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Sprechen Sie mit meinem Agenten

Programmierer sind wie Musiker oder Schauspieler:Künstler, deren Leistung nicht kopierbar ist.Kein Wunder, dass sie sich jetzt professionell vertreten lassen.





• Yuri Niyazov entdeckte seine Begabung mit acht. Er lebte damals in der usbekischen Hauptstadt Taschkent und hatte eine Tante, die einen bulgarischen Computer der Marke Pravets besaß. Dieser Ostblock-Nachbau des legendären Apple IIe, der sich mit einer kyrillischen Tastatur bedienen ließ, wies ihm den Weg in die Welt des Programmierens. So war es für ihn nicht schwer, ein kleines eigenes Programm zu schreiben, als er mit 15 nach New York übersiedelte.

Es war nichts Besonderes, nur ein Stückchen kostenlose Shareware, das Nutzern von Microsoft Windows 95 zu entscheiden half, welche der vielen offiziellen Updates für sie sinnvoll waren. Als Niyazov es öffentlich machte, hinterlegte er neben Namen und Adresse auch die Bitte um eine Geldspende in der Readme-Datei – und erhielt von dankbaren Anwendern prompt Kuverts mit Schecks und Bargeld. Alles in allem kamen mehr als 500 Dollar zusammen.

„Da ging mir ein Licht auf: Ich kann mit Programmieren Geld verdienen. Einfach so!“, erzählt der heute 33-Jährige strahlend. Seit fünf Jahren lebt und arbeitet Niyazov in der Hightech-Hochburg San Francisco. Er ist ein gut dotierter Freelancer, der für multinationale Banken ebenso Code schreibt wie für Start-ups, die in wenigen Monaten einen Proto- typen entwickeln müssen, der bei einem potenziellen zukünftigen Deal aus der Schublade gezogen werden kann.

Der Programmierer ist einer von Zehntausenden Hightech-Geeks in T-Shirts und verwaschenen Jeans, die die Region bevölkern. Doch eines unterscheidet ihn von der großen Mehrheit seiner Kollegen: Yuri Niyazov muss sich nicht mehr mit der geschäftlichen Seite seines Jobs herumschlagen. Wenn ihn ein Gründer oder ein Entwicklerteam für ein Projekt anheuern möchte, sagt er nur: „Ruft meinen Agenten an, der handelt die Details aus.“

Vorbilder in der Musik

Die Details, das sind Fragen zu Umfang und Dauer des Engagements, zum Rest des Teams und vor allem zum Honorar sowie möglicher Boni. Und der Agent, das ist ein Drei-Mann-Team mit Büros in New York und San Francisco namens 10x Management. Die drei Jahre alte Firma hat sich auf eine neue Form der Dienstleistung für die Ära der permanent Freien verlegt: 10x will publikumsscheue, meist wenig geschäftstüchtige Coder nicht nur vermitteln, sondern sie langfristig repräsentieren wie Musiker, Schauspieler und andere Künstler.

Die Beratungs-, Personalbeschaffungs- und Technologiewelt überlässt das Finden, Aussieben, Makeln und Kontrollieren von Hightech-Experten zurzeit am liebsten Algorithmen. Die Gründer von 10x haben den entgegengesetzten Weg eingeschlagen: Sie setzen auf Handarbeit, für die sie von ihren Mandanten pauschal 15 Prozent Provision verlangen – so wie Hollywood-Agenten.

Die Analogie zur Unterhaltungsbranche ist kein Zufall. Die beiden Gründer Michael Solomon und Rishon Blumberg kümmern sich mit ihrer Agentur Brick Wall Management seit 20 Jahren um Musiker und Bands wie Cherry Poppin’ Daddies, John Mayer oder William Fitzsimmons, musikalischen Mittelstand. Dass sie nun auch für Programmierer als Agenten tätig sein wollen, folgt einem einfachen Kalkül: Spitzentechnologie ist für innovative Firmen ein zentraler Wirtschaftsfaktor – und damit sind es auch die Spitzenprogrammierer. Doch die sind nicht leicht zu finden. Deshalb, glaubt das Duo, brauchen Unternehmen bei der Talentsuche einen Mittelsmann, der ihnen – anders als herkömmliche Recruiter – keine Festangestellten vermittelt, sondern besondere Fachleute, die für besondere Aufgaben eingesetzt werden.

