Martin Horn Consulting, Martin Horn

Martin Horn, 56, hat nach einigen Jahren als Chemietechniker Theologie, Pädagogik und Psychologie studiert und war anschließend mehrere Jahre in der christlichen Jugendarbeit tätig, bevor er sich vor 15 Jahren selbstständig machte. Seine Martin Horn Consulting in Herrenberg hat vier Mitarbeiter, darunter neben Horn einen weiteren Berater. Sie ist auf Personal- und Organisationsentwicklung spezialisiert.




Das Bild der Beratungen in der Öffentlichkeit ist extrem von den Großen geprägt, die auf der Überholspur leben, auf dem Flughafen zu Hause sind und oftmals viel mehr versprechen als sie halten. Dabei sind mehr als drei Viertel der Beratungen in Deutschland kleine Unternehmen mit bis zu 30 Mitarbeitern.

Mein Schwerpunkt ist der Umgang mit Menschen und die werteorientierte Führung. Wenn eine Firma eine Mitarbeiterbefragung machen möchte, sage ich: Gern, aber ich will, dass sich die Menschen damit identifizieren. Und das geht nur, wenn die Chefs mitziehen, wenn sie in Kontakt zu ihren Leuten treten, sich selbst mit der Befragung auseinandersetzen und Konsequenzen daraus ziehen. Eine Großberatung bietet ihren Kunden den scheinbaren Vorteil, dass sich die Führungskräfte nicht mit solchen Projekten befassen müssen. Manche zahlen lieber etwas mehr, als selbst mitzuarbeiten. Aber ich nehme keinem die Verantwortung ab. Ich führe nicht für andere die Geschäfte.

Ich bin auch schon gefragt worden, ob es die Möglichkeit gibt, sich menschenwürdig von Menschen zu trennen. Ja, die gibt es! Ich habe mit dem Unternehmen ein halbes Jahr daran gearbeitet, respektvolle Trennungsgespräche zu führen. Wenn man so mit Mitarbeitern umgeht, kommen sie auch wieder zurück, wenn die Krise vorbei ist – in Zeiten des Fachkräftemangels ist das ein echter Wettbewerbsvorteil. Viele große Beratungen denken daran nicht. Die schauen nur nach den Prozessen: Die Menschen müssen in den Prozessen funktionieren.

Ich glaube, das wichtigste Thema der nächsten Jahre wird die Personal- und Organisationsentwicklung sein. Und da kommt es auf genau solche Fähigkeiten und dieses Engagement an. Das ist auch der Grund, warum der Arbeitskreis Personalmanagement unseres Berufsverbandes eine Debatte über die Rolle des Beraters angeregt hat, die ich als Mitglied des Vorstands verfolge. Das Problem lässt sich auf einige Begriffspaare zuspitzen: Besserwisser oder Prozessbegleiter? Verkaufen oder dienen? Aufträge generieren oder Bedarfe erkennen? Nur an Geld denken oder Nutzen stiften? Reine Auftragserfüllung oder Integrität? Abhängige oder selbstständige Kunden? Als wir beim Beratertag in Frankfurt Ende November diese Denkanstöße vorgestellt haben, gab es viel Zustimmung – allerdings war auch kein Berater einer großen Consulting-Firma anwesend.