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Jacobs University Bremen

Bremen ist unter Studenten in aller Welt beliebt. Vor allem die Jacobs University hat eine große Anziehungskraft. Weil sie international ausgerichtet ist. Und weil man von ihr mehr mitnimmt als nur einen Abschluss. Eine Geschichte über drei Frauen, die es von drei Kontinenten nach Bremen zog. Und von da zurück in die Welt.




Die Zukunft ist ein Versprechen, das auf Menschen baut, die es halten werden. Und während sie das tun, werden sich einige von ihnen wohl an eine großzügige Anlage im Nordwesten Bremens erinnern, an rote Backsteinbauten, Quader mit Glasfronten und grüne Wiesen. Das ist die private Jacobs Universität, die "University" heißt, weil sie international ausgerichtet ist - die Lehrsprache ist Englisch. Rund 1400 Studenten beschäftigen sich hier an der Fakultät für Ingenieurs- und Naturwissenschaften, der Fakultät für Geistes- und Sozialwissenschaften sowie dem Jacobs-Zentrum für lebenslanges Lernen und institutionelle Entwicklung mit den offiziellen Kernthemen: Energie und Umwelt; Nahrung, Wasser, Gesundheit; Bildung, Information, Kommunikation; Friedensund Konfliktmanagement.

Die Aufzählung macht die hehren Ziele der Gründungsväter deutlich, die sich offensichtlich vorgenommen hatten, die Welt voranzubringen - und das ohne Hilfe des Staates. Denn eigentlich hätte die Hochschule, die 1999 mit Unterstützung der Universität Bremen, der Rice University Houston, Texas, und der Freien Hansestadt Bremen gegründet wurde, von Anfang an auf eigenen Beinen stehen sollen. Man hatte auf üppige Studiengebühren von Studenten aus aller Welt gehofft, und was darüber hinaus zur Finanzierung nötig wäre, würde man über Projekte für die Wirtschaft und Spenden einnehmen.

Doch die Rechnung ging nicht auf, was kaum verwunderlich ist: Selbst die großen Vorbilder in den Vereinigten Staaten wie beispielsweise die Harvard University finanzieren sich nicht nur aus kommerziellen Einnahmen, Spenden und Zinsen aus dem Stiftungsvermögen - ihr Erfolg beruht auch auf erheblicher staatlicher Unterstützung.

2006, fünf Jahre, nachdem die Jacobs University ihren Lehrbetrieb aufgenommen hatte, stand sie vor dem Bankrott - und macht seitdem immer wieder durch finanzielle Nöte von sich reden. Eine 200-Millionen-Euro-Investition der Jacobs Foundation, der Schweizer Stiftung des Kaffee-Produzenten Klaus J. Jacobs, sorgte kurzfristig für Erleichterung - gesichert hat sie die Zukunft aber nicht. Ende 2012 erklärte der neue Hochschul-Präsident Heinz-Otto Peitgen, das ursprüngliche Finanzierungsmodell sei nicht tragfähig.

Wie es mit der Universität weitergehen wird? Die Schweizer Stiftung will auch künftig helfen, und das Land Bremen scheint ebenfalls nicht abgeneigt, sein internationales akademisches Aushängeschild zu fördern. Die Qualität der Hochschule ist schließlich unbestritten: Die Idee, das Konzept, das besondere Angebot, die internationale Studentenschaft, die hohe Reputation des Lehrkörpers und nicht zuletzt der Campus, der es mit so manchem Modell von Weltruf aufnehmen kann - das alles ist für die Hansestadt eine Zierde.

Nicht minder beeindruckend - vor allem im Vergleich zu staatlichen Institutionen - ist die Ausstattung: Auf rund zehn Studenten kommt ein Professor. Das ist üppig. Aber konsequent. Denn die Jacobs University soll nicht nur akademische Titel verleihen, sondern Menschen außerdem dazu befähigen, weltweit die Zukunft zu gestalten.

Ein Plan, der aufzugehen scheint, wie der Besuch bei drei zufällig ausgewählten Absolventen zeigt.

1. "Bremen hat mich mutig gemacht."