10x nimmt den Unternehmen dabei gleich mehrere Sorgen ab: Das Unternehmen garantiert die Qualitätskontrolle der zunehmend schwerer zu durchschauenden technischen Fähigkeiten, kümmert sich um die Alltagstauglichkeit notorischer Einzelgänger und erfüllt den Wunsch vieler Firmen, keine festen Angestellten in den Büchern führen zu müssen. Das Agenten-Modell verspricht die Quadratur des Kreises für die „Gig Economy“: Spitzenkräfte auf Abruf, die zwischen 150 und 500 Dollar die Stunde kosten, die man dafür aber jederzeit wieder los wird und die obendrein keine Aktienoptionen verlangen.

„Kreative Köpfe wurden immer ausgebeutet“, sagt Michael Solomon. „Die Geschichte des Musikers, der einen Mega-Hit für 750 Dollar verkaufte, oder des Schauspielers, der für eine magere Gage 20 Filme drehen musste, kennt jeder. Sie sind Symptome für etwas Grundlegendes, das alle Künstler gemeinsam haben: Ihnen fehlt das Geschick oder das Interesse, für sich die besten Konditionen herauszuholen.“

Genies am Rechner

Während die klassische Musikbranche langsam einknickte und sich zunehmend auf große Namen konzentrierte, beobachteten Solomon und Blumberg den Aufstieg einer neuen kreativen Klasse: Programmierer, ohne die keine Firma einen Webdienst oder eine App herzaubern kann. „Technologie wird in unserer Gesellschaft künftig eine immer wichtigere Rolle spielen, damit wird auch der Bedarf an talentierten Leuten weiter wachsen“, glaubt der 45-jährige Solomon. Und wenn es nach ihm geht, ist 10x Management die Firma, die hilft, den Bedarf zu decken. „Wir wollen die Nische für die Frage besetzen: Wie findet man als Unternehmen am schnellsten die besten Programmierer?“

Doch was verbindet einen Entwickler wie den bedächtigen und leisen Yuri Niyazov mit einem lauten Rockstar, der auf die Bühne geht und seine Beziehungen vor laufenden Kameras pflegt? „Die einen sind introvertiert, die anderen extro- vertiert – aber beide sind Genies, die in ihrer eigenen Welt leben. Irgendwo in ihrem Kopf schaffen sie etwas Neues, auf das andere nicht kommen“, erklärt Solomons Geschäftspartner Blumberg. Und zieht die für ihn naheliegende Parallele: „Die Unterhaltungsindustrie hat uns gelehrt, dass es zu viele Menschen gibt, die sich über ihren wirkli-chen Wert nicht im Klaren sind und die Verhandlungen als höchst unangenehm empfinden. Doch wenn man beides außer Acht lässt, kommt man nie auf den richtigen Karrierepfad.“

Also haben Blumberg und Solomon in den vergangenen drei Jahren ihre Kartei mit kompetenten, aber kontaktarmen Fachkräften aus der IT-Industrie gefüllt, um sie an Unternehmen mit akutem Personalbedarf zu vermieten. Die einzelnen Engagements dauern in der Regel nur drei bis sechs Monate, aber das ist Teil des Geschäftsmodells: Die Stars sollen nicht zu lange bei einem Engagement bleiben. 10x will seine Coder über Jahre immer wieder vermitteln und dabei ihre Karriere formen und begleiten, so wie man auch Musiker oder Schauspieler entdeckt und aufbaut.

Es traf sich gut, dass sich der erste Agenturkunde als Rockmusiker durchgeschlagen hatte, bevor er im Keller der Eltern Programmieren lernte. „Ich spiele seit der Schule Bass und habe mir im Laufe der Zeit eine Handvoll anderer Instrumente beigebracht“, sagt Altay Guvench und zeigt auf das Schlagzeug-Set, das im Wohnzimmer seiner WG in San Francisco steht. Der 34-Jährige hatte schon einen langen Weg hinter sich, als er 2012 zu der Agentur fand.

