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Das Bild zeigt drei Männer, die in einer belebten Straße über einen Zebrastreifen gehen und jeweils eine Fahne halten. Die Fahnen sind rot, weiß und schwarz, und die Männer sind in Geschäftskleidung gekleidet. Die Szene befindet sich vor einem Hintergrund aus verschiedenen Geschäften und Gebäuden, die eine belebte städtische Umgebung suggerieren. Bei dem Bild handelt es sich um eine stilisierte Illustration, die wahrscheinlich für eine barrierefreie Website gedacht ist, die den EAA-Richtlinien entspricht.
Asien-Experten: gemeinsam einzigartig

Ständige Vertretung

Die Allianz Deutscher Wirtschaftsanwälte in Asien, kurz ADWA, ist mehr als eine Marketingvereinigung. Sie ist Arbeitsgemeinschaft, Juristenklub, Netzwerk, mobile Wohngemeinschaft und Boygroup in einem.


/ An einem Märznachmittag des Jahres 2015 sitzen in der Jubilee-Lounge des Raffles-Hotels in Singapur eine Handvoll Anwälte und warten. Das Fünf-Sterne-Hotel mit der Armee von Butlern und den Suiten zu Schnappatmungspreisen gilt als das renommierteste Hotel des Stadtstaats. Gerade deshalb haben die Anwälte sich hier eingebucht.

Rainer Burkardt ist mit seiner Kanzlei in Schanghai zu Hause, Michael Müller in Tokio, Andreas Respondek betreut Mandanten in seinen Wahlheimaten Singapur und Bangkok. Jeder von ihnen ist für sich allein gut im Geschäft. Aber zusammen, so ihre Idee, könnten sie interessantere Mandate akquirieren – vor allem jene größerer deutscher Mittelständler, für die es Rechtsvertreter in mehreren Ländern Asiens braucht.

„Dafür mussten wir natürlich herausfinden, ob Unternehmen das genauso interessant fanden wie wir“, sagt Respondek, dem auch nach drei Jahrzehnten in Fernost noch seine Berliner Wurzeln anzuhören sind. Deshalb der Termin im Raffles. Offiziell ist es ein Tagesseminar mit dem Titel „Drafting and negotiating international commercial contracts in China, Japan, Korea, Thailand & Vietnam“, zu dem die Juristen mit Kollegen aus Korea und Vietnam Wirtschaftsvertreter eingeladen haben. In Wirklichkeit ist es ein Testballon.

Aus diesem Testballon entweicht an diesem Nachmittag mit einem energischen „Pffffffft“ sämtliche Luft. Kein einziger Unternehmensvertreter folgt der Einladung. Weil sie aber nun schon einmal zusammengekommen sind, entscheiden sich die Anwälte an diesem Tag, ihr Experiment dennoch zu starten.


„Die meisten Unternehmen sind froh, vor Ort einen Ansprechpartner für elf asiatische Märkte zu finden.“
Andreas Respondek

Boygroup und Netzwerk

Knapp neun Jahre nach dem Raffles-Reinfall sitzen Müller, Respondek und Burkardt an einem Novembernachmittag bei einem Italiener in der Hamburger Innenstadt. „Gut gelaufen“, sagt Müller, ein gebürtiger Kieler. In den Stunden zuvor haben er und seine neun Kollegen auf Einladung von Handelskammer und German Asia-Pacific Business Association sich und ihre „Allianz Deutscher Wirtschaftsanwälte in Asien“ (ADWA) präsentiert: zehn Anwälte mit Wurzeln in Asien.

Alle sind sie Männer (was, wenn man Müller glauben darf, reiner Zufall ist), zwischen 44 und 67 Jahre alt, bei der deutschen oder österreichischen Anwaltskammer registriert und seit vielen Jahren in Asien zu Hause.

In einem Konferenzraum der Handelskammer referierte Rainer Burkardt von wirtschaftlicher Stagnation und ausbleibenden Subventionen in seiner Wahlheimat China. Michael Müller erzählte vom niedrigen Yen und deutschen Unternehmen, die dieser Tage tatsächlich ihre Produktion von China ins Hochlohnland Japan verlagerten: „Wir reiben uns aktuell wirklich selbst die Augen!“ Andreas Respondek sprach über die rund 2,5 Prozent thailändisches Wirtschaftswachstum im vergangenen Jahr („Für Deutschland traumhaft, für Thailand eher mittelmäßig.“) und den Weltspitzenplatz, den seine zweite Wahlheimat Singapur im Economic-Freedom- und im Good-Government-Index belege.

