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Eine geht allerweil

Sie haben sich gesucht und gefunden, einander Familie und eine Heimat geboten ­ und Passau über Jahre einen Skandal: Walter Landshuter (links) und Rudolf (Rudi) Klaffenböck, der eine Geschäftsführer, der andere Kabarettist, sorgten mit dem Scharfrichterhaus bundesweit für Schlagzeilen. Was vor mehr als 30 Jahren mit Anzeigen wegen Gotteslästerung und Veranstaltungsverboten begann, ist heute immer noch eine Institution ­ und Wahrzeichen der Stadt.




Ob man gesehen habe, raunt Walter Landshuter, eben sei ein Stadtrat der CSU hereingekommen. Und wenn wir schon beim Thema sind, er, Landshuter, habe bei der Bürgermeisterwahl durchaus nicht den Kandidaten der SPD favorisiert. Wo waren wir noch mal? Genau, die Werbeagentur, Atelier & Friends aus Grafenau im Bayerischen Wald, die sie verpflichtet hätten, "um das Unternehmen besser in den Griff zu bekommen, die Marke zu analysieren". Die Frage sei doch, so Landshuter, "wie orientiere ich mich auf dem Markt"?

Im Hintergrund Musik vom Band. Könnte Miles Davis sein, "Kind of Blue". Auf der Tageskarte stehen Bärlauchsuppe mit Fischnockerl, Lammsülze an grüner Soße und Kartoffelpalatschinken mit Waldschwammerl. Der Kellner empfiehlt wahlweise Grünen Veltliner, Welschriesling aus der Südsteiermark oder Muska- teller der Familie Schmelz aus Joching in der Wachau. Und als Landshuter schließlich erzählt, dass man Gespräche führe mit der Eon Energie AG über Kultursponsoring, tauchen einen Moment lang Zweifel auf, ob man sich nicht in der Adresse geirrt hat.

31, aber noch immer Institution

CSU-Prominenz? Jazz als Untermalung von Marketinganalysen? Ein Gourmetkeller mit ambitionierter Weinkarte? Und das alles demnächst mit Unterstützung eines Energiemultis, der laut Greenpeace "seine schmutzigen Atom- und Kohlestromgeschäfte übertüncht mit dem sauberen Image von Fußballstars und Schauspielern"?

Die Adresse stimmt. Milchgasse 2, 94032 Passau. Immer noch das alte Gemäuer. Die wuchtigen Bögen. Die niedrige Decke. An den Wänden gerahmte Fotos von Kabarettisten und Musikern, die hier auftraten ­ von Dieter Hildebrandt über Gerhard Polt und Jörg Hube bis Albert Mangelsdorff und Chet Baker. Einer sitzt jetzt bei Walter Landshuter am Tisch, ein großer, stiller Mann mit Schnurrbart, der vom ersten Tag an quasi zum Inventar gehörte: Rudolf, Rudi, Klaffenböck.

Es muss am Anfang des Scharfrichterhauses gewesen sein, nicht lange nach seiner Eröffnung 1977. Das Lokal überfüllt, das Publikum schwitzt, über allem Zigarettenqualm. Klaffenböck sitzt mit den Kollegen Sigi Zimmerschied und Bruno Jonas auf der Bühne an einem Wirtshaustisch. Das Trio hat Biergläser vor sich. Und es fragt sich unter quälenden, immer länger werdenden Pausen und rapide wachsender gespielter Betrunkenheit: "Geht noch eine?" Antwort: "Eine geht allerweil." Schon kommt die nächste Halbe und noch eine und noch eine bis zum komatösen Höhepunkt. Nie wurde die stupide Sprachlosigkeit bayerischer Stammtische eindringlicher persifliert.

