Partner von
Partner von

Spots und Kampagnen aus Südafrika

Mehrere von Motorrädern der Polizei eskortierte Limousinenkonvois rasen mit atemberaubender Geschwindigkeit unter Sirenengeheul durch Pretorias Straßen. Die „Minister für Inlandfischerei“, für „Bürobedarf“ und „zwei weitere Minister“ sind unterwegs, erfahren wir über die Ticker-Leiste. Mit quietschenden Reifen treffen die vier VIP-Konvois auf einer Kreuzung zusammen: Keiner gibt den Weg frei, hektisches Geschrei der schießbereiten Polizisten, Drohgebärden. Plötzlich ein Knall – alle werfen sich zu Boden. Ein schrottreifer Kleinbus, aus dem laute Musik dröhnt, manövriert sich im Zickzack durchs Chaos: Eine Fehlzündung hat die Panik ausgelöst. „Just another day“, steht auf dem Heckfenster des Busses: ein ganz normaler Tag am Kap der Guten Hoffnung.




Der jüngste Spot der Fast-Food-Kette Nando’s trifft wieder einmal ins Schwarze. Erfahrungen mit aufgeblasenen Politikern, die meinen, dass ihnen das Land und die Straße gehören, hat hierzulande wohl schon jeder gemacht: Immer wieder kommt es zu verheerenden Unfällen oder zur Verhaftung widerspenstiger Verkehrsteilnehmer. Doch während die Politik nur sich selbst dient, dienen wir den Menschen, so die Verkündigung von Nando’s.

Längst ist die Fast-Food-Kette für ihre frechen Spots berühmt. Die Hähnchen-Griller machten sich schon über den simbabwischen Autokraten Robert Mugabe lustig, dessen Double wie die Gräfin bei „Dinner for one“ allein tafeln muss, weil seine alten Freunde – Mao Zedong, Idi Amin, Muammar al-Gaddafi und Saddam Hussein – aus dem Verkehr gezogen wurden. Unterlegt mit der Melodie von „Those were the days, my friend“ sieht man den Diktator den alten Zeiten nachtrauern, in denen er mit seinen Freunden schaukelt, Spritzpistolenschlachten ausficht oder mit Armen und Beinen Engelchen in den Sand malt. Bei uns muss keiner allein essen, so die Botschaft der Fast-Food-Kette: „Get a six-pack from Nando’s.“

In den populären Spots der Schnellrestaurant-Betreiber werden aber auch die Südafrikaner allgemein auf die Schippe genommen. Aufsehen erregte ein Filmchen, das die Fremdenfeindlichkeit der Kap-Bewohner thematisiert: Nachdem sich alle Zuwanderer am Kap in kleine Rauchwölkchen aufgelöst haben, bleibt am Ende nur ein Buschmann im Lendenschurz übrig. „Wir bei Nando’s mögen Vielfalt“, lautete dazu der Slogan.

Nando’s repräsentiere das Feinste, das die südafrikanische Anzeigenwelt zu bieten habe, meint Werbeanalyst Andy Rice: Witz, Relevanz und Kreativität. Solche Qualitäten sind inzwischen rar geworden. Denn der regierende Afrikanische Nationalkongress (ANC) lässt sich nicht gern kritisieren: Eine der vier großen Banken des Landes musste kürzlich eine Kampagne stoppen, in der junge Menschen ihre Enttäuschung über die Politik zum Ausdruck brachten. Die Regierung hatte der Bank unmissverständlich mit einem Boykott gedroht. Auch Nando’s sah sich bereits gezwungen, Spots zurückzuziehen – etwa nach der Premiere des „letzten Diktators“, als Mugabe-Fans in Simbabwe drohten, die Nando’s- Filialen zu zertrümmern.

Und trotzdem: Ashley Stansfield denkt gar nicht daran, den Kurs zu korrigieren. „Der Stil unserer Kampagnen ist in unserer DNA angelegt“, meint der Werbechef der Firma. „Wenn andere zicken, dann zacken wir.“ Relevante Themen aufzugreifen und sie auf freche Art zu behandeln zahlt sich laut Stansfield auch kommerziell aus: Nach jeder neuen Kampagne stiegen die Verkaufszahlen deutlich an.

Etwas eingeengt sind die Provokateure nur von ihrem Marktsegment. Nando’s deckt den oberen und damit teureren Teil des Fast-Food-Sektors ab, dort wo die Besserverdienenden, die Unabhängigeren und Kritischeren ihren Hunger stillen. Das gemeine Volk, zumeist loyale Wähler des ANC, kann sich bislang nur Kentucky Fried Chicken leisten. //