In jeweils fünfminütigen Referaten skizzieren auch die übrigen sieben deutschen und österreichischen Juristen die Wirtschafts- und Rechtslage in ihrer zweiten Heimat: Philippinen, Malaysia, Vietnam, Hongkong, Indien, Korea und Taiwan. Danach Get-together, Kaffee, Häppchen und eifriges Visitenkartentauschen.

Dieses Mal ist ihrer Einladung ein knappes Dutzend Wirtschaftsvertreter gefolgt, die in Asien Geschäfte betreiben und neugierig auf die ADWA sind. Denn die Allianz Deutscher Wirtschaftsanwälte in Asien ist eine in dieser Form unter deutschen Auslandsjuristen ziemlich einzigartige Organisation. Ihr Angebot: Zehn unabhängige deutschsprachige Juristen, die am anderen Ende der Welt die Interessen deutscher Unternehmen vertreten. Jeder für sich in seinem Land und auf eigene Rechnung, alle gemeinsam für bis zu elf Märkte Asiens. Mit anderen Worten: ein One-Stop-Shop für fast einen gesamten Kontinent.

Die ADWA ist damit auch eine unkonventionelle Antwort auf die Frage, wie Juristen ihre Unabhängigkeit wahren und zugleich Kompetenzen und Kontakte kundiger Kollegen nutzen. Und wie selbstständige Anwälte es schaffen, Mandate von Konzernen zu ergattern. Eine eherne Regel: Als ADWA-Mitglied kann man sich nicht bewerben, sondern nur berufen werden. Alle anderen Mitglieder müssen mit dem Kandidaten einverstanden sein. „Schließlich verkaufen wir das Vertrauen ineinander“, sagt Müller. „Das setzt voraus, dass wir es erst mal untereinander haben.“

Bei Licht betrachtet ist die ADWA Marketingvereinigung und Arbeitsgemeinschaft, Juristenklub und Netzwerk, mobile Wohngemeinschaft und Boygroup in einem.

Elf auf einen Streich

Dieses Angebot nutzen mittelständische Anlagenbauer und schwäbische Automobilzulieferer ebenso wie der Maschinenbauer Voith, der Schraubenkonzern Würth und die Lufthansa. „Die meisten deutschen, österreichischen und Schweizer Unternehmen haben eine zentrale Asienabteilung und sind daher froh, vor Ort einen Ansprechpartner für elf asiatische Märkte zu finden“, sagt Andreas Respondek.

Für einen deutschen Sensorenhersteller beispielsweise vereinheitlichten die Anwälte asienweit die Verkäufer-AGB auf Basis der deutschen AGB. Für einen Automobilzulieferer brachten sie einen zeitkritischen Produktrückruf in ganz Asien zugleich auf den Weg. Ein deutscher Großkonzern wiederum engagierte sie als kundigen Kommunikationsmittler zu seinen Niederlassungen in Fernost, mit denen es bei der Risikosteuerung so oft zu Missverständnissen kam, bis die Kommunikation zwischen Zentrale und Satelliten fast ganz erstarb.

Auch deutsche Wirtschaftskanzleien, die in Asien Korrespondenzanwälte brauchen, nutzen das ADWA-Netzwerk. Glaubt man Michael Müller, dann ist das Halb-Asien-aus-einer-Hand-Geschäftsmodell „in dieser Form einzigartig. Keine Großkanzlei mit Deutschlandbezug ist in elf Ländern Asiens zu Hause“, sagt Müller.

