Werden Wirtschaftsprüfer ihrem Auftrag gerecht?

Fehler im System?

STREITGESPRÄCH: Wirtschaftsprüfer-Sprecher Klaus-Peter Naumann und Gerhard Schick, Vorstand von „Finanzwende“, über die Konzentration im Prüfermarkt, Cum-Ex und die gesellschaftliche Rolle der Prüfgesellschaften.





brand eins: Herr Naumann, der Verband für die mittelständische Wirtschaftsprüfung – eine Konkurrenzorganisation zu Ihrem IDW – beklagt, kleine Wirtschafsprüfer würden durch die Marktmacht der Big Four „untergebuttert“. Deren Marktanteil liegt, je nach Segment, zwischen rund 50 und 90 Prozent. Stört Sie als Sprecher des IDW, dem kleine Kanzleien angehören, und auch als Wirtschaftswissenschaftler ein solches Vierer-Oligopol nicht?

Naumann: Ich sage nicht, dass die Marktkonzentration toll ist. Aber sie wird in erster Linie von den Nachfragern induziert: Große, international aufgestellte Unternehmen wollen große, international agierende Prüfer. Wir als IDW unterstützen den Know-how-Transfer von den größeren Prüfgesellschaften zu den mittelständischen und kleineren und raten den Letztgenannten, sich mit den Herausforderungen zu befassen, also etwa in Netzwerken zu kooperieren oder sich auf Nischen zu spezialisieren. Als Verband tun wir eine Menge dafür, dass die Konzentration nicht weiter zunimmt.

Klaus-Peter Naumann,
 60, ist seit 2002 Vorstandssprecher des Instituts der Wirtschaftsprüfer (IDW) in Düsseldorf. Mit rund 13 000 Mitgliedern repräsentiert der Verein nach eigenen Angaben gut 80 Prozent der Wirtschaftsprüfer und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften in Deutschland. Naumann ist Steuerberater und Wirtschaftsprüfer sowie Honorarprofessor an wechselnden Universitäten. Seit 2015 gehört er der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex an.

Schick: Dann waren Sie bislang nicht sehr erfolgreich.

Naumann: Hohe Konzentration ist nur dann ein Problem, wenn der Wettbewerb nicht mehr funktioniert oder die Nachfrager kein ausreichendes Angebot mehr finden. Beides ist trotz des Oligopols nicht der Fall. Im Übrigen, Herr Schick, erhöhen auch Regulierungseingriffe der Politik die Konzentration. Bestes Beispiel dafür ist die von der EU verordnete und von Ihnen unterstützte Pflicht zur Rotation der Prüfer bei ihren Mandanten. Das führte dazu, dass nun mehr Mandanten von ihren mittelständischen Prüfern zu den großen wechseln als umgekehrt – also das Gegenteil dessen bewirkt wurde, was Sie beabsichtigten. Überall, wo Regulierung sprungfixe Kosten auslöst, belastet das die kleineren und mittleren Praxen überproportional und fördert so die Konzentration.

Schick: Nach der Finanzkrise gab es den Versuch der EU-Kommission, die Konzentration zurückzudrängen, zentrales Instrument sollte das „joint audit“ werden: Kleinere und mittlere Prüfgesellschaften sollten Teilbereiche von einer großen Gesellschaft übernehmen und so zu Konkurrenten heranwachsen können. Den Versuch haben die Big Four – neben anderen Regulierungen – abgeschossen. Ihre Sorge über die Marktkonzentration, Herr Naumann, ist deshalb nicht glaubwürdig. Wie eng der Markt inzwischen ist, sieht man an der Deutschen Bank: Nachdem KPMG dort über Jahre regulär geprüft hat, suchte die Bafin einen Anbieter für eine Art Sonderprüfung aufgrund von Problemen im Bereich Geldwäsche bei der Bank. Und landete wieder bei KPMG. Damit überprüft KPMG, warum KPMG offenbar jahrelang verdächtige Vorgänge übersah. Die Auswahl ist so gering, dass man immer wieder bei denselben Prüfern landet. Dass wir Banken haben, die „too-big-to-fail“ sind, ist schlimm genug. Das brauchen wir nicht auch noch bei den Prüfern. Stellen Sie sich vor, von den Big Four gerät einer in Schieflage oder zwei fusionieren. Gegen diese Konzentration muss dringend etwas getan werden.