Als junges Mädchen hatte Aurora Simionescu einen kleinen Plastikglobus auf ihrem Schreibtisch. Ein Geschenk ihres Großvaters, das ihr die Welt zeigte, während sie die Nächte mit ihren Hausaufgaben verbrachte. Im November 2012, hinter der Bühne im rumänischen Parlament, vor dem sie gleich einen Vortrag halten soll, erinnert sie sich an diese Weltkugel, an ihren staubigen Geruch, den vergilbten Plastikrahmen, in dem sie sich drehte, an die Träume von Reisen, die sie auslöste. Dann applaudiert die Menge, und Aurora tritt ins Rampenlicht - eine der klügsten Astrophysikerinnen ihrer Generation.

Es ist Herbst in Stanford, doch die Sonne scheint ununterbrochen. Aurora Simionescu klingt glücklich, ihre Stimme ist wie ein Spiegel des Wetters. Vielleicht ist sie auch nur froh, dort sein zu können, wo sie sein möchte. Denn dass sie das einmal würde entscheiden können, war so klar damals nicht.

Geboren wurde die heute 30-Jährige in Braila im Osten Rumäniens, beide Eltern waren Ingenieure, "das wurde man damals, wenn man intelligent war". Auch die kleine Aurora hatte früh eine Neigung zu Naturwissenschaften - und schon in der Grundschule den Hang, sich mit ihren Lehrern zu streiten.

"Ich muss dazu sagen, dass es meiner Familie immer recht gut ging. Mein Vater ist derzeit Bürgermeister von Braila." Ihre behütete Herkunft scheint ihr peinlich. "Wir gehörten immer zur Oberschicht. Das bedeutete, dass wir immer ein bisschen mehr hatten als andere." Ein altes Foto zeigt Aurora als kleines Mädchen mit Rattenschwänzchen und Brille an ihrem Schreibtisch, einen Füller in der Hand. Sie blickt beinahe aufsässig in die Kamera.

In der neunten Klasse durfte sie im Rahmen eines Austauschprogramms der Soros-Stiftung für ein Jahr eine Privatschule in den USA besuchen. Die Zeit in Massachusetts gab ihr eine Idee von einer anderen Zukunft - in Rumänien, sagt Aurora, habe man damals die Menschen noch immer nach kommunistischen Maßstäben beurteilt. Ihre Rückkehr nach Braila war ein "umgekehrter Kulturschock". Die junge Frau wusste, dass sie wieder weggehen wird.

Damals erfuhr sie von der Jacobs University. Sie erinnert sich bis heute an die Broschüre in der Post, in der etwas stand von einer internationalen Universität im Norden. "Das fand ich cool. Und sie war in Deutschland. Ich könnte ein neues Land kennenlernen, das aber nicht so weit weg war wie die USA."

Von Bremen kannte sie bis dahin nur "die Kindergeschichte mit den Tieren". Ihre Ankunft, sagt sie lächelnd, sei "ein wenig hinterlistig gewesen: Die Sonne schien". Aber der Campus war genau wie in Harvard. Der rote Backstein und das viele Grün gaben ihr das Gefühl, hier eine Chance zu haben, die sie unbedingt nutzen wollte.

Die Stadt an der Weser erwies sich als überraschend international. In Rumänien hatte sie in einer Monokultur gelebt, in den USA hatte es nur ein paar ausländische Studenten gegeben. In Bremen dagegen gab es in ihrem Freundeskreis "alles, von Leuten aus Bangladesch und Kolumbien bis zu Menschen aus Ghana. Das war sehr aufregend." Und das ist ihr geblieben: "Ich habe jetzt überall auf der Welt Freunde. Ich kann auf Facebook posten, dass ich nach Kathmandu fahre, und habe gute Chancen, dass Leute, die ich kenne, sich mit Tipps melden."

Vor allem aber hat ihr Bremen die Astrophysik gegeben. Aurora schreibt das speziell einem Professor zu, dem "verrückten, leidenschaftlichen Marcus Brüggen", der ihre Karriere ins Laufen gebracht hat, indem er ihr half, sich gegen die Wünsche ihrer Eltern zu entscheiden. Dafür ist sie bis heute dankbar. "Bremen hat mich mutig gemacht."