Stefan Penno beispielsweise ist gerade von einem viertägigen Terminmarathon aus Japan und Südkorea zurückgekehrt, wo sein Unternehmen eine Produktionsniederlassung eröffnete. Die Rembe GmbH aus dem westfälischen Brilon verkauft ihre Sicherheitstechnik in 75 Ländern und betreibt in elf eigene Niederlassungen. Bei der Gründung der Dependance in Seoul half der lokale ADWA-Repräsentant bei Miet- und Arbeitsverträgen, Hinweisen auf Förderprogramme, Kontakt zu Banken – und zu den ADWA-Kollegen in Japan, Singapur, Korea und China, wo Rembe ebenfalls Geschäfte abwickelt. „Mit der ADWA läuft das alles auf dem kurzen Dienstweg“, sagt der Geschäftsführer des 350 Mitarbeitenden-Unternehmens. „Und was es sehr erleichtert: Wir sprechen dieselbe Sprache. Mit Anwälten in Brasilien oder Chile müssen wir uns holprig über das für beide Seiten fremde Englisch verständigen.“

Der Rede- und Erklärungsbedarf verringere sich in Asien auch dadurch, dass sich die ADWA-Anwälte gegenseitig brieften. „Anderswo müssen wir jedes Mal neu erklären, wer wir sind und was wir brauchen. Die ADWA-Anwälte wissen das bereits. Und sie übernehmen auch mal unkonventionelle Aufgaben wie eine Ad-hoc-Wirtschaftsprüfung bei einem Geschäftspartner für uns.“

Zu den wenigen Mandaten, die die ADWA nicht übernimmt, gehören Sammelklagen. „Für Fälle wie Wirecard fehlen uns Manpower und Infrastruktur“, sagt Andreas Respondek. Und auch das Strafrecht gehört nicht zu den alltäglichen Arbeitsfeldern der Anwaltsallianz, wenngleich ihre Mitglieder im Notfall durchaus Ausnahmen machen: Als die Tochter eines deutschen Unternehmensgeschäftsführers in Thailand mit Kokain erwischt und in Untersuchungshaft gesteckt wurde, übernahm Respondek ihren Fall.

Auf diese Weise füllt die Anwaltsallianz die Marktlücke zwischen lokalen Kanzleien, die meist nur in einem Markt verankert sind, und anglo-amerikanischen Großkanzleien, die in Fernost zwar präsent, aber nicht unbedingt lokal verwurzelt sind.

Neue Heimat statt Karrierestation

„Bei uns gibt es keine Fly-in-Anwälte, die für ein Mandat ein- und ausfliegen. Wir sind in Asien zuhause“, sagt Müller, der erstmals 1983 nach Japan ging, um bei einem Keramikermeister zu arbeiten. Müller lebte bei der Familie seines Meisters, lernte die Sprache inklusive der 2.000 wichtigsten Schriftzeichen, arbeitete später als Dolmetscher fürs japanische Fernsehen, heiratete eine Japanerin und studierte Jura.

Seit 2007 praktiziert Müller als Wirtschaftsanwalt in Tokio, wo er zeitweise sogar dem internationalen Ausschuss der Anwaltskammer Tokio vorsaß. Fernost ist für den schlaksigen Norddeutschen keine Karrierestation, sondern Heimat.

Ähnlich ist es bei seinen Kollegen. Andreas Respondek wechselte 1994 als Syndikus des Pharmakonzerns Boehringer nach Singapur – und blieb für immer („Ich spürte gleich: Hier kann man gut leben!“). Rainer Burkardt, ADWA-Mann in China, reiste vor 28 Jahren mit einem Touristenvisum nach Peking. Eine harte Eingewöhnungsphase, intensive Arbeitsjahre in chinesischen, deutschen und US-amerikanischen Kanzleien, ein Fast-Burn-out und eine Scheidung später ist er heute Inhaber seiner eigenen Kanzlei, mit einer Chinesin verheiratet und glücklicher Vater eines 13-Jährigen, der in Schanghai die deutsche Schule besucht.

Das Bild zeigt ein Paar Waagen, auf denen jeweils eine andere Zeichentrickfigur abgebildet ist. Auf der linken Seite ist ein schwarzer Adler mit ausgebreiteten Flügeln zu sehen, auf der rechten Seite eine gelbe Katze mit einem roten Kopftuch um den Hals. Die Waagen sind vor einem unscharfen Hintergrund platziert, der die Figuren hervorhebt.

Die ADWA bringt deutsches und asiatisches Geschäftsgebaren ins Gleichgewicht

Hauptaufgabe: Kulturelle Vermittlung

Diese feste Verwurzelung in Fernost ist für die ADWA-Anwälte kein biografisches Detail, sondern handfester USP. Denn ihr Hauptarbeitsfeld liegt nur auf den ersten Blick in der Rechts- und Interessenvertretung für deutsche Mandaten. In Wirklichkeit besteht ihre wichtigste Funktion in der Vermittlung zwischen Menschen aus unterschiedlichen Kulturen, die sich häufig erst einmal ins Gehege kommen – statt ins Geschäft.