Ein Denkmal als Chef

Heute schreibt sich das Scharfrichterhaus ScharfrichterHaus, und es firmiert, wie dem aktuellen Programmheft zu entnehmen ist, als KabarettJazzCaféRes-taurant. Auch das ein Indiz, dass sich in der Zwischenzeit viel geändert hat. Klaffenböck, der um die Ecke wohnt, kommt zwar immer noch drei-, viermal pro Woche, freilich primär als Gast. Landshuter ist immer noch da, kann immer noch ruppig werden im Umgang, obwohl er es nicht so meint, kann immer noch mit seinem Charme spielen, seinem Talent, Menschen zu faszinieren. Doch das Haar ist dünn geworden, das Gesicht runder, der Vollbart von einst ist weg. Zur Begrüßung sagt er: "Ich fungiere hier als Geschäftsführer und lebendes Denkmal."

Walter Landshuter ist mit dem Scharfrichterhaus in die Jahre gekommen. Verändert haben sich beide, im Vergleich zu den Anfängen verblasst das Heute ein wenig. Und so erzählt Landshuter von den ersten Jahren, den ersten Skandalen, den ersten Erfolgen. Wie sie zu "Nestbeschmutzern" in Passau wurden, verfolgt und gehasst in der Heimat, bewundert und gefeiert als legendäre Kleinkunstbühne überall sonst im Land; wer das ScharfrichterBeil für den besten Nachwuchskabarettisten erhielt, hatte eine große Karriere vor sich, H. P. Kerkeling etwa war 1983 Preisträger. Passau zeigte der Republik, wie mutiges Kabarett geht. "Die Sache wird ja gerne heldenhaft beschrieben", sagt Landshuter, "unter anderem von mir."

Wer die Geschichte vom Scharfrichterhaus erzählt, muss Landshuters Geschichte erzählen. Und wer Landshuters Geschichte erzählen will, muss weit ausholen, denn sie beginnt in einem Dorf im Bayerischen Wald, das es heute nicht mehr gibt: Leopoldsreut, 1100 Meter über Normalnull. Ein windiger, abgelegener Flecken. Dort wächst er auf bei den Großeltern, die eine Landwirtschaft betreiben und den Gasthof "Zur Luftigen Höh". Eine glückliche Kindheit zwischen Stall und Kachelofen. Doch das ändert sich, als er sechsjährig zu seinen Eltern an die tschechische Grenze kommt. Der Vater ist Bäckermeister und "großzügig im Austeilen von Ohrfeigen". Nächste Station Klosterinternat. Dort watschen knochige Hände, kreist der Spanische Stock. Das Kind lernt leiden ohne zu klagen.

Als Landshuter als junger Mann nach Passau kommt, setzt sich das Klima der Unterdrückung und Autorität fort. Die Stadt ist ein "Betonlager", wie Klaffenböck sagt. Es regieren der Bischof, die CSU und die Gebrüder Janik. Erwin ist Chefredakteur der Passauer Neuen Presse (PNP), Emil macht das Bistumsblatt. Beide sind glühende Marienverehrer. Der kollektive Aufbruch der Republik, die im Wirtschaftswunder schwelgt, sagt Landshuter, habe in Passau nicht stattgefunden. "Es gab keine Demos gegen den Krieg in Vietnam; keine politische Diskussion; die alternative Lebensform der 68er war unbekannt." Passau ist 1972 die letzte Stadt Europas, die das Bikiniverbot aufhebt.

Die Firma Eterna ist einer der größten Arbeitgeber der Stadt, als Landshuter dort eine Lehre beginnt. Später wird er Verkäufer, zuständig für Damenober-bekleidung. Er ahnt: "Dafür bin ich nicht geboren." Diese Ahnung verstärkt sich, als er Edgar Liegl, Verwaltungschef eines Autohauses, trifft. Der bringt ihm Camus und Sartres "Das Sein und das Nichts" nahe. Landshuter hört Vorlesungen von Habermas. "Ich hatte eine Leidenschaft für alles, was ich nicht verstand."

Irgendwann kauft Liegl seinem Schwiegervater ein Haus ab, das bis 1443 Stadt- gefängnis war und in dem der Scharfrichter von Passau gewohnt haben soll. Zuletzt diente es als Kohlenkeller und Lagerplatz für Donauschiffer. Sie richten ein Lokal im Wiener Kaffeehausstil ein, kündigen ihre Jobs, Landshuter wird Geschäftsführer, er findet im Scharf- richterhaus eine Familie, eine geistige Heimat und endlich Freiheit. Zur Eröffnung singt Walter Stapper Lieder von Brel und Tucholsky.

