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So finden Sie den richtigen Insolvenzberater

Insolvenz muss heute nicht mehr das Ende bedeuten. Sie kann ein unternehmerischer Neuanfang sein – mit dem richtigen Berater.





• Wehe dem, der Fehler macht und stolpert. Wir sind noch immer weit davon entfernt, Misserfolge als Teil des Lebens zu verstehen, den Mut zum Risiko zu belohnen und darauf zu vertrauen, dass beim zweiten Mal besser geht, was im ersten Anlauf schiefgegangen ist. Wie sonst wäre es zu erklären, dass Unternehmer hierzulande die drohende Insolvenz fürchten wie der Teufel das Weihwasser?

Hier ist bei drängenden Problemen in der Wirtschaftswelt noch immer Vertuschen angesagt. Zumindest verheimlichen, so lange es irgend geht. Was schade ist, weil Fehler in der Unternehmensführung eigentlich schon seit geraumer Zeit ganz offen korrigiert werden könnten. Das neue Insolvenzrecht macht das möglich.

Nach mehr als 120 Jahren Konkursordnung und 20 Jahre nach Verabschiedung der Insolvenzordnung hat der Gesetzgeber die Welt des Insolvenzrechts gedreht und Unternehmen in Schieflage eine Reihe von Möglichkeiten zur Rettung an die Hand gegeben. Das seit 2012 aufgebaute Schutzschild nach Recht und Gesetz heißt ESUG – und es macht seinem Namen alle Ehre: Das Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen bietet Managern und Unternehmern, die ins Schlingern geraten sind, die Option, ihren Betrieb zu erhalten und neu aufzustellen. Die Verantwortung dafür liegt jetzt in den Händen von Gläubigern und Schuldnern – und bringt den Markt der Berater und Verwalter heftig in Bewegung.

Die klassische Insolvenzverwaltung ist mit einem von Fachleuten geschätzten Vergütungsvolumen von jährlich bis zu drei Milliarden Euro in Deutschland ein hochattraktiver Markt. Und sie war mehr als ein Jahrhundert lang ein „closed-shop“: Nur rund 2000 spezialisierte Rechtsanwälte besetzten die lukrative Nische. Wer von ihnen früher ein Gericht fand, das die Bestellung zum Insolvenzverwalter aussprach, durfte sich Hoffnungen auf die Verfahren in seinem Bezirk machen und hatte damit sein Auskommen gesichert. Gläubiger und Schuldner waren bei der Entscheidung über die Besetzung außen vor. Die Claims waren quasi abgesteckt.

Mit Inkrafttreten des ESUG geriet das Gefüge gehörig durcheinander. Wo bislang Verwertung und Liquidation im Vordergrund standen, geht es neuerdings um Aufbau und Sanierung. Statt Vergangenheitsbewältigung sind jetzt Zukunftsperspektiven gefragt, der Unternehmer gestaltet die Sanierung seines Unternehmens mit. Und wichtiger als die juristische Expertise ist für die neuen Eigenverwaltungsverfahren Sanierungs- und Turnaround-Kompetenz. Kein Wunder, dass die klassischen Unternehmensberater und Turnaround-Manager den Insolvenzmarkt als neues Betätigungsfeld für sich entdecken.

Nur wenige getrauen sich

Seit der Gesetzgeber die Sanierung unter Insolvenzschutz erlaubt, mutieren Insolvenzverwalter zu Consultants oder fusionieren mit ihnen. Plötzlich treten Juristen als betriebswirtschaftliche Berater auf und lernen, gestaltend zu überzeugen, statt rechtlich zu bestimmen. Neuerdings drängen Dienstleister zu den Insolvenzgerichten, die bis dahin nur außergerichtlich tätig waren. Und auch so mancher Wirtschaftsprüfer oder Steuerberater entdeckt ganz neue vermeintliche Talente an sich – und mutiert flugs vom beratenden Prüfer zum gestaltenden Sanierer.

Richtig ist: Mit der Gesetzesreform ist der Weg für eine neue Kultur im Umgang mit Unternehmenskrisen bereitet worden. Und nach den ersten zögerlichen Vorreitern korrigieren immer mehr Unternehmer den Kurs in Richtung Sanierung, bevor es zu spät ist. Statt der Gerichte bestimmen jetzt häufiger Berater oder Gläubiger, wen sie mit dem Verfahren betrauen, und sie entscheiden sich zumeist für eine Sanierung unter Insolvenzschutz. Aber die neuen Gespanne bilden noch immer eine Minderheit. Seit Inkrafttreten des ESUG im März 2012 wurden erst wenige Hundert Eigenverwaltungs- oder Schutzschirmverfahren durchgeführt. Die Bos- ton Consulting Group beziffert in einer aktuellen Studie die Zahl derer, die in den ersten 24 Monaten nach Inkrafttreten des ESUG den Weg der Eigenverwaltung eingeschlagen haben, auf nur rund 2,4 Prozent aller beantragenden Unternehmen. Das Potenzial wäre deutlich größer: Nach vorsichtigen Schätzungen sind es 800 bis 1000 Unternehmen pro Jahr.

