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Das geht. Ein Heft über begründete Zuversicht
• Sind die Zeiten gerade besonders schwer – oder reden wir sie uns nur schlecht? Ich frage mich das oft. Dann schalte ich die Tagesschau aus und suche nach den anderen, den besseren Nachrichten. Und die finden sich immer, zu jeder Zeit.
Die vorliegende Ausgabe ist dafür ein Beleg. Denn sie sammelt brand eins Artikel aus den vergangenen zehn Jahren, die alle eines gemein haben: Sie erzählen von schwierigen Umständen, Tiefschlägen, gefährlichen Entwicklungen. Und davon, wie Menschen ihren Ausweg gefunden haben. Das tut gut, das regt an, das macht Mut. Das ist die Voraussetzung für die Zuversicht, die wir meinen.
Denn die hat nichts damit zu tun, Schwierigkeiten auszublenden oder schönzureden. Stattdessen hilft: genau hinsehen und prüfen, wo es welchen Ausweg gibt.
Florence Gaub / Foto: Debora Mittelstaedt
Wie das geht, zeigt Florence Gaub, Zukunftsforscherin bei der Nato, und eine Frau, die sich ganz gewiss nichts vormacht, wenn es um die weltpolitischen Verwerfungen geht. Dennoch kann sie der aktuellen Situation etwas Gutes abgewinnen.
Für die Sozialphilosophin Rahel Jaeggi führt kein Weg an der Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Konflikten vorbei, weil in Krisen das Potenzial für Fortschritt steckt. Anne Koark würde das unterschreiben: Sie nutzte die Erfahrung mit der Insolvenz für den Aufbau einer neuen Existenz.
Venner Moor bei Osnabrück / Foto: Patrick Pollmeier
Wer erst einmal verstanden hat, dass nichts ausweglos ist, der schreckt auch vor den ganz dicken Brettern nicht zurück. So hat sich der ehemalige Marketingmanager Alexander Kornelsen zusammen mit seiner Frau vorgenommen, weltweit Moore zu retten.
Im sächsischen Döbeln kämpft Clemens Albrecht mit der Zivilgesellschaft für Toleranz und Demokratie. Und im bitterarmen Armenien ist nur deshalb ein besonderes Bildungskonzept entstanden, weil sich Auslandsarmenier ebenso verantwortlich fühlen wie Lehrerinnen im Land.
Verein Treibhaus in Döbeln / Foto: Iona Dutz
Mohnblume / Foto: Stefan Ostermeier
Wird das aber ausreichen, um unseren Lebensraum lebenswert zu erhalten? Laut Statistischem Bundesamt verschwinden in Deutschland täglich mehr als 70 Fußballfelder unter Beton, als hätte es die Berichte über überhitzte Städte und überschwemmte Stadtviertel nie gegeben. Das eine ist eben Wirtschaft, das andere Natur? Wenn Sie beim Blättern im Heft zu einer hinreißenden Mohnblume gelangen, können Sie lesen, dass auch Natur Wirtschaft ist. Und zu retten.
Frank Bourassa / Illustration: Tine Fetz
Ob auch das Interview mit Frank Bourassa Mut macht? Ansichtssache. Der Kanadier seziert im Gespräch mit Holger Fröhlich seine Karriere, die ihn zu einem der größten Geldfälscher der Geschichte werden ließ. Und das ist genauso atemberaubend wie die Antwort auf die Frage, warum er am Ende mit 250 Millionen Blüten straffrei ausging.
Vielleicht nicht das ganz große Vorbild. Aber seine Story macht gute Laune. Und die brauchen wir genauso wie gute Ideen. --
Gabriele Fischer, Chefredakteurin