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Wussten Sie, dass...?

... die besten Porzellanmaler aus Meißen auf drei Jahre ausgebucht sind?




1 Knapp 40 der rund 300 Porzellanmaler der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meissen zählen intern zu den besten ­ Voraussetzung sind Talent, kunsthistorischer Verstand und mindestens acht bis zehn Jahre Berufserfahrung inklusive der vierjährigen internen Ausbildung. Wer so weit ist, hat quasi eine Jobgarantie.

Denn während die Weltwirtschaftskrise jüngst auch in der serienmäßigen Produktion des Meissner Speisegeschirrs für Umsatzeinbrüche und Kurzarbeit sorgte, sind individuell gearbeitete Auftragsarbeiten immer gefragt. Wenn die Amerikaner ­ wie jüngst geschehen ­ einen Porzellan-Seeadler, das Wappentier der USA, für ihre neue Berliner Botschaft ordern oder ein privater Sammler eine Vase bestellt, bemalt mit einer Landschaft, die ihm am Herzen liegt, müssen die besten Maler ran. Und so ein Auftrag dauert.

Schon die Vorbereitung bei derartigen Sonderwünschen ist zeitintensiv: Um den Geschmack vergangener Epochen in Formen, Farben und Dekoren zu reflektieren, stöbern die Maler im hauseigenen Recherchematerial, das sich seit Gründung der Manufaktur im Jahr 1710 angesammelt hat. Auf einer Fläche ausgelegt, würden allein die Gipsformen des Hauses vier Fußballfelder füllen. Die Motiv-Komposition und Bemalung eines individuell gestalteten Speise-Service dauert bis zu einem Jahr.

... Dresden Standort der ältesten und größten Raddampfer-Flotte der Welt ist?

2 Am 8. Juli 1836 erhielten zwölf Dresdner Bürger um die Dampfschiff-Pioniere Ben-jamin Schwenke und Friedrich Lange das Privileg zur Dampfschifffahrt im Königreich Sachsen. Kurz darauf gründeten sie die Elbdampfschiffahrts-Gesellschaft.

Die erste offizielle Fahrt mit dem Dampfboot "Königin Maria" führte von Dresden nach Meißen. Zur Jahrhundertwende war die Zahl der Dampfer auf 36 gewachsen, 1910 erhielt die Flotte ihren endgültigen Liegeplatz unterhalb der Brühlschen Terrasse, von wo aus die Schiffe bis heute starten.

Im Lauf der Jahrzehnte wechselte mehrfach der Firmenname; seit dem Verkauf des Unternehmens durch die Treuhand an die Reederei Conti im Jahre 1992 nennt man sich Sächsische Dampfschiffahrt. Die Flotte aus neun historischen, aufwendig restaurierten Schaufelraddampfern, die zwischen 80 und 130 Jahre alt sind, befördert heute jährlich mehr als 650000 Passagiere. Die Routen reichen von der 90-minütigen Stadtrundfahrt über die dreistündige Tour durch die Sächsische Schweiz bis hin zu Schlösser-, Jazz- und Dixieland-Fahrten oder abendlichen Party-Ausflügen.

... die berühmt-berüchtigte Vorzeigeschule Summerhill ursprünglich in Hellerau gegründet wurde?

3 Ein Zufall führte Alexander Sutherland Neill 1921 an die Elbe. Der Sohn eines schottischen Rektors sollte für eine britische Zeitung eine Schule in Hellerau anschauen. Neill war 38 und hatte schon viele Jahre im Schuldienst gearbeitet. Frustriert von den damaligen Pauk- und Prügelanstalten, war er auf der Suche nach Treibhäusern fortschrittlicher Wissensvermittlung.

Was er in Sachsen sah, begeisterte ihn, ging ihm aber nicht weit genug. Deshalb gründete er mit Freunden die Internationale Schule, eine Unterabteilung der Neuen Schule Hellerau. Schon hier erprobte er die Eckpfeiler seiner später berühmt gewordenen Pädagogik: Freiwilligkeit und Selbstverwaltung. Die Schüler entschieden selbst, ob und wann sie zum Unterricht kamen, Stundenpläne waren nur für Lehrer verbindlich, Noten und Zeugnisse gab es nicht.

Die Anmeldungen waren spärlich: Zwei Jahre nach ihrer Gründung musste die Internationale Schule schließen. Nach einer Zwischenstation in Österreich wurde der Schulbetrieb im südenglischen Lyme Regis in einem Haus namens Summerhill wiederaufgenommen, dessen Namen Neills Lehranstalt heute noch trägt. 1927 zog die Schule in ein etwa 150 Kilometer nordöstlich von London gelegenes viktorianisches Herrenhaus, in dessen Räumen sich das Internat noch heute befindet. Gut 80 Schüler aus Europa und Asien leben hier, geleitet wird die Schule von Zoë Readhead, Neills einziger Tochter.