Sie alle könnten von den Möglichkeiten profitieren, die das deutsche Recht bietet, das einmalig in Europa und in vielen Belangen auch dem amerikanischen „Chapter 11“-Verfahren überlegen ist. Dank des Schutzschirmverfahrens und der sogenannten vorläufigen Eigenverwaltung können Unternehmer hierzulande ihre Geschäfte trotz Insolvenzverfahren weiterführen. Zu besten Konditionen: Dauerschuldverhältnisse werden vorübergehend auf null gestellt, Löhne und Gehälter werden bis zu drei Monaten aus den Mitteln des Insolvenzgeldes finanziert, auch langfristige Verträge können – genau wie Arbeitsverhältnisse –, kurzfristig beendet werden, bereits abgeführte Umsatzsteuer aus dem Eröffnungsverfahren kann vom Finanzamt zurückgeholt werden. Diese erhebliche zusätzliche Liquidität kommt der geplanten Sanierung zugute, die von Anfang an mit den wichtigsten Gläubigern abgestimmt wurde. Im Idealfall ist der Betrieb nach einigen Monaten operativ saniert, und der Altgesellschafter behält sein Unternehmen.

Die Befürchtungen des Managements, mit Einleitung des Verfahrens ginge ein Verlust von Kunden und Lieferanten einher, erweist sich in der Regel als unbegründet. Der Lieferant vertraut doch viel lieber dem Abnehmer mit ausreichend Eigenkapital und Liquidität. Und auch der Kunde schätzt Verlässlichkeit und wird sich von einem erprobten Anbieter so leicht nicht abwenden. Ganz im Gegenteil: Wer mit seinen Stakeholdern offen kommuniziert und seine Sanierungspläne überzeugend darlegt, wird feststellen, dass die Beteiligten sich nicht zurückziehen, sondern das Unternehmen in Bedrängnis unterstützen. Manchmal sogar mit neuen Aufträgen oder großzügig eingeräumten Zahlungszielen.

Wo das Gesetz Anwendung findet, ist an die Stelle des einst eisigen Schweigens eine neue Gesprächskultur getreten: Management und Mitarbeiter, Gläubiger, Begleiter und Berater, Kunden und Lieferanten, Gesellschafter und Beobachter, sie alle definieren ihre Rollen neu. Selbst die Gerichte verstehen sich als Partner der angestrebten Sanierung, zeigen sich offen für Vorschläge und folgen einsichtigen Empfehlungen – zumal wenn sie von professionellen, sanierungserfahrenen Verwaltern kommen.

Aber genau das ist die Krux: Längst nicht alle, die sich derzeit auf dem wachsenden Markt der Insolvenzberater empfehlen, sind auch wirklich eine gute Wahl. Tatsächlich sind es die wenigsten.

Der neue Umgang mit Schieflagen in Unternehmen stellt besondere Anforderungen an die Ratgeber im Krisengeschäft. Und mit den Verfahren ändern sich auch die Akquisitionskanäle. Früher durften bestellte Insolvenzverwalter vom Gericht regelmäßig ein für sie lohnenswertes Verfahren erwarten, heute bleiben Verwaltern ohne Netzwerk meist nur noch Verfahren in schlechtem Verhältnis von Aufwand und Ertrag.

Viele Anbieter haben deshalb schon aufgegeben und lassen sich von Insolvenzgerichten von der Liste nehmen – einige sind inzwischen selbst insolvent. Allerorten werden Büros geschlossen, Mitarbeiter entlassen, Fusionen auf den Weg gebracht. Es vergeht kaum eine Woche ohne Zusammenschluss einst gut beschäftigter Kanzleien. In seiner Bedrängnis entdeckt so mancher Insolvenzverwalter neuerdings gar die Krisenberatung als Geschäftsfeld. Kanzleien jeder Größe dienen sich als Sanierer an und lassen ihre Klientel wissen, dass sie jetzt auch Consulting-Einheiten unterhalten, die Insolvenz- und Unternehmensberatung anbieten. Ein Schritt, der nicht selten als Türöffner für den Einstieg in die Eigenverwaltung von Unternehmen dienen soll.

Nur wenige eignen sich

Die Konzentrationswelle wird sich fortsetzen. Denn mit größerem Netzwerk wächst auch die Chance, an lukrative Verfahren zu gelangen. Aber Vorsicht: Wohlklingende Namen aus Insolvenz-, Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsgeschäft besagen hier erst einmal gar nichts. Wer in der Not einen guten Begleiter für eine Sanierung unter Insolvenzschutz sucht, muss sich schon sehr genau umschauen.