Inzwischen ist Aurora Simionescu nicht nur eine engagierte, sondern in ihrer Heimat sogar berühmte Wissenschaftlerin: 2008 wurde sie nach einer bahnbrechenden Arbeit über Röntgenemissionen aus einem Filament zwischen zwei Galaxien-Clustern Rumäniens "Mensch des Jahres".

Zurzeit lebt sie mit ihrem Mann in Stanford und forscht am Kavli Institut für Teilchenphysik und Kosmologie als Einstein-Forschungsstipendiatin. Nicht mehr lange, bald wird die junge Frau nach Japan gehen. Sie beteuert zwar, dass es ihr primär um Sushi ginge, tatsächlich aber treibt sie ein spektakuläres Projekt der Röntgenastronomie: Die japanische Raumfahrtbehörde wird im Jahr 2014 einen Röntgensatelliten in den Weltraum schicken.

Pläne? Für einen Moment wirkt sie versonnen. "Als ich klein war, hätte ich mir nie vorstellen können, dass ich diesem Leben auch nur nahe kommen könnte. Als ich den Globus geschenkt bekam, war Ceausescu noch an der Macht. Reisen war damals wirklich nur ein Traum. Ich hätte nie gedacht, dass ich mal nach Japan fahren würde, geschweige denn, dort leben." Ihre Eltern haben den Globus noch.

2. "Ich bin offener geworden und toleranter."

Addis Abebas Himmel ist weit und blau. Staub steigt von den Straßen in Spiralen in die Luft, die Tücher der alten Leute und Priester, die sich um die Kirche des Heiligen Georg versammelt haben, sind blendend weiß. Auf einer Betonbank macht ein kleines Mädchen in einem billigen roten Pullover ihre Hausaufgaben. Vielleicht hat sie zu Hause keine Ruhe, vielleicht keinen Platz. Vielleicht hat sie kein Zuhause.

"Ich fühle mich meinem Land und meiner Familie sehr verbunden", sagt Makda Getachew. "Als ich ging, dachte ich: Ich werde woanders eine gute Ausbildung bekommen, aber hierher zurückkehren und meinem Land helfen." Das grelle Mittagslicht kriecht über den Boden des verstaubten Cafés im alten italienischen Viertel der Stadt. Makda bestellt einen Macchiato.

Die Jacobs University war für sie ein Schock. "Ich war sehr gut in der Oberschule, aber das erste Semester war schwer - das äthiopische Bildungssystem beruht stark auf dem Reproduzieren von Wissen." Sie dachte daran, ihr Studium der Integrierten Sozialwissenschaften, eine Mischung aus Soziologie, Politik- und Kommunikationswissenschaft, aufzugeben. "Wenn du immer die Beste warst, hast du eine hohe Meinung von dir, und meine Noten entsprachen anfangs gar nicht meinen Erwartungen."

Doch sie hielt durch, wiederholte ein paar Kurse, lernte, anders mit Wissen umzugehen. Und probierte sich aus. Um Geld zu verdienen, arbeitete sie zwei Semester lang in einem Irish Pub. Eine mutige Entscheidung für ein Mädchen aus Äthiopien. Jetzt lächelt die 26-Jährige breit. "So lernte ich auch Leute außerhalb der Uni kennen. Aber sogar die Deutschen sind in Bremen keine typischen Deutschen - sie haben internationale Erfahrungen."

Bremen, das sind für sie Freunde, Diskussionen, Erwachsenwerden, Grün - und dass sie ein eigenes Zimmer hatte. "Das ist in Äthiopien unvorstellbar. Ich hatte sogar ein Badezimmer fast für mich allein!"

In Deutschland betrachtete sie ihre Heimat zum ersten Mal von außen. "Ich bin offener geworden und toleranter. Meine Werte haben sich wirklich geändert. In den Kursen hatten wir heftige Debatten, in denen man sogar Professoren infrage stellen konnte. Das ist hier undenkbar! Ich sehe die äthiopische Kultur heute kritischer."

2008 machte sie ihren Abschluss an der Jacobs University, danach den Master in Public Policy und Developmental Studies an der Hertie School of Governance in Berlin. Jetzt lebt sie wieder in Addis Abeba.