... Straßenbahnen dank Entwicklern aus der Oberlausitz künftig ohne Oberleitungen auskommen können?

4 Primove heißt die von dem kanadischen Schienenfahrzeug- und Flugzeughersteller Bombardier in diesem Jahr vorgestellte Technik, mit der Straßenbahnen ihren Strom nicht mehr über den Schleifkontakt an der Oberleitung beziehen, sondern induktiv und berührungslos durch ein Magnetfeld, das unter der Erde erzeugt und durch eine unter dem Fahrzeug montierte Aufnahmespule in elektrischen Strom umgewandelt wird.

Entwickelt wurde die Weltneuheit von Wissenschaftlern aus diversen Ländern, umgesetzt und getestet haben sie Experten in Bautzen. Obwohl die Stadt selbst über keine Straßenbahn verfügt, arbeiten hier rund 1350 Menschen daran, Strommasten, Isolatoren und Oberleitungsgewirr aus dem Straßenbahn-betrieb zu eliminieren.

Bautzen ist in der Oberlausitz nicht der einzige Standort von Bombardier: Rund 50 Kilometer weiter östlich, in Görlitz, haben sich ähnlich viele Konzern-Mitarbeiter auf die Fertigung von Doppelstockwagen spezialisiert.

Die Standortwahl kommt nicht von ungefähr, Sachsen hat eine lange Eisenbahntradition. Zwischen Leipzig und Dresden wurde 1839 die erste deutsche Fernreisebahnstrecke eingeweiht; mit 2580 befahrbaren Schienenkilometern verfügt der Freistaat noch immer über das dichteste Schienenverkehrsnetz aller deutschen Bundesländer.

... in Königstein das Papier für Banknoten für 84 Länder hergestellt wird?

5 Besucher der Papierfabrik Louisenthal, Werk Königstein müssen namentlich angemeldet und im Besitz gültiger Ausweispapiere sein, Kameras und Foto-Handys sind beim Pförtner für die Dauer des Aufenthaltes abzugeben. Die Sicherheitsmaßnahmen sind jung, das Unternehmen selbst hat eine lange Tradition: Schon 1569 wurde die Papierproduktion im damals rund 350 Einwohner zählenden Ort Königstein erstmals urkundlich erwähnt.

1861 wurde damit begonnen, Feinpapiere herzustellen, ab 1914 war es Banknotenpapier. Seit 1991 gehört die Fabrik zur Münchner Firmengruppe Giesecke & Devrient, dem weltweit führenden Hersteller von Banknotenpapier, Chipkarten und Sicherheitsdokumenten.

Mehr als 80 verschiedene Spezialpapiere für Geldscheine aus aller Welt werden hier produziert. Jedes einzelne hat eine eigene Rezeptur und individuelle integrierte Sicherheitsmerkmale wie Wasserzeichen, Metallfäden, Hologramme und daneben weit weniger augenfällige Prüfsteine, die helfen sollen, Banknoten von Blüten zu unterscheiden.

Von der Wirtschaftsflaute spürt man in Königstein wenig. Ende des Jahres wird hier eine der schnellsten und weltweit modernsten Rundsieb-Papiermaschinen in Betrieb gehen, eine ­ inklusive der Werkserweiterung ­ 70-Millionen-Euro-Investition. Mit ihrer Hilfe soll die Jahresproduktion ab 2010 von derzeit 7000 auf 11000 Tonnen erweitert werden ­ genug für elf Milliarden Banknoten.

... in Leppersdorf die modernste Molkerei Europas steht?

6 Auf den ersten Blick wirkt das metallisch glänzende Firmengebäude am Rande der Autobahn von Dresden nach Bautzen wie ein riesiges Ufo. Man muss schon genau hinschauen, um im Schatten des Kolosses das idyllische Örtchen Leppersdorf zu entdecken. 1054 Menschen leben hier ­ Auge in Auge mit der Sachsenmilch AG, einer Molkerei der Superlative und Tochter der Unternehmensgruppe Theo Müller, Deutschlands größter Privatmolkerei.

Tag und Nacht rollen Lastwagen aus ganz Deutschland über eine eigene Umgehungsstraße zu dem Werk, in dem 1700 Beschäftigte täglich einen Milchsee von mehr als vier Millionen Litern verarbeiten. Pro Jahr sind das mehr als 1,4 Milliarden Liter ­ etwa fünf Prozent der gesamten deutschen Jahresproduktion an Milch. Würde man die Menge in Tetrapacks füllen und aneinanderreihen, entstünde ein Band von 320000 Kilometern Länge. Zum Vergleich: Bis zum Mond sind es 380000 Kilometer.

... in Dresden Deutschlands einzige eigen- ständige Tanzhochschule zu Hause ist?