Naumann: Die Gründe, warum die Bafin auch die Sonderprüfung an KPMG gegeben hat, kennen weder Sie noch ich. Im Gegensatz zu Ihnen bin ich aber überzeugt, dass die Bafin weiß, was sie tut. Generell lässt sich sagen: Bei regulären Abschlussprüfungen bei Banken prüfen wir, ob sie ausreichende Vorkehrungen gegen Geldwäsche getroffen haben, aber die Prüfungstiefe ist eine vollkommen andere als bei einer Sonderprüfung zu dem Thema. Das mag der Grund für die Bafin gewesen sein, den Abschlussprüfer KPMG zu beauftragen, denn er ist schon im Thema und kann die Sonderprüfung deshalb am effizientesten durchführen.

brand eins: Herr Naumann, ein zentraler Vorwurf an die Wirtschaftsprüfer lautet, sie hätten die Finanzkrise nicht kommen sehen, hätten nicht frühzeitig gewarnt.

Schick: Man muss das viel schärfer formulieren: Die Finanzkrise war und ist auch eine Krise der Wirtschaftsprüfer. Reihenweise waren Unternehmen plötzlich belly-up, die kurz zuvor noch ein völlig unbedenkliches Testat bekommen hatten.

brand eins: Zum Beispiel die bekannten Fälle IKB und Sachsen-LB.

Naumann: Im Fall der IKB waren den verantwortlichen Unternehmensorganen und Aufsichtsstellen Art und Ausmaß der risikobehafteten Geschäfte aus den Abschlüssen bekannt. Und der Fall Sachsen-LB wurde gerichtlich aufgearbeitet und ohne Feststellung einer Schuld des Prüfers beendet.

Schick: Ja, PwC hat sich in einem Ablasshandel bereiterklärt, ohne ein Schuldeingeständnis 40 Millionen Euro zu zahlen, übrigens der einzige Fall in Deutschland, wo es überhaupt mal Konsequenzen für einen Prüfer gab. Und das ja wohl kaum, weil PwC alles richtig gemacht hätte, sondern weil die geprüften Bilanzen offenbar unvollständig und fehlerhaft waren und die Prüfer das nicht hätten durchgehen lassen dürfen. Zudem hat die Sachsen- LB völlig außerhalb ihrer Satzung agiert: Statt sich auf das Mittelstandsgeschäft in Sachsen zu konzentrieren, hat die Bank über eine Tochter in Irland das große Rad gedreht. Nichts davon ist gegenüber der Öffentlichkeit rechtzeitig bekannt geworden.

Gerhard Schick, 
47, saß von 2005 bis 2018 für die Grünen im Bundestag und wurde als Kritiker der Finanzbranche zu einem der prominentesten Köpfe seiner Fraktion. Zu den größten Erfolgen des Volkswirts gehört es, einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss zum Cum-Ex-Skandal durchgesetzt zu haben. Seit Mitte 2018 ist Schick Vorstand der von ihm mitgegründeten Lobbyorganisation „Bürgerbewegung Finanzwende“ in Berlin.

Naumann: Jetzt mal der Reihe nach, Herr Schick. Zur primären Aufgabe der Prüfer gehört es nicht, zu schauen, ob sich ein Unternehmen im Rahmen seines Satzungzwecks bewegt.

Schick: So steht es im Kreditwesengesetz.

Naumann: Wirtschaftsprüfer sollen in erster Linie prüfen, ob ein Jahres- und Konzernabschluss den Vorschriften entsprechend aufgestellt ist – insbesondere, ob dort die Risiken angemessen dargestellt werden. Das Corporate-Governance-System gibt dem Wirtschaftsprüfer nicht die Aufgabe, zu beurteilen, ob ein Geschäftsmodell funktioniert oder ob ein Vorstand gut oder schlecht ist.