Die Himmelskonferenz sorgt

bundesweit für Schlagzeilen

Die ersten Vorstellungen sind ausverkauft, die Bude ist voll. Doch wer weiß, was aus dem Unternehmen geworden wäre, hätten nicht kurz vorher Jonas und Zimmerschied im benachbarten Peschlkeller ein Stück aufgeführt, in dem Gott als desillusionierter Niederbayer, der Heilige Geist als flügellahmer Alkoholiker und Jesus als kiffender Hippie auftreten. Maria ist schon wieder schwanger, und der Heilige Geist sagt: "Ich war's diesmal nicht." Erwin Janik, das berichtete die Presse, soll, als er von der "Himmelskonferenz" erfuhr, fassungslos gesagt haben: "Stellen Sie sich vor, man hat die Mutter Gottes beleidigt." Der Generalvikar des Bischofs klagte wegen Gotteslästerung. Als die jungen Kabarettisten ins Scharfrichterhaus wechselten, verhängte die PNP eine Nachrichtensperre, die Polizei zog mit Veranstaltungsverboten nach.

Das Scharfrichterhaus macht bundesweit Schlagzeilen, die Passauer Kabarettisten werden schlagartig berühmt. Aktionen wie die Klaffenböcks, der in Oberammergau als falscher Jesus auftritt, mehren den Ruhm der rebellischen Bühne in der hintersten Ecke Bayerns. Die Süddeutsche Zeitung schreibt von einem "schmerzenden Dorn im fetten Fleisch der Passauer Wohlgefälligkeit". Dummerweise können sich Landshuter und Liegl für die Reputation nichts kaufen. "Der Boykott einer Monopolzeitung, die nicht einmal Anzeigen von uns annahm", sagt Landshuter, "hat uns zwar bekannt gemacht, er hätte uns aber auch fast umgebracht. Was nutzte es uns, dass wir in Hamburg und Berlin bekannter waren als daheim?"

Gutes Programm ­

wenig Profit

Das alte Haus hat Aura, aber nur 90 Plätze. Zu wenig, um langfristig mit anspruchsvollem Programm Profit zu machen. Irgendwann lässt auch der Boom in den Feuilletons nach. Zu manchen Jazzkonzerten kommen keine zehn zahlenden Besucher. Das Kino spielt ebenfalls Verluste ein. Auf Kultursponsoring kommt damals keiner.

Landshuter erinnert sich, wie debattiert wurde, ob man eine Spende der Pas-sauer Zahnradfabrik annehmen dürfe. Deren Zahnräder landeten auch im Getriebe des Leopard-1-Panzers. Dann geht Liegl als Dozent und Publizist nach München, Landshuter arbeitet wie ein Ochse, seine Frau verlässt ihn, und er hat jeden Tag Angst, dass die Bank ihm den Laden zumacht: "Ich konnte nur deshalb nicht aufgeben, weil 400000 Mark Schulden eine lebenslange Katas-trophe gewesen wären."

Es ist Mittag, und die Glocken des Stephansdoms läuten. Ihr Echo dröhnt durch die engen Gassen der Altstadt, als wolle Gott alle armen Sünder mahnen. Wie Schmuckkästchen fügen sich die kleinen klassizistischen Häuschen ineinander. Hinein ins Restaurant gegenüber des Landratsamtes, vor dem der Steinkopf des "Passauer Tölpels" liegt. Stefan Rammer und Richard Schaffner warten schon.

Rammer ist Lokalredakteur der Passauer Neuen Presse und sitzt in der Jury, die das ScharfrichterBeil vergibt. Schaffner ist Stadtarchivar und könnte stundenlang über die Geschichte des Hauses erzählen, das einst Prisilig-Gericht hieß, und ob es stimmt, dass es im Innenhof einen Hackstock gab und eine Blutrinne auf die Milchgasse hinaus. Beide bezeichnen sich als "Berufspassauer". Sie sind stolz auf ihre Stadt und deren Geschichte.