7 Gegründet wurde die "Palucca Schule Dresden ­ Hochschule für Tanz" bereits 1925 von ihrer Namenspatronin, der damals 23-jährigen Tänzerin Gret Palucca. Die Tochter einer Ungarin und eines aus Konstantinopel stammenden Apothekers haderte als Ballett-Elevin mit dem klassischen Tanz, der ihr zu formalisiert, zu angepasst und zu unkörperlich erschien. Der Besuch einer Tanzveranstaltung der Ausdruckstänzerin Mary Wigman wurde für sie zum Erweckungserlebnis. Palucca wurde eine von Wigmans ersten Schülerinnen.

Über ihre Ehe mit Fritz Bienert, einem Müller aus Plauen, bekam Palucca Zugang zur Welt der Avantgarde. Bienerts Mutter Ida gilt bis heute als eine der ersten großen Sammlerinnen moderner Kunst in Deutschland. In ihrem Haus waren regelmäßig Künstler wie Paul Klee, Walter Gropius, Oskar Kokoschka und Conrad Felixmüller zu Gast.

1925 gründete Palucca ihre eigene Schule, in der nicht Drill, sondern eine geistig-künstlerische Erziehung im Vordergrund stand. Ihre Schüler sollten selbstbewusste Individuen sein, auch wenn sie damit gegen die gesellschaftlichen Konventionen des Publikums verstießen.

1949 wurde die Schule verstaatlicht, 1997 als Hochschule anerkannt. 200 Studierende können sich hier zum Tänzer, Bühnenchoreografen oder Tanzpädagogen ausbilden lassen. Bis 1991 unterrichtete Gret Palucca noch selbst, zwei Jahre später verstarb sie im Alter von 91 Jahren.

... die Wiege des Apachen-Häuptlings Winnetou in Radebeul steht?

8 Heute zählt man ihn stolz zu den berühmten Söhnen der Stadt, Mitte des vergangenen Jahrhunderts hätte man ihn am liebsten aus den Registern gestrichen: Der Schriftsteller Karl May, am 25. Februar 1842 als fünftes von 14 Kindern bei Chemnitz geboren, galt in der DDR lange als Persona non grata.

Die fantastischen Abenteuerromane des neben Hermann Hesse meistgelesenen Autors deutscher Sprache, der seit 1895 in Radebeul lebte, passten nicht ins sozialistische Weltbild. Die Berliner Zeitung verunglimpfte ihn als "Wegbereiter faschistischer Gesinnung", dessen "superdeutsche Supermänner" die Jugend "zu einer unhumanistischen, barbarischen Haltung" erzögen.

Erst Anfang der achtziger Jahre wurde der Abenteuerschriftsteller, zu dessen berühmtesten Figuren Winnetou zählt, in seiner Heimat rehabilitiert. Sein ehemaliges Wohnhaus, die "Villa Shatterhand", benannt nach dem Roman-Weggefährten des Apachen-Häuptlings, wurde zu einer Gedenkstätte umfunktioniert. In der "Villa Bärenfett", einem Holzhaus, das Mays Witwe Klara 1926 im Garten ihres Hauses errichten ließ, befindet sich heute ein Indiandermuseum.

... die Skulpturen zweier Glaskünstler aus Dresden-Hosterwitz in den USA zu bestaunen sind?

9 Auf den ersten Blick könnte man sie für Gartenabfälle halten, den dahingeworfenen Ast, den blassen Blütenzweig. Tatsächlich handelt es sich bei den Werken von Leopold Blaschka (1822­1895) und seinem Sohn Rudolf (1857­1939) um Kunstwerke: filigrane, bis ins Detail naturgetreue Glasskulp-turen. Ihre Schönheit und Perfektion locken jedes Jahr Tausende staunender Besucher ins Museum für Naturgeschichte der Harvard University in Cambridge, wo rund 3000 Unikate ausgestellt sind, die weltweit größte Sammlung der Glaskünstler.

Die Idee, Handwerk und Wissenschaft zu verbinden, war zufällig entstanden. Der Goldschmied Leopold Blaschka vertrieb sich auf einer Schiffsreise nach Amerika die Zeit, indem er Skizzen von dem wundersamen Getier anfertigte, das die Matrosen täglich als Beifang aus dem Meer holten. Wieder zu Hause, begann er, die wirbellosen Polypen, durchscheinenden Quallen und zarten See-Anemonen aus Glas nachzubilden ­ zunächst einfach, weil ihn die Aufgabe reizte, später wurde sie für ihn und seinen Sohn zur Passion.

1886 wurde der Harvard-Botaniker George Goodale auf die lebensechten Kopien aufmerksam; ab 1890 arbeiteten die Glaskünstler exklusiv für ihn. Berühmt in den USA, geriet das Werk von Vater und Sohn hierzulande in Vergessenheit. Seit 2002 will das der Verein "Naturwissenschaftliche Glaskunst ­ Blaschka-Haus e.V." ändern.