Makda ist davon überzeugt, dass eine stärkere innerafrikanische Kooperation ein Schlüssel für den Fortschritt in ihrem Land wäre. "Warum haben wir keine afrikanischen Handelspartner? Gibt es nichts, was Liberia von uns braucht und was wir von Liberia brauchen? Ich werde hoffentlich Teil der Generation sein, die auch mal unsere direkten Nachbarn betrachtet. Ich habe schon heute ein großes Netzwerk von Freunden in ganz Afrika."

Sie arbeitet auch beruflich an ihrem Ziel - als Programmleiterin der Internationalen Arbeitsorganisation ist sie beteiligt an der Entwicklung "angemessener" Arbeitsbedingungen in Äthiopien, die auf Würde, Fairness, Gleichheit und Sicherheit beruhen. Ihre Aufgabe ist es, den Dialog zwischen Arbeitern, der Regierung und Arbeitgebern zu moderieren.

Am Nachmittag hält sie eine Rede - eine Übung, weil sie sich noch immer vor großem Publikum fürchtet. Der kleine Konferenzraum in dem Hotel in der Innenstadt ist mit ernsten, gut gekleideten jungen Menschen gefüllt. "Jupiter Toastmasters Club" heißt die Veranstaltung, in Makdas siebenminütigem Vortrag geht es um Freundschaft. Sie ist lustig und sicher, hält rund vierzig lächelnde Zuhörer in Bann. "Wir müssen an unseren Schwächen arbeiten", sagt sie hinterher.

Auf der Rückfahrt sitzt sie wieder am Steuer. In Bole ist der Verkehr rund um eine massive Straßenkonstruktion mit mehreren Ebenen zum Erliegen gekommen. Sie ist müde, treibt sich aber weiter an. "Ich beneide Deutschland. Ich beneide die westliche Welt. Aber ich möchte, dass wir es hier auch schaffen. Im Moment arbeite ich 120 Prozent, um mich auf die Zukunft vorzubereiten. Ich möchte aufwachen und das Gefühl haben, dass das, was ich tue, wirklich wichtig ist. Ich möchte, was ich gelernt habe, sinnvoll einsetzen."

Wir stellen das Auto ab. Die Geräusche der Straße verschwimmen leise im Hintergrund. "Ja, ich bin eine Idealistin, ich möchte die Welt verändern. Ich glaube, dass meine Existenz über mich hinausgeht, über das rein Materielle. Nur ein Haus und eine Familie zu haben wäre eine Verschwendung von Lebensenergie." Makda schaut die Straße hinab. "Es gibt noch viel zu tun."

3. "Ich habe so viele Sachen ausprobiert."

Die von Schlaglöchern übersäten Straßen Dhakas sind von einem dünnen Schmutzfilm überzogen, doch das Café, in dem wir sitzen, könnte auch in einem hippen Bezirk in London oder Berlin seinen Platz haben. Tasaffy Hossain wirkt entspannt. Eine selbstbewusste junge Frau wie sie ist in Bangladesch selten, die Frauen wirken in der Öffentlichkeit oft schattenhaft und sind streng verhüllt. Sie lächelt. Dhaka hat sich verändert.

"Als ich fünfzehn war, schien mir, als sei alles Interessante woanders. Jetzt gibt es hier auch eine ganze Menge." Tasaffy kommt aus einer wohlhabenden Akademiker-Familie, beide Eltern waren berufstätig. Sie haben die Tochter nicht traditionell erzogen. "Sie haben gesagt, du solltest lieber darüber nachdenken, was du selbst willst, als darüber, was andere von dir wollen."

Als sie klein war, träumte sie von den Internaten in Enid Blytons Büchern, in der sechsten Klasse wusste sie, dass sie im Ausland studieren wollte. "Es war die Verlockung des Exotischen." Das traditionelle Bangladesch fand sie schon damals schockierend. "In der Oberschule hörten die Jungs und Mädchen plötzlich auf, miteinander zu reden." Tasaffy verstand es nicht.

An der Jacobs University studierte sie Integrierte Sozialwissenschaften. "Ich glaube, ich war schon immer selbstbewusst, aber konnte es nicht offen zeigen. Nach dem ersten Semester wurde das Studentenparlament gegründet, und ein Kommilitone empfahl mir, mich zur Wahl zu stellen. An dem Tag, an dem wir unsere Reden halten mussten, habe ich die ganze Zeit gezittert. Ich verlor mit zwei Stimmen Rückstand. Aber ich war trotzdem stolz, weil ich mich für etwas engagiert hatte, das mit Politik zu hatte. Bei uns ist Politik ein schmutziges Wort. Es ist alles so korrupt. Niemand will etwas damit zu tun haben."