"Das Scharfrichterhaus", sagt Rammer, "ist einer der besten Werbeträger Passaus." Und so gesehen, meint Schaffner, passe es zu den zahlreichen Kuriositäten der Stadt, die unter anderem die größte Sammlung zum Böhmischen Glas, die größte Domorgel und den kleinsten Geldschein der Welt besitzt. Doch Rammer und Schaffner betonen auch, dass es längst nicht mehr für den "Kampf der Jungen und Zornigen gegen das konservative Bürgertum steht". "Das Scharf- richterhaus wird für das, was es war, immer gewürdigt werden", sagt Rammer, "nur, wer kann sich 25 Euro Eintritt und 25 Euro für Essen leisten?" Schaffners Antwort: "Das sind Arrivierte, Hochschulprofessoren, die dreimal im Jahr Urlaub machen, aber Kabaret-tisten sitzen heute selber bei einem guten Wein und machen sich Gedanken über ihren Immobilienbesitz."

Die Feindbilder sind weg

Es ist nicht mehr viel, wie es war. Passaus Ruf als "schwärzeste, klerikal-muffigste Stadt Deutschlands" (Frankfurter Allgemeine Zeitung) ist passé. Sie ist nicht mehr die Stadt der NPD-Aufmärsche, DVU-Versammlungen und der erzkonservativen Philippika Franz Josef Strauß' in der Nibelungenhalle, die immerhin mal die zweitgrößte Halle des Dritten Reichs war. Strauß und die Janik-Brüder sind tot, die Nibelungenhalle ist abgerissen. Heute hat man eine Universität und einen hohen Bevölkerungsanteil an jungen zugezogenen Leuten. Bei der Stichwahl zum Bürgermeister wählten Anfang dieses Jahres 61,41 Prozent den Kandidaten der SPD. Selbst das Erzbistum hat der Wandel erfasst. Der Bischof lässt sich inzwischen von McKinsey beraten.

"Diese ganzen Barrieren, religiöser, politischer, moralischer Art, gegen die wir damals anrannten", sagt Klaffenböck, "sind doch längst aufgeweicht, vieles von dem, was wir machten, würde heute keinen mehr jucken." Zumal heutzutage ohnehin Comedy Trumpf ist, umsonst zu haben bei RTL, Sat1 & Co. Politisches Kabarett gilt schon beinahe als altmodisch. Und soweit es das Scharfrichterhaus und Passau angeht, sind den beiden Parteien schlicht die Feindbilder abhanden gekommen. Neulich wollten sie Landshuter den Kulturellen Ehrenbrief der Stadt verleihen. Er lehnte vehement ab, sagte, er würde selbst das Bundesverdienstkreuz nicht haben wollen. Doch Stefan Rammer sagt: "Dass sie dachten, er könnte ihn annehmen, zeigt, wie nahe man sich schon gekommen ist."

Vom Himmelfahrtskommando

zum Gesamtkunstwerk

Zimmerschied formulierte es noch deut- licher. In einem Geburtstagsgruß zum 25-jährigen Bestehen, das noch in der Nibelungenhalle gefeiert wurde mit prominenter Besetzung, darunter Münchens Oberbürgermeister Christian Ude, schrieb er: "Ganz ehrlich. '25. Jubiläum des Scharfrichterhauses in der Nibelungenhalle. Vorverkauf in allen Geschäftsstellen der Passauer Neuen Presse.' Das klingt schwer nach Alzheimer. ... Damit bedienst du nur einen event-süchtigen, knickrigen, viertel-, halb- und vollakademischen Passauer Mittelstand, der ... grölen wird: 'Supa! Zehn Top-kabarettistn und an leibhaftign Groß-schtod-OB für dreißg Euro, des griag i jo ned amol beim Aldi.'"