„Nehmen Sie den Unterschied zwischen Eigentum und Besitz. Der wird ja schon im Deutschen unterschiedlich interpretiert“, sagt Harald Sippel, seit 2018 in Kuala Lumpur beheimatet, mit einer Koreanerin verheiratet und der einzige Österreicher in der ADWA. „In anderen Rechts- und Sprachräumen sind die Möglichkeiten des Missverstehens natürlich um ein Vielfaches größer.“ Und das gilt nicht obwohl, sondern auch weil die Verträge zwischen asiatischen und deutschsprachigen Geschäftsleuten in der Regel in englischer Sprache verfasst werden. Denn das Rechtsenglisch ist geprägt vom Common Law, das in ehemaligen britischen Kolonien wie Indien zur Anwendung kommt, während die Deutschen nach Civil-Law-Kriterien denken und arbeiten.

„Wir müssen keinem Mandanten das Vertragsenglisch übersetzen“, sagt Michael Müller, „aber wir müssen häufig erklären, was im jeweiligen Rechtsraum damit gemeint ist.“ Hinzu kommen die unausgesprochenen kulturellen Unterschiede, die ein einheimischer Anwalt vermutlich gar nicht für erwähnenswert hält, weil sie ihm normal erscheinen, unwissenden deutschen Mandanten aber im schlimmsten Fall den Deal vermasseln.

Monika Walser beispielsweise staunte nicht schlecht, als der Filialleiter einer Bank in Tokio, bei dem sie ein Geschäftskonto eröffnen wollte, beim Betreten des Konferenzraums umgehend kehrtmachte. Ihr Anwalt Michael Müller erklärte ihr dann, dass in Japan Gastgeber erst einen Raum betreten, wenn ihre Gäste Platz genommen haben. „Gerade in Japan tapst man als Europäer ständig in Fettnäpfchen, ohne es zu merken“, sagt Walser, die Vorstandsvorsitzende der Schweizer de Sede AG, die fast die Hälfte ihrer Produktion nach Fernost exportiert und in mehr als einem halben Dutzend Märkten aktiv ist.

Walser setzt daher bereits seit Jahren auf die ADWA-Anwälte und hat mit den allermeisten beste Erfahrungen gemacht. „Sie helfen uns eigentlich bei allem, was wir brauchen“, so Walser, „aber sie verkaufen einem nichts, was man nicht braucht. Und klar ist: Als Europäer ist man in Asien verloren ohne jemanden, der einen an die Hand nimmt.“


„Bei uns gibt es keine Fly-in-Anwälte, die für ein Mandat ein- und ausfliegen.“
Michael Müller

Süßer Tee statt harter Paragrafen

Harald Sippel beispielsweise, ADWA-Mann in Malaysia, erklärt seinen europäischen Kunden gern, dass es in seiner Wahlheimat keine gute Idee ist, sein Recht einzuklagen, selbst wenn man es hat. Sippel holt dann meist zu einem kleinen Exkurs über Kultur und Gepflogenheiten seines neuen Heimatlandes aus, in dem drohender Gesichtsverlust „ein wirklich großes Ding“ sei. Und weil das so ist, greift Sippel statt zum Mahnschreiben häufig erst einmal zur Teetasse. „Teh tarik“ nennt er seine Strategie, was übersetzt „süßer Tee“ bedeutet und darin besteht, bei ausgiebigem Smalltalk Vertrauen zur Gegenseite herzustellen.

„Wenn man dann nach zwei Stunden Teetrinken alles über die Familie weiß und selbst die Universität kennt, an der die Kinder studieren, kann man auch die eigentliche Rechtsfrage ansprechen. Aber mit deutlich höheren Erfolgschancen“, so Sippel.

Und weiter erklärt er: Mindestens so wichtig, wie das Wie beim geschäftlichen Austausch, sei in Malaysia das Wer. Denn in den wichtigen staatsnahen Unternehmen sei die Führungsriege meist mit Malaien besetzt. Chinesen stellten das mittlere Management und indischstämmige Manager die Finanzverwaltung. In der von ihm 2023 mitgegründeten Kanzlei beschäftigt der 44-Jährige daher mit indischen, chinesischen und malaiischen Anwälten Vertreter aller drei großen Bevölkerungsgruppen und kann je nach Anliegen einen Vertreter aus der jeweiligen Ethnie ins Gespräch schicken.