Das Mädchen, das nach Bremen ging, sei ein anderes gewesen als das, das zurückkam, sagt sie von sich selbst. "Ich bin heute zum Beispiel weniger höflich - aber auf eine gute Art. In der asiatischen Kultur lernt man, immer höflich zu sein, ganz egal, wie es in einem aussieht. In Bangladesch sagen die Menschen selten Nein, selbst wenn es zu Problemen führt. Und das gilt insbesondere für Frauen."

Die europäische Ausbildung hat ihr viel Selbstvertrauen gegeben, sie hat ihr Dinge erlaubt, die in ihrer eigenen Kultur undenkbar gewesen wären. In Deutschland hat sie alles Mögliche gemacht, sogar eine Bar hat sie betrieben. In Bangladesch stehen Frauen immer und überall auf dem Prüfstand. "Wir kommen aus einer sehr engen Kultur, alles ist gender-spezifisch. Es gibt keine Grautöne, und die Toleranz ist sehr niedrig", sagt sie.

Tasaffy wollte auf gar keinen Fall in Dhaka bleiben. Zurück aus Bremen, arbeitete sie für die Design-Agentur Grey, traf einen Inder, heiratete und ging mit ihm nach Malaysia. Die Ehe scheiterte, sie kehrte wieder zurück zu ihren Eltern. Klein beigegeben hat sie nicht: Zusammen mit Freundinnen brachte sie die erste Theaterproduktion der "Vagina-Monologe" auf eine Bühne des Landes, radikal für Bangladesch, nicht für Tasaffy. "Es war eine der besten Sachen, die ich je gemacht habe."

Im ersten Jahr fanden die Aufführungen des Stücks, in dem es um weibliche Erfahrungen mit Sex und Gewalt geht, hinter verschlossenen Türen statt. Sogar die Männer, mit denen die jungen Frauen befreundet waren, wollten anfangs nicht kommen. "Heute unterstützen sie uns. Es ist etwas geworden, bei dem Männer und Frauen zusammenkommen können."

Für Medien und Öffentlichkeit führten sie das Stück irgendwann im Goethe-Institut auf. Es gab drei große Vorstellungen, eine nur für Frauen, weil das vor allem für die älteren angenehmer war. Von ihnen bekamen sie am Ende die meiste Anerkennung. Danach folgten sogar Workshops zum Thema Sexualität, männliche wie weibliche Besucher diskutierten offen, was sonst unausgesprochen bleiben muss. Tasaffys Produktion fungierte als Brücke für eines der größten gesellschaftlichen Tabus - ein riesiger Erfolg!

Derzeit erstellt die 29-Jährige für die NGO Swisscontact Berichte über verschiedene Entwicklungsprojekte im Land. Sie glaubt, dass sich Bangladesch in einer Übergangssituation befindet. "Meine Generation ist die erste, die nichts mit der Befreiung des Landes zu tun hat. Für die Älteren geht alles immer auf 1971 und den Krieg zurück (damals erklärte sich Bangladesch von Pakistan unabhängig). Danach ging es nur um Wachstum, der Schwerpunkt lag auf Wirtschaft und Handel. Die Kultur ging verloren, das Soziale ging verloren. Und der Säkularismus blieb in den vergangenen zehn Jahren ganz auf der Strecke."

Es sei schwierig, in ihrem Land etwas in Gang zu setzen, resümiert Tasaffy. Die Leute schimpften, aber sie veränderten nichts. Doch jetzt gebe es eine Gegenbewegung, eine neue Generation von Menschenrechtsaktivisten, zu der sie sich auch zählt.

"Es klingt für mich selbst merkwürdig, wenn ich es sage, aber es stimmt: Wir sind jetzt die Erwachsenen. Es ist nicht mehr die Verantwortung unserer Eltern, etwas zu tun. Ich glaube, ich kann mit meiner Arbeit etwas bewegen. Ich hoffe es jedenfalls."