Die klassischen Insolvenzverwalter sind sicher nicht die erste Wahl. Sie sind Experten im Abwickeln und Zerschlagen, und die Wahrscheinlichkeit, dass sie im Laufe des Eigenverwaltungsverfahrens in ihre alten Muster verfallen, ist groß. Zumal das Regel-Insolvenzverfahren, das bei der Eröffnung ohne Eigenverwaltung droht, dem Verwalter umfassende Befugnisse verschafft und außerdem für ihn wirtschaftlich deutlich attraktiver ist, weil er im Rahmen der Vergütung als Insolvenzverwalter enorme Spielräume hat, die in der Eigenverwaltung nicht gegeben sind.

Für die neuen Verfahren besser aufgestellt sind dagegen Kanzleien, die neben ihrer Expertise im Insolvenzrecht zumindest auch langjährige Erfahrung in Betriebswirtschaft und im Sanierungsgeschäft vorweisen können. Aber wirklich optimal sind aus meiner Sicht nur Beratungsunternehmen oder Kanzleien, die einen Trennstrich ziehen zwischen Alt und Neu. Es sind Anbieter, die sich auskennen in Sanierung und Restrukturierung und die Unternehmen auch außerhalb von Krisen und Insolvenzen beraten. Unternehmen, die sich selbst ganz deutlich positionieren und sagen: Insolvenzverwaltung ist nicht unser Geschäft.

Sehr viele von dieser Sorte wird man hierzulande noch nicht finden. Aber es gibt sie. Und die Suche lohnt. Denn das kann durchaus als Faustregel gelten: Professionell vorbereitete Eigenverwaltungsverfahren gehen zu 90 Prozent durch. Nicht professionell vorbereitete Verfahren scheitern zu 90 Prozent spätestens bei der Eröffnung. //

Der Autor

Augen auf!

Der Autor

Professor Dr. Hans Haarmeyer ist Leitender Direktor des Deutschen Instituts für angewandtes Insolvenzrecht (www.diai.org), lehrte Wirtschafts- und Insolvenzrecht am RheinAhrCampus Remagen der Hochschule Koblenz und hat die Entwicklung des reformierten Insolvenzrechts von Anfang an mitgestaltet. Von 1980 bis 2000 war der Jurist auch als Insolvenzrichter tätig.

Augen auf!

So finden Sie den richtigen Insolvenzberater.

Suchen Sie sich Ihren Partner gut aus. Sie werden in den kommenden Wochen und Monaten intensiv mit ihm zusammenarbeiten, deshalb muss die Chemie stimmen.

Inhaltlich wird es bei der Sanierung vor allem um rechtliche und betriebswirtschaftliche Fragen gehen. Von der Ausbildung her kommen also sowohl Juristen als auch Betriebswirte, Steuerberater oder Wirtschafts- prüfer als Begleiter infrage. Achten Sie darauf, dass der Experte Ihrer Wahl auf ein interdisziplinäres Team von speziell auf Krisen- und Sanierungsberatung qualifizierten Kollegen zurückgreifen kann. Hilfreiche Tipps zur Auswahl finden Sie auch im Internet unter www.diai.org/berater oder auf der Seite des Bundesverbandes der ESUG-Berater Deutschland (www.bv-esug.de).

Nur Berater mit langjähriger Berufs- und Sanierungserfahrung sind in der Lage, in der regelmäßig sehr knapp bemessenen Zeit zuverlässig zu entscheiden, ob eine Sanierung unter Insolvenzschutz gelingen kann. Ihr Partner sollte mindestens fünf bis acht Jahre im Geschäft sein und Ihnen für seine Expertise mindestens fünf unterschiedliche Referenzen samt Ansprechpartnern liefern.

Prüfen Sie die genannten Beispiele genau, und sprechen Sie mit den sanierten Unternehmen direkt: Hat der Berater seine Klientel auch bei der operativen Umsetzung des Sanierungskonzeptes begleitet? War er selbst mit Kollegen im Führungsteam? Und das lange genug, bis die Mitarbeiter des Unternehmens den Betrieb wieder übernehmen konnten?

Sind die sanierten Unternehmen auch fünf Jahre nach dem Turnaround noch auf dem Markt? Wie viele davon? Wie erfolgreich sind sie? Und wie viele Arbeitsplätze wurden über die Zeit erhalten? Mindestens die Hälfte der Belegschaft sollte nach Abschluss der Sanierung noch an Bord sein.

Und auch das ist leider keine Selbstverständlichkeit: Ist Ihr potenzieller Partner für Sanierungen unter Insolvenzschutz gesondert versichert? Falls nicht, suchen Sie sich jemand anders.