Eigenbau oder von der Stange?

Wichtig: eine eigene Meinung

Henrike Luszick und ihr 70-köpfiges Team von Bridgemaker beraten Mittelständler und Konzerne bei Innovationsprojekten. Oft gründet sie mit ihnen auch Start-ups, um neue Geschäftsmodelle zu erproben – mit der Berliner Volksbank beispielsweise ein Fintech, mit dem Energiekonzern EnBW einen Dienstleister für Fahrzeugflotten. Luszick weiß, worauf es bei Digitalisierungsprojekten ankommt und hat mit den Jahren gelernt: Im Digitalisierungseifer werden manchmal simpelste Wahrheiten vergessen.



Der Druck, die Digitalisierung anzugehen, wächst in vielen Firmen. Wie kommt man in Bewegung?

Wichtig ist, das Thema ernst zu nehmen. Ein neues IT-Vorhaben darf nicht als kleines Projekt an der Seitenlinie betrachtet werden. Die Digitalisierung ist kein Selbstzweck. Sie kann Prozesse effizienter und neue Geschäftsmodelle möglich machen. Im ersten Schritt gilt es also zu schauen, warum eine digitale Weiterentwicklung für mich und mein Unternehmen relevant ist.

Es gibt viele Wege, sich zu digitalisieren: allein, mit Partnern, mit einem Dienstleister – wie finde ich die für mich richtige Lösung?

Die grundsätzliche Frage ist: Was passt zu meinem Unternehmen? Da geht es um harte Fakten: Habe ich zum Beispiel für meine geplante Software oder für die Technologie die passenden Fähigkeiten im Team? Es kann helfen, Stellenanzeigen für die neuen Rollen zu entwerfen. Dann zeigt sich schnell, ob ich intern Mitarbeiter finden könnte oder auf externe Unterstützung zurückgreifen muss.

Was braucht es noch?

Zentral ist die Einstellung der Mitarbeiter. Wer an einem neuen Digitalisierungsprojekt mitarbeitet, muss offen für Veränderungen sein. Ich weiß, das ist eine Floskel, aber das ist wirklich enorm wichtig. Zudem sollte man während des Projektes dafür sorgen, dass alle über dasselbe sprechen – was zwischen IT-Spezialisten und Controllern eine Herausforderung sein kann. Will ich etwas radikal Neues schaffen, kann es nützen, jemand von außen dazuzuholen. Will ich Bestehendes verbessern oder umbauen, hilft mir eher jemand, der mich bereits gut kennt und unterstützen kann, weil die Reibungsverluste dann geringer sind.

Henrike Luszickgründete einst selbst ein Start-up, dann arbeitete sie viele Jahre lang als Beraterin. 2016 startete sie in Berlin das Unternehmen Bridgemaker, das sie heute als Geschäftsführerin leitet.

Die Palette an Beratern oder Dienstleistern scheint endlos. Wie finde ich den richtigen?

Wenn man weiß, was man will und braucht, hilft es, sich einen Marktüberblick zu verschaffen. Dabei kann das eigene Netzwerk helfen – schließlich stehen viele aktuell vor ähnlichen Herausforderungen. Referenzprojekte können ein wichtiger Beleg dafür sein, ob jemand tatsächlich die technischen und organisatorischen Fähigkeiten hat, so ein Projekt umzusetzen. Und: Die zukünftigen Partner sollten eine starke eigene Meinung haben.

Weshalb betonen Sie das so?

Gerade bei neuen Vorhaben ist es wichtig, dass ich meinem Partner vertraue. Ich muss mich bei Digitalisierungsprojekten immer wieder hinterfragen: Sind wir strategisch noch auf dem richtigen Weg? Zahlt die Arbeit wirklich auf mein Ziel ein? Oder ist es sinnvoller, einen Schlussstrich zu ziehen? Da ist die Ehrlichkeit eines Begleiters enorm wichtig, egal ob das eine Kollegin ist oder ein Dienstleister.

Am Anfang ist die Lust auf Veränderung oft groß, nach einigen Monaten dominiert bei vielen der Frust. Wie vermeidet man das?

Ich bin ein großer Freund davon, ein Projekt mit einer riesigen Vision zu starten und sie den Mitarbeitern auch aufzuzeichnen. Sie muss dann aber für alle in erreichbare Abschnitte heruntergebrochen werden. Sonst rollen die Leute irgendwann nur noch mit den Augen. //

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