Was will dieses Heft?

Neu denken

/ Inzwischen glaubt wohl niemand mehr daran, dass es nach Corona so sein wird wie davor. Dass wir alle zurückkehren in unsere Büros, zu Kundenterminen durch die Welt fliegen, uns morgens und abends im Stau durch die Innenstädte quälen und unsere Einkäufe mühsam nach Hause schleppen.

Susanne Risch – Chefredakteurin


Aber was sind die Alternativen? Wie wird es sein – in zwei, drei oder in fünf Jahren? Wie wollen wir leben, arbeiten und konsumieren? Wie definieren wir Beruf und Privat? Wie geht Führung und Zusammenarbeit auf Distanz? Welche neuen Prozesse sind nötig, welche Rollen werden wir neu lernen müssen, welche Fähigkeiten brauchen? Wohnen wir künftig in der Stadt oder auf dem Land? Wie bleiben wir dann mobil? Vernetzt? Informiert? Welche Infrastruktur werden wir brauchen? Und wie werden wir uns versorgen – in der City oder fernab der Metropolen?

Klare Antworten auf diese Fragen kann es heute noch nicht geben. Es gibt jedoch schon eine erstaunliche Vielfalt an Initiativen und Projekten, die zeigen, in welche Richtung es gehen kann.

Accenture und Vitra beispielsweise haben sich im vergangenen Sommer zusammengetan, um mit 40 Vertretern aus 15 Unternehmen Modelle für die Zukunft zu entwerfen. Über Monate haben sich die Teilnehmer teils physisch, teils virtuell zu Workshops getroffen – und geträumt: von neuen Lebensentwürfen, neuem Miteinander, neuen Tools und neuen Regeln. Work.Lead.Space war ein kräftezehrendes Abenteuer. Und der Grundstein für eine neue Arbeitswelt (Seite 6).

Neu und besonders ist auch der Mini-Markt, den der Lebensmittelkonzern Tegut mit Beraterhilfe entwickelt hat. Er kann überall aufgestellt werden, kommt ohne Personal aus, ist vollgestopft mit Technologie – und dabei so sympathisch wie ein guter Kumpel aus der Nachbarschaft. Leicht zu planen war er nicht: „Teo“ ist das Ergebnis eines fruchtbaren Kulturkampfs zwischen Klient und Berater (Seite 62).

Wie der öffentliche Nahverkehr attraktiv und zukunftsfähig werden kann, ist Thema der Kölner Berater von mobilité und den Hamburger BSL Transportation Consultants. Was die Spezialisten auf den Weg bringen, sind selten Utopien. Sie konzentrieren sich auf eher unspektakuläre Projekte – und halten damit den Verkehr am Laufen (Seite 98).

Wenn die Wirtschaft nach der Pandemie wieder ins Laufen kommen soll und wir ortsunabhängig arbeiten wollen, werden wir stabile Netze brauchen. Für Gewerbetreibende ist schnelles Internet schon lange ein wichtiger Standortfaktor. Bislang hatte die Provinz da schlechte Karten, inzwischen machen Regionen wie der Alb-Donau-Kreis in Baden- Württemberg vor, wie die Infrastruktur der Zukunft aussehen kann (Seite 90). Digitalisierung ist die Chance des ländlichen Raums, haben die Verantwortlichen vor Ort erkannt. Jetzt locken sie mit ihrem Glasfaserausbau die Fachkräfte aus Stuttgart an, die lieber im Grünen wohnen wollen.

Auch anderswo werden die Speckgürtel breiter. In Lauenburg an der Elbe etwa oder im brandenburgischen Wittenberge, das auf Zuzügler aus Hamburg oder Berlin hoffen darf (Seite 82). Rund um die großen Sieben, also um Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt, Stuttgart und Düsseldorf sind die Menschen derzeit in Bewegung. Nur dass sie diesmal nicht in die Stadt strömen, sondern aus ihr heraus, aufs Land. Für ländliche Regionen, die abgehängt waren, könnte sich die Krise am Ende als Glücksfall erweisen. Wenn sie – wie wir alle – die Pandemie als Chance begreifen, ein paar Entwicklungen zu korrigieren und die Welt neu zu denken.

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