bald ausgedient (Seite 24 und 80)? War die Finanzkrise tatsächlich auch eine Krise der Wirtschaftsprüfer und hält bis heute an, wie Gerhard Schick, einer der lautesten Branchenkritiker behauptet (Seite 18)? Wie tief sind die Kontrolleure in die Cum-Ex-Geschäfte verstrickt, und welchen Anteil haben sie am Aufblühen der weltweiten Steueroasen (Seite 58 und 38)? Was dürfen und was sollten wir Kunden von ihnen erwarten (Seite 76)? Und wo anfangen zu suchen: Wer kennt sich wo am besten aus, welche Spezialisten sollte man kennen, und wohin entwickelt sich die Branche (Seite 104 und 6)?

Unser Heft will Transparenz schaffen und gewährt ab jetzt Einblick in eine diskrete, verschlossene Zunft. Wir kommen an den Dienstleistern nicht vorbei, Unternehmer brauchen Steuer- und Finanzexperten – als Partner, Prüfer, Berater und Instanz. Aber wir sollten uns besser auskennen, schließlich haben wir eine Wahl. //

brandeins /thema ist das Heft, das Branchen und Trends auf den Grund geht, Märkte und Dienstleistungen transparent macht – und Unternehmern hilft, besser zu wirtschaften.

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