Aufgabe der Prüfer ist es daher, dass diejenigen, die die Macht haben, die Geschäftspolitik zu beeinflussen – also Vorstand und Aufsichtsrat –, umfassend über die Risiken informiert sind. Wenn diese Organe mit den Informationen nicht ordnungsgemäß umgehen und das Unternehmen vor die Wand fährt, ist es ein billiges Spiel, das dem Prüfer in die Schuhe zu schieben. Außerdem unterliegen Wirtschaftsprüfer richtigerweise einer strengen Verschwiegenheitspflicht. Das Testat ist das einzige Instrument des Prüfers, um die Öffentlichkeit darüber zu informieren, ob der Abschluss die wirtschaftliche Lage zutreffend abbildet, nicht aber, ob das Unternehmen seinen Satzungszweck erfüllt. Und das macht es in Krisenfällen so schwierig, zu kommunizieren. Klar, hinterher gibt es immer schlaue Menschen, die fragen, wie all das trotz der Prüfer passieren konnte.

Schick: Es geht aber nicht nur um die IKB und die Sachsen-LB. So reduziert man den Schaden für den deutschen Steuerzahler mal eben von 68 auf elf Milliarden Euro und lässt die Commerzbank, die HSH Nordbank, die HRE und viele andere unter den Tisch fallen. Oder nehmen Sie den gut dokumentierten Fall Lehman Brothers. Praktisch bei jeder Bank, die kippte, ging es auch um Schwächen bei der Prüfung.

Naumann: Wenn Sie dem Berufsstand oder mir sämtliche fehlgeschlagenen Spekulationen aller Banken in die Schuhe schieben wollen, müssen Sie die Wirtschaftsprüfer zur allmächtigen Organisation erheben, die wir nicht sein sollen und wollen.

Schick: Oder nehmen Sie die Skandale um die Versicherungssoftware-Firma Quindell oder die Coop Bank, beide in Großbritannien, wo KPMG zu Strafen in Millionenhöhe verdonnert wurde. Und beim Milliardenskandal bei der indischen Firma Satyam hat PwC offenbar massive Bilanzfälschungen übersehen. Ständig stellen wir fest, dass das System nicht funktioniert.

Naumann: Das ist ja schön, dass Sie mir als Vertreter des IDW jetzt mit Fällen aus Indien kommen.

Schick: Dann nehmen Sie den Anlagebetrugsskandal um die insolvente Münchener P&R-Gruppe, die jahrzehntelang Investments in Schiffscontainer verkaufte und Zehntausende Anleger schädigte.

Wenn da unzählige nicht existierende Schiffscontainer in der Bilanz stehen, wäre es doch die originäre Aufgabe des Prüfers gewesen, das aufzudecken. In solchen Fällen kommt es aber zu keiner relevanten Haftung, weil es einen Haftungsdeckel für Wirtschaftsprüfungsgesellschaften gibt. Auch das hat Ihre Lobby durchgesetzt, Herr Naumann. In einer Marktwirtschaft ist die weitgehende Haftungsfreiheit ein absoluter Systembruch.

Naumann: P&R war kein Prüfungsfall einer Big-Four-Gesellschaft, sondern einer kleinen Praxis. Und was da passiert ist, wird man sicher gerichtlich aufarbeiten und dann sehen, ob und von wem Fehler gemacht wurden. Der Fall zeigt aber auch, dass ein Prüfer tiefe Kenntnisse des Unternehmens und der Branche braucht. Ich behaupte also nicht, dass Wirtschaftsprüfer keine Fehler machen. Und wo die passieren, übernehmen sie auch Verantwortung.

Schick: Tun sie eben nicht – bis auf seltene Fälle wie bei der Sachsen-LB.

Filmtipp:
45-minütige ARD-Doku „Die unheimliche Macht der Berater“. Hier der Link zur Mediathek:

b1.de/ard-doku

Naumann: Noch mal, Herr Schick: Die Schlussfolgerungen aus den Analysen der Prüfer müssen die Adressaten schon selber ziehen. Sie sind dafür verantwortlich, nicht die Prüfer.

Schick: Da machen Sie es sich zu einfach. In den Prüfberichten, von denen ich im HRE-Untersuchungsausschuss und im Bankenrettungsgremium des Bundestags einige einsehen konnte, sichern sich die Prüfer stets nach allen Seiten hin so ab, dass es immer irgendwie passt, egal was sich später herausstellt. Dabei wurde die Institution des Wirtschaftsprüfers installiert, als man in der Weltwirtschaftskrise nach 1929 immer wieder Bilanztricks, betrügerische Insolvenzen und vertuschte Risiken entdeckte. Wirtschaftsprüfungskanzleien müssen die Wach- und Schließgesellschaften des Kapitalismus sein, sie sollen diejenigen aufspüren, die tricksen und kriminell agieren.