Jeder weiß, dass der gute Sigi gerne "überzeichnet" (Rammer), wenn es um seine Heimatstadt geht. Doch Matthias Ziegler sagt: "Meines Erachtens war das, was Liegl und Landshuter damals in dieser pseudoaufklärerischen Stimmung angingen, wirtschaftlich ein Himmelfahrtskommando par excellence." Ziegler ist ein junger, energischer Mann, der im Umgang ein wenig ruppig wirkt, was er aber nicht so meint.

1984 sieht er seine erste Veranstaltung im Scharfrichterhaus, ein Programm von Sigi Zimmerschied. Er ist damals 14 und als Sohn des späteren ersten Passauer Stadtrats der Grünen politische Diskussionen gewöhnt. Auch Ziegler wächst im Bayerischen Wald auf, arbeitet Tag und Nacht und bringt es innerhalb kurzer Zeit zu einem der größten Holzhändler Süddeutschlands. Auch er findet im Scharfrichterhaus eine Familie, eine geistige Heimat. 1997 kauft er das Gebäude mit dem Ziel, das Unternehmen auf wirtschaftliche Beine zu stellen, um damit auch dem Theater eine Zukunft zu ermöglichen.

Alter Geist ­ neue Ziele

Es ist Zieglers Idee, Gastronomie und Weinkarte aufzupeppen; er verlegt Gastspiele von namhaften Kabarettisten unter dem Label Scharfrichterhaus in die neue Dreiländerhalle, die rund 3500 Sitzplätze hat. Ziegler lässt das Gebäude mit seinen eleganten Arkaden im Innenhof stabilisieren. Die Mauern bekommen ein Korsett aus Eisenbändern, damit sie nicht bei der nächsten Flut wieder einzubrechen drohen. Auch die Stuckdecken im ersten Stock, angefertigt von italienischen Meistern, die im 17. und 18. Jahrhundert für die Fürstbischöfe arbeiteten, werden restauriert und neu fixiert. Ohne Matthias Ziegler, sagt Landshuter, "würde es das Scharfrichterhaus in dieser Form nicht mehr geben". Zimmerschied sagt: "Da haben sich die Richtigen getroffen; wen sich der Walter raussucht, der muss so sein wie er."

Hinterher, sagt Landshuter, sei man immer klüger. Heute wisse er, man hätte früher kommerzieller denken müssen. "Doch wer jetzt sagt, das Scharfrichterhaus sei heute nicht mehr, was es war, der macht es sich zu einfach. Den Geist, politisch zu reflektieren, werden wir immer haben, doch man muss uns heute auch als Gesamtkunstwerk sehen. Es geht auch um Jazz, um Dichterlesungen, wir haben ein Programmkino, es geht um Gastronomie, es geht um den Erhalt einer historischen Bausubstanz."

Etablierte Helden

Allein die jüngsten Umbauten kosteten 800000 Euro. Zimmerschied meint: "Wenn man sieht, wie das Scharfrichterhaus es geschafft hat, all diese Elemente zu verbinden, mit seinem Etabliertsein umzugehen und dazu ein Programm zu machen, das nicht beliebig ist, dann ist das eine große Leistung."

Manchmal geht Landshuter in die Wohnung im ersten Stock. Dort, über der Bühne, hat Liegl ein paar Zimmer behalten, die mit den fulminanten Stuck- decken. Als sein alter Weggefährte sich vom Scharfrichterhaus verabschiedete, schenkte Landshuter ihm eine Fotografie von Klaffenböck. Es ist eine Schwarz-Weiß-Aufnahme, die das Dampfschiff "Stadt Passau" zeigt, während sie ablegt zu ihrer letzten Fahrt. "Du treibst strom-ab zu neuen Ufern", hat Landshuter in ungelenken Buchstaben daruntergeschrieben.

Und er selbst? Rudert weiter, irgendwie. Landshuter schaut hinaus auf die Donau und sagt: "Die Leute reden gerne von Heldentaten, ich glaube, die meisten Heldentaten passieren nicht, weil die Menschen so viel Mut haben, sie passieren, weil jemand nicht anders kann." Man könnte auch sagen: Manchmal steht zwischen Sein und Nichts nur ein wenig altes Gemäuer mit einer Bühne.