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zeb

Das zeb startete als Ausgründung der Universität Münster. Heute ist es eine der wichtigsten Finanzberatungen des Landes.




• Am Ende dieser Geschichte steht ein Kugelfisch, so viel sei versprochen. Beginnen wird sie jedoch unspektakulärer, in einem ovalen, recht modernen Hoch- haus am Stadtrand von Münster, dem Hauptsitz des zeb, früher die Abkürzung für „Zentrum für ertragsorientiertes Bankmanagement“. Im Inneren durchzieht dunkelgrauer Teppichboden die Räume, in denen hinter einem schwarzen Schreibtisch häufig eine weiße Tafel mit Markern hängt. Wer nicht weiß, dass hier eine der wichtigsten Unternehmensberatungen Deutschlands sitzt, könnte die Räume auch für die Büros der Professoren einer Universität halten.

Doch hinter der modernen Fassade und einem Namen, den die breite Öffentlichkeit nur selten hört, verbirgt sich nichts Geringeres als die drittgrößte deutsche Managementberatung. 1000 Mitarbeiter arbeiten bei zeb.rolfes.schierenbeck.- associates, wie das Unternehmen vollständig heißt, in aller Welt: von Münster über Zürich bis Moskau. 192 Millionen Euro Umsatz machte die Unternehmensgruppe im vergangenen Jahr. Damit gilt zeb in Europa als das größte Beratungsinstitut für Banken, Sparkassen, Versicherer und andere Finanz- dienstleister überhaupt. Kaum eine Sparkasse oder Volksbank war in den vergangenen 25 Jahren nicht zumindest einmal Auftraggeber des Beratungsunternehmens. Auch bei den Banken – von Deutsche Bank bis Commerzbank – taucht die Strategie- und Managementberatung immer wieder auf.

Dass das zeb in der öffentlichen Wahrnehmung trotzdem fast nicht existiert, ist kein Versehen – die Unternehmens-beratung funktioniert anders als so viele ihrer Konkurrenten. Sie drängt sich nicht mit Getöse und viel Tamtam in den Vordergrund, sie ist ein unauffälliger Teil der Branche, ein stiller Insider. Sie lebt von ihrer Reputation und dem Netzwerk, das sie durch die deutsche Bankenlandschaft gezogen hat. Beides verleiht dem zeb eine ganz besondere Position.

Das Unternehmen berät vorrangig Institute der Finanz-industrie, denen es darum geht, eine neue Strategie zu erarbeiten, das Geschäftsmodell umzustrukturieren, ein Kernbankensystem aufzubauen, sich zu digitalisieren oder den Vertrieb in den Filialen neu auszurichten. Diese Themen mögen für Außenstehende trocken klingen, selbst angehende Berater finden sie mitunter nicht so sexy. Das stört Professor Stefan Kirmße allerdings nicht im Geringsten. Der Geschäftsführer – waches Gesicht, wenig Haare, keine Krawatte – sitzt im elften Stock des Hauptquartiers. „Wir sind mit dem, was wir tun, äußerst erfolgreich. Wir verstehen uns als Partner der Veränderer.“

Als das zeb vor rund 25 Jahren gegründet wurde, dachte niemand an einen derartigen Durchmarsch. Jedenfalls nicht zu Anfang. Als Ausgründung der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster war es anfangs nur ein Projekt der BWL-Professoren Bernd Rolfes und Henner Schierenbeck, die dafür einige Studenten einspannten. Schierenbeck, mittlerweile emeritierter Professor, war Vorreiter auf dem Gebiet des Banken-Controllings, das Anfang der Neunzigerjahre in der Finanzwelt ein riesiges Thema war. Intern wird das Duo bis heute die Bankenpäpste genannt. Schierenbeck war allerdings nur selten im operativen Geschäft tätig. Er ließ Rolfes machen, der vor allem ein Ziel hatte: zu zeigen, dass er eine Firma ebenso gut gründen kann wie jeder andere.

Ein engmaschig geknüpftes Netz

Das erste Büro eröffnete 1992 in einer ehemaligen Arztpraxis in einem Münsteraner Hinterhof. Rolfes hatte ein eigenes Zimmer, vier Doktoranden quetschten sich in den Raum daneben. „Es war quasi die Verlängerung der Studentenzeit“, sagt Geschäftsführer Kirmße. „Wir durften uns ausprobieren und sollten ‚erst mal machen‘.“

Fast alle Studenten, die anfangs hier arbeiteten, promovierten bei Rolfes oder Schierenbeck. Viele unterschrieben nach der Promotion in der jungen Beratung ihren ersten Arbeitsvertrag. Andere wechselten in die deutsche Bankenszene. Sie alle verband die gemeinsame Herkunft, die Lehre unter Schierenbeck oder später Rolfes. So entstand schon sehr früh ein Netzwerk aus ehemaligen Studenten, das sich durch die gesamte Branche zog. Bis heute treffen sich die Jünger der Bankenpäpste zum Austausch. Und viele Alumni kommen mit Aufträgen zum zeb. Man kennt sich eben.

Mit dem Wachstum der Beratung vergrößerte und verzweigte sich auch das Netz. Denn natürlich brachten auch Berater, die von Banken beim zeb anheuerten, gute Kontakte mit. Bis heute funktioniert es aber auch umgekehrt: Will ein Berater aussteigen und zu einem Kreditinstitut wechseln, unterstützt ihn das Beratungsunternehmen aktiv. „Uns ist es lieber, dass ein Kollege oder eine Kollegin zum Kunden wechselt als zur Konkurrenz“, sagt Burkhard Hanke, der Chef des Recruitings. 2017 hat man dafür eigens ein Career-Center eröffnet. Hauptsache, das Netzwerk wächst.

Die deutsche Wiedervereinigung war für das junge Unternehmen ein Glücksfall. Im Osten der Republik gab es noch keine feste Hackordnung, keine Boston Consulting Group, keine KPMG. So bekamen auch kleinere Beratungen eine Chance. Der erste Auftrag, den Bernd Rolfes 1992 an Land zog, war die Sanierung und Restrukturierung der Sparkasse Halle an der Saale, die nach der Wende vor großen Herausforderungen stand. Das Unterfangen glückte, weil sich Rolfes und sein Team tief in den Markt einarbeiteten. In den Geldinstituten schätzt man das bis heute. „Wenn wir das zeb im Haus haben, dann sprechen die nicht nur mit dem Vorstand, sondern auch mit Mitarbeitern auf allen Ebenen. Und die kennen die Details“, sagt Gerd Meyer, Sprecher der Stadtsparkasse Düsseldorf.

Diese Mentalität schlägt sich auch intern nieder. Insecure Overachiver, wie der schlaue, ehrgeizig-eifrige Beraternachwuchs in amerikanischen Consulting-Firmen schon mal despektierlich genannt wird, gibt es im zeb nicht. Stattdessen geht es um „Fachleute“: Jeder Bereichsleiter, jeder Vorstand benutzt das Wort „fachlich“, wenn er über das Unternehmen spricht. Man kann sich gut vorstellen, wie bei einer Sitzung ein Mitarbeiter aus der zweiten Reihe einen Rechenfehler korrigiert. Grundsätzlich gilt: Argument schlägt Hierarchie.

Aus dem Auftrag bei der Sparkasse wurden Dutzende, dann Hunderte – bis heute sorgen die Mandate der Sparkassen und Volksbanken für die Basis des Unternehmens. Die Mitarbeiterzahl stieg so schnell wie der Umsatz: Schon 1998 waren aus 5 Beratern 100 geworden. 2001 zog das zeb in den eigenen Turm am Stadtrand von Münster.

Dabei sind sich die Bankenberater stets treu geblieben. Trotz seines Wachstums konzentrierte sich das zeb auf seine Kernkompetenz. „Unsere Berater machen nicht montags Automotive und freitags Pharma. Wir sind ausschließlich fokussiert auf die Finanzwirtschaft“, sagt Kirmße. Tiefbohrer in einer einzigen Branche – das unterscheidet die Münsteraner maßgeblich von den meisten anderen Beratungen.

Ein stiller und loyaler Begleiter

Und noch etwas ist auffällig: Man hört die Unternehmens-berater nie „die Branche wachrütteln“, gute Ratschläge geben, jemandem „etwas ins Stammbuch schreiben“ oder gar über ehemalige Kunden reden. Tatsächlich hört man das zeb eigentlich gar nicht. Dass die Gründer öffentlich auftreten, kommt in etwa so häufig vor wie ein großes Zeitungsinterview von Angela Merkel. Aus gutem Grund: Mit nur einem falschen Satz könnte man die Branche verärgern – und das wäre eine Katastrophe.

„Loyalität ist ein Eckpfeiler unseres Geschäfts. Wir müssen zu dem stehen, was wir sagen und tun“, sagt Marketing-Chefin Christiane Diekmann. Würde das Unternehmen als illegal wahrgenommen, wäre das fatal. Anders als die meisten Wettbewerber kann das zeb schließlich nicht einfach die Branche wechseln. Es lebt von Reputation, Zutrauen und davon, dass Banken an die Münsteraner als Experten denken, wenn sie ein Problem haben. Und diesen Ruf lässt sich die Unternehmensberatung etwas kosten.

Über Blogs wie BankingHub oder FintechHub, Plattformen von Fachleuten für Fachleute, informiert das zeb regelmäßig über Trends. In der Branche gelten die Studien der Finanz-Spezialisten seit jeher als wichtige Veröffentlichungen. Darüber hinaus lädt die Unternehmensberatung mehrmals im Jahr europäische Top-Entscheider und ihre Kunden ein, um beispielsweise regulatorische Fragen zu besprechen. Zu den gern gesehenen Gästen gehören Bundesbank-Vorstand An-dreas Dombret und Felix Hufeld, der Präsident der deutschen Finanzdienstleistungsaufsicht Bafin oder Ex-Finanzminister Wolfgang Schäuble.

Der Kontakt in die Politik und in die Finanzaufsicht ist in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden. Viele für Kreditinstitute wichtige Entscheidungen werden von der Bundesbank oder der Bundesfinanzdienstleistungsaufsicht getroffen. Für die Beratung ist es deshalb unerlässlich, auch dorthin Kontakte zu pflegen.

Inzwischen deckt die ehemalige Universitäts-Ausgründung die gesamte Wertschöpfungskette ab: von der Strategie- beratung bis zur finalen Implementierung der IT. Das reine Controlling, das anfangs noch ein Schwerpunkt war, ist in den Hintergrund getreten, Strategie- und Managementberatung stehen inzwischen im Vordergrund.

Schnörkellos im zeb-Turm in Münster

Ein konzeptioneller Macher

Die Konzentration auf die Umsetzung gehörte hingegen immer zum Selbstverständnis. Schon der Name Zentrum für ertragsorientiertes Bankmanagement sollte das implizieren. Geschäftsführer Stefan Kirmße erklärt das so: „Es bringt doch nichts, wenn Sie einen Star-Architekten anheuern – und dann die Heizung nicht funktioniert.“ Das zeb versteht sich als Architekt und als Installateur. Und bekommt dafür von seinen Kunden viel Lob. Stephan Schüller, der ehemalige Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter im Bankhaus Lampe, sagt: „Zum einen sind die Ergebnisse immer theoretisch fundiert. Zum anderen arbeitet das zeb extrem umsetzungsorientiert. Das schätzen wir.“

Der universitäre Geist ist im Unternehmen dennoch in vielen Teilen erhalten geblieben. Um Status geht es selten. Anzüge sind im Hauptquartier ähnlich oft gesehen wie T-Shirts oder Pullover. Die Schränke im Archiv sind die gleichen wie in jeder staubigen Universitätsbibliothek dieser Welt. Es wird geduzt, Überstunden sind ungern gesehen. Wer zehn Jahre in der Beratung bleibt, bekommt keine goldenen Manschettenknöpfe – sondern ein Fahrrad.

Die Jahrestagung heißt dazu passend zeb.Uni. Mitarbeiter tauschen sich dort in verschiedenen Formaten über zwei Tage persönlich aus. Eine ihrer beliebtesten Attraktionen: die „Fishbowl“. Sechs Stühle stehen in der Mitte eines Raumes, die Mitarbeiter im Kreis drum herum. Dann wird zu vorher festgelegten Thesen diskutiert. Wer etwas sagen will, setzt sich auf einen Stuhl, trägt seine Argumente vor und geht zurück in den Zuschauerkreis. Ein wissenschaftlicher Schlagabtausch wie in einem Debattierclub.

Trotz des universitären Traditionsbewusstseins hat sich in den vergangenen 25 Jahren aber auch viel verändert. Eine Folge der schieren Größe. Einfach mal etwas ausprobieren ist schwierig, wenn 1000 Arbeitsplätze daran hängen. Und der Nachwuchs kommt schon längst nicht mehr nur aus der Universität Münster oder promoviert bei Rolfes oder Schierenbeck. Das ganze Unternehmen sei professioneller geworden. „Heute versuchen wir, die Standards der Branche zu setzen“, sagt Stefan Kirmße. Auch das Themenspektrum sei breiter geworden. Erst kürzlich hat man mit „Tabularaza“ ein digitales Labor eröffnet, um Finanzdienstleister auf dem Weg in die Digitalisierung zu beraten.

In Berlin betreibt zeb gemeinsam mit der Steinbeis-Hochschule die zeb.business school. Erfahrene Banker können hier seit 2014 berufsbegleitend ihren Master oder Doktor erwerben. Seit Neuestem wird auch ein Bachelor angeboten. Leiter ist ein ehemaliger Schüler Schierenbecks. Die meisten Studenten kommen aus den Sparkassen, Volks- und Privatbanken der Bundesrepublik. Unterrichtet werden sie unter anderem von Kirmße oder Rolfes. Die Banker bringen ihre Berufserfahrung ein und vielleicht auch neue Aufträge. Das Münsteraner Netzwerk wächst ständig.

Und der Kugelfisch? Wer nach einem langen Tag im Aufzug des Hauptquartiers steht, schaut zwangsläufig auf ein Plakat. Darauf ist ein aufgeblähter Kugelfisch zu sehen, gelbe Sprenkel auf brauner Haut. Darunter steht in weißen Druckbuchstaben: „Kollegen mit Fachkenntnissen finden Sie bei uns. Aufgeblasenes Gehabe gibt’s woanders.“ //