Nicht gelernt ist nicht gelernt
KI übernimmt in immer mehr Beratungen die klassischen Aufgaben von Junioren. Wohin steuert eine Branche, die ihren Nachwuchs nicht mehr umfassend ausbildet? Sehen Unternehmensberatungen ohne die Jungen bald alt aus?
/ Christian Underwood erzählt gerne von diesem einen Projekt, bei dem er parallel zu einer der großen Unternehmensberatungen an einer Marktstudie arbeitete. Ein Mittelständler hatte seine kleine Firma Strategy-frame beauftragt, um danach dann auf Underwoods Ergebnissen aufzubauen. Für den formalen Qualitätsstempel brauchte das Management allerdings auch den Namen einer Großberatung.
Die rückte mit einem klassischen Projektteam, einem guten Dutzend Beratern an. Underwood selbst erledigte die Arbeit mit einem spezialisierten Kollegen – in einem Bruchteil der Zeit und für nur ein Siebtel des Preises des namhaften Konkurrenten. Die Ergebnisse, sagt er, waren vergleichbar. „Nur dass wir zusätzlich die Fehler gefunden haben, die sich in deren Excel-Tabelle eingeschlichen hatten.“ Underwood lächelt zufrieden.
Man könnte die Anekdote als übliche Aversion eines mittelständischen Beraters gegen vermeintlich überbezahlte Wettbewerber verbuchen. Doch Underwoods Firma Strategyframe aus Düsseldorf ist keine herkömmliche mittelständische Beratung. Sie hat gerade mal acht feste Mitarbeiter. Hinzu kommen eine Handvoll IT-Freelancer. Die Strategieanalysen selbst stammen von 50 eigens trainierten und mit speziellen Datenbankzugängen ausgestatteten KI-Agenten.
Mit diesem Mensch-Maschine-Team beliefert Strategyframe rund 200 Unternehmen mit Datenanalysen, Marktbeobachtungen und Benchmarking. Auf Wunsch fließt alles in einem „Strategie-Dashboard“ zusammen, für jährliche Abogebühren ab 21.655 Euro für zehn Nutzer.
Underwood nennt keine Zahlen, aber da einige Kunden zusätzlich Systeme zur Marktanalyse aufbauen, sogenannte Market Intelligence, und weil Strategyframe auch Coachings und Workshops anbietet, könnte der Umsatz durchaus im mittleren zweistelligen Millionenbereich liegen.
Ein wichtiger Nebeneffekt von Underwoods Geschäftsmodell: „Die Frage nach Juniorberatern stellt sich für uns nicht“, sagt der Unternehmer. Strategyframe ist organisiert wie eine Softwarefirma und arbeitet „ohne klassische Beraterrollen“, erklärt der Chef. Die KI analysiert Informationen und bereitet sie auf – Arbeiten, für die Beratungen traditionell Berufsanfänger brauchen. Hier ist das anders: „Große Teile der Strategiearbeit können unsere Kunden selbst leisten.“
Und wenn sie dabei doch einmal Hilfe benötigen, werden die Strategyframe-Mitarbeiter zu Coaches, ein Job für erfahrene Kollegen. „Eine klassische Beratungspyramide mit Levels“, sagt Underwood, „gibt es bei uns jedenfalls nicht“.
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Er ist Teil unserer Ausgabe Die besten Berater 2026