Naumann: Aber sie sind keine Staatsanwälte. In solch einer Rolle würden wir die Informationen, die wir für eine seriöse Beurteilung brauchen, auch gar nicht bekommen.

Schick: Sie sollen nicht Staatsanwaltschaft spielen, aber sie müssen ein Wachhund für die Marktwirtschaft sein. Und diese Funktion erfüllen sie eindeutig nicht.

brand eins: Was schlagen Sie vor?

Schick: Die Prüfer können ihre Aufgabe nicht erfüllen, solange sie den grundlegenden Interessenkonflikt zwischen Prüfgeschäft und Beraterbusiness nicht auflösen, der das Geschäftsmodell gerade der Big Four prägt. Wenn eine Prüfkanzlei, die wie ein Notar im öffentlichen Auftrag Bilanzen auf ihre Richtigkeit überprüft, gleichzeitig als Beratungsunternehmen Gewinne maximieren will und deshalb ein nettes Verhältnis zu ihren Kunden pflegt, ist der Interessenkonflikt unausweichlich. Ein Prüfer kann nicht gleichzeitig Freund und Kontrolleur sein.

Was prägt wohl die Kultur einer Prüfgesellschaft, die große Teile ihres Umsatzes und Gewinns als kooperativer Berater macht? Da sind Prüfaufträge doch nur der Türöffner fürs lukrative Beratungsgeschäft. Prüfer verlieren ihre Glaubwürdigkeit, wenn sie für die Öffentlichkeit die Sauberkeit von Bilanzen testieren und gleichzeitig – Stichwort Lux- Leaks – als Steuerberater im internationalen Steuervermeidungsbusiness mitwirken und daran heftig verdienen. Das geht so weit, dass beim Cum-Ex- Skandal KPMG sogar unterschiedliche Rechtsmeinungen vertrat, abhängig davon, welchen Hut sie gerade aufhatte. Die EU-Kommission wollte das nach der Finanzkrise durch eine Trennung beider Bereiche ändern, scheiterte aber, weil gerade die Großen massiv dagegen lobbyierten. Resultat: Das Beratungsgeschäft spielt für die Big Four heute eine größere Rolle als zuvor. Und gerade die großen Prüfer tauchen in ständig wechselnden Rollen in ein und demselben Unternehmen immer wieder auf – mal als Abschlussprüfer, mal als Steuer-, mal als Unternehmensberater.

Naumann: Zunächst ist gesetzlich geregelt, dass der Prüfer nur dort beraten darf, wo dies seine Unabhängigkeit nicht beeinträchtigt. So darf er nach dem „Selbstprüfungsverbot“ nicht prüfen, was er vorher gestaltet hat. Und Herr Schick, bedenken Sie, dass eine strikte Trennung von Beratung und Prüfung zu einer weiteren Konzentration führen kann – die auch Sie nicht wollen. Die Beratung des Mandanten steigert auch die Kenntnisse des Prüfers über das Unternehmen. Im Flowtex-Skandal zum Beispiel hat die Corporate Governance versagt und wohl auch der Prüfer das Geschäftsmodell nicht hinreichend verstanden. Dort waren Horizontalbohrmaschinen verkauft worden, die nicht existierten, was dem Prüfer bei besserer Kenntnis des Unternehmens und der Branche vielleicht aufgefallen wäre. Wenn Sie durch die Trennung von Prüfung und Beratung das Know-how des Prüfers schmälern, schwächen Sie die Qualität seiner Prüfung, und gerade dann kann er in Fallen tappen.

Die Unabhängigkeit des Prüfers vom Vorstand wird im Übrigen derart gestaltet, dass heute nicht mehr der Vorstand den Prüfungsauftrag vergibt, sondern der Aufsichtsrat. Er muss auch jeden Beratungsauftrag des Vorstands vorher genehmigen. Schließlich gibt es noch eine gesetzliche Grenze: Der Anteil der Beratungsaufträge in einem kapitalmarktorientierten Unternehmen darf nicht mehr als 70 Prozent des Honorarvolumens der Abschlussprüfung ausmachen. Und kein Unternehmen schöpft diesen Rahmen auch nur ansatzweise aus.