Einstiegsvoraussetzung: WG-Tauglichkeit

Dreimal im Jahr steigt Sippel ins Flugzeug nach Europa, um gemeinsam mit seinen Kollegen Mandanten zu akquirieren. Jeweils eine Woche lang tingelt die Anwaltstruppe durch Deutschland, Österreich oder die Schweiz und stellt – wie in der Hamburger Handelskammer – sich und ihr Angebot vor. Diese Roadshows sind für ihre Mitglieder verpflichtend. Von einem Mitglied, das diese Akquisetouren boykottierte, hat sich die ADWA sogar getrennt. Als Vereinigung selbstständiger Anwälte öffnen sich ihr dabei Türen, die einer einzelnen Großkanzlei aus Wettbewerbsgründen vermutlich verschlossen blieben.

So konnte die Anwaltskombo ihr Repertoire vor Multiplikatoren wie dem Verband der Automobilindustrie, dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau, der Konrad- Adenauer-Stiftung, dem Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie und dem Deutschen Anwaltverein abspulen. Die Auftritte dürften Gold und Kontakte wert sein, auch wenn das Tingeln in einer Gruppe mittelalter Männer nicht unanstrengend ist.

Eines der wichtigsten Talente, die ein ADWA-Mitglied mitbringen müsse, ist für Rainer Burkardt seine WG-Tauglichkeit: „Wenn man dreimal im Jahr für eine Woche Tag und Nacht gemeinsam unterwegs ist, muss man miteinander klarkommen.“


„Wenn man dreimal im Jahr für eine Woche Tag und Nacht gemeinsam unterwegs ist, muss man miteinander klarkommen.“
Rainer Burkardt

Fahrdienste und Autobahn-Büro

Das sei schon deshalb nicht immer einfach, weil jeder der zehn Anwälte seine ganz eigenen Ansprüche ans Reisen pflege. „Unter uns gibt es Sparstrümpfe, die am liebsten in billigen Jugendherbergen schlafen würden, und andere, die im ersten Haus am Platze übernachten wollen. Da muss man Kompromisse finden“, so Burkardt. Auf ihrer Hamburger Touretappe beispielsweise heißt dieser Kompromiss Arcotel Rubin und ist ein graues Mittelklassehotel in Bahnhofsnähe. „Keine schöne Gegend“, murrt Michael Müller, der auf Privatreisen grundsätzlich im Hamburger Atlantic an der Außenalster absteigt.

Vor dem grauen Klotz des Arcotel Rubin parken an diesem Novembertag die beiden VW-Busse, die die Anwalts-Boygroup immer für ihre Roadshows mietet. Gesteuert wird ein solcher Bus – eine weitere eherne ADWA-Regel – an jedem Reisetag von einem anderen Allianzmitglied. Das ist dann derjenige, der abends im Hotel noch seine Mails und Telefonate nachholen muss, während die anderen ihre Calls und Korrespondenzen bereits on the road erledigen. Was nicht selten bedeutet, dass in einem VW-Bus auf irgendeinem deutschen Autobahnabschnitt gleichzeitig auf Malaiisch, Thailändisch, Mandarin, Vietnamesisch und anderen Sprachen in Mobiltelefone hineinverhandelt wird.

Eine Woche sind die Anwälte so busfahrend, übernachtend, präsentierend und verhandelnd unterwegs, bevor sie sich am Frankfurter Flughafen voneinander verabschieden und in die Flieger in ihre neuen Heimatländer steigen – bis zur nächsten Roadshow.

„Wenn wir uns eine Zeitlang nicht sehen, vermissen wir uns richtig“, sagt Michael Müller, „aber nach einer gemeinsamen Woche Deutschlandtour ist es auch erst mal wieder gut.“ Dennoch haben sich zwischen einigen der Mitglieder im Laufe der Jahre Freundschaften entwickelt. Respondek und Burkardt reisten privat zusammen in den Iran, Müller und Christian Brendel, der Vertreter in Vietnam, verbrachten den letzten Jahreswechsel gemeinsam in Brendels Wahlheimat. Gut möglich, dass sich der Freundeskreis demnächst noch erweitert. Denn noch klafft auf der ADWA-Asienkarte ein großer weißer Fleck.

