Ende programmiert?
Künstliche Intelligenz revolutioniert die Welt der Softwareentwicklung. Während einige das Ende des Programmierens prophezeien, sehen andere ganz neue Chancen.
/ „Wie viel kostet es, einen menschlichen Entwickler durch eine KI zu ersetzen?“ Matt Welsh, ehemaliger Informatikprofessor und nun Start-up-Gründer, hat sich gerade so richtig warm geredet im legendären Programmierkurs CS 50 der Harvard University in Camebridge. Es geht um „The Art of Programming“, die Kunst des Programmierens. Die Augen von Hunderten aufstrebenden Programmiererinnen und Programmierer sind auf ihn gerichtet. „Lasst uns mal nachrechnen“, ruft Welsh ins Publikum. Seine Rechnung geht so: Output eines menschlichen Programmierers pro Tag: 100 Code-Zeilen. Kosten für einen Programmierer pro Tag: 1.200 Dollar. Kosten von ChatGPT für die gleichen 100 Code-Zeilen: 12 Dollar-Cent! „1.200 Dollar zu 12 Cent – das ist ein Faktor von 10.000“, sagt Welsh. „Und ein Roboter macht noch nicht einmal Pause. Das sollte uns allen Angst machen.“
Im Hörsaal ist es still geworden. Dabei waren alle sogar durch den Titel des Gastvortrags vorgewarnt: „The End of Programming.“
Der Anfang vom Ende?
Immer häufiger hört man angesichts des nahezu unheimlichen Aufstiegs von generativer künstlicher Intelligenz, dass Tools wie ChatGPT und Co künftig nicht nur Werbetexter und Grafiker, Übersetzer und Autoren überflüssig machen könnten, sondern auch diejenigen, die sich lange besonders sicher wähnten: Programmierer.
Längst gibt es eine ganze Reihe von immer besser werdenden KI-basierten Codehelfern, angefangen von Githubs Copilot oder dem AI Code Editor Cursor, die quasi schon Autovervollständiger für Code sind. Über auf Coding spezialisierte Modelle wie CodeLlama oder StarCoder. Bis hin zu den bekannten allgemeingebildeten Größen wie ChatGPT oder Claude, die auf einzelne Prompts hin oft ziemlich Brauchbares ausspucken können – in Python, JavaScript, C++ und Dutzenden anderen Programmiersprachen.
Im Moment arbeiten diese Tools hauptsächlich als Assistenten: Sie können Lösungsvorschläge unterbreiten, Fehler finden, Codeschnipsel erklären und selbst Nutzern ohne jegliche Programmierkenntnisse in Sekunden ein funktionierendes „Snake“-Spiel mit einer hungrigen Schlange ausgeben. Im Spätsommer führte die Coding-KI Genie lange das sogenannte SWE-Bench Leaderboard an, ein Ranking, in dem die Coding-Skills von Modellen gemessen werden. Genie, sagen ihre Macher, gehe schon ähnlich wie ein menschlicher Entwickler vor. Gearbeitet wird auch an Lösungen, die dem Vorbild Mensch noch näherkommen – und von Anfang bis Ende alles allein coden und sogar ausführen.
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