Schick: Jetzt haben Sie gerade sehr schön zugegeben, dass die Vorschläge der Prüfer-Lobby an die Stelle des ursprünglichen Plans der EU-Kommission getreten sind. Dass Prüfung und Beratung unbedingt getrennt gehören, zeigt doch gerade der Cum-Ex-Skandal: Nach Presserecherchen entdeckte die Steuerabteilung von KPMG bei Varengold rechtswidrige Geschäfte. KPMG knickte aber ein, als der Vorstand sich weigerte, das im Lagebericht offenzulegen. Es wurde lediglich die Aufsicht informiert, und das auch noch spät. Erklären Sie doch mal, wie es sein kann, dass diese kriminellen Geschäfte über zwanzig Jahre lang liefen und von den Prüfern praktisch nichts dazu zu hören war, obwohl sie überall beratend und prüfend mitwirkten.

Naumann: Wie Sie im Untersuchungsausschuss selbst herausgearbeitet haben, hat der Gesetzgeber sehr spät und zum Teil bewusst unvollständig gehandelt. Mein Verband hat das Bundesfinanzministerium 2009 auf entsprechende Gesetzeslücken hingewiesen, und Sie wissen selbst, dass es dann noch Jahre dauerte, bis sie geschlossen wurden.

Schick: Das weiß ich wohl, aber Sie beantworten meine Frage nicht, wie in so großem Umfang Kriminelles stattfinden konnte unter den Augen der Prüfer.

Naumann: Wir wollen uns doch nicht wechselseitig die Schuld zuschieben.

Schick: Doch, ich finde, dass die Prüfer eine Verantwortung haben, die sie so gut wie nie wahrnehmen. Immer wenn etwas passiert, sind andere schuld. Wenn das so ist, dann brauchen wir die Prüfer in dieser Form nicht mehr.

Naumann: Wollen Sie den Wirtschaftsprüfern etwa auch noch die steuerliche Betriebsprüfung übertragen? Wir sind unabhängige Prüfer und haben sicherzustellen, dass Risiken – auch Steuerrisiken – in den Jahresabschlüssen zutreffend erfasst werden. Diese Aufgabe erfüllen wir. Und Steuerberater haben die gesetzliche Pflicht, ihren Mandanten alle legalen Möglichkeiten zur Steuerminderung aufzuzeigen.

brand eins: Auch wie man die Steuerlast auf ein Prozent drückt?

Naumann: Wenn Staaten diese Möglichkeiten aus Eigeninteresse schaffen, muss ein Steuerberater als unabhängiges Organ der Steuerrechtspflege auf solche Gestaltungsspielräume hinweisen – was so auch der Bundesgerichtshof und der Bundesfinanzhof sehen. Über die Risiken der Nutzung solcher Spielräume, die auch Reputationsrisiken der Unternehmen einschließen können, klären wir die Unternehmen auf. Herr Schick, wenn Sie wollen, dass Steuerzahlungen in einem System gerecht erfolgen, müssen Sie diesen Appell nicht an die Prüfer oder Berater richten, sondern an diejenigen, die solche Gesetze machen. Da gucke ich jetzt Sie als Politiker beziehungsweise als ehemaligen Politiker an.

brand eins: Selbst wenn die Politik die Gesetzeslücken für Cum-Ex nicht rechtzeitig sah und schloss: Legal bedeutet nicht legitim.

Naumann: Ich kann hierzu nur sagen, dass ich keine Belege dafür habe, dass Wirtschaftsprüfer an Cum-Ex-Gestaltungen mitgewirkt haben. In aktuellen Gerichtsverfahren werden die Rollen verschiedener Akteure diskutiert, aber nicht die der Prüfer. Bei Cum-Ex ist auch bis heute nicht höchstrichterlich geklärt, wie die damalige Steuerrechtslage zu interpretieren ist. Das Thema ist hochkomplex und wird weiter aufgearbeitet werden müssen. //

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