Gesucht: Ein ADWA-Mensch für Jakarta

In Indonesien, mit mehr als 280 Millionen Menschen der viertbevölkerungsreichste Staat der Erde, hat die Anwaltsallianz bislang noch keinen Vertreter. Um das zu ändern, jettete vor einiger Zeit ein ADWA-Vorauskommando nach Jakarta, besuchte potenzielle Partner und identifizierte eine Kanzlei, die ihren Ansprüchen genügen und einen German Desk einrichten würde. Jetzt suchen die Anwälte gerade einen Kollegen, der zu ihnen passt und Lust auf ein Leben in Jakarta hätte. „Wir brauchen jemanden, der nicht nur ein paar Monate dort unten surfen gehen, sondern Indonesien dauerhaft zum Lebensmittelpunkt machen will“, sagt Rainer Burkardt. Und natürlich könne dieser „jemand“ auch gerne eine Anwältin sein.

Für eine weibliche Stimme wäre in der Boygroup definitiv noch Platz. Nur Bus fahren müsste sie können. //

Sie sind heute in Thailand, Japan oder China zu Hause und kennen sich dort bestens aus. Fünf deutschstämmige ADWA-Anwälte über die Besonderheiten ihrer neuen Heimatländer.

Das Bild zeigt einen lächelnden Mann in dunklem Anzug und Krawatte vor einem weißen Hintergrund.

Andreas Respondek, 67
Bangkok, Thailand und Singapur

Kanzlei: Respondek & Fan

Schwerpunktthemen: Handels-, Gesellschafts- und Wirtschaftsrecht. Mit Wohn- und Arbeitsort Bangkok und Singapur ist Respondek sowohl im Common Law (Singapur) als auch im Civil Law (Thailand) zu Hause und dort jeweils auch der einzige deutsche Chartered Arbitrator.

Mandanten: 80 Prozent aus Deutschland, 10 Prozent aus Österreich, je fünf Prozent aus der Schweiz und Taiwan

In Singapur/Thailand seit: 1994

Wichtigster Standortvorteil: „Singapur ist gut organisiert, effizient und aufs Geldverdienen ausgerichtet. Alle M&A- Deals laufen über den Stadtstaat, hier kann man Unternehmen in 100 Prozent ausländischem Besitz gründen. Aber Singapur kann auch den Charme einer städtischen Supermarktschlange haben: völlig überraschungsfrei.“

Größter Standortnachteil: „Bangkok hingegen bedeutet Chaos, die Luft ist schlecht, der Verkehr ein Albtraum und die Korruption nach wie vor ein großes Problem. Aber die Metropole lebt zumindest.“

Das Bild zeigt einen Mann in blauem Anzug und Krawatte, der in die Kamera lächelt. Er steht vor einem weißen Hintergrund, der seine Kleidung hervorhebt. Der Mann scheint sich in einer professionellen Umgebung zu befinden, möglicherweise in einem Büro.

Harald Sippel, 44
Kuala Lumpur, Malaysia

Kanzlei: Aqran Vijandran

Schwerpunktthemen: rechtliche und wirtschaftliche Aspekte von Lieferketten, Schiedsverfahren, Nachhaltigkeit, Gründung und Betrieb von Niederlassungen

Mandanten: 90 Prozent Mittelständler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz

In Kuala Lumpur seit: 2018

Wichtigster Standortvorteil: „Sehr niedrige Energie- und Immobilienkosten; gutes Englisch-Niveau; hohe Lebensqualität (selbst durchschnittliche Wohnanlagen haben eigene Schwimmbäder, Tennis-, Squash- und Spielplätze).“

Größter Standortnachteil: „Ein deutlich niedrigeres Einkommen als beispielsweise in Singapur, Japan oder Korea.“

Das Bild zeigt einen Mann in Anzug und Krawatte, der in die Kamera lächelt. Er trägt eine Brille und scheint für ein professionelles Umfeld gut gekleidet zu sein. Das Bild ist in Schwarz-Weiß gehalten, was ihm eine klassische und zeitlose Ausstrahlung verleiht. Die Kleidung und der Gesichtsausdruck des Mannes vermitteln ein Gefühl von Vertrauen und Professionalität.

