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Bau, Steine, Erden

Sie haben einen Traum. Und viel dafür getan, ihn zu verwirklichen. Mit Eigensinn, Beharrlichkeit und Gespür für das Praktikable. Sie sind Macher. Schwärmer, aber mit beiden Beinen auf der Erde. Sie sind Meister ihrer eigenen Art. Sechs Porträts.




Der Sammler

Lois Jurkowitsch, 60, hortet Gebrauchsgegenstände und macht aus ihnen Kunstwerke. Der ehemalige Schankkellner, Bauarbeiter und Kung-Fu-Trainer lebt in Passau in einer Atelierwerkstatt, die früher ein Gasthaus mit Kegelbahn war.

"Mir haben es ganz gewöhnliche Dinge des Alltags angetan, die in Vergessenheit zu geraten drohen: eine Altstadt-Toilettentür, Türgriffe, Ölkannen, Wasserkrüge. Straßenschilder nehme ich nur, wenn ich sie nicht klauen muss. Manche Gegenstände verarbeite ich zu Skulpturen. Oder ich bastle daraus Objekte, die aussehen, als würden sie funktionieren ­ eines zum Beispiel hat ein Sägeblatt und eine Kurbel, aber es taugt zu nichts."

Der Schneckenzüchter

Heinz Hohenthaner, 51, aus Pfarrkirchen ist der einzige Weinbergschnecken-Züchter in Niederbayern. Auf seiner Farm leben mehr als eine Million Tiere ­ der hauptberufliche BMW-Maschinenschlosser verkauft sie an Gastronomen in der Region.

"Ich füttere meine Schnecken mit Topinambur, Sonnenblumen, Ölrüben, Mangold oder Bärlauch. Sie lieben das Grünzeug. Zu den Tieren habe ich schon ein emotionales Verhältnis ­ ein bisschen wie ein Bauer, der jede Kuh im Stall beim Namen nennt. Sie zu schlachten ist deshalb nicht immer einfach.

Meine Zucht war anfänglich größer angelegt. Aber der Kampf gegen die gefräßigen Mäuse ist aussichtslos. Von dem investierten Geld hätt' ich mir leicht einen BMW kaufen können."

Der Nachspürer

Werner Wick, 52, Gartenbauunternehmer aus Velden, hat auf seinem Firmengelände das legendäre Steinmonument Stonehenge nachgebaut. Die bis zu 60 Tonnen schweren Monolithe dafür holte er aus Steinbrüchen im Bayerischen Wald.

"Vor 31 Jahren war ich das erste Mal in Stonehenge, seitdem wusste ich, dass ich das irgendwann selbst bauen muss. Aber ich bin kein Spinner. Ich wollte einfach wissen, wie das geht, nachempfinden, welche unglaubliche Leistung die Menschen damals erbracht haben. Mir standen moderne Transportmittel und ein Hydraulikbagger zur Verfügung, trotzdem habe ich noch mehrere Monate für die Errichtung der ersten Steintore gebraucht. Und den Rest schaffe ich auch noch."

Der Turmbauer

Leonhard Salleck, 65, aus Abensberg hat zwei Leidenschaften: Weißbier und Kunst. Nach Plänen von Friedensreich Hundertwasser lässt der Besitzer der Brauerei Kuchlbauer auf dem Firmengelände einen rund 35 Meter hohen Turm bauen.

"Es war schon immer mein Ziel, meine Brauerei für die Besucher möglichst schön zu machen. Ein Tropfen Kunst ist besser als ein Meer von Wissen, heißt es doch. Erst wollte Hundertwasser nicht, aber als er gemerkt hat, da gibt es noch so einen Verrückten wie ihn, war er dabei. Alles lief per Fax, er selbst war nie hier. Jahrelang habe ich mit den Behörden gekämpft, der Turm sollte eigentlich doppelt so hoch werden. Fünfeinhalb Millionen Euro wird er mich kosten. Am 23. April 2009 ist Eröffnung ­ am Tag des Bieres."

Der Cowboy

Marco Meier, 30, ist Geschäftsführer der größten Western-Stadt Europas in Eging am See. Pullman City wurde 1997 von Meiers Vater gegründet und lockt pro Jahr mehr als eine Million Besucher in den Landkreis Passau.

"Bei uns arbeiten rund 160 Menschen, als Kellnerin im Saloon, als Darsteller bei der Western Stunt Show oder im Town Office. Die meisten kommen hier aus der Gegend und haben riesigen Spaß daran, gleichzeitig Geld verdienen und Western spielen zu können. Ich setze den Cowboyhut auch privat kaum noch ab. In Eging hat man sich mittlerweile an den Anblick von Indianern im Supermarkt gewöhnt. Am Anfang hat allerdings kaum jemand daran geglaubt, dass Pullman City Erfolg haben könnte."

Der Fantast

Ludwig Angerer, Angerer der Ältere, 70, aus Biburg, ist vielfach prämierter Architekt, Maler, Bildhauer und Autor. Zu seinen Werken gehören die Biburger Erlöserkapelle, mehrere "Spiegel"-Titel und das Grabmal des Schriftstellers Michael Ende.

"Ich möchte mit meiner Kunst die Fantasie ins Leben zurückbringen, der modernen, erkalteten Welt die verlorene Seele wiedergeben. Nur die gegenständliche Kunst kann nah am Menschen sein. Das merke ich auch daran, dass ich die Herzen der unverbildeten Menschen erreiche. Ich bin überzeugter Christ, und die Religion wird für mich und meine Kunst immer wichtiger.

Auf mich kommen öfter Esoteriker zu, denn in meinen Bildern ist die Sehnsucht nach dem ganz anderen sichtbar. Aber die sind dann immer enttäuscht von mir, weil ich nicht über dem Boden schwebe, sondern ein handfester Bayer bin."