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OAS AG

OAS verkauft weltweit Software und komplette Anlagen für Wäge- und Fertigungsprozesse. Ein Treffen mit Gründer Otto Anton Schwimmbeck.




Noch stehen überall die Umzugskisten herum, aber in Schwimmbecks vollverglastem Büro, ganz oben im fünften Stock, mit der wohl größten Dachterrasse Bremens, stehen die Bilder schon an den Wänden, an denen sie später mal hängen sollen: zwei Macke-Kopien, gemalt von dem begnadeten und verurteilten Kunstfälscher Edgar Mrugalla, mit dem ihn seit einigen Jahren eine Freundschaft verbindet. "Originale", sagt Schwimmbeck, "wären mir zu teuer."

Bei 30 Millionen Euro Jahresumsatz hätte er wohl ein bisschen Geld übrig, aber Schwimmbeck hat es stets so gehalten, dass er lieber in den Betrieb investiert. Dem kann man beim Wachsen regelrecht zuschauen. Das neue Firmengelände im Technologiepark der Universität hat eine Bruttogesamtfläche von 12 200 Quadratmetern - das größte, das sie jemals hatten. Erst vorgestern sind sie umgezogen, das fünfte Mal in ihrer 30-jährigen Erfolgsgeschichte. Rund 200 Mitarbeiter an einem einzigen Tag. Soll ihnen auch erst mal einer nachmachen, sagt Schwimmbeck.

OAS: Otto Anton Schwimmbeck. So hat er das Unternehmen genannt, weil dann gleich klar ist, wer der Chef ist. Schwimmbeck, 67, Bremer Unternehmer des Jahres 2000, der 100 Prozent der Firmenanteile hält, sitzt im blauen Jackett mit goldenen Knöpfen und offenem weißen Oberhemd hinter seiner gläsernen Schreibtischplatte. Schaut mit ebenso freundlichen wie durchdringenden Augen durch seine nach unten randlose Brille und erzählt, warum die Firma heute da steht, wo er sie hingebracht hat.

Eigentlich sollte er den Kaminbaubetrieb des Vaters übernehmen. Nur auf ausdrückliche Intervention des Rektors hat er seine mittlere Reife machen können. Ein Ingenieursstudium hat er auch nicht. Aber hat es ihm vielleicht geschadet? Es ist ja nicht so, als würde er weniger wissen als andere. Im Gegenteil, Schwimmbeck ist heute weltweit einer der führenden Spezialisten auf dem Gebiet von Steuerungsprozessen. Den "Prozesskönig" nennt man ihn.

OAS bietet, wie der Chef sagt, kein spezielles Produkt an, sondern "Problemlösungen". 30 Prozent seines Umsatzes macht das Unternehmen im Export. Es entwickelt Prozessleitsysteme und komplette Produktionsanlagen für Schüttgüter. Bietet Service. Steuert, überwacht und optimiert Fertigungsprozesse. Das klingt ein bisschen sperrig und ist, wie Schwimmbeck selbst einräumt, auch "nicht ganz leicht zu erklären". Vielleicht am ehesten, wenn man auf die Ergebnisse seiner Arbeit schaut.

"Es gibt nichts, was wir nicht können"

Denn auch, wenn die drei Buchstaben den meisten branchenfremden Menschen nichts sagen - wohl jeder hat in seinem Alltag zumindest indirekt mit OAS zu tun. Schwimmbeck sorgt dafür, dass Farben und Lacke perfekt gemischt in den Baumärkten stehen. Dass bei Daimler in Bremen die Bänder richtig laufen und Lieken-Brote, Jacobs-Röstkaffee oder Beck's Bier nicht ständig anders schmecken. Dass die Rezepturen beim Underberg und in Knorr-Tütensuppen stimmen. Dass große Datenströme in Firmen gemanagt werden und keiner im Dunkeln sitzt, weil auch Kraftwerke und Produzenten regenerativer Energien auf Logistik- und Prozessleitsysteme von OAS setzen. Oder um es mit den Worten Schwimmbecks auszudrücken: "Es gibt eigentlich nichts, was wir nicht können."