Foto: ADWA

Michael A. Müller, 60
Tokio, Japan

Kanzlei: Mueller Foreign Law Office

Schwerpunktthemen: Wirtschafts-, Vertrags- und Gesellschaftsrecht (Gründungen von Tochterunternehmen, M&A), Schiedsverfahren und Prozesse

Mandanten: Unternehmen aus der DACH-Region, den Niederlanden, Großbritannien und Skandinavien sowie japanische Unternehmen, die in Deutschland investieren

In Tokio seit: 2007

Wichtigster Standortvorteil: „Japan ist wie Deutschland: ein Industrieland mit verlässlichen Rahmenbedingungen und Verwaltungen. Ich wohne 15 Minuten vom Pazifik entfernt, bin mit dem Zug in einer Stunde in Tokio. Auch schön: Japaner sind Deutschen gegenüber sehr freundlich.“

Größter Standortnachteil: „Englisch funktioniert als Geschäftssprache nicht wirklich. Und das Japanische ist zwar keine schwierige Sprache, umfasst aber mehr als 40.000 Schriftzeichen, von denen man mindestens 2.000 beherrschen sollte.“

Das Bild zeigt einen Mann in grauem Anzug und Krawatte, der im Freien steht, mit einem unscharfen Hintergrund, der auf eine städtische Umgebung schließen lässt. Der Mann scheint zu lächeln und zur Seite zu schauen, möglicherweise um etwas oder jemanden zu beobachten. Das Bild ist im Hochformat, und es ist kein Text vorhanden.

Foto: ADWA

Christian A. Brendel, 54
Ho-Chi-Minh-Stadt u.a., Vietnam

Kanzlei: Brendel & Associates Law Co. Ltd.

Schwerpunktthemen: Begleitung von Mittelständlern bei Foreign Direct Investments; außerdem Arbeits- und Baurecht sowie alles, was mit Operations zusammenhängt

Mandanten: 75 Prozent Mittelständler aus der DACH- Region, italienische, spanische und US-Unternehmen

In Vietnam seit: 2006

Wichtigster Standortvorteil: „Vietnam gilt als relativ offen für ausländische Investitionen, schließlich sind Foreign Direct Investments die wichtigste Einnahmequelle des Landes. Gleichzeitig ist das Lohnniveau immer noch niedriger als in China oder Malaysia, weshalb Vietnam für viele deutsche Unternehmen die verlängerte Werkbank darstellt. Manche lassen hier auch ihre IT entwickeln, denn es gibt viele gut ausgebildete Programmierer. Die deutsche Elster-Steuersoftware etwa stammt teilweise aus Vietnam.“

Größter Standortnachteil: „Vietnam leistet sich eine überbordende Bürokratie. Jedes Investment setzt einen Papierkrieg in Gang. Während in Singapur die Gründung einer Gesellschaft ein, zwei Tage dauert, beansprucht das gleiche Vorhaben in Vietnam drei Monate.“

Das Bild zeigt einen gut gekleideten Mann mit grauem Bart und Schnurrbart, der selbstbewusst mit verschränkten Armen vor einer Stadtkulisse steht. Er trägt einen schwarzen Nadelstreifenanzug und eine Uhr an seinem linken Handgelenk. Der Mann scheint sich in einer professionellen oder formellen Umgebung zu befinden, möglicherweise in einem Geschäft oder Büro.

Rainer Burkardt, 57
Schanghai, China

Kanzlei: Burkardt & Partner

Schwerpunktthemen: Unternehmensgründungen, Vertrags- und Arbeitsrecht, Standortverlagerungen von Unternehmen und damit Neuverhandlung von Land- nutzungsrechten, Investitions- und Mitarbeiterverträgen

Mandanten: Mittelständler, Unternehmensgruppen und Industriekonzerne aus Österreich, Deutschland und der Schweiz

In China seit: 1997

Standortvorteil: „Nach unseren Schätzungen sind fast 3.500 deutsche Unternehmen im Großraum Schanghai ansässig, dazu 800 österreichische und 200 Schweizer. Die Regierung in Peking ist fern, das schafft für Investoren ein ausgezeichnetes Klima.“

Standortnachteil: „Chinesische Kultur, Sprache und auch das Essen unterscheiden sich extrem von unseren europäischen. Das polarisiert die Expat-Community. Entweder man liebt China, so wie ich, oder man sitzt seine Zeit hier ab und ist froh, wieder wegzukommen.“