Guvench hatte in Harvard Neurowissenschaften und Sprachentwicklung studiert, parallel in der Alt-Country-Band The Great Unknowns gespielt und kurz die Hoffnung gehegt, als Musiker Karriere zu machen: Das 2004 erschienene Debüt-Album kam in der Szene extrem gut an. Doch der damals Mittzwanziger stellte fest, dass Berufsmusiker kein Job für ihn ist. „Je mehr wir spielten, desto weniger Spaß machte mir die Musik – trotz Plattenvertrag“, erinnert er sich.

Also wechselte er in ein neues Feld: Informatik. Er hatte zwar keinen Schimmer, wie man Programme schreibt, aber mit einer Idee für eine Touring-App für Musiker schaffte er es in den Y Combinator, einen renommierten Start-up-Inkubator im Silicon Valley. Danach hatte Guvench nicht nur Zugang zur Crème de la Crème der Gründer-Welt, sondern auch den Ehrgeiz, sich in einem Jahr Auszeit zwei der wichtigsten modernen Programmiersprachen beizubringen: Ruby on Rails und JavaScript. Dem Crash-Kurs folgten regelmäßige Jobs für kleine und große Firmen sowie weitere, eigene Start-ups, die allerdings allesamt im Sande verliefen.

„Als Freelancer konnte ich endlich den Lebenswandel führen, den ich wollte: drei bis vier Tage die Woche Code schreiben und den Rest der Zeit reisen, Musik machen oder Cello lernen. Und ich konnte davon gut leben“, sagt Guvench, der sich inzwischen mit anderen Techies eine ausladende Villa mit Blick auf die Bucht von San Francisco, Alcatraz und die Golden Gate Bridge teilt.

Damals machte er es sich zur Regel, Auftraggeber zu suchen, von denen er lernen und seinen Horizont erweitern kann: Er arbeitete an einer App, mit der Biologen das Vorkommen bestimmter Tierarten in der Wildnis dokumentieren, an Software, mit der die Weltbank Ernte- Erträge in Afrika verfolgt, und an einem System, das einem Private-Equity-Fonds die Verwaltung seiner Investitionen in Windenergie erleichtert.

Nur eines machte dem im Silicon Valley inzwischen erstklassig verdrahteten Programmierer absolut keinen Spaß: die Verträge für seine Engagements auszuhandeln. „Wer will sich schon selbst loben, um mehr Geld herauszuholen? Und wer setzt wegen des Honorars auf Konfrontation, wenn er danach harmonischer Teil des Teams sein soll?“, fragt Guvench rhetorisch. „Das widerstrebt mir – ganz abgesehen davon, dass der Papierkram lästig ist.“

Als ihm ein Musiker-Freund von Michael Solomons Plänen erzählte, ließ sich Guvench als Versuchskaninchen rekrutieren. Nach zwei erfolgreichen Vermittlungen war er von der Idee überzeugt. „Es war ein fast euphorisches Gefühl, sagen zu können: Mein Agent regelt den Rest!“ Er erkannte, dass sich hier ein großer Markt erschließen ließ – und stieg als dritter Gründer bei 10x ein.

Altay Guvench brachte mit, was Solomon und Blumberg bis dahin fehlte: Kontakte im Silicon Valley und genug Fachwissen, um potenzielle Klienten und ihre Fähigkeiten auf Herz und Nieren prüfen zu können. Also konzentrierte er sich darauf, Programmierer zu suchen, besuchte Tech-Treffs oder -Konferenzen und sprach mit Gründern von Start-ups, die immer ein offenes Ohr haben für Harvard- und Y-Combinator-Absolventen.

Bewerber vor der Tür

Inzwischen vertritt 10x Management rund 80 Programmierer, und die Bewerber werden nicht weniger. „In den ersten Monaten mussten wir Leute rekrutieren; als sich unser Modell herumgesprochen hatte, wuchs die Warteliste“, erzählt Solomon. Anfang 2015 wollten viele in die Kartei, rund 1500 Programmierer standen Schlange, ein Drittel von ihnen aus dem Ausland. Für Yuri Niyazov ist das keine Überraschung, denn abgesehen von guten Jobs bietet 10x, was Freien bisher fehlte: eine Perspektive. „Ich kann mit meinem Agenten die Frage meiner Laufbahn und meiner persönlichen Weiterentwicklung anpacken. Das lässt man als Freelancer sonst links liegen, wenn das Geschäft gut läuft.“

Ein Programmierer, sagt er, sollte spätes- tens mit Mitte bis Ende 40 selbst gründen oder als Chief Technology Officer sein Geld verdienen – solche Leitungspositionen werden heute auch auf Zeit besetzt. „Aber wer wie ich immer allein arbeitet, sammelt nie Team- oder gar Führungserfahrung. Die muss ich mir aber irgendwie aneignen. Und ein Agent“, meint Niyazov, der neben Informatik auch Psychologie studierte, „ist eben wie ein schlechtes Gewissen, das dir immer wieder sagt, wo du was tun musst.“

Bevor jemand in die Kartei aufgenommen wird, prüfen die Chefs nicht nur technische Qualitäten und Referenzen, sondern auch die Kommunikationsfähigkeit der Kandidaten. Weil mehr als 80 Prozent aller Engagements als Tele-Arbeit abgewickelt werden, ist es besonders wichtig, keine Programmierer mit Hang zum Autismus oder mit Diva-Allüren im Portfolio zu haben.

„Wer den ganzen Tag am Rechner sitzt, entwickelt eine bestimmte Art zu denken und will oft nicht mit anderen reden. Wir Coder hassen es, gestört zu werden“, gibt Guvench zu. Aber genau das tun Auftraggeber, die mit wenig Zeit und hohem Erwartungsdruck ihr Projekt abwickeln wollen. Wenn dann der Freelancer nicht ans Telefon geht und keine E-Mails beantwortet, schrillen die Alarmglocken.

Erreichbarkeit ist enorm wichtig. Deshalb macht 10x Klienten wie Kunden schon in seinen Verträgen darauf aufmerksam, dass sich die Agenten nicht nur als Vermittler sehen, sondern auch als Berater bei kleinen wie großen Problemen. „Krisenkommunikation ist ein zentraler Punkt beim Programmieren“, erklärt Rishon Blumberg. „Das müssen unsere Experten können.“

Die wichtigsten Sätze des 10x-Vertrags mit den Codern stehen deshalb schon auf dem Deckblatt des Drei-Seiten-Dokuments: „10x Management will helfen … Falls du doch einmal große oder kleine Probleme hast, mache uns bitte sofort darauf aufmerksam, damit wir sie rasch lösen können.“ Außerdem ruft Blumberg regelmäßig ein- bis zweimal pro Woche bei jedem Firmenkunden an und vergewissert sich, dass der jeweilige Einsatz termin- und wunschgerecht vorangeht.

Wette auf die Zukunft

Die strenge Vorauswahl und zuverlässige Betreuung tragen inzwischen Früchte. Drei Jahre nach Unternehmensgründung macht 10x drei Viertel seines Geschäfts mit Stammkunden und hat bisher nur eine Handvoll seiner Mandanten verloren – weil sie eine feste Stelle annahmen oder ein eigenes Unternehmen gründeten.

„Wir haben es geschafft, Programmierern den Gedanken zu vermitteln, dass sie einen langfristigen Wert besitzen und fünf bis zehn Jahre in die Zukunft denken sollen“, sagt Solomon. Bei Auftraggebern muss die Agentur allerdings noch immer Überzeugungsarbeit leisten – das Modell ist noch ungewohnt. Aber die allgemeine Entwicklung in der Hightech-Welt arbeitet für 10x.

Tatsächlich ist der Markt für Programmierer heiß umkämpft: Große Firmen wie Amazon, Apple, Facebook und Google saugen Tausende vom Markt, früher softwareferne Branchen wie Unternehmensberatungen bauen neue Bereiche auf, und natürlich suchen zu jeder Zeit zahllose Start-ups nach Talenten.

Ein einfacher Programmierer in einem traditionellen Vollzeitjob kommt im Silicon Valley auf ein durchschnittliches Jahresgehalt von 116 000 Dollar plus Boni und Aktienoptionen. Und die Branche ist weiter am Boomen: Im vergangenen Jahr entstanden allein in der Region 58 000 neue Arbeitsplätze. Die meisten Recruiter und Headhunter haben sich allerdings auf die Vermittlung fester Stellen spezialisiert, bei denen üppige Provisionen anfallen – in der Regel 30 Prozent des ersten Jahresgehalts.

Doch parallel zu den beeindruckenden Wachstumszahlen entwickelt sich ein neuer Trend: Immer mehr Software-Arbeit wird als mittel- bis langfristiges Projekt abgewickelt. Kleine Teams von Spezialisten schaffen neue Apps, neue Dienste, Prototypen – manchmal nur im Auftrag eines Unternehmers mit ein paar Hunderttausend Dollar Risikokapital. Für solche Einsätze empfiehlt es sich aus mehreren Gründen, hoch qualifizierte Freelancer einzusetzen: Ihre Stundensätze lassen sich leicht kalkulieren, und sie verlangen obendrein keine wertvollen Unternehmensanteile wie so viele der fest angestellten Coder. Deren Entwicklungen können bei einem Start-up mit Forderungen zwischen zwei und zehn Prozent zu Buche schlagen – pro Top-Angestellten!

Auch nach der Beendigung des Projekts ist vieles einfacher: Geht es daneben oder wird ergebnislos eingestellt, verschwinden seine Schöpfer einfach von der Bildfläche – der Fehlschlag wirkt sich also weder negativ auf die Moral der Firma aus, noch zieht er im eigentlichen Team Kreise. Kommt das Projekt hingegen auf den Markt und ist erfolgreich, kann sich das Unternehmen im Glanz des Erfolgs sonnen und alles Weitere völlig unabhängig entscheiden.

Verfolger am Markt

Das Agenten-Modell scheint wie geschaffen für die Gig Economy, in der sich keiner lange binden will. Das glaubt auch Camille Kubie, Gründerin der New Yorker Marketingfirma Estuary Branding. Die Unternehmerin, die einst bei General Electric angestellt war, hat schon für zwei Projekte 10x-Programmierer engagiert, die interaktive Grafiken für Kunden aus den Bereichen Gesundheit, Energie und Finanzen entwickelten.

Und sie muss nicht lange über eine Antwort nachdenken, wenn sie nach ihrem früher schlimmsten Albtraum gefragt wird: „Ein komplexes Projekt mit Geschäftsleuten, Marketingexperten, Grafikern, Designern und Programmierern zu managen – und wenn es Probleme gibt, ist einer der Techies plötzlich wie vom Erdboden verschluckt.“

Wenn Kubie heute solche virtuellen Teams zusammenstellt und leitet, bleibt sie entspannt, weil sie mit den Miet-Programmierern gegen unliebsame Überraschungen versichert ist. „Ich kann mich darauf verlassen, dass 10x jeden Freelancer geprüft hat, im Auge behält und beim kleinsten Problem sofort reagiert. Außerdem habe ich zum ersten Mal die Chance, auch bei großen Projekten mitzubieten, weil ich nach Belieben Leute aufstocken kann, so, als ob ich ein großer Anbieter wäre.“

Kein Wunder, dass 10x inzwischen nicht mehr ganz allein auf dem Markt ist: Vaibhav Mallya, Gründer des Hightech-Jobvermittlers Code Insider, bietet seit vergangenem Jahr über OfferLetter.io einen Service an, der für Programmierer und andere Spezialisten die Gehaltsverhandlungen übernimmt. Und HackMatch, gegründet 2013 von David Fontenot, einem inzwischen 21 Jahre alten Programmierer, vermittelt IT-Talente, die gerade von der Hochschule kommen, an Start-ups. Beide Unternehmen decken nur einen Teil einer umfassenden Agententätigkeit ab. Doch wahrscheinlich sind sie nur der Anfang.

Denn das größte Problem für 10x ist zurzeit der unerwartete Erfolg. Konnten die Gründer am Anfang noch jeden Kandidaten sichten und jeden Firmenkunden – darunter eBay, Google und American Express – persönlich betreuen, müssen sie ihr Geschäftsmodell jetzt der großen Nachfrage anpassen. Kürzlich sind neue Kollegen für den Vertrieb eingestellt worden, die neue Auftraggeber anwerben. Parallel dazu soll auch die Klientenkartei deutlich wachsen: Die 10x-Warteliste ist schließlich lang genug. Und die schöne neue Hightech-Welt giert nach immer neuen Stars und Sternchen. //