Der gebürtige Bayer sagt: "War immer ein bisschen vorne mit dabei!" War Lehrlingssprecher beim damaligen Flugzeughersteller Messerschmitt und bayerischer Box-Juniorenmeister im Schwergewicht, schlug die anderen fast immer in der ersten Runde k.o., und hätte man nicht irgendwann einen falschen Ausschlag auf seinem EKG entdeckt, er wäre, mag man ihm folgen, wohl auch deutscher Meister geworden.

Nach einem Praktikum bei der nahe Augsburg ansässigen Waagenfabrik Pfister arbeitete er im Außendienst in Paris und in Hannover. In einem Bremer Kellerbüro gründete er in den 70er-Jahren die Pfister-Generalvertretung. "Das war mein erster Mitarbeiter", sagt Schwimmbeck und holt einen Lachsack aus der Schublade. "Ich verbinde Sie mit dem Kundendienst", hat er immer gesagt und dann auf den Sack gedrückt. Schwimmbeck erzählt ebenso selbstbewusst wie selbstironisch Anekdoten seiner Selfmade-Karriere. Und immer, wenn es ein bisschen privater wird, sagt er: "Aber bitte nicht schreiben!" Was eigentlich schade ist.

Damals hat er viel verkauft und verdient, wollte größer werden und wurde es. 1982 macht er sich selbstständig und gründet OAS. Die Wiege seines Erfolgs ist eine Waage: 1985 entwickelt er den weltweit ersten eichfähigen Rechner, der die Papier-Protokollierung überflüssig macht und eine manipulationssichere Gewichtsermittlung und Speicherung auf dem PC ermöglicht.

Schwimmbeck sagt, er wolle keine Plattitüden über Bremen verbreiten, weltoffene Stadt und so weiter, und über Politik möchte er schon gar nichts erzählen. Schon deshalb, weil er sie ja alle kennt. Dass er in Bremen gelandet ist, war damals zwar Zufall, dass er blieb, lag aber auch am Standort, seinen Firmen und den Häfen: Nordenham, Bremerhaven, Brake und Bremen - die ganze Weser ein einziger Massengut-Umschlagsplatz. Und er, Otto Anton Schwimmbeck, hat sie alle ausgestattet mit pneumatischen Hebern, Vorrichtungen, die mit Unterdruck die Ladung aus den anlegenden Schiffen einfach an Land "saugen". Selbstverständlich hat er, da er gerade dabei war, immer noch eine Waage nachgeschaltet, ist schließlich seine Kernkompetenz. Die geografische Nähe zur Bremer Universität, deren Ehrensenator er seit 17 Jahren ist, sei vorteilhaft für Wissenstransfer und für die Rekrutierung von Nachwuchs. Und nur ein paar Hundert Meter entfernt.

Die Wägetechnik macht heute zwar nur noch 10 bis 15 Prozent des weltweit agierenden Unternehmens aus, das Geschäftsfeld hat sich längst erweitert. Aber Schwimmbeck kann auch in seinem Kernbereich noch immer mit Innovationen punkten: OAS-Software ermöglicht es, Wiegen und Dosieren zeitsparend in einem einzigen Arbeitsschritt zu erledigen.

Neuerdings spielt auch das Handy eine wichtige Rolle: Lkw-Fahrer können ihr Fahrzeug auf eine mit dem Internet verbundene Waage stellen und einen Pin-Code in ihr Mobiltelefon eingeben. Das Gewicht der Ladung wird automatisch auf dem Telefon angezeigt und via Internet gespeichert - kostenintensive Leitstände für Waagen und Papierverkehr werden somit überflüssig.

Rund 90 Prozent der von OAS konzipierten Anlagen können sogar aus der Bremer Zentrale ferngesteuert werden. Als vor zwei Jahren in einer chinesischen Titanschmelze Produktionsausfall drohte, weil zwei maßgebliche Mitarbeiter verhindert waren, übernahmen in der Provinzstadt Xian die Bremer Spezialisten kurzfristig das Ruder. Aus 8000 Kilometern Entfernung erledigten sie so lange das Wiegen und Mischen, bis die Chinesen die Lage wieder im Griff hatten. Soll ihnen erst mal einer nachmachen.