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Paretos

Nicht nur Entscheidungen, sondern gute Entscheidungen zu treffen, ist von jeher die vielleicht größte Herausforderung des Menschen. Ein KI-Start-up aus Heidelberg will genau das jetzt revolutionieren.



Das Bild zeigt einen Mann mit langen braunen Haaren und blauen Augen, der einen blauen Pullover trägt. Er blickt direkt in die Kamera und lächelt leicht. Der Hintergrund ist dunkel, wodurch die Aufmerksamkeit auf den Mann und seine Gesichtszüge gelenkt wird. Das Bild ist ein schlichtes, übersichtliches Porträt, das sich auf das Aussehen und den Ausdruck der Person konzentriert.
Das Bild zeigt eine Nahaufnahme eines Mannes mit grauen Haaren und Schnurrbart, der ein weißes Hemd mit Kragen trägt. Er lächelt in die Kamera, der Hintergrund ist einfarbig grau. Der Mann ist Thorsten Heilig, Gründer und Geschäftsführer des Heidelberger KI-Start-ups Paretos.

Denken groß: Fabian Rang (links) und Thorsten Heilig, Gründer und Geschäftsführer des Heidelberger KI-Start-ups Paretos

/ „Everyone has a plan until they get punched in their face.“ Mike Tyson hat das mal gesagt – und Thorsten Heilig zitiert ihn bei jeder Gelegenheit. Für Heilig steckt in seinem Lieblingssatz die ganze Wahrheit über moderne Unternehmensführung. Denn der Schlag ins Gesicht ist für Unternehmen heute Alltag: wenn Märkte einbrechen, Lieferketten reißen, Trends über Nacht kippen – und die schönste Strategie plötzlich rein gar nichts mehr wert ist.

Heilig, 44, ist kein Boxer, sondern Gründer. Und doch dreht sich in seinem Leben alles um Treffer. Um die Frage, wie man im richtigen Moment das Richtige entscheidet und was passiert, wenn man es nicht tut. „Wir sind ja nicht angetreten, um irgendein Nischenproblem zu lösen“, sagt er. „Wir sind angetreten, die deutsche Wirtschaft zu retten – und so zu unterstützen, dass sie wettbewerbsfähig bleibt.“

Das klingt groß, fast größenwahnsinnig. Aber wer Heilig und seinem 31-jährigen Mitgründer Fabian Rang – der eine erfahrener Manager, der andere Zahlenkopf mit einem Faible fürs Komplexe – in ihren loftartigen Firmenräumen zuhört, merkt schnell: Sie meinen es ernst. Ihr Ziel: Entscheidungsfindung revolutionieren. Denn kaum etwas lähmt Unternehmen so sehr wie schlechte Entscheidungen.

Hinter Heilig lehnt ein schwarz gerahmtes Porträt am Fenster: Vilfredo Pareto, italienischer Ökonom, Vollbart, strenger Blick. „Bekommt noch seinen Ehrenplatz an der Wand“, sagt Heilig und lacht. Typisch Start-up: keine Zeit für Deko, obwohl doch gerade dieses Bild erklärt, worum es eigentlich geht.

Der Mann auf dem Foto ist der Namensgeber des Unternehmens und Urheber eines der wichtigsten Prinzipien der Wirtschaftsgeschichte: Pareto stellte vor über hundert Jahren die These auf, dass meist ein kleiner Teil der Ursachen den größten Teil der Wirkung bestimmt. 20 Prozent der Produkte bringen 80 Prozent des Umsatzes. Noch spannender als Paretos Modell der Verteilung aber ist das, was Ökonomen später das Pareto-Optimum nannten. Wer Produktionskosten senkt, riskiert Qualitätseinbußen. Wer seine Lagerbestände reduziert, gefährdet Lieferfähigkeit und damit Umsatz. Alles hängt mit allem zusammen.

Das Pareto-Optimum markiert in diesem Spannungsfeld den Punkt höchster Balance: jenes fragile Gleichgewicht, in dem sich nichts verbessern lässt, ohne an anderer Stelle etwas zu verlieren. Lagerbestände nur so weit verringern, dass man gerade so lieferfähig bleibt. Kosten nur so weit drücken, dass das Produkt seinen Wert behält.

Dieses Gleichgewicht will Paretos für seine Kunden berechenbar machen. Und das überzeugt längst bekannte Namen. Edeka, die Otto Group, Hello Fresh, Camel Active, Gustavo Gusto, den Paketdienst Hermes, die Hartmann Gruppe mit ihren Medizin- und Pflegeprodukten – sie alle nutzen die Software des Start-ups.

Das Bild zeigt einen modernen Büroraum mit einem großen Fenster, einem weißen Tisch und einem gerahmten Porträt eines bärtigen Mannes an der Wand. Es ist der italienischen Ökonom Vilfredo Pareto.
Der Tisch ist von roten Stühlen umgeben, und die Farbgebung ist überwiegend in Weiß und Grau gehalten.

Namensgeber des Unternehmens: der italienische Ökonom Vilfredo Pareto

Smart Data folgt auf Big Data

Paretos logiert im sogenannten Heidelberg Innovation Park, einem „Innovationsquartier“, das sich auf KI, IT und Digitales spezialisiert hat. Schon im Eingangsbereich ist klar, worum es hier geht: Auf der Preistafel hinter dem Tresen stehen neben Cappuccino für 3,20 Euro und Aperol Spritz für 5,90 Euro auch „Pretrained Transformer – 999 Euro“. Eine augenzwinkernde Anspielung auf jenen Forschungsdurchbruch, der den Siegeszug von ChatGPT (GPT steht für Generative Pre-trained Transformer) und künstlicher Intelligenz möglich gemacht hat.

Auch Heilig und Rang setzen mit Paretos auf KI, allerdings auf eine andere als ChatGPT. Während generative Modelle wie GPT-5.2, Claude oder Gemini mit Milliarden von Wörtern aus dem Internet trainiert werden – ein gigantischer, aber chaotischer Datenraum voller Fehler und Verzerrungen – geht es bei den von Paretos genutzten Modellen ums Gegenteil: Präzision.

Heilig und Rang arbeiten nicht mit Big Data, sondern mit Smart Data: klar abgegrenzten, hochwertigen Datensätzen, die direkt mit einer konkreten Fragestellung verknüpft sind. Das können historische Verkaufszahlen sein, saisonale Schwankungen, regionale Feiertage oder Wetterprognosen, ergänzt um operative Faktoren wie Lagerkapazität oder Lieferzeiten.

Mit diesen Zutaten entsteht das, was Heilig und Rang Decision Intelligence nennen, eine neue Disziplin an der Schnittstelle von Datenanalyse, künstlicher Intelligenz und Entscheidungslogik. Während Unternehmen bisher vor allem rückwärts geblickt haben („Was ist passiert?“, „Wie viel habe ich verkauft?“), richtet Decision Intelligence den Blick nach vorn: „Was passiert als Nächstes und was sollten wir tun?“

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