Die Landräte

Ihre Mandate dauern im Schnitt 30 Jahre, pro Klient wird nur ein Berater tätig. Das klassische Consulting-Handwerkszeug braucht der auch, vor allem aber Empathie, Traditions- und Familiensinn.





Es ist eine eher ungewöhnliche Qualifikation, die Frederik Volckens in seinem Metier für unerlässlich, wenn nicht sogar für die wichtigste überhaupt hält: einen ausgeprägten Familiensinn. Das ist bei Volckens nicht so sehr Vorliebe aus persönlicher Neigung, sondern hat vielmehr mit seiner speziellen Klientel zu tun: Der promovierte Forstwirt berät mittlere und große Unternehmen der Land- und Forstwirtschaft. Ritter- und Klostergüter zählen dazu, traditionelle Höfe, moderne Bioenergie-Erzeuger, Agrargesellschaften, Waldbesitzungen. So unterschiedlich sie in ihrer Ausrichtung und in ihren betrieblichen Schwerpunkten auch sein mögen, fast immer steht eine Familie dahinter, nicht selten seit Jahrhunderten.

Und noch viel stärker als in gewerblichen oder industriellen Familienunternehmen ist oft der ganze Clan auch unmittelbar ins Tagesgeschäft involviert – Vater, Mutter, Kinder, manchmal noch eine Generation davor oder danach. Denn von den derzeit rund 280 000 Agrarunternehmen in Deutschland werden immer noch 90 Prozent von Familien betrieben – trotz Höfesterben, Strukturwandel und Industrialisierung auf dem Land. Etwa 60 Hektar, das entspricht ungefähr der Fläche von 85 Fußballfeldern, bewirtschaftet ein deutscher Landwirt heute im Durchschnitt.

Doch das ist nur die halbe statistische Wahrheit. Denn unterhalb der sogenannten Wachstumsschwelle von 100 Hektar schrumpft die Zahl der Betriebe deutlich, darüber nimmt sie tendenziell leicht zu. Gerade kleinere Bauern geben immer häufiger auf – und ihre Felder und Wiesen an größere Nachbarn ab. „Wachsen oder weichen“ gilt als unumkehrbare Marschrichtung auf dem Land. Inzwischen beackern jene zwölf Prozent der Höfe mit 100 Hektar oder mehr über die Hälfte der sogenannten landwirtschaftlichen Nutzfläche in Deutschland. Dabei gibt es, was die Größe angeht, ein Nord-Süd-Gefälle und eines von Ost nach West. Denn in den neuen Bundesländern sind viele der ehemaligen DDR-Produktionsgenossenschaften mit oft mehr als 1000 Hektar Fläche nach der Wende in private Hände übergegangen.

Profession und Privates verschwimmen

Allerdings sagt Größe allein noch nichts über die Wettbewerbsfähigkeit eines Hofes aus. So kann ein kleinerer Gemüsebaubetrieb in der Kölner Bucht mit handtuchschmalen Feldern seinen Mann samt Familie durchaus besser ernähren als ein doppelt oder dreimal so großes Anwesen auf brandenburgischen Sandböden. Und der Biobauer mit buntem Tierleben und Hofladen vor den Toren einer Großstadt kommt vermutlich besser zurecht als ein gleich großer konventioneller Betrieb weit draußen auf dem Land.

Denn wie gut oder schlecht es einem Hof geht, hängt von vielen Faktoren ab: neben der Größe, der Fruchtbarkeit des Bodens, dem Klima oder der Infrastruktur immer mehr vom Können und Ideenreichtum des Landwirts – und eben auch von der Qualität seiner Berater. Und wenn in gewerb-lichen Unternehmerfamilien die Firma gedanklich immer mit am Tisch sitzt, dann geht sie auf dem Hof mit zu Bett. Kaum irgendwo sonst sind berufliche und familiäre Sphäre so dicht miteinander verwoben, kollidieren Tradition und Fortschritt gelegentlich so heftig.

Der Berater Frederik Volckens kennt die Situationen aus seiner Praxis gut, wenn Profession und Privates verschwimmen, wenn Emotionen hochkochen, wenn es ans Eingemachte in einer Familie geht – nicht selten am häuslichen Küchentisch. Wenn beispielsweise der Junior für die Aufgabe der defizitären Milchproduktion plädiert, sich der Senior aber nicht von der heiß geliebten und über Jahrzehnte züchterisch vervollkommneten Milchkuhherde trennen mag, in der er jedes Tier mit Namen kennt. Wenn die Alten nicht still auf ihrem Altenteil sitzen, sondern sich immer wieder einmischen bei den Jungen. Oder genauso schlimm, wenn nicht schlimmer: Wenn die Jungen nichts wissen wollen von der Landwirtschaft und vom Hof, das Erbe ausschlagen. Oder der erwählte Nachfolger sich mit den weichenden Geschwistern nicht einigen kann.

Dann ist der Berater vor allem als Vermittler gefragt, braucht Fingerspitzengefühl, Objektivität und eben Familiensinn, um die verschiedenen Befindlichkeiten auszuloten, zu verstehen und den Gesprächsfaden zwischen den Beteiligten nicht abreißen zu lassen. Manchmal sind dann nicht nur wirtschaftliche Ratschläge gefragt, sondern fast schon seelsorgerische Qualitäten. Sehr nahe kommen sich Berater und Klient dabei. Das funktioniert nur mit großem gegenseitigem Vertrauen. „Am Ende“, sagt Volckens, „besteht die größte unternehmerische Lebensleistung darin, Haus und Hof so vorzubereiten, dass das Unternehmen ungeteilt und ohne Streit an die nächste Generation übertragen und von dieser erfolgreich und mit Freude fortgeführt wird. Und bei diesem geordneten Verfahren begleiten wir die Unternehmerfamilie.“

„Wir“, das sind seit knapp 60 Jahren die Partner der BB Göttingen GmbH. Die Firma ist die älteste freiberufliche und unabhängige Unternehmensberatung für Land- und Forstwirtschaft in Deutschland. Ihre derzeit neun Partner betreuen rund 500 Betriebe hierzulande, einige auch in Österreich, Ungarn und Polen, meist Ableger deutscher Auftraggeber.

Dabei ist die Suche nach tragfähigen Nachfolgeregelungen nur eine Facette im Aufgabenspektrum der Göttinger. „Im Grunde“, sagt BB-Partner Albrecht Macke, „benutzen wir das gleiche Handwerkszeug wie Consultants in der Industrie.“ Portfolioanalysen gehören dazu, Benchmarking und die Identifizierung von Best Practices. Und auch die großen Themen, die Agrar- und Forstwirtschaft bewegen, sind gar nicht sehr viel anders als sonst in der Wirtschaft: Wie beeinflusst die Globalisierung den Betrieb? Wie geht man um mit hochvolatilen Märkten? Wie kann das Unternehmen die Vielzahl immer neuer staatlicher Auflagen umsetzen? Wie Ressourcen und Umwelt möglichst schonend arbeiten? Und natürlich auch hier: Was wird die Digitalisierung verändern?

Altes Wissen in neuer Zeit

„Big Data und Cloud Computing sind bei den Unternehmen, mit denen wir arbeiten, durchaus Themen“, sagt Rüdiger Warnecke, ebenfalls Partner bei BB. Mit den modernen Großmaschinen im Ackerbau und Computern in den Ställen würden heute Unmengen von Einzeldaten erfasst. Richtig analysiert und genutzt, lieferten sie nicht nur eine detaillierte Dokumentation aller Abläufe, sondern erlaubten auch eine immer präzisere Steuerung des Betriebes, zeigten genau, wo es gut läuft und wo nicht. „Zwar hängen solche Themen noch stark von der Technikaffinität des Betriebsleiters ab und werden bisher nur von einigen Pionieren intensiv genutzt“, so Warnecke. Aber insgesamt seien da in den vergangenen Jahren enorme Fortschritte erzielt worden. Und ja, das sei ein Trend, der gerade bei den Unternehmen in der Größe, die BB berate, künftig stark an Bedeutung gewinnen werde.

Landwirtschaftliche Beratung hat eine lange Geschichte. Leicht zugespitzt ist sie die Ahnin jeder Unternehmensberatung. Ihre Anfänge liegen im 18. und 19. Jahrhundert, als die Wissenschaft den Landbau als Forschungsgegenstand entdeckte. Zuvor war die Erzeugung von Nahrungsmitteln praktisch während der gesamten Menschheitsgeschichte eine Frage der reinen Überlieferung von Generation zu Generation gewesen. Nun aber entwickelten Pioniere wie Albrecht Daniel Thaer völlig neue Methoden in Ackerbau und Viehzucht. Sie sind bis heute gültig. Planvolle Fruchtfolgen auf den Feldern und der gezielte Einsatz von Dünger beispielsweise führten zu explosionsartigen Ertragssteigerungen. Die enormen Entwicklungssprünge in der Landwirtschaft bildeten letztlich auch die Grundlage, die Voraussetzung und den fördernden Faktor für die Industrialisierung.

Im Zuge dieser Agrarrevolution übernahmen sogenannte Wanderlehrer, oft im öffentlichen Auftrag, die Aufgabe, dem einfachen Landmann die neuen Erkenntnisse zu vermitteln und ihn entsprechend zu beraten; vor allem auch, um die Ernährung einer schnell wachsenden städtischen Bevölkerung zu sichern. Nicht selten kooperierten die Berater mit den landwirtschaftlichen Vereinen, die die Agrarier in dieser Zeit selbst gründeten. Aus dieser Geschichte und dem gesellschaftlichen Interesse an einer gesicherten Ernährung resultiert heute eine durchaus vielfältige Beratungsszene in der deutschen Landwirtschaft, in der jedoch der staatliche Einfluss nach wie vor groß ist – allerdings von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich.

So dominiert in den süddeutschen Bundesländern die staatliche Offizialberatung, die die Landwirte kostenlos in Anspruch nehmen können. In Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen bieten vor allem die öffentlich-rechtlichen Landwirtschaftskammern, in denen jeder Bauer, Winzer, Gärtner oder Forstwirt automatisch Mitglied ist und einen Beitrag zahlen muss, Beratungsleistungen an.

Parallel sind vielerorts Beratungsringe oder Berufsverbände tätig, die sowohl durch die Mitgliedsbeiträge der beteiligten Landwirte als auch durch staatliche Gelder finanziert werden. Oder eine privatwirtschaftlich organisierte, aber landeseigene Beratungsgesellschaft wie die LMS in Mecklenburg-Vorpommern offeriert erschwinglichen Rat. Gegen diese etablierte, zugleich kostenfreie oder kostengünstige und von den Landwirten anerkannte Konkurrenz müssen sich die freien Berater behaupten und mehr bieten. Das ist sicher einer der prägendsten Unterschiede zur klassischen Unternehmensberatung, der auch die Arbeit der Spezialisten von BB Göttingen charakterisiert.

Klatsch und Tratsch als Grund für die Gründung

Für Philipp Kühne, Bauernsohn und Agrarökonom aus Leidenschaft, war es deshalb ein mutiger Schritt, als er sich 1958 mit seinem Betriebswirtschaftlichen Büro Göttingen selbstständig machte. Zuvor war Kühne in einem sogenannten Beratungsring tätig gewesen, hatte sich mit den unterschiedlichsten Problemen in einer Vielzahl kleinerer Betriebe befasst, ohne dort in die Tiefe gehen zu können. Größere Güter, oft im Besitz alter, nicht selten adeliger Familien, nahmen diese Art der Konsultation selten bis nie in Anspruch. Nicht unbedingt, weil sie es besser konnten oder wussten: Sie fürchteten das Getuschel im Dorf, dass bei den hohen Herren wohl auch nicht alles gut bestellt sei, wenn man schon externen Rat benötige, oder dass der Berater womöglich wirtschaftliche Details aus dem Gutshaus ausplaudern könnte.

Zudem kümmern sich in der Offizialberatung meist wechselnde Berater um ein und denselben Betrieb. Sie nehmen mancherorts auch Kontrollaufgaben wahr, prüfen etwa, ob amtliche Auflagen eingehalten werden. Das Geschäftsmodell, das Gründer Philipp Kühne für BB entwickelte, fußt hingegen auf absoluter Diskretion, Unabhängigkeit der Berater sowie Langfristigkeit und hoher Qualität der Beratungsleistung. Kontrolle ist ausschließlich Selbstkontrolle, um im Vergleich mit anderen Unternehmen den eigenen Stand festzustellen. Das BB-Engagement endet heute dort, wo es um Steuern und Recht geht oder spezielle Details wie das richtige Futter im Viehstall oder das passende Saatgut auf dem Acker.

Sparringspartner auf Augenhöhe

Rund 30 Jahre dauert ein BB-Mandat im Schnitt. Nur ein Berater kümmert sich jeweils um ein Unternehmen, lernt es im Laufe der Jahrzehnte bis in seine hintersten Winkel kennen. Benachbarte Höfe werden jeweils von unterschiedlichen Partnern beraten. „Die langfristige Begleitung und die Einzel-betreuung unterscheiden uns sicherlich sehr von Consultants in der Industrie“, sagt BB-Geschäftsführer Volckens. „Bei uns geht es selten um Projekte, zu denen wir Teams schicken, sondern um die dauerhafte Begleitung und ganzheitliche Entwicklung des Unternehmens. Jeder von uns versteht sich dabei als Sparringspartner des Betriebsleiters auf Augenhöhe.“ Man freue sich gemeinsam über die Erfolge, durchleide aber auch gemeinsam die Misserfolge. „Da kann man sich als Berater nicht aus der Verantwortung stehlen“, so Volckens. Eher werde man zum geistigen Mit-Unternehmer.

Die Langzeitberatung bringt aber auch die unangenehmen Wahrheiten über das Unternehmen oder die Familie ans Licht. Es geht ja nicht nur um die Analyse des Ist-Zustands, sondern um die Fortschreibung betrieblicher Kennzahlen und die strategische Unternehmensentwicklung über Jahre. „Da zeigen sich schon sehr deutlich die jeweiligen Stärken und Schwächen einer Familie und wo wir besonders unterstützen müssen“, sagt BB-Partner Friedrich Stute. Genau dann ist es wichtig, dass das Vertrauensverhältnis stabil genug ist, um offen über Schwächen und Versäumnisse miteinander zu diskutieren. Aber es gibt auch die schwierigen Fälle, wo sich trotz aller guten Ratschläge nichts bewegt, weil vielleicht die Einsicht da ist, aber die Umsetzung nicht klappt oder die innerfamiliären Reibungsverluste einfach zu groß sind.

Wenn sich neue Klienten an BB Göttingen wenden, dann aus zwei grundsätzlichen, aber sehr unterschiedlichen Erwägungen: Entweder sind sie in akuter Not und brauchen dringend Hilfe, oder sie wollen wissen, wie gut sie im Vergleich mit anderen wirklich sind und wo sie noch besser werden können, um dauerhaft an der Spitze zu bleiben.

Im Laufe der Jahre haben sich die Beratungsschwerpunkte jedoch verändert. Waren die BB-Consultants anfangs noch als Allrounder im Stall und auf dem Acker unterwegs und mussten auch großen Betrieben aus der Schuldenfalle helfen, änderten sich in den Siebziger- und Achtzigerjahren die Strukturen auf den Höfen deutlich. Viele Güter, die eine verlustbringende Viehhaltung hatten, gaben diese auf und wandelten sich zu reinen Ackerbaubetrieben. Nachbarn schlossen sich zu Betriebsgemeinschaften mit zum Beispiel gemeinsam genutztem Maschinenpark zusammen.

Die deutsche Wiedervereinigung, der Zerfall des ehemaligen Ostblocks in den Neunzigerjahren und später die Energiewende mit der Förderung der Strom- und Wärmeproduktion aus Sonne, Wind und nachwachsenden Rohstoffen eröffneten gerade der Landwirtschaft ungeahnte Wachstumschancen und neue Betätigungsfelder. Viele BB-Klienten vereinigen heute zahlreiche Einzelunternehmen unter einem Dach. Die Biogasanlage, der Solarpark, der Hofladen, Ferienwohnungen und die Landwirtschaft, womöglich auch noch einmal unterteilt in verschiedene Zweige der Viehhaltung und des Ackerbaus – alles eigene Gesellschaften. Das erhöht die Flexibilität, aber auch die Unübersichtlichkeit und damit die Risiken.

Denken in Generationen

Und es ist ja auch viel mehr Geld im Spiel. Moderne Erntemaschinen können leicht mal ein paar Hunderttausend Euro kosten. Investitionen in neue Gebäude und regenerative Energien gehen in die Millionen. Die durchschnittliche Kapitalverantwortung pro Arbeitskraft liegt bei den Unternehmen, die BB Göttingen berät, inzwischen bei rund 500 000 Euro. Hier die Fäden in der Hand zu behalten und erfolgreich zu konsolidieren sind neue Beratungsaufgaben.

Inzwischen interessieren sich auch branchenfremde Investoren angesichts wenig rentierlicher sonstiger Anlagealternativen verstärkt für Wald und Flur. Doch der schnelle Euro ist damit nicht zu verdienen. Landwirtschaft ist ein Geschäft für „Langstreckenläufer“. Rund 90 Prozent des Vermögenswertes konzentrieren sich in Grund und Boden – mit einer selbst in guten Zeiten eher kümmerlichen Verzinsung. Viele betriebswirtschaftliche Bewertungsansätze funktionieren deshalb nur unzureichend. Damit muss man umgehen können. Man dürfe nicht in Jahren oder Jahrzehnten rechnen, sondern in Generationen und müsse an eben diesem Vermögenswert festhalten, damit sich die Investition lohnt. Solch ein langfristiges Denken sei landwirtschaftsfernen Anlegern aber eher fremd, glaubt BB-Mann Volckens.

Deshalb irritiert es ihn und seine Kollegen auch nicht, dass sich neuerdings auch klassische Unternehmensberatungen auf diesem Feld tummeln. Mit ihrem Fachwissen und der langjährigen Praxiserfahrung sehen sich die Göttinger deutlich im Vorteil. Nur mit ökonomischem Sachverstand lassen sich die Eigenheiten des Landlebens eben nicht beurteilen. Das stellen die BB-Partner immer wieder fest – und geben dann zum Beispiel auch Bankern gelegentlich Crashkurse in Agrarwirtschaft. Neulich fragte mal einer, ob man denn nicht einfach auf die Kälber in der Milchproduktion verzichten könne, wenn die doch kein Geld brächten. Dass man eine Kuh erst nach der Geburt eines Kalbes melken kann, wusste er nicht.

Aber auch der Blick über die eigene Kirchturmspitze hinaus ist wichtig. Damit ihr Wissen nicht veraltet und stets à jour bleibt, tauschen sich die BB-Partner regelmäßig untereinander und mit den Kollegen aus den wenigen anderen großen freien Landwirtschaftsberatungen in Deutschland aus. Hilfreich ist außerdem die Nähe zur Universität Göttingen mit ihren renommierten land- und forstwirtschaftlichen Fakultäten. Und das nicht nur mit Blick auf neue wissenschaftliche Erkenntnisse, sondern auch für die Rekrutierung des eigenen Nachwuchses. Junge Partner wie Albrecht Macke und Friedrich Stute haben hier ihren Abschluss gemacht, pflegen den Kontakt zur Alma Mater weiter.

Und was wird in Zukunft wichtig? Frederik Volckens schmerzt, dass das Bild, das sich die breite, überwiegend landferne Gesellschaft von der Agrarwirtschaft macht, oft so verzerrt ist: sehnsüchtige und romantisierende Landlust auf dem Traditionsbauernhof mit glücklichen Kühen, Schweinen und Hühnern auf der einen Seite, industrialisierte Massentierhaltung, Genpflanzenkulturen und Ökosünden auf der anderen. Und nichts dazwischen.

Genau da aber wirtschaftet das Gros der Höfe. Sie müssen und wollen ökonomisch erfolgreich sein, sie sind modern und traditionsbewusst zugleich. Ihnen ist das Wohl ihrer Tiere nicht egal, sie machen sich Gedanken über Umweltschutz und Ressourcenschonung. Wege zu finden, diese Haltung glaubhaft und überzeugend zu vermitteln, hält Volckens für eine wichtige Beratungsaufgabe der Zukunft – im Interesse des ganzen Standes. „Denn eigentlich“, sagt der Spezialist, „ist Landwirt ja nicht nur ein Beruf, sondern eine Passion für Boden, Pflanzen